Autor
|
Thema: Fundierte Ausbildung versus Selbststudium (Gelesen 5144 mal)
|
|
|
|
LaChatte
|
Beides hat seine Vor- und Nachteile.
An meine drei Semester Germanistik und Anglistik denke ich mit einem gewissen Grausen zurück - da war alles so theoretisch und super-intellektuell, und jeglicher Ansatz von Kreativität wurde im Keim erstickt. Da gings nur darum, in die Bibliothek zu gehen, zu sammeln, was die Professoren X und Y dazu geschrieben haben, das zu vergleichen und am Schluss dann noch eine kleine Folgerung daraus zu ziehen. Und die meisten Vorlesungen und Seminare fand ich nur todlangweilig, mit wenigen Ausnahmen.
Andererseits ist es sinnvoll, wenn es klar definierte und standardisierte Diplome gibt; nur könnten diese Lehrgänge möglicherweise anders gestaltet werden.
Selbststudium ist so oder so wichtig und ist für mich eine Selbstverständlichkeit... ich stelle aber immer mal wieder fest, dass ich mit diesem Wissen oft wenig ernst genommen werde. Gerade auf Internetforen erlauben sich manchmal AkademikerInnen einen ziemlich überheblichen Ton mir gegenüber *g* (nein, ich beklage mich nicht. Ich stelle einfach fest.) Und sowieso ist das Internet eine hervorragende Sache, um sich mit anderen auszutauschen und herauszufinden, ob das selbst Studierte Hand und Fuss hat, ob da nicht irgendwo grössere Fehler drin sind...
und Selbststudium kann genauso fundiert sei wie ein angeleitetes, universitäres Studium. Das hängt von der einzelnen Person ab, nicht von den Studienformen selbst. Und auch mit einigen Doktortiteln in der Tasche finden immer noch Menschen Grund genug zu sagen: "da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Heisse Magister, heisse Doktor gar und ziehe schon an die zehen Jahr Herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum - und sehe, dass wir nichts wissen können!"
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
vitom
|
Hallo Baldur
Nix gegen eine fundierte Ausbildung, aber Schulwissen allein genügt nicht. Das soll ein genereller Hinweis sein und bezieht sich in keiner Art und Weise auf den User "Geza", vielmehr aber auf die abstrakte Neuschöpfung "Phänotyp" und seine volkstümliche Bedeutung Typ= typisch= Vorurteil:
Aus der Biographie von Albert Einstein, Albert, deutsch-amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger, weltweit bekannt als Schöpfer der speziellen und allgemeinen Relativitätstheorie. Er ist der wohl berühmteste Naturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts.
Er lernte erst mit drei Jahren sprechen, glänzte aber als Jugendlicher mit seinem Wissen über die Natur sowie mit seiner Fähigkeit, schwierige mathematische Auffassungen zu verstehen. Mit zwölf Jahren lernte er autodidaktisch die euklidische Geometrie.
Als die Familie von Deutschland nach Italien umsiedelte, nutzte Einstein, 15 Jahre alt, die Möglichkeit, die Schule zu verlassen. Er verbrachte ein Jahr mit seinen Eltern in Mailand. In Aarau (Schweiz) machte er sein Abitur und schrieb sich an der Schweizerischen Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich ein. Einstein missfielen die dortigen Unterrichtsmethoden. Oft versäumte er den Unterricht und nutzte die Zeit, um eigenständig Physik zu studieren oder seine Geige zu spielen. Sein Studium schloss er 1900 mit Hilfe der Aufzeichnungen eines Mitschülers ab. Seine Professoren schätzten seine Leistungen gering ein und empfahlen ihn nicht für eine Laufbahn an der Universität.
Grüsse, vitom
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
Die keltische Religion - Meine Vorstellung von einem trinitären Monismus setzt ein unistisches [magisches] Weltbild voraus
|
|
|
|
aichenberc
|
Ich denke, ein akademisches Studium _ohne_ Selbststudieum nebenbei geht nicht - und wenn, dann hat man hinterher son Möglichst-wenig-Aufwand-Studium hingelegt.
Ich denke schon, akademisches Studiumm muss sein. Nicht wegen den Inhalten, die vermittelt werden, sondern vor allem wegen den Methoden, das ist für mich das entscheidende (auch damit man später auch ohne jemanden, der einem die Inhalte vorkaut, wissenschaftlich Arbeiten kann)
Ein reines Selbststudium ohne jeglichen akademischen Beistand? Kann heikel werden (muss es aber nicht), denn es besteht die Gefahr, dass man das Material (Bücher, Quellen usw) noch selsktiver angeht als es ohnehin schon immer der Fall ist, und man keinerlei Ahnung hat von Methoden oder Wissenschaftstheorien.(Wobei ich aus meinem Studium genug Flachzangen kenne, die zwar an der Uni sind, auf die das aber auch zutrifft.)
Wenn schon Selbststudium, dann sollte man sich auch um wissenschaftliche Methoden usw. bemühen - aber das ist an sich kein Problem, Bücher genug gibts drüber auf jeden Fall.
:Aichi
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
"Die, die nur das Mögliche anstreben, erreichen nichts. Nur die, welche nach dem Unmöglichen trachten, erreichen wenigstens das Mögliche." (Bakunin)
|
|
|
Geza
Beschränkte Rechte

Geschlecht: 
Beiträge: 427
|
An meine drei Semester Germanistik und Anglistik denke ich mit einem gewissen Grausen zurück - da war alles so theoretisch und super-intellektuell, und jeglicher Ansatz von Kreativität wurde im Keim erstickt. Da gings nur darum, in die Bibliothek zu gehen, zu sammeln, was die Professoren X und Y dazu geschrieben haben, das zu vergleichen und am Schluss dann noch eine kleine Folgerung daraus zu ziehen. Und die meisten Vorlesungen und Seminare fand ich nur todlangweilig, mit wenigen Ausnahmen. Genauso ging es mir auch. In der ersten Lehrveranstaltung "Aneignung der Sprachkenntnis des Mhd. an Hand des Beispiels Nibelungenlied" wurde nur ein einziges mhd. Wort erklärt (und nichtmal gut): "triuwe". Dann verteilten die Lehrbeauftragten an alle Studenten Referate. Man war also zu faul, selbst zu lehren und delegierte es weiter an die Studenten. Ich meldete mich und bot das Thema an: "Mythen im Nibelungenlied". Das wurde mit der Frage: "Wie wollen sie denn das beweisen" abgelehnt. Ich sagte daraufhin: "Haben Sie schon mal gehört, daß da ein Drache im Text vorkommt und daß Drachen keine realen, sondern mysthische Wesen sind?" Das wurde ignoriert. Also was kann man bei solch einem Studium, bei dem die meisten Studenten die Altgermanistik-Vorlesungen nur besuchen, um ihre Pflichtscheine zu bekommen (worauf sich die Lehrbeauftragten auch einstellen) schon lernen? Wenn man lernt, Literatur zu finden und richtig zu zitieren, dann hat man schon das wichtigste begriffen. Wenn das Interesse an den Vorlesungen fehlt, dann hilft auch ein dreijähriges Studium nicht, einen zu qualifizieren. Hingegen kann ein Selbststudium, dessen Energie sich allein aus dem Interesse für die Sache speist, viel effektiver sein. Ich befasse mich mit der Mythologie seit 24 Jahren und habe deswegen viel mehr Erfahrung, als die meisten Professoren auf diesem Gebiet ("germ. Mythologie" ist kein eigenes Studienfach, sondern dümpelt so nebenbei bei der Skandinavistik und Religionswissenschaft herum, ansatzweise auch bei der Archäologie und bei der heutigen Ethnologie wohl gar nicht mehr). Andererseits ist es sinnvoll, wenn es klar definierte und standardisierte Diplome gibt; nur könnten diese Lehrgänge möglicherweise anders gestaltet werden. Das ist der Nachteil des Selbststudiums: Man kann kein Diplom oder Doktor machen und wird - trotz aller Erfahrung - von der etablierten Wissenschaft nicht anerkannt. Aber das nimmt man ja freiwillig in kauf und hat dafür die Freiheit, sich nur ganz genau mit den Themen befassen zu müssen, daß einen auch wirklich interessiert. Man veröffentlicht seine Bücher dann eben als "populärwissenschaftliche Sachbücher" und hat dabei sogar noch eine größere Verbreitung, als irgendein etabliert-wissenschaftliches Fachbuch. Geza
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
|
Geza
Beschränkte Rechte

Geschlecht: 
Beiträge: 427
|
Hallo B*****,
Du verwechselst Dinge wie "Studium" mit "ausgeübtem Beruf". Sicher ziehlt der Abschluß eines Studiums darauf, mal in einem derartigen Beruf zu arbeiten. Aber das ist nicht zwangsläufig so. Es gibt auch Menschen, die studieren etwas, nur um sich zu bilden.
Um einen Beruf auszuüben, muß man den dort geltenden Anforderungen entsprechen, was oft genug (unabhängig vom Studium) auch noch überprüft wird. Oder es wird die erfolgreiche Abschlußprüfung der Uni als Kriterium genommen. Es kann ja nicht sein, daß jemand ohne einen Nachweis geliefert zu haben, z. B. als Arzt arbeitet.
Nehmen wir mal an, jemand wird Arzt im Selbststudium. Er ist engagiert und ein Talent. Am Ende kennt er sich so gut aus, wie die andern Medizinstudenten. Dieser Selbststudiums-Mediziner darf aber natürlich nicht als Arzt arbeiten. Er muß erst seine Kenntnisse nachweisen. Wenn er also eine entsprechende Prüfung erfolgreich absolviert und nachweist, daß er das nötige Wissen hat, dann könnte er theoretisch auch Arzt werden (vorher war er ja nur Student) und praktizieren. Die Universität hätte die Befugnis, ihn anzuerkennen, trotzdem er die "Pflichtscheine" nicht vorweisen kann. Man würde ihn dann allerdings viel gründlicher prüfen und prüfen müssen, als diejenigen, die ihre Scheine vorweisen können.
Es geht nicht, daß einer ohne eine Abschlußprüfung und ohne eine Urkunde hier einfach einen Beruf ausübt. Das mögen schon die Zünfte nicht, der könnte ja zu einem Konkurrenten werden.
Ich habe ein vollständiges abgeschlossenes Hochschulstudium absolviert an der "Hochschule der Künste" (Heute: Akademie der Künste) in Berlin und bin daher Diplom-Designer und staatlich geprüfter Graphik-Designer. Ich kann und darf also jetzt als Designer oder Graphiker arbeiten. Es kann ja nicht sein, daß jeder Laie einen Strich aufs Papier krakeln darf, und das als Graphik verkauft. Ich darf das, ich habe die Urkunde. Mein Strich wird sich daher qualitativ von Deinem unterscheiden, und ein Kenner sieht das sofort. Und ich darf auch als Designer Web-Design betreiben. Das wäre ja noch schöner, wenn jeder Laie, der einen Rechner hat, sich seine Netzseiten selbst gestalten könnte - wo kämen wir da hin? Nein, er soll sich gefälligst an einen Fachmann wie mich wenden, sonst kommt da eh nichts vernünftiges heraus.
Du hast vielleicht bemerkt, daß vorstehender Absatz satirisch gemeint war. Natürlich gibt es viele Menschen, die sich Web-Design im Selbststudium beigebracht haben und diese Kunst auch kommerziell nutzen. Dagegen ist ja gar nichts zu sagen. Wenn sie Fehler machen, weil das Selbststudium doch nicht so gut war, wie mein Hochschulstudium, dann läuft halt die Website nicht und der Kunde weigert sich, zu zahlen. Übrigens: Trotz meines abgeschlossenen Design-Studiums mit Diplom und Staatsabschluß kann ich Netzseiten nicht gut gestalten. Leider ist nämlich eine Uni-Ausbildung oft in der Praxis gar nicht ausreichend. Deswegen wird von Medizinern der Nachweis eines Praktikums in irgendeinem Krankenhaus verlangt. Und deswegen gibt es sog. "Ethnologen" die das auf einer Uni studiert haben und dennoch keine Ahnung haben. Wie ich in Puncto Netzdesign.
Ein normales Studum der Germanistik verlangt Pflichtscheine in der älteren Richtung genauso, wie in der modernen Fachrichtung. Für mich wären die Pflichtscheine in moderner Germanistik (z. B. die Analyse von Günter Graß-Texten) völlig überflüssig gewesen, Zeitverschwendung, denn ich befasse mich damit ja nur wegen der Mythologie, wegen des Mhd. und Ahd. und alter Texte wie Nibelungenlied, Gudrun, Zaubersprüche usw. Genauso hätte für mich etwa die Beschäftigung mit Ibsen in der neueren Skandinavistik wenig Sinn gehabt, weil mich Edda, Sagas und Runeninschriften interessierten. D. h. ein normales Studium von 3 Jahren verlangt auch noch Engagement auf Nebengebieten. Das alles konnte ich weglassen und mich stattdessen voll mit einem Thema beschäftigen, der Mythologie und Religion, der germ.-dt. Volkskunde, der Geschichte (soweit sie die Germanen betrifft) usw.
Dieses Vorgehen ist also ungleich effektiver für den Zweck, für den ich das Wissen brauche. Nirgends wird vorgeschrieben, daß ein Allsherjargode studiert haben müßte, aber er sollte schon über sein Gebiet alle verfügbaren Informationen und Überlieferungen kennen. Wenn ich nun einmal einmen Fehler mache, also irgendein Lied als Volkslied ansehe, was in Wirklichkeit ein Kunstlied ist, dann hat das keine negativen Folgen. Deswegen muß ich hier nicht so dogmatisch sein, wie etwa jemand, der als Arzt arbeitet. Wenn es irgendwann mal mehr Heiden geben wird, dann wird man vielleicht ein Studium von germ. Mythologie und Religion auf den Unis anbieten, welches dann alle Goden absolvieren müssen wie heute alle christlichen Priester Theologie studieren müssen. Aber bis dahin wird es wohl noch etwas dauern und das Studium der Goden bleibt freiwillig und zwangsläufig ein Selbststudium.
Geza
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
|
|
|
Eldkatten
|
Hallo,
'mal 'ne technische Frage "to whom it may concern": werden bestimmte Namen oder so hier gesperrt, oder warum erscheinen - wie in Gezas vorangegangenem Posting - Sternchen statt der Namen?
Schönen Gruss Herbert
|
|
|
|
|
Gespeichert
|
 Meine Beiträge geben ausschliesslich meine persönliche Meinung wieder, nicht die des Vereins Varnenum e.V ( www.varnenum.de).
|
|
|
|
 |