Ist es legitim einfach so zu sagen, dass irgendjemandes Gott irgend jemandes anderem Gott entspräche??
Ich denk nicht, dass man das so pauschal sagen kann. Vor allem in diesem Zusammenhang nicht, denn die beiden Optionen (entweder ist Christentum unwahr oder deren Gott ist identisch mit anderen) widersprechen sich finde ich: Wenn man den christl. Gott für identisch mit anderen Gottheiten hält, ist das ja ne Aussage, dass das der Glaube des Christentums unwahr ist - denn immerhin ist ein fundamentaler Glaubenssatz (inzwischen), dass es keinen anderen Gott gibt.
Demnach ist meine Meinung, dass wer den christl. Gott für identisch mit Göttern nicht-monotheistischer und nicht auf die Bibel bezogener Religionen hält, das Christentum somit als unwahr wahrnimmt.
Das gleiche sehe ich im Bezug auf die immer wiederkehrende These, die Christen hätten eh nur heidnsiches "geklaut": Diese Annahme unterstellt ja in sehr offensiver Art und Weise, dass das Christentum unwahr ist, oder nicht?
Klar, man kann auch sagen, dass das nur heisst, dass das Christentum nur eine der möglichen Wahrheiten vertritt - aber da das der Selbstauffassug des Christentums relativ widerspricht rutscht das Christentum wieder in die Kategorie "unwahr" ab.
Die These, dass die christliche Religion nur von Heiden geklaut hätte hängt finde ich überingens auch in sofern mit dem
zusammen, als dass genau diese These (und die dazugehörige Argumentation) aus dem "Dritten Reich" stammen (wie auch
Ist ohnehin witzig, wie sehr die Theorien, die der "Allsherjargode" (und auch andrer Heiden, nicht nur aus dem politisch rechten Spektrum) vertreitet, den Rasse- und Volkskundetheorien der dunkeln zwölf Jahre ähneln.
Das fängt an bei
[1.] der germanischen Kontinuitätsthese (dass die germanische Kultur, die germanische ("Volks")Seele bis heute überdauert haben - natürlich am reinsten in den Deutschen) , geht weiter über
[2.]den Gedanken, dass "germanische Kultur" (bzw. die deutsche als ihr einzig legitimer Nachfolger) die höchste aller Kulturen ist und hört
[3.] auf bei rassistisch argumentierender "Wesenhaftigkeit". Als viertes wäre auch noch die in der "Heidenszene" oft anzutreffende Ansicht,
[4.]
dass das Christentum eigentlich nur eine Überdeckung der vorchristlich-germanischen Ideen und desehalb nicht "wesensgemäß" sei (auch wenn das Wort "wesensgemäß" oft nicht benutzt wird, sondern diese Umstand länger umschrieben wird).
Diese Argumentation steht letztlich
in der "Tradition" von NS-Größen wie den bereits erwähnten Eugen Fehrle, Hans F.K. Günther aber auch Alfred Rosenberg, Matthes Ziegeler und Heinrich Himmler (sprich: sie entspricht der Ideologie von NS-Einrichtungen wie dem "Amt Rosenberg" und der SS-"Forschungsgemeinschaft 'Das Ahnenerbe'") - mit dem Unterschied, dass diese offen aussprachen, dass sie das Christentum als "artfermd" und "verjudet" ansahen, was man ja in der "Heidenszene" zugegebenermaßen nur selten derart zugespitzt zu hören bekommt.
Das heisst freilich nicht, dass die Leute in der "Heidenszene", die so argumentieren, ihre Argumentation direkt von den "Wissenschaftlern" von damals beziehen - das ist zwar bei manchen sicher der Fall - aber es zeigt denke ich doch sehr eindrucksvoll, wie lange diese Ideen überlebt haben und wie populär sie nach wie vor sind.[Quellen dazu:]
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Assion, Peter: Was Mythos unseres Volkes ist. Zum Werden und Wirken des NS- Volkskundlers Eugen Fehrle. Zeitschrift für Volkskunde 81 (1985) S. 220-244
Bausinger, Hermann: Volkskunde und Volkstumsarbeit im Nationalsozialismus. In: Gerndt, Helge (Hrsg.): Volkskunde im Nationalsozialismus. Referate und Diskussionen einer Tagung. München 1987, S. 131- 142.
Jeggle, Utz: Volkskunde im 20. Jahrhundert. In Brednich, Rolf (Hrsg.): Grundriß der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie. Berlin 1994, S. 51- 73.
Kaschuba, Wolfgang: Verwicklungen: Vom „Volkstum“ zur „Volksgemeinschaft“. In: Einführung in die Europäische Ethnologie. München 2003, S. 54- 78.
Lixfeld, Hannjost: Die deutsche Forschungsgemeinschaft und die Dachverbände der deutschen Volkskunde im Dritten Reich. In: Gerndt, Helge (Hrsg.): Volkskunde im Nationalsozialismus. Referate und Diskussionen einer Tagung. München 1987, S. 69-82.
Lixfeld, Hannjost/ Lixfeld, Gisela: Verstrickung und Schuld. Volkskunde im Nationalsozialismus 1933 bis 1945. In: Jacobeit, Wolfgang/ Lixfeld, Hannjost/Bockhorn, Olaf (Hrsg.): Völkische Wissenschaft. Gestalten und Tendenzen der deutschen und österreichischen Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wien, Köln, Weimar 1994, S. 139- 334.
Weber- Kellermann, Ingeborg/ Bimmer, Andreas C./ Becker, Siegfried (Hrsg.): Die Volkskunde in der Zeit des Nationalsozialismus. In: Einführung in die Volkskunde/Europäische Ethnologie. Stuttgart 1985, S. 103-114.
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Ich stimme dabei zwar nicht mit allen Aussagen in diesen Quellen überein, aber sie vermitteln einen guten Überblick auch über kontroverse Positionen zu diesem Thema (gerade was die Schuld oder Unschuld div. Forscherpersönlichkeiten anbelangt).
Und ich bin im Übringen nicht der Meinung, dass dieses Thema nur dazu taugt, gegen GvN zu argumentieren - immerhin sind große Teile dieser Theorien immernoch (manchmel mehr, manchmal weniger)
latent in der gesamten Heidenszene vorhanden (egal ob bei politisch Rechten oder Linken).
Z.B. dann, wenn es darum geht, wie "die" Germanen aussahen, was ihr "Wesen" war, oder wenn es um die Rolle des Christenums und/oder die Christianisierung geht.
Allein schon die Auffassung, es habe "die" Germanen als klar abgenzbare Gruppe gegeben, ist recht typisch für die völkischen deutschen Wissenschaften des späten 19. und des frühen 2. Jahrhunderts (nicht erst des "Dritten Reiches").
[Wobei man im Bezug auf die völkischen Wissenschaften und ihre Konzepte und Ideen auch die Vorgänge der Identitätsbildung von Gruppen resp. Ethnien - also die Ethnogenese - miteinbeziehen sollte, aber hier wirds OT in diesem Thread]
Die Problematik ist, dass dieses latent vorhandenen Ideen nicht hinterfragt und/oder als problematisch (und unhaltbar bzw. unwissenschaftlich werden) erkannt werden - eine Struktur also, wie sie für das "
rassistische Wissen" typisch ist.
Wie gesagt, damit meine ich nicht nur GvN.