Autor Thema: Frauen und Mütter im Buddhismus  (Gelesen 6225 mal)

rivka

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Re: Frauen und Mütter im Buddhismus
« Antwort #8 am: 03. September 2007, 16:35 »

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/>Ei Potz! Ei Doppelpotz!! Wieso das große Erstaunen?
/>

/>Weil ich das nicht wusste, ganz einfach :stunned: !
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

Distelfliege

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Re: Frauen und Mütter im Buddhismus
« Antwort #9 am: 03. September 2007, 18:12 »
Nunja, ich würde das auch gerne wissen, ich gebe zu, ich habe den von McClaudia verlinkten Artikel nur in Auszügen gelesen und den Rest überflogen.
/>Der Kernpunkt der Kritik scheint zu sein, daß der Buddhismus eher der Vergeistigung dienen soll und das Alltagsleben oder das Prioritäten setzen in Bereichen wie Reproduktion gilt angeblich als schlechte Anhaftung.
/>Ich nenne das Weltabgewandtheit, was da kritisiert wird.
/>Und klar ist auch, daß eine solche Weltabgewandtheit mit Mutter sein sicher kaum unter einen Hut zu bringen ist.
/>
/>Die Frage ist jetzt die, wenn Buddha so weltabgewandt hätte sein wollen, wieso ist der dann nicht auf dem asketischen Weg geblieben und ein Extremist geblieben? Nach einem Comic, welches ich über das Leben von Buddha gelesen habe, hat der sich aber gegen die Weltabgewandtheit und Askese ausgesprochen... und symbolisch ein Kännchen Milch gebechert.
/>
/>Ich finde das ganz schön ungnädig und streng, wenn Frauen mit Kind das Gefühl bekommen, sie arbeiten eigentlich GEGEN ihre buddhistischen Prinzipien.
/>
/>
/>

Uhanek

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Re: Frauen und Mütter im Buddhismus
« Antwort #10 am: 03. September 2007, 18:25 »
Also ich habe den Artikel gelesen und erkenne eigentlich kaum etwas von all dem, was ich als Buddhismus gelernt und erlebt habe, dort wieder. Genau genommen habe ich eher den Eindruck, dass die Mutterschaft der Autorin sich eher in einem Konflikt zu dem befindet, was sich die Frau eben bislang so unter Buddhismus vorgestellt hat. Das, was sie dort als wundersame Entdeckung beschreibt, nämlich wie sie jetzt den Alltag in ihren Buddhismus integriert, ist eigentlich ziemlich normal. Das ist, was im Buddhismus getan wird.
/>
/>Kurz: Meines Erachtens beschreibt die Autorin einen Konflikt zwischen ihren eigenen Projektionen auf den Buddhismus und der Realität, auf die sie als Mutter knallt.
/>
/>Uhanek
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/>
Sighs[/list]

Distelfliege

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Re: Frauen und Mütter im Buddhismus
« Antwort #11 am: 03. September 2007, 21:04 »
Hi Uhanek,
/>
/>Aber ist das hierzulande öfters mal so - also daß es da so Meditationsgruppen oder buddhistische Gruppen gibt, wo das einem so krud vermittelt wird, daß man als Kind-in-die-Welt-Setzerin gleich den Wiedergeburtskreislauf, aus dem alle ja raus wollen, forcieren würde? Schließlich lassen sich hochrangige Lamas auch von Frauen wiedergebären. *ggg* Wäre doch Quatsch, das so zu propagieren.
/>
/>Schätzungsweise gibts in allen religiösen Richtungen auch Gemeinden, wo die Leuts komisch drauf sind, das nehme ich mal scharf an... trotzdem interessehalber.
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/>Ich kenne mich mit Buddhismus ja nicht aus, aber mein Eindruck war nicht, daß es da ein unausgesprochendes Vermehrungsverbot gäbe.
/>Ich mein, es geht doch nicht darum, daß man jetzt in seinem konkreten Leben alles von sich schmeisst, und sich nur noch auf den Berg hockt und auf den eigenen Aufstieg oder Tod wartet. Meinem Eindruck nach geht es doch darum, daß man nicht durch Abwenden und Askese zu einer anderen Realität vordringt, sondern daß man, während man halt einfach die rein materialistische Realität nicht als das Wichtigste oder das Einzige nimmt, mit seinem Leben trotzdem noch klarkommt und in diesem normalen Leben auch wirken darf und soll.
/>
/>Also, die Frage wäre eben, welche Grundlage eine in dem Artikel konstatierte Höherbewertung eines mönchischen Lebens in der Lehre denn hätte?
/>

Uhanek

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Re: Frauen und Mütter im Buddhismus
« Antwort #12 am: 03. September 2007, 21:30 »
Aber ist das hierzulande öfters mal so - also daß es da so Meditationsgruppen oder buddhistische Gruppen gibt, wo das einem so krud vermittelt wird, daß man als Kind-in-die-Welt-Setzerin gleich den Wiedergeburtskreislauf, aus dem alle ja raus wollen, forcieren würde?

/>Nee, sowas habe ich noch nie gehört. Wäre eigentlich auch eher manichäisch, als buddhistisch.
/>
/>
/>

/>Also, die Frage wäre eben, welche Grundlage eine in dem Artikel konstatierte Höherbewertung eines mönchischen Lebens in der Lehre denn hätte?
/>
/>

/>Im Hinayana gibt es so etwas. Da ist das monastische Leben und der Rückzug aus der Welt das Ideal. Aber diese Frau schreibt ja offenbar über Mahayana, das sie aber in diversen Punkten gründlich mißverstanden zu haben scheint.
/>
/>Uhanek
/>
/>
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McClaudia

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Re: Frauen und Mütter im Buddhismus
« Antwort #13 am: 03. September 2007, 22:21 »
Slania Uhanek,
/>
/>erstmal danke für Deine Ausführungen.
/>
/>Ich gehe trotzdem nicht davon aus, dass die Autorin alles missverstanden hat. Ich meine, in Tibet selbst dominier(t)en ja auch die Mönche und nicht die Nonnen, und bis vor kurzem durften die Nonnen nicht dieselben hohen Weisheiten, Lehren etc. machen wie die Mönche, oder irr' ich mich?
/>
/>Außerdem gibts ja auch verschiedene Sorten Mahayana-Buddhismus, oder?
/>
/>Und wenn die Autorin erzählt, dass sie in der Meditationsgruppe blöd angeguckt wurde mit ihrem Kind, und dass Mutterschaft zwar supertoll ist für die buddhistische Weiterentwicklung aber - hey - wo sind denn die großartigen Mütter als LEHRENDE (wenn Mutterschaft doch ein hervorragender Weg ist, Bodhisattva-Natur zu erreichen), dann ist m.E. ihre Kritik durchaus berechtigt.
/>
/>Der Dalai Lama war immer ein Mann, nicht? Vielleicht ändert sich das ja mit der nächsten Wiedergeburt, aber bis jetzt war's so. Naja, mir wurscht, der Papst war auch nie ne Frau (abgesehen von der Päpstin Johanna, und das war unabsichtlich). Aber ich mein' ja nur....  ;D
/>
/>Und natürlich ist auch die Kritik der Autorin an Gautama Siddharta selbst berechtigt. Sie hat ja Recht. Der Typ hat sich, so wie die anderen Propheten der Welt auch, wohl kaum mit Pampers und schreienden Babies rumärgern müssen. Aber das ist ja ein grundsätzliches Problem in Patriarchaten, das den Männern Philosophie, Selbstverwirklichung und Erleuchtungssuche leicht macht, weil ja die Mütter die Kinder hüten.
/>
/>Ich möchte jetzt den Buddhismus keinesfalls strenger in mein persönliches Gericht nehmen als andere Religionen. Von allen 5 Weltreligionen ist mir der noch immer der sympathischste. Aber ich finde die Einwände der Autorin durchaus berechtigt. Ich meine, bei den vielen verschiedenen Gemeinden und Lehren, die es gibt, kann sie ja ganz andere Erfahrungen gemacht haben als Du, oder?
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

Uhanek

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Re: Frauen und Mütter im Buddhismus
« Antwort #14 am: 03. September 2007, 22:38 »
Hi McClaudia,
/>
/>vielleicht habe ich es ja nicht deutlich genug gesagt, aber ich habe, Deiner entsprechenden Frage folgend, über Buddhismus gesprochen und nicht über die tibetische oder die altindische Gesellschaft. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
/>
/>Du kritisierst, dass der Dalai Lama bislang immer nur ein Mann war? Nun, möchtest Du über die monastische Tradition der Gelug-Schule in Tibet sprechen? Das ist dann aber etwas anderes, als Deine ursprüngliche Fragestellung über den Buddhismus.
/>
/>Du musst Dir darüber im Klaren sein, dass Vajrayana-Buddhismus sich nicht auf die monastischen Traditionen beschränkt. Es stimmt, dass die Nonnenorden nicht gleichberechtigt neben den Mönchsorden stehen. Derzeit gibt es Bemühungen, das zu verändern. Es gibt allerdings neben der monastischen Tradition, dem roten Sangha, auch noch die nichtmonastische tantrische Tradition, den weißen Sangha, in dem nun wiederum Frauen einen hohen Rang haben und aus dem viele berühmte lehrende Frauen hervorgegangen sind, darunter auch Frauen mit Kindern. Und auch heutzutage gibt es ´ne ganze Reihe von lehrenden Frauen.
/>
/>Die Kritik an Gautama finde ich, entschuldige bitte, einfach lächerlich. Wir sprechen hier von einem Menschen innerhalb der antiken indischen Gesellschaft. Natürlich hat er nicht seine gesamte Lebenswelt vollkommen eingerissen, mit sämtlichen Traditionen, kulturellen Wirklichkeiten und Verhaltensnormen gebrochen und sich auf wundersame Weise in einen Menschen der postmodernen Gesellschaft des frühen 21. Jahrhunderts verwandelt....
/>
/>Und den Artikel, ich sage es jetzt einfach mal etwas deutlicher, finde ich einfach nur bescheuert. Den Alltag zur Praxis zu machen, ist eine buddhistische Selbstverständlichkeit. Die besondere Verantwortung , die man als Eltern für ein Kind übernimmt und die Einsichten, die daraus resultieren, ebenso. Ich selbst habe im Laufe der Jahre verschiedene Lehrer darüber reden hören, darunter auch eine der ganz großen Frauen, nämlich Ihre Eminenz Sakya Jetzun Kushog Chimey Luding Dölkar, selbst Mutter von fünf Kindern --- ich glaube es sind fünf. Auch insofern stehe ich eher verständnislos vor den Ausführungen der Autorin dieses seltsamen Artikels. Dass ein kleines Kind u.U. bei manchen Praxistreffen eher stören mag, finde ich nicht weiter nennenswert. Für die Zeit kann man ja ggf. einen Babysitter organisieren. Andererseits kenne ich es auch so, dass Kinder durchaus ins Geschehen einbezogen werden, wenn sie sich dabei wohl fühlen. Keine Ahnung, was diese Frau meint, für diesbezügliche Probleme "im Buddhismus" entdeckt zu haben.
/>
/>Mein Eindruck ist, dass diese Frau mit sich und ihrer Rolle und Verantwortung als Mutter irgendein Problem hat. Sie erzählt im wesentlichen von sich selbst und davon, wie sie mit ihren ureigensten Vorstellungen vom Buddhismus aufräumt. Hier geht es nicht um Buddhismus, hier geht es nur um die Autorin dieses Textes.
/>
/>LG
/>Uhanek 
/>
/>
/>
/>Edit.: Editieren ist das Exorzieren der Tippteufel...
« Letzte Änderung: 04. September 2007, 20:31 von uhanek »
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McClaudia

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Re: Frauen und Mütter im Buddhismus
« Antwort #15 am: 04. September 2007, 00:04 »
is scho gut, habs verstanden.....
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/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)