Ja, das finde ich auch. Also zur Sache:
Hallo Hakon,
Die Gründung erfolgte aus der Kritik an den Entwicklungen des British-Traditional Wicca. Unsere Hauptkritik: man versuchte aus Wicca eine Religion nach Vorbild des Christentums zu schaffen, mit festgelegten Dogmen, Abgrenzungen zu anderen Richtungen, die als minderwertig betrachtet werden, Überbetonung der materiellen Ini-Linie, das BOS als eine Art Bibel, Gardner als der einzige Prophet, dem es demütig zu folgen gilt, Überbetonung der (Hetero)Sexualität uvm.
Dass man versuchte, aus Wicca eine Religion nach Art des Christentums zu machen, das erschliesst sich mir nicht, und es kommt mir äusserst unwahrscheinlich vor. Das müsstest du vielleicht näher erläutern?
Dogmen - die ich nicht grundsätzlich negativ sehe - vermag ich auch nicht zu erblicken. Bis auf eines vielleicht, das kein Dogma ist, aber durchaus den Charakter eines Dogmas hier + da angenommen zu haben scheint, und das ist die
Mystifikation. Sie scheint mir tatsächlich einherzugehen mit der Überbetonung der Initiationslinie, zumal diese nicht vergleichbar scheint den Übertragungslinien buddhistischer Schulen, zum Beispiel; vielleicht mangelt es u.a. an Stabilität (der einzelnen Coven); sicher aber mangelt es am Willen zu einer Offenheit, die nicht ALLES "offenbart" , aber doch ein Mindestmass an Urteil auch dem Aussenstehenden erlauben würde.
Das BoS eine Art Bibel? Ich wünschte - cum grano salis - es wäre so. Das wäre besser als eine Freiheit, die Willkür und Beliebigkeit recht sehr ähnelt.
Dass Gardner überbewertet wird, nur, weil er der Erste war, finde ich auch. (Obwohl das wieder nur für die Gardneriens gilt.)
Die Rolle der Heterosexualtät betrifft ja nicht die Dianics, zum Beispiel, aber bei diesen vielen "betrifft nicht" fällt mir eben wieder auf, dass man im Wicca bisher ständig zu Abspaltungen zu neigen schien, und das zusätzlich zur Autonomie der Coven. Da fällt alles auseinander, und am Ende bleibt nur der Name, eine möglicherweise leere, möglicherweise aber auch sehr gut gefüllte Hülle. Aber wenn ich einen Sack aufmache, hätte ich gerne die Garantie, das eine Katze drin ist. Sonst kann ich mir ja gleich ein Los kaufen.
All dies wollten wir ändern. So gibt es bei uns gleichgeschlechtliche Einweihungen und große Riten. Sexualität wird frühestens ab dem 2. Grad in der Magie ausgeübt. Es gibt keine Dogmen, Neuoffenbarungen werden zugelassen, wir anerkennen alle Formen der Religion der großen Göttin als Formen des Wicca, die Selbstweihe wird anerkannt als 1. Grad, es ist möglich, die Götter gegengeschlechtlich zu invozieren usw.
Unsere Traditionslinie geht einerseits auf Lady Sheba und die "American Brotherhood of the Wicca" und andrerseits auf die traditionelle Linie Gardners zurück, wir lassen aber auch Einflüsse aus anderen Richtungen zu.
Egal, ob ich jetzt mit jedem einzelnen Punkt einverstanden bin oder nicht (mit der gleichgeschlechtlichen Einweihung wäre ich es, mit den grossen Riten auch, Sexualität erst ab dem 2. Grad, da käme es darauf an, was der
beinhaltet, bei "Neuoffenbarungen" befürchte ich wieder ungebremste Beliebigkeit,
Anerkennung aller Formen der Religion der grossen Göttin als Wicca das ist der Punkt, dessentwegen mich das Ganze interessiert, da sehe ich Integration anstatt Sektiererei, Anerkennung der Selbstweihe halte ich auch für sinnvoll ) gleich also, ob ich mit allem einverstanden bin oder nicht, ich sehe doch die Möglichkeit, dass man sich hier grenzübergreifend über INHALTE unterhalten und einen KONSENS finden könnte, UND EIN KONSENS IST KEIN DOGMA, VERDAMMT NOCH EINS!!!! (*brüll*)
Die Traditionslinie wäre nur dann wirklich wichtig, wenn die Coven NICHT autonom wären; wenn man Einflüsse anderer Richtungen zuliesse, fände ich das nur bereichernd. Vielleicht kämen dann die Starhawks und die Crowleys, die Gardners und die Budapest endlich dazu, die Gemeinsamkeiten zu betonen, und nicht die Unterschiede - und nicht Gemeinsamkeiten zu leugnen, um das scheinbar sakrosankte INDIVIDUUM nicht preisgeben zu müssen.
Also ist TIW eine traditionelle Gegenrichtung zum BTW in Deutschland. Sozusagen. Mit freifliegend, dianischen usw. Einflüssen.
Das ist auch ein Punkt, der mir persönlich gefällt. (Haut mich!) Ich bin zwar anglophil, bzw. cornwallophil, bzw. walesophil, auch irophil, aber ich bin leider keine Britin und auch keine Irin. Als Hexe bin ich persönlich aber davon überzeugt, dass in einer Naturreligion, Erdreligion, Alten Religion (sprich: Volksreligion) (steinigt mich!!) Land + Leute bzw. Land + Hex zusammen gehören.
Wahrscheinlich spielt das Konzept der "Dorfhexe" im BTW keine grosse Rolle; im Grunde ist das ganze System ungeheuer abstrakt.
Aber für mich hier in einem kleinen gallischen - pardon - niedersächsischen Dorf eben noch abstrakter, als wenn ich in ein kleines britisches Dorf umzöge.
Da ich mir das nicht leisten kann, hätte ich nichts gegen eine deutsche Wicca-Variante.
Gern auch mit KK

Und nachdem ich mich jetzt vollends unmöglich gemacht habe, ziehe ich verprügelt (das antizipier ich mal) von dannen.
LG riv