Hiho!
Als Fest der Reinigung, des Neuanfangs und der Fruchtbarkeit sehe ich Beltane. Ich habe dieses Jahr erstmals in einer Gruppe mitgemacht, wo jeder/jede eigenverantwortlich und selbstbestimmt (*zwinkert zu McClaudia*

) ein Ziel festlegt, das er/sie innerhalb des kommenden Jahres erreichen zu können glaubt. Und zwar ein Ziel der persönlichen Entwicklung, nicht ein Äußeres.
Zur Illustration:
Nicht 'Ich kriege einen neuen BMW.', sondern 'Ich reagiere auf Verletzung durch verstärkte Klarheit.' (nur mal als schnell ausgedachtes Beispiel!).
Um dieses Ziel nicht zu verlieren im Alltagsgetümmel 'bastelt' jede/jeder einen Besen oder einen Stab, der im nächsten Jahr rituell verbrannt wird, falls das Ziel erreicht wurde. Die Einschätzung unterliegt jedem/jeder selbst. Wer Gespräche oder Hilfe möchte, ist in der Gruppe willkommen, und es herrscht die Regel, daß alles eben so lange dauert wie es dauert: Prozesse gehen vor.
Also: Falls sich jemand mit irgendetwas konfrontiert sieht, mit dem er/sie nicht klarkommt, widmet sich die Gruppe der Problematik, und bis zur Klärung wird der rituelle Ablauf unterbrochen.
Alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind also aufgefordert, den Heilsbereich (Schutzkreis, spirituelle Reinigung des Platzes, Ritualfeuer, Altäre mit persönlichen Gegenstände, solche Dinge sind eh klar) zu nutzen, um in der Geborgenheit einer aufmerksamen, respektvollen und wohlmeinenden Gruppe und im Zustand der Reinheit (das Feuer reinigt, indem es alles, was wir loslassen bzw. loshaben wollen, verbrennt und zu den Göttern mitnimmt, wie auch unsere Gebete) den eigenen Dämonen mutig entgegentreten zu können, wie es im Alltag niemals möglich wäre.
So öffnen sich die Gruppenmitglieder, wobei zusätzliche Sicherheit daraus resultiert, daß die Geschlechter am ersten (Ankunfts-) Tag getrennt werden und sich erst in der Nacht des nächsten Tages wieder treffen. Es bilden sich dadurch für gut einen Tag eine Männer- und eine Frauengruppe, die sich jeweils mit sich selbst beschäftigt. In dieser 'Selbstfindungsphase' ist es also auch für Menschen in einer festen Paarbindung nicht möglich, sich über den anderen zu definieren.
Die Überwindung seiner Problematik, die im 'alten Ziel' lag, sowie den festen Willen, das neue Ziel mit Kraft zu erreichen, beweisen die Teilnehmer mit einem Feuerlauf.
Damit ist die Geschlechtertrennung aufgehoben, und nachdem das Ganze in einer Höhle stattfindet, hört man etwas später dann schon den ein oder anderen Quiekser oder Schrei. Mit Exhibitionismus hat das aber nichts zu tun, sondern mit Vertrauen und Sicherheit!
Von außen mag das gleich ausSEHEN: 'Die treiben 's, und andere können zuschauen.', aber es FÜHLT sich komplett anders an. Natürlich besteht keinerlei 'Vögelzwang', auch nicht durch latenten Gruppenzwang, der respektvolle Umgang miteinander bleibt die oberste Verhaltensmaxime.
Wir halten uns gemeinsam fast nur in der, ziemlich großen, Höhle auf oder direkt davor. Es wird viel getrommelt, gesungen, gemeinsam gekocht und gegessen, aber alles nicht zwanghaft, sondern im Einverständnis. Wenn sich jemand ein wenig zurückziehen will, dann wird er vielleicht gefragt, was los sei, aber erlaubt ist es ihm/ihr und es gibt keinerlei Sanktionen. Nur wenn jemand der Gruppe schadet, muß er/sie Rede und Antwort stehen. Mehr aber auch nicht.
Es gibt noch mehr Dinge am Rande, die einen spirituell intensiven Zustand fördern, wie zum Beispiel die Vereinbarung, grundsätzlich nicht zu 'tratschen' und Small Talk zu betreiben.
Oder, ganz wichtig, Schweigepflicht! Details über einzelne Personen und ihre Prozesse dürfen keinesfalls nach außen getragen werden, außer die/der Betroffene(n) möchte(n) nach der 'Ritualzeit' noch weiter oder mit anderen darüber reden.
Solche Regeln und Vereinbarungen werden vorher in mehreren intensiven Treffen aller kommuniziert und IM KONSENS festgelegt. Sie gelten deswegen als verbindlich.
Aus diesem Zustand der vollkommenen Sicherheit heraus schafft es fast jede/jeder, neue Aspekte in sich zu entdecken, mal ein ernstes Gespräch mit seinen/ihren Dämonen, Drachen und Kobolden zu führen, und ggfs. auch, mal ein etwas 'anderes' sexuelles Erlebnis zu haben - warum denn nicht!
Das Schwierigste ist für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen, danach die Landung im Alltag sauber hinzubekommen...

Seid alle gesegnet.
Andi