Autor Thema: Götterhandphänomen in der Oberlausitz  (Gelesen 10921 mal)

Eldkatten

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Re: Götterhandphänomen in der Oberlausitz
« Antwort #16 am: 30. November 2007, 11:53 »
Hallo Merlin,
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/>die Seite sieht interessant aus, muss ich mal in Ruhe lesen.
/>
/>
(...)
/>Wobei sich bei mir die frage aufwirft: "Zu welchem zweck benötigte der frühmensch einen kalender?"
/>(...)
/>
Inwiefern Wildbeuter einen Kalender brauchen, kann ich nicht sagen, weil sie wohl der Jagdbeute hinterher ziehen und von daher nicht viel über Jahreszeiten wissen müssen.
/>Wer sesshaft ist und Ackerbau betreibt - der Fall liegt wohl bei der sesshaften Viehzucht ähnlich - , braucht aber auf jeden Fall sichere Zeitpunkte für die Vorbereitung des Ackers und die Aussaat, sowie für die Einteilung der Vorräte auf jeden Fall detaillierte Kenntnisse über den Jahresverlauf, also einen Kalender. Die Jahreszeiten hängen von der Erdbahn um die Sonne ab, aber die lässt sich nicht direkt beobachten, und der Mond, der mit seinen Phasen eine grundsätzlich eine feinere Zeitrechnung ermöglicht, hat leider mit den Jahreszeiten nichts zu tun. Früher oder später müssen die Bäuerinnen und Bauern als oauf den trichter mit der Sonnenpeilung kommen: "Wenn ich hier stehe und die Sonne geht über jenem Gipfel auf, dann schlafen wir noch siebenmal und beginnen dann mit der Aussaat." - "Wenn der Sonnenaufgangs-Schatten dieses Pfahls genau jenen anderen Pfahl trifft, haben wir die Hälfte des Winters hinter uns und die Vorräte müssen noch einmal so lange reichen." Dazu wird man sowohl natürliche Formationen genutzt und angepasst, sowie künstliche Vorrichtungen aufgebaut haben. Und dass etwas, das so geheimnisvoll und so lebenswichtig ist, auch Anlass zum Kult ist und Platz in einem solchen findet, ist auch klar.
/>
/>Schönen Gruss
/>Herbert
/>
/>P.S.: ein bisschen Klugscheissern muss sein  :wink1: : Die Menschen, die vor 6000 oder 10000 Jahren gelebt haben, waren keine "Frühmenschen" mehr, sondern genau solche wie wir.

/>Meine Beiträge geben ausschliesslich meine persönliche Meinung wieder, nicht die des Vereins Varnenum e.V (www.varnenum.de).

Bjarka

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Re: Götterhandphänomen in der Oberlausitz
« Antwort #17 am: 30. November 2007, 12:06 »
Zitat
Die Megalithiker waren die direkten Vorfahren der "Heiden". Aus dem Denken und der Weltsicht der Megalithiker entwickelte sich das Heidentum. Solche Steinformationen wurden angelegt, um bestimmte Tage des Jahres fixieren zu können, an denen sich das Jahr "teilt".
/>Aus diesen alten Tagen erhalten haben sich die Grundmuster unserer Sagenwelt. Zentrales Gestirn der Megalithkultur war die Sonne. Genauer gesagt: die Rückkehr der Sonne. Siegfried ist eine jener uralten Gestalten, ein "Sohn der Sonne", ausgesetzt in einem Körbchen in einem Fluss, großgezogen von einer Hirschkuh wird er (als Herrscher über das Neue Jahr) als Prinz zum König. Für ein Jahr. Er entthront seinen Vater (das alte Jahr) und bringt den Frühling mit.
/>Im Laufe der Zeit nahm die Siegfried-Geschichte verschiedenste Formen an. So wurde er von Schmieden erzogen oder sterbliche Herrscher übernahmen seine Geschichte als die eigene (z.B.: Moses oder Sargon). Die Megalithiker sind meiner Meinung nach die Urheber der Sonnenreligionen. Und sie kamen aus Europa.
/>Alle Grundgedanken von Mutter Erde, Vater Himmel, Sonne Mond & Erde (siehe auch Nebrascheibe) sind ihre Werke.
/>Auch die Einäugigkeit des Himmelsgottes geht auf sie zurück. So fand man von Spanien bis Norwegen riesige, verwitterte Felsköpfe mit zwei verschiedenen Augen. Diese Felsköpfe hatten (geschätzes Alter bis 12.000Jahre) bereits die Atemgeburt (Odemgeburt) inne. So empfing der Mensch seinen Geist aus dem Odem des einäugigen Himmelsgottes.
/>Wir wissen leider viel zu wenig über die Megalithiker. Aber es ist zumindestens beruhigend zu wissen, daß sie unsere (der Europäer) Vorfahren sind. Und, daß sie ihre Religion bis nach Ägypten, die Kanaren und bis nach Indien verbreiteten. Selbst die sibirischen Völker tragen die selben Geschichten und Glaubenselemente in ihren "Naturreligionen", sofern diese noch lebendig sind. So z.B. den Weltbaum, der bereits bei den alten Griechen nur noch durch steinerne Säulen repräsentiert wurde.
/>Und selbst Weihnachten (die geweihten / heiligen Nächte oder Rauhnächte) sind noch ein Stück megalithischer Religion. Und der Weihnachtsbaum, was ist er sonst als der Weltbaum, die himmelsstützende Säule. Den Weltbaum einfach Weltesche zu nennen ist ein wenig kurz gegriffen. So gut wie fast jeder Baum war je nach Zeitalter einmal Weltbaum gewesen. Die Dorflinde, die Esche, die Eiche. Einstmals hatte nicht nur jedes Dorf einen eigenen Weltbaum, sondern auch jeder Bauernhof hatte "seinen" Weltbaum. Und heutezutage stellt man immernoch, feierlich geschmückt, zu Weihnachten einen Weltbaum auf. Ohne Baum scheint es nicht zu gehen.
/>
/>Dies alles sind Reste der Megalithkultur. Und - wie wir sehen - gibt es noch immer Reste dieser Urkultur zu entdecken. Schön.
/>
/>Die Kalenderfunktion, hervorgerufen von einfallenden Sonnenstrahlen, findet man auch in vielen Kirchen. Das kommt daher, weil man der heidnischen Bevölkerung keine Kirche darbieten konnte, die nicht an bestimmten Tagen einen Sonnenstrahl darbot, der auf einen bestimmten Punkt zulief. Ohne diese Kalendersonnenstrahlen waren Kirchen keine heiligen Stätten für die heidnische Bevölkerung Deutschlands. Und mit dem Sonnenkalender der Heiden musste man auch ihre Feiertage übernehmen.

/>Ein sehr schöner Beitrag, Seth!  :thumbsup:
/>Da ist viel Wahres dran. Nur das mit der Verbreitung bis Ägypten glaube ich nicht, weil ich das in Ägypten eher als atlantische Kultur ansehe (wie auch die Inka-Kultur). Die indogermanische Megalith-Kultur halte ich für eine andere Kultur, die das hervorbrachte, was Du oben so gut beschrieben hast.

Die Krähe

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Re: Götterhandphänomen in der Oberlausitz
« Antwort #18 am: 30. November 2007, 12:22 »
Hallo Götterhand,
/>
/>obwohl ich eigentlich überhaupt keine Zeit für so was habe, habe ich mich gerade durch Eure tolle Internet-Seite geklickt, und sie gefällt mir sehr gut. Ich mag es, wie Ihr Eure Theorien als solche benennt, Euch kritischen Anfragen stellt, Eure Argumente durch Beobachtungen und Vergleiche stützt und Spekulationen offen kenntlich macht. Spirituell-erfahrungsorientierte Erkenntnisse und wissenschaftliche Belege so zusammenzubringen, daß sie sich nicht widersprechen, ist eine rare und wichtige Kunst. Und die Wörtchen "möglicherweise" "vermutlich" "meiner Meinung nach" "eventuell" und ihre zahlreichen Verwandten halten den Blick offen.
/>
/>Da unterscheidet Ihr Euch wohltuend von denjenigen, die aus Ahnungen Gewißheiten zusammenzementieren, allzu verschwenderisch mit "ist" und "war" umgehen... und gerade dadurch ihre Theorien unglaubwürdig machen.
/>
/>Viel Glück und Erfolg für Eure Erkundungen!
/>Karan
Wir sind in Flammen
/>Tanzen die Nacht in Brand
/>Und das geschriebene Wort
/>Wird Gesang
/>
/>
/>http://www.troubadoura.de

Wælceasig

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Re: Götterhandphänomen in der Oberlausitz
« Antwort #19 am: 30. November 2007, 12:31 »
Spirituell-erfahrungsorientierte Erkenntnisse und wissenschaftliche Belege so zusammenzubringen, daß sie sich nicht widersprechen, ist eine rare und wichtige Kunst. Und die Wörtchen "möglicherweise" "vermutlich" "meiner Meinung nach" "eventuell" und ihre zahlreichen Verwandten halten den Blick offen.
/>
/>Da unterscheidet Ihr Euch wohltuend von denjenigen, die aus Ahnungen Gewißheiten zusammenzementieren, allzu verschwenderisch mit "ist" und "war" umgehen... und gerade dadurch ihre Theorien unglaubwürdig machen.
/>
/>Viel Glück und Erfolg für Eure Erkundungen!
/>

/>Ich schließe mich zu 100% an, und füge beim >allzu verschwenderisch mit "ist" und "war" umgehen< noch ein "wahr" hinzu.  ;D

merlin

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Re: Götterhandphänomen in der Oberlausitz
« Antwort #20 am: 30. November 2007, 13:39 »
Eldkatten. "Wenn ich hier stehe und die Sonne geht über jenem Gipfel auf, dann schlafen wir noch siebenmal und beginnen dann mit der Aussaat." - "Wenn der Sonnenaufgangs-Schatten dieses Pfahls genau jenen anderen Pfahl trifft, haben wir die Hälfte des Winters hinter uns und die Vorräte müssen noch einmal so lange reichen." :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
/>
/>Trotzdem ist das für mich noch nicht unbedingt ein kalender. Ich habe nämlich die erfahrung gemacht, dass wenn ich mich nach z.b. thun kalender (mond) halte, meist das wetter nicht gepaßt hat.
/>
/>Zitat: P.S.: ein bisschen Klugscheissern muss sein  : Die Menschen, die vor 6000 oder 10000 Jahren gelebt haben, waren keine "Frühmenschen" mehr, sondern genau solche wie wir.
/>
/>Bin wahrscheinlich noch in der alten lehrmeinung verhaftet ;D Zugleich wars auch ein bisserl ironisch gemeint, weil für mich beginnt der frühmensch so ca. 200 000 vor unserer zeitrechnung, aber da wissen wir ja recht wenig über ihr leben.
/>
Ewige Blumenkraft - et in Arcadia ego

Götterhand

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Re: Götterhandphänomen in der Oberlausitz
« Antwort #21 am: 01. Dezember 2007, 07:30 »
Alle unsere Objekte sind auf die Bestimmung und Gliederung der kalten Jahreszeit ausgerichtet. Beobachtungsmöglichkeiten für die Sommersonnenwende wurden nicht gefunden.
/>
/>Die Wissenschaft ist gegenwärtig nur in der Lage bis 3000 Jahre vor der Zeitrechnung zuverlässige astronomische Aussagen zu treffen. In dieser Zeit stand die Sonne nie tiefer als 14°. Der von uns gemessene Beobachtungswinkel beträgt jedoch 12,5°. Für die Eiszeit ist sich die Wissenschaft weitestgehend einig, dass die Erdachse eine bedeutend größere Neigung besaß.
/>
/>Zu jener Zeit war die betreffende Region baumlos. Laubfall konnte den Winter nicht ankündigen.
/>Die umherstreifenden Jäger waren jedoch gezwungen rechtzeitig Winterquartiere zu errichten und Vorräte anzulegen. Ein zuverlässiger Kalender war möglicherweise überlebensnotwendig.
/>
/>Die relative Vielzahl an Objekten deutet auf dezentrale Strukturen. Jede Familie oder Stamm besaß offenbar ihren eigenen Kalender.
/>
/>Eine Folgenutzung der Objekte durch ackerbaubetreibende Kulturen scheint wahrscheinlich. Eines unserer  Objekt befindet sich auf dem Czorneboh. Dieser Berg ist aus dem sorbischen als Frageberg überliefert. Möglicherweise war das sagenhafte „Orakel“ ein Kalender.   
/>
/>Das ist in verkürzter Form unsere Theorie.
/>
/>Hallo Merlin,
/>
/>Danke für den Tipp. Wir sind häufig im Internet auf der Suche nach Felsen und Verdachtsmomenten. Leider fristen die uns interessierenden kleineren Objekte ein weitestgehend anonymes Dasein.
/>
/>Gruß Götterhand
/>

Wælceasig

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Re: Götterhandphänomen in der Oberlausitz
« Antwort #22 am: 01. Dezember 2007, 11:09 »
Hi!
/>
/>
Zu jener Zeit war die betreffende Region baumlos. Laubfall konnte den Winter nicht ankündigen.
/>Die umherstreifenden Jäger waren jedoch gezwungen rechtzeitig Winterquartiere zu errichten und Vorräte anzulegen. Ein zuverlässiger Kalender war möglicherweise überlebensnotwendig.
/>

/>Kurzer Einwurf: Ethnien, die in Gebieten mit Dauerschnee, Tundra, Steppe, Hochgebirge, und was es sonst noch an baumlosen Gegenden gibt, leb(t)en, hatten und haben eigentlich nie Probleme die Jahreszeiten ohne Laubabwurf der Bäume festzustellen.
/>Auch wenn wir "Zivilisationsgeschädigten" uns das kaum vorstellen können, es gibt genügend andere Zeichen in der Natur, die einem den Winterbeginn verraten. ;)
/>
/>Wenn ihr auf der Schiene argumentieren wollt, wäre es vielleicht sinnvoll sich vorher zu erkundigen, was z.B. Jäger und (Viehzüchter-)Normaden in Sibirien, oder Saami in Finnland, ect. für Zeitmesser hatten, bevor sie die gängigen Kalender kennengelernt und übernommen haben.

morgane

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Re: Götterhandphänomen in der Oberlausitz
« Antwort #23 am: 01. Dezember 2007, 11:31 »
Hi!
/>Man braucht ja nicht unbedingt so weit zurück in der zeit gehen. Bei uns in den alpinen gebieten wimmelt es nur so von Zwölfer - einser - mittagskogeln, sommerspitzen, sonnblicks, feuerkogeln, lug - egg's, etcetc., deren funktion sicherlich bis in die neuzeit für die bäuerliche bevölkerung eine gewisse bedeutung hatte.
/>
/>Sternenfeld = compostella uva. orts - und flurnamen überall in europa, lassen sicherlich gewisse schlüsse zu.
/>
/>Allerdings glaube ich persönlich nicht, dass große anlagen wie z.b. stonehenge oder avebury oder dergleichen rein zeitmesserische funktion im heutigen sinn hatte. Ich denke, dass alle kalenderfunktionen in einem heiligen und rituellen kontext standen, also der eigentliche sinn darin lag, die vorgänge *)im himmel, auf die erde zu bringen und damit die kosmische ordnung zu gewährleisten.
/>
/>*) *im himmel* wurde mir einmal, bei einer mitternächtlichen vollmond - quuijaboard - session, bei einem der riesigen menhire in carnac, auf meine frage "wozu diente dies alles?", geantwortet. Das ist natürlich eine ziemlich deutungsbedürftige aussage, wie es all diese dinge ja meistens sind. Ich habe mir eben diese deutung zurecht gelegt. Es mag auch eine andere geben. Es ist für uns heutige de facto sehr schwierig, uns in die gedanken - und vorstellungswelt der damaligen menschen hinein zu versetzen. Aich denke, mögliche erklärungsversuche könnten in diese richtung gehen, ohne sich völlig in phantasmagorien zu verlieren.
/>
/>lg morgane
/>
/>@eldkatten: ein süüüüßes selbstportrait :laugh:
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....