Autor
|
Thema: "Zwei Lichte" (Gelesen 2703 mal)
|
Peter
WurzelWerk Mitglied
  
Geschlecht: 
Beiträge: 1645
|
Hallo Leute, ich bin hier beim Abgrasen und Nachvollziehen diverser Weltanschauungen so zufällig auf was scheinbar grundsätzliches gestoßen. Für viele von Euch mag es vielleicht trivial (im Sinne von "längst-abgehandelt") sein, ich finds doch bemerkenswert genug, um es anzusprechen. Und zwar entstand in dieser Diskussion hier eine schöne Annäherung im Ergebnis zwischen morgane und mir. Weiterdenkend fand ich dann etliche interessante Assoziationen. Das auch von da her, dass ich schon lange der Meinung bin, dass ich die verbreitete Ablehnung des Christlichen in der modernen Spiritualität und speziell im Neuheidentum eigentlich nicht gerechtfertigt finde, weil man in den Ergebnissen doch oft auf dieselben Einsichten kommen kann, jedenfalls wenn man den Blick eher auf die mystischen oder gnostischen Inhalte richtet. Kurz wiederholt: mir scheint, dass in den mystischen Traditionen vor allem die Beziehung Geist-Seele betrachtet wird, und in den neuheidnischen vor allem die Beziehung Körper-Seele. Wenn wir jetzt mal diverse Aversionen und Kritiken gegen die m.o.w. mißglückte christliche Massenreligion aussen vor lassen, dann bleibt immerhin die Frage: wie kommt es zu diesem Unterschied, und was hat er zu bedeuten? So richtig deutlich wird das, wenn man sich die einfachsten Rituale der praktischen Magie anschaut. In praktisch allen Hexenbüchern ist das erste gelehrte Ritual die "Erdung", und das sieht weitgehend so aus, dass man den Kontakt zum Boden fühlt und Wurzeln in die Erde entwickelt, um dann mit der daraus bezogenen Energie zu "wachsen", ganz im Sinne eines Organismus, idem, eines Körpers. Ganz im Gegensatz dazu die Rituale aus dem mystischen/gnostischen/kabbalistischen Umfeld, die zB so aussehen wie hier: da wird die Energie von oben bezogen. Also: sind das zwei verschiedene Energien - oder sind es womöglich zwei verschiedene Seelen? Hat es was mit männlich-weiblich zu tun? Oder fehlt da irgendwo ein wesentliches Bindeglied? Dazu noch ein Zitat von Theophrastus dem Paracelsus, von dem ich mir den Titel geliehen hab: Zwei Lichte hat Gott den Menschen gegeben, aus denen die Menschen erkennen sollen, das Licht der Natur und das Licht der Gnade. Es ist aber eingerissen die Logica, dieselbig hat verblendet das Licht der Natur, und das Licht der Weisheit, und eingefuehrt eine fremde Doktrin, dieselbig hat beide Weisheit zwischen Stuehl und Baenke niedergesetzt. Das seind diejenigen, so vor Christo angefangen, das Licht des Ewigen und der Natur zu verloeschen, und also ist durch sie verdunkelt die Wahrheit beider Lichter. Auf das merket, dass Christus und die seinen dem Lichte der Natur nichts genommen haben. Aber der pharisaeische Sauerteig derer, die in den Schulen wandeln, der Natur ihre Macht brechen und nehmen wollen ---, und sie selbst folgen weder Christo, noch dem natuerlichen Licht. Lieben Gruß Peter
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
morgane
|
Hi Peter! Die "zwei lichte" zu vertauschen, also mit dem herzen zu denken und mit dem hirn zu fühlen, diese forderung hat auch G. Mayrinck schon postuliert in seinem buch "der engel vom westlichen fenster".
Die MA magie, zugegeben eine richtige männersache, hat nicht nur die energie einzig von oben bezogen, weil sie ja in einem christlich dualistischen weltbild gefangen war (oben = göttlich, unten = irdisch = des teufels). Auch der magische kreis war dort in erster linie ein schutzkreis vor den beschworenen geistern, die dem magier ZU DIENEN hatten. Also das innen und das außen waren völlig konträre und abgeschlossene bereiche, was das christliche weltbild ja auch bis jetzt beibehalten hat. Von integrieren und verbinden war damals keine rede. Die naturgegebene urverbindung war bereits getrennt, und die bewusste wiederverbindung eine sache der postpsychotherapeutischen zeiten - und damit der neuheidnischen hexenszene, mit sicherlich weiblichen konnotationen.
Das hexische weltbild ist natürlich grundverschieden vom mittelalterlichen. Unten = irdisch = körper, psyche = gut, oben = geist = göttlich = gut. Es gibt hier keinen dualismus, folgerichtig keinen teufel, denn das weltbild orientiert sich eben nach vorchristlichen naturreligionen, die aus der zeit der ursymbiose stammen. Das licht leuchtet überall, integration ist das neue zauberwort.
lg morgane
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....
|
|
|
IMH
Gast
|
Hallo lieber Peter und hallo Morgane.
Peter, ich denke, dass diese "zwei Lichte" aus zwei verschiedenen außerkörperlichen Richtungen kommen. Und eigentlich trifft es das Wort Licht nicht so genau. Es sind zwei Strömungen in der irdischen Magie - sofern ich Deinen Beitrag für mich richtig interpretiert habe. Die erdige Strömung ist die "unsere"; die der Erde: alles was mit den Elementen, den Jahreszeiten, Fruchtbarkeit, Unterwelt, udg. zu tun hat. Was von manchen Wesenheiten "die Alte Magie (oder Ähnlich)" genannt wird. Die andere Strömung ist die "Universelle", die aus dem "Weltall" Kommende. Alles, wo es um einen "göttliches Irgendwas, das von oben kommt" geht. Reiki, Engel und wie Du fest gestellt hast: auch die kabalistischen Techniken. Es ist eine Strömung die auch alt, aber nicht die "Erdige" ist. Sie steht der "Erdigen Strömung" nicht im Gegensatz (wohl aber in der natürlichen Anziehungskraft zwischen den Elementen. Wird deswegen auch oft als "Fünftes Element" bezeichnet). Vielmehr ist die Erd-Strömung ein Teil der universellen Strömung - aber eben die hießige mit den "hauseigenen Rechten".
Das wesentliche Bindeglied, das Du vielliecht suchst, könnte der Mensch sein - der Mensch, der beides in sich vereinen kann, damit er "balanciert" ist. Es gibt da einen Spruch: "Wir stecken die Füße in die Erde und den Kopf in den Wind". Ich denke, der drückt das ganz gut aus. Dass die Erde weiblich ist (dem ich zustimmen möchte), ist eine von "Mensch" geschaffene Definition. Aber warum die kosmische Strömung männlich sein soll wüsst ich nicht. Ich könnte da auch kein Geschlecht zuordnen. Kosmos ist groß und bunt ;-)
Ich für meinen Teil arbeite in beide Richtungen. Meine Erdungsübung wird durch eine Verbindungsübung zum Kosmos ergänzt. Danacht bin ich 50 / 50 und es passt.
Die Erdige Hadische
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
Uhanek
|
Es gibt hier keinen dualismus, folgerichtig keinen teufel, denn das weltbild orientiert sich eben nach vorchristlichen naturreligionen, die aus der zeit der ursymbiose stammen. Das licht leuchtet überall, integration ist das neue zauberwort.
Hallo Morgane, könntest Du mal erklären, was genau die "Zeit der Ursymbiose" sein soll? Und wie verortest Du in diesen nichtdualistischen vorchristlichen Naturreligionen aus der Zeit der Ursymbiose die vielen bösen Geister, Teufel, Dämonen und Hexen, derer man sich durch allerlei Magie oder durch die Hilfe von z.B. Schamanen erwehren will? Uhanek
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
morgane
|
Hi Uhanek! Zeitlich genau kann ich die periode der symbiose jetzt natürlich nicht eingrenzen, weil ich nicht weiß, wie alt die menschheit wirklich ist. Ich habe damit gemeint, eine entwicklungsphase, in der das ich noch nicht so ausdifferenziert dem nicht - ich (außenwelt) gegenüber gestanden ist. M.e. ist die kognitive entwicklung der menschheit in etwa der kogn. entw. des einzelindividuums analog. Eine zeit, in der die menschen eine natürliche, unbewusste naturverbundenheit hatten (baby -und kleinkindphase) - im gegensatz zu heute, wo die ichentwicklung bereits statt gefunden hat (adoleszenz) und die menschen beginnen, sich bewusst auf ihre natur rückzubesinnen (reife). So in etwa. In diesem kontext wäre die zeit der monotheistischen religionen die zeit der ausdifferenzierung des ich.
Schamanismus geht ja, soweit mir bekannt, sehr wohl von anderen welten aus, die der schamane bereist, um verlorenen seelenanteile wieder zu bringen, aber die teufels - und hexenvorstellungen dürften nicht ganz so alt sein.
lg morgane
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....
|
|
|
|
Uhanek
|
Zeitlich genau kann ich die periode der symbiose jetzt natürlich nicht eingrenzen, weil ich nicht weiß, wie alt die menschheit wirklich ist. Ich habe damit gemeint, eine entwicklungsphase, in der das ich noch nicht so ausdifferenziert dem nicht - ich (außenwelt) gegenüber gestanden ist. M.e. ist die kognitive entwicklung der menschheit in etwa der kogn. entw. des einzelindividuums analog. Eine zeit, in der die menschen eine natürliche, unbewusste naturverbundenheit hatten (baby -und kleinkindphase) - im gegensatz zu heute, wo die ichentwicklung bereits statt gefunden hat (adoleszenz) und die menschen beginnen, sich bewusst auf ihre natur rückzubesinnen (reife). So in etwa. In diesem kontext wäre die zeit der monotheistischen religionen die zeit der ausdifferenzierung des ich.
Schamanismus geht ja, soweit mir bekannt, sehr wohl von anderen welten aus, die der schamane bereist, um verlorenen seelenanteile wieder zu bringen, aber die teufels - und hexenvorstellungen dürften nicht ganz so alt sein.
 Das klingt wie dieser Kulturevolutionismus des 19. Jahrhunderts, der ja im übrigen eine bedeutende Grundlage auch des Kolonialismus bildete, weil man eben Europa an der Spitze einer solchen kulturellen Evolution gesehen hat, während "die Wilden" Kindern gleichgesetzt wurden ---> http://de.wikipedia.org/wiki/EvolutionismusWorauf stützt Du denn Deine Theorie? Und wieso bist Du der Ansicht, das Ich sei in den nichtchristlichen antiken Hochkulturen allgemein oder vielleicht auch nur bei den Römern und Griechen im besonderen weniger ausdifferenziert gewesen? Was Teufels- und Hexenvorstellungen betrifft, so irrst Du Dich, die sind nämlich sehr alt. Die werden bereits in den altorientalischen Keilschriften, den ältesten schriftlichen Belegen, auf die wir zurückgreifen können, sehr detailliert behandelt. Und Schamanen sind nicht allein mit der Seelenrückholung beschäftigt, sondern auch mit dem Schutz vor bösen Geistern und Hexen. Das sind übrigens oft auch die Bösewichte, die die Seele stehlen. Uhanek
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
Uhanek
|
Was genau muss man sich eigentlich unter einer kleinkindhaften natürlichen, unbewußten Naturverbundenheit vorstellen? Also nach allem, was ich so gelernt habe, und auch nach verschiedenen Begegnungen mit Vertretern sogenannter "Naturvölker", habe ich eher den Eindruck, dass nichtchristliche Angehörige sogenannter "Naturvölker" durchaus sehr bewußte und wache Menschen waren und sind...
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
Peter
WurzelWerk Mitglied
  
Geschlecht: 
Beiträge: 1645
|
Hi morgane!  Meyrink ist allemal exquisit. Muss mir mal ne Werksausgabe besorgen... Und ja, das Thema fasst offenbar noch viel mehr als ich zuerst gedacht hab - sooo ne dicke Tüte wollte ich eigentlich gar nicht aufmachen.  Ich kann mich nicht ganz Deinen Gedanken anschliessen - freu mich natürlich drüber, weil das war ja der Sinn meines Postings, Erfahrungen und Assoziationen dazu zu erfahren. Ich zweifle zB daran, dass das "hexische Weltbild" schon ein Integrieren bewältigt. Ich seh da eher eine starke, sagen wir, Rückbesinnung auf Naturbezogenheit, Körperlichkeit, "Naturmagie", bis hin zu Wellness. Und ich sehe recht wenig Ambition zu..., ja eigentlich Ambition überhaupt und ganz allgemein. Das wird gut sichtbar in den Themen wo Hexen und Heiden sich zB von der Gesellschaft unterdrückt fühlen, und in dieser allgemeinen Idee der Unterlegenheit (die in vielen Zusammenhängen auftaucht und die ich dann auch immer wieder mal anspreche). Ein Magier würde sich kaum unterdrückt fühlen, sondern würde sich den Raum, den er für seine Arbeit braucht, verschaffen - er würde sich auch nicht von einer Staatsmacht unterdrückt fühlen, sondern ggfs. selber manipulativ in die Politik eingreifen (wie ja immer wieder geschehen). Ich sehe da also weniger eine schon erfolgte Integration, sondern eher eine noch offene Polarität. Der traditionelle Magier mag in seinem Machtverständnis totalitär gewesen sein, das neue Heidentum scheint nun eher (und für meinen Geschmack eigentlich etwas zu viel) mit der Ohnmacht zu liebäugeln und sich in Therapien zu ergehen. Mit beidem bin ich in Kontakt gekommen; beides fühlt sich für mich unausgeglichen an: in manchem Magieforum kriegt der Neuling gleich so einen vor den Latz geknallt dass mancher nicht wiederkommt; hier in der Noreia wird jemandem gesagt, such dir erstmal einen Therapeuten. Und ich persönlich nehme wahr, dass ich grade in Bezug auf das "Geistige", wo ich persönlich recht viel mit mache und einiges davon wohl auch als "magisch" bezeichnen könnte (wenn ich denn wert darauf legen würde), hier im WuWe recht wenig Resonanz spüre. Ich würde also diese ganz grobe Unterscheidung zwischen der Geist-Seele Beziehung und der Körper-Seele Beziehung beibehalten und zB dem WuWe eine deutliche Gewichtung zum zweiteren zuschreiben. Und ich hab auch den Eindruck, dass sich die meisten Schulen und Richtungen da in ihrem Schwerpunkt recht deutlich mehr auf der einen oder mehr auf der anderen Seite positionieren. Weitergehend könnte man dann schauen, welche Attribute sich da alles zuordnen lassen. Und möglicherweise ist das sogar ein Ansatz, mit dem man über das männlich-weiblich-Debakel hinauskommt - dass es sich vielleicht um zwei grundlegende Herangehensweisen an die Bewusst-seins-erfahrung handelt, auf die "männlich" und "weiblich" lediglich draufprojiziert wurden, sodass man sie tatsächlich diskutieren könnte, ohne dass dabei irgendwer Position beziehen oder sich in seinen Möglichkeiten eingeschränkt fühlen müsste.  Ups, jetzt bin ich wenig auf Deine Beschreibungen eingegangen. Die kann ich eigentlich auch einfach so stehen lassen, und vielleicht dann auch in der Richtung weiter erkunden.  Lieben Gruß Peter
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
 |