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Thema: Artikel Beinwell (Gelesen 2377 mal)
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Ganna
FleißigWerkler/in
  
Beiträge: 66
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Wir kochen in jedem Herbst Salbe. In unserem Garten wächst der wie wild. Wurzeln zerkleinern, in Olivenöl sieden, abseihen und mit Bienenwachs mischen. Und was die Toxizität betrifft: da haben sie in den Labors mal wieder die armen Viecher mit dem Zeugs zwangsernährt. Von sowas würde ich auch nen Leberschaden kriegen.
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Still sitzen, nichts tun. der Frühling kommt, und das Gras wächst ganz von allein. (Zenrin Kushu)
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uwe
Gast
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Das mit der Zwangsernährung ist wohl doch etwas hannebüchen. Es gibt nunmal organische Substanzen, die einem klar determinierten Reaktionschema folgen. Da bedarf es keiner Tierversuche, um festzustellen, welche Reaktionsfolgen auftreten werden. Auch sind sogenannte isolierte Stoffe, die als Naturheilmittel angepriesen werden in Langzeitstudien beobachtet worden, um mögliche Nebenwirkungen wahrzunehmen. Die Pestwurz hatte sich jahrelang als sehr gutes Mittel bei Migräne bewährt. Sie enthält dieselben Alkaloide, wie die Beinwellwurzel. Nachdem in Begleistudien die nicht ungefährlichen Nebenwirkungen erkannt wurden und auch der Reaktionskontext transparent wurde, sind diese Praeperate vom Markt genommen worden. In der Vielzahl pharmakologischer Wirkungsspektren wird eine Reaktionslinie erst dann erkannt, wenn die Aufmerksamkeit auf sie gelenkt ist. Kräuter werden allzu oft unterschätzt in ihrer Wirkung. Überdosierungen, langfristiger Gebrauch etc. zeigen gelegentlich ein negatives Wirkungsfeld, das sich nicht unmittelbar bemerkbar macht, sondern versteckt sich entfalten kann.
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DoroThea
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Na ja, da müsste man wohl „längerfristigen“ Gebrauch definieren. Wenn man die Beinwellsalbe bei Prellungen, Zerrungen, Quetschungen, Verstauchungen und zur Anregung der Knochenheilung bei ansonsten intakter Haut einsetzt und 2-3 Wochen Anwendung nicht überschreitet, dann sollte das wohl noch nicht längerfristig sein, oder? Na ja und notfalls kann man das Zeug während des Gipses ja homöopathisch als Symphytum D6 zur Unterstützung und Anregung der Knochenheilung nehmen.
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uwe
Gast
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"langfristig" ist natürlich Definitionssache und von der jeweiligen Pflanze abhängig. Bezüglich der Beinwellpflanze gibt es sogar ziemlich klar bezeichnete Empfehlungen hinsichtlich der Anwendungsdauer, die aber wie schon gesagt sich hauptsächlich auf die innerliche Anwendung beziehen. Leider habe ich die Angaben nicht im Kopf, und da ich auch keinen eigenen Internetzugang habe, kann ich auf meine Unterlagen nicht zurückgreifen. Wenn´s aber interessiert, stelle ich die gesamten Informationen gerne in diesem Forum zur Verfügung.
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DoroThea
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Also was mich betrifft, wüsste ich es wirklich gern, wobei ich hier nicht von innerlicher Anwendung also Einnahme rede, außer homöopathisch s.o. Aber über unsere Haut wird ja bekanntlich auch so Einiges aufgenommen und das sollte man vielleicht doch auch nicht unterschätzen. Also ich melde hiermit mal Interesse an. 
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uwe
Gast
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Dem Wunsch komme ich gerne nach Im Folgenden einiges zu den Inhaltsstoffen der Beinwellwurzel: Die frische oder getrocknete Wurzel enthält Allantoin (0,6-0,8%), Pyrroilizidinalalkaloide (0,3-0,8%), Gerb-, Schleimstoffe und Asparagin. Aufgrund des Anteils der Alkaloide kann eine Anwendung problematisch sein.Diese Alkaloide werden schnell resorbiert (über das Blut aufgenommen) und in der Leber in biochemische Strukturen verwandelt, die unvorteilhaft mit Proteinen und Nucleinsäuren reagieren. In diesem Kontext entstehen im ungünstigsten Fall (es gibt verschiedene Reaktionsvarianten) Pyrrolverbindungen, die die Leber soweit schädigen können, dass es zu in Zirrhose übergehende Veränderungen kommen kann. Besagte Alkaloide konnten weltweit in bisher über 3oo Arten, hauptsächlich Korbblüter (Asteracea) und Borretschgewächsen (Boraginaceae) nachgewiesen werden. Sie gelten im Terminus der Pharmkologie als heptatoxisch (leberschädigend), mutagen, carcinogen und teratogen (angeborene körperliche Mißbildungen begünstigend). Das Weidevieh meidet intuitiv gewisse Kreuzkräuter (Senecio vulgaris, Senecio jacobaea). Es wurde schon beobachtet, das Heu oder Silage mit hohem Kreuzkrautanteil zu Leberzirrhose bei Kühen geführt hat. Bei einer äußerlichen Anwendung sollte eine maximale Dosierung von 100 Mikrogramm nicht überschritten werden, bei einer inneren beträgt die Maximaldosis 1 Mikrogramm. 10g der Wurzeldroge enthalten maximal 80 Mikrogramm. Die Anwendung sollte nach spätestens 6 Wochen beendet sein. Schwangeren und stillenden Müttern wird nahegelegt, grundsätzlich dies Droge nicht zu gebrauchen. Interessanterweise zeigt sich am Beispiel der Beinwellpflanze, dass eine ganzheitliche Komponente nicht immer sinnvoll zu sein scheint. Die positiven und negativen Wirkungsfelder liegen eng beinander und führen zu einer ungünstigen Einschätzung der natürlichen Substanz. Allantoin, als isolierte Stofflichkeit, beseitigt abgestorbenes Gewebe, dient der Zellproliferation (Vermehrung des Zellgewebes) und Epithelisierung (begünstigt die Bildung der obersten Hautschicht), hat aber keine antiseptische Wirkung. Künstlich hergestellt, ist es Bestandteil verschiedener Kosmetika. Die moderne Pythotherapie verwendet Beinwellsalbe nur bei Prerllungen, Verstauchungen, Verrenkungen, Gelenkbeschwerden etc. und verweist darauf, dass eine Anwendung nur bei intakter Haut vorgenommen werden soll (Resorptionsfähigkeit der Alkaloide!). Ergänzend möchte ich noch den Originaltext in einer hochdeutschen Anpassung von Hildegard von Bingen hinzufügen. Wie in vielen ihrer Beschreibungen ist sie im Kontext der frühen pharmakologischen Literatur in ihren Ansichten einzigartig.Der Gebrauch des Beinwell beI Verletzungen und Geschwüren wird in ihrer Darstellung über einen innerlichen Gebrauch vollzogen. "Der Beinwell ist kalt. Und wenn ein Mensch ihn ohne Vernunft ißt, gibt er alle Säfte, die in ihm recht eingerichtet sind, preis. Aber wenn ein Glied im Menschen preisgegeben und geschwürig und verwundet ist und wenn er ihn dann ißt, folgt er jenem Schleim, der dort heraustritt, plötzlich nach und den Schleim und die Geschwüre heilt er oben an der Haut und nicht inwendig im Fleisch. Und das hat eine Ähnlichkeit, wie wenn Steine in eine große Grube geworfen werden, damit sie das Wasser am Ausfließen hindern, wie es in einer Verbauung ist, und wenn das Wasser nicht ausfließen kann, bleibt es in der Tiefe sitzen. Und auf diese Weise werden Würmlein und allerlei Schlimmes innen bleiben, wenn sie verhindert werden auszufließen. So heilt der Beinwell, wenn er unrichtig und in nicht rechter Weise gegessen wird, die Geschwüre äußerlich, und allerlei Fauliges schickt er nach unten." Ihre Beschreibung, würde man sie auf eine äußere Anwendung übertragen, entspricht durchaus dem modernen pharmakologischen Erkenntnisstand. Beinwell ist nicht in der Lage infiziertes Gewebe zu reinigen und bildet Zellstrukturen an der obersten Hautschicht (Epithelisierung) und könnte demnach eine nicht ausgeheilte Wunde schieißen
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DoroThea
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Hallo Uwe, zunächst mal vielen herzlichen Dank für Deine Mühe  und die ausführliche Darstellung. Musste mehrmals lesen, um halbwegs zu verstehen.  Ich habe jetzt zwar nicht gerade den Überblick, wieviel Mikrogramm in einer Salbe pro Auftragung auf die Haut gelangen, entnehme aber, das in den hier erwähnten Fällen z.B. Knie-Op für einen Anwendungszeitraum von 2-3 Wochen die positive Wirkung der Pflanze überwiegt. „...Und wenn ein Mensch ihn ohne Vernunft isst ...“ ja ja die Dosis macht das Gift ...  Hab Deinen Text mal gleich ausgedruckt und in mein Pflanzenbuch gelegt. Danke und *winke* DoroThea
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Ganna
FleißigWerkler/in
  
Beiträge: 66
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Und bitte nicht vergessen, mal zu überlegen, wem das Verbot von Naturheilmitteln letztlich dienen könnte?
Gruß Ganna
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Still sitzen, nichts tun. der Frühling kommt, und das Gras wächst ganz von allein. (Zenrin Kushu)
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