Autor Thema: Frauen suchen Männer nach Immunlage aus  (Gelesen 4544 mal)

rivka

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Re: Frauen suchen Männer nach Immunlage aus
« Antwort #16 am: 08. Mai 2008, 20:45 »
Nur so von der letzten Bank: Ich hätt nie einen genommen, bloss, weil er schön ist (so lange er nicht den Mund aufmacht). Ich wollte doch nicht mein Nervenkostüm der Fortpflanzung opfern.
/>
/>These: Intelligenz ist ein Merkmal menschlicher Schönheit, genauso wie Liebenswürdigkeit, Fairness, Güte und so weiter, das man nicht an der Haut ablesen kann, an welcher auch immer, das aber dennoch bei der Partnerwahl eine Rolle spielt, jedenfalls bei mir.
/>
/>Was soll ich mit einer guten Immunlage, die über nix als Fernsehen + Fussball redet?? Da kanner noch so schön dabei aussehen, dat hilft dann auch nix.
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/>
/>So für eine Nacht (und unter der Bedingung, dasser immer schön die Klappe hält) - von mir aus. Aber als Partner + Vater meiner Kinder???? Und wenn die nun alle nach ihm kommen????
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/>
/>Chalilah.
/>
/>
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

Dimnara

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Re: Frauen suchen Männer nach Immunlage aus
« Antwort #17 am: 09. Mai 2008, 00:12 »
Oh Mann.
/>Erstens, bitte bitte nicht alles auf romantisch derart verbrämte Ideologien herunter reduzieren.
/>Alles, wirklich alles was mir machen ergibt biologisch betrachtet entweder einen Sinn, oder ist zumindest erklärbar. Das raubt weder schönen Dingen ihre Einzigartigkeit, noch ist es in irgendeiner Form diskriminierend o.ä.
/>
/>Homosexualität hat biologisch betrachtet ihren Sinn. Und zwar taucht sie immer dann auf wenn es zu Überpopulationen kommt. Ich wüsste auch nicht einmal ansatzweise was daran krank sein könnte. Im Gegenteil, ihr Vorkommen ist für eine gesunde Gesellschaft essentiell.
/>Es ist genauso natürlich wie den Sexualpartner nach einer gewissen Genfitness auszuwählen.
/>Und je nachdem für was der Partner taugen soll entscheidet man sich dann auch unbewusst für ein gewisses Profil. Nur für Sex werden nun mal hauptsächlich attraktive, gesunde Männer mit einem hohen Testosteronlevel bevorzugt.
/>Für Partnerschaften spielen dann klarerweise andere Faktoren eine Rolle. (einige hat Rivka ja schon angesprochen)
/>Nicht zu vergessen ist natürlich auch, dass der Mensch ein soziales Wesen ist - und damit nicht nur das Eigenwohl und die eigene Genverbreitung, sondern auch das Gesamtwohl seiner Gemeindschaft im Sinne hat.
/>
/>Ist ein Blatt weniger schön wenn ich weiß wie es in all seinen Einzelheiten, Facetten funktioniert? Ich denke nicht. Für mich ist das Gegenteil der Fall, je mehr ich von der Komplexität des Lebens erfasse, desto zauberhafter und achtenswerter erscheint mir alles.
/>Traurig, traurig wenn man die Welt nur schätzen kann wenn man sie in die enge Plastikschale seiner romantischen Vorstellungen werfen muss.
/>Man braucht doch nur beobachten... es befindet sich alles vor unserer Nase.
/>
/>Sorry, falls mein Posting zu harsch rüber kommt, aber ich reagiere auf das Thema mittlerweile etwas gereizt.
/>
/>lg Dimnara
/>
/>
/>PS: einziger Punkt den ich ausnehme ist die Seele. Ich glaube an ihre Existenz und sie passt  nicht in ein biologisches Sytem. Das ist ihr imo zu eng und sie befindet sich in einem übergeordnetem "Evolutionsrhytmus".
/>
/>
Alle Macht dem fliegenden Spaghettimonster! Pastafari 4ever!

morgane

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Re: Frauen suchen Männer nach Immunlage aus
« Antwort #18 am: 09. Mai 2008, 06:48 »
Hi!
/>Ich sehe hier keinen zwiespalt zwischen biologischer zweckdienlichkeit und romantischer verbrämung. Denn so, wie es hier auch schon angesprochen wurde, ist die biologie ein teil des sinnvollen ganzen. So können eben auch durchaus zwischen unseren unbewussten motiven der partnerwahl und unserem schönheitsempfinden verbindungen bestehen.
/>Die rein biologistische erklärung des vogelgesanges z.b. wäre revierverhalten und fortpflanzung. Dass einem vogel das singen pure lebenslust bedeuten könnte, wird hier nicht einbezogen, scheint mir aber genau so sinnhaft. Beides schließt sich aber doch nicht aus. Uns menschen bereitet die fortpflanzung doch auch lust und freude, auch wenn der sex bei uns nicht in jedem fall der fortpflanzung dient.
/>Übrigens, ein ornithologe hat die vogelstimmen elektronisch so weit herunter transponiert, dass die einzelnen töne für menschenohren zu differenzieren waren. Was kam heraus? Die altbekannten melodien und intervalle, die musik in unseren ohren sind....
/>
/>Es könnte ja durchaus so sein, dass gesunde organismen harmonisch gebaut sind, und daher als schön empfunden werden. Das wäre nicht nur zweckmäßig, sondern auch sinn - voll. Womit der ganze, scheinbare widerspruch aufgelöst wäre.
/>
/>lg morgane 
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....

Eldkatten

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Re: Frauen suchen Männer nach Immunlage aus
« Antwort #19 am: 09. Mai 2008, 08:28 »
Hallo Dimnara,
/>
/>
Erstens, bitte bitte nicht alles auf romantisch derart verbrämte Ideologien herunter reduzieren.
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Oh Frau. Das wäre echt das erste Mal, das mich verkopften Wissenschaftsfraktionisten jemand der romantisch verbrämten Ideologie bezichtigt  :laugh:
/>Aber im Ernst: alles auf Zweckdienlichkeit und wissenschaftlich verbrämten Hardcore-Materialismus zu reduzieren ist zulässig?
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/>
Alles, wirklich alles was mir machen ergibt biologisch betrachtet entweder einen Sinn, oder ist zumindest erklärbar.
/>

/>Das ist zunächst einmal eine Behauptung von der Art "Alle Schwäne sind weiss", also nie beweisbar, aber zumindest prinzipiell widerlegbar. Dazu haben rivka und ich hier: http://forum.wurzelwerk.at/index.php/topic,11962.0.html diskutiert. Zitieren möchte ich daraus das hier:
/>
Ich denke aber nicht, dass eine nur widerlegbare Behauptung solange wahr ist, wie sich nicht widerlegt wurde. Im Unterschied zu den nur beweisbaren Aussagen, die irgendwann mal bewiesen werden könnten und solange begründete Vermutungen bleiben, können sich nur widerlegbare Aussage in der Zukunft nur als falsch erweisen, nie als endgültig richtig, und über ihnen schwebt immer das Damoklesschwert der zukünftigen Widerlegung. Von daher würde ich Aussagen, die nicht bewiesen, sondern nur widerlegt werden können, mit wesentlich mehr Misstrauen begegnen.
/>
"Alles dient einem biologischen Zweck" ist einfach Ausdruck der überschwenglichen und uneingeschränkten Gläubigkeit an ein Erklärungsmodell. Diese Wissenschaftlern eigentlich unwürdige Kritiklosigkeit teilen (manche) Biologen mit (manchen) Hirnforschern. Historisch ist das schon verständlich: Seit Darwin die Prinzipien der Evolution - also dem Fortbestehen und der Weitergabe biologischer Zweckmäßigkeit - beschrieben hat, ergaben sich plötzlich für Phänomene verblüffende Erklärungen, die mit der Zeit den Eindruck zu vermitteln in der Lage waren "Boah, damit können wir ja alles erklären!". Sieht man sich jedoch manche dieser "Erklärungen" an - siehe mein Beispiel zur Musik - , sind diese zum grossen Teil sehr weit hergeholt und zeugen eher von dem - manchmal recht verzweifelten - Versuch, das biologische Zweckmäßigkeits-Axiom um jeden Preis zu erhalten. Ähnlich bei den Hirnforschern: Neue Mess- und bildgebende Verfahren haben gerade im jüngsten Jahrzehnt derart gewaltige Fortschritte im Verständnis der Funktion des Gehirns ermöglicht, dass dort dieselbe Euphorie ausgebrochen ist wie bei Evolutionisten: "Boah, damit können wir (bald) alles erklären!". Etliche Hirnforscher sind der festen Überzeugung, dass "Geist" und "Seele" einfach nur biochemische und elektrische Produkte der Gehirntätigkeit sind, und dass sie die zugehörigen Mechanismen bald finden werden.
/>Im Grunde sind das aber lediglich Allmachtsfantasien, wie sie leider auch in der Wissenschaft, insbesondere wenn neue Modelle und Werkzeuge entwickelt worden sind, immer wieder vorkommen. Im Grunde aber ist die Situation diejenige, in der sich die Physik zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert befand. Es zeigte sich in immer mehr Fällen, dass die Erklärungen der klassischen newtonschen Mechanik nicht alles sein können bzw. dass, um Phänomene in die Newtonsche Mechanik einzubetten, höchst sonderbare Konstrukte - etwa der "Äther", der einerseits fast unendlich dicht sein musste (um die Lichtgeschwindigkeit zu ermöglichen), andererseits den ihn durchquerenden massiven Körper (etwa Planeten) keinerlei Widerstand entgegen setzen durfte - nötig wurden. Erst durch die Aufgabe der "heiligen" auf felsenfesten Grund stehen Raumdimensionen und der unabhängig ablaufenden Zeit war dann in der Physik ein Fortschritt möglich. Genauso ist in der Biologie schon lange klar, dass biologische Zweckmäßigkeit als Erklärungsmodell nicht alles sein kann, und dass immer sonderbarere Konstrukte - Homosexualität träte nur zur Reduktion von Überbevölkerung auf, oder das seltsame "Handicap"-Prinzip, bei dem ein Individuum nicht etwa direkt seine Fitness zeigen soll, sondern durch möglichst schlimme Behinderung (gigantischer Pfaueneschwanz, z.B., der eher Räuber anlockt als Pfauinnen und massiv die Flucht behindert) demonstrieren soll, dass es sich diese "leisten" kann - nötig macht, die letztlich Symptome eines Erklärungsmodells an der äussersten Grenze seiner Lestungfähigkeit und am Umbruch zu einem besseren Modell darstellen. Ich bin sicher, die Biologen werden unter anderem genauso ihre heilige "Zweckmäßigkeit" opfern müssen wie zuzeiten die Physiker die Konstanz der Zeit.
/>Evolution ist eine gut belegte Tatsache, ohne Zweifel. Das in der Evolution Zweckmäßigkeiten eine Rolle spielen, ist ebenso zweifelsfrei. Aber dass "Alles auf biologischer Zweckmäßigkeit beruht", ist eine nur falsifizierbare Annahme, deren Widerlegung meiner Überzeugung nach bereits im vollen Gange ist. Nix mit romantischer Verbrämung und Ideologie, sondern einfach das Bewusstsein für Grenzen und Möglichkeiten, wie sie vor allem Wissenschaftlern und denen, die sich auf ihr Modell stützen, anstehen.
/>
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Homosexualität hat biologisch betrachtet ihren Sinn. Und zwar taucht sie immer dann auf wenn es zu Überpopulationen kommt.
/>

/>Dazu liesst du aber bitte noch mal ein paar Publikationen aus Biologie, insbesondere Verhaltensforschung, und Psychologie, ja? Diese Behautptung ist Unsinn, aber ich habe jetzt nicht den Nerv und nicht die Zeit, das zu erklären. Steht hinreichend in der Fachliteratur, selbst in populärwissenschaftlicher.
/>
/>
Ist ein Blatt weniger schön wenn ich weiß wie es in all seinen Einzelheiten, Facetten funktioniert?
/>

/>Mitnichten. Du verkennst aber, dass der Knackpunkt in der Tatsache liegt, dass ein Blatt überhaupt "schön" und nicht einfach nur zweckmäßig ist. Welche biologische Zweckmäßigkeit soll sich dahinter verbergen, dass ein Mensch ein Blatt oder den ganzen Baum als "schön" betrachtet? Weder können die beiden miteinander Nachkommen zeugen noch gibt es einen Zusammenhang zwischen z.B. Schönheit und Essbarkeit, was die Schönheit giftiger Pflanzen und die Hässlichkeit essbarer zeigt. Da wäre wohl ein Konstrukt der Art "Äther" notwendig, um das Erklärungsmodell "biologische Zweckmäßigkeit" als allumfassend zu retten.
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/>
Traurig, traurig wenn man die Welt nur schätzen kann wenn man sie in die enge Plastikschale seiner romantischen Vorstellungen werfen muss.
/>

/>Traurig, traurig, wenn man aus falsch verstandener Wissenschaftlichkeit das Gefühl für die Grenzen und Modellhaftigkeit verliert und die gesamte Welt in ein Modell einsperren muss.
/>
/>Schönen Gruss
/>Herbert

/>Meine Beiträge geben ausschliesslich meine persönliche Meinung wieder, nicht die des Vereins Varnenum e.V (www.varnenum.de).

Peter

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Re: Frauen suchen Männer nach Immunlage aus
« Antwort #20 am: 09. Mai 2008, 10:54 »
"Alles dient einem biologischen Zweck" ist einfach Ausdruck der überschwenglichen und uneingeschränkten Gläubigkeit an ein Erklärungsmodell.
/>

/>Es fragt sich da allerdings, ob diese "Gläubigkeit" (ein sehr treffender Begriff an dieser Stelle!) nicht eher beim Rezipienten statthat.
/>
/>Es scheint in der tat irgendwie "normal", dass ein gefundener Zusammenhang zunächst enthusiastisch überbewertet wird, bis neuere Erkenntnisse ihn relativieren. Dies ist freilich ein Prozess, der innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses stattfindet.
/>
/>Als gewöhnlicher Bürger weiss man (oder sollte man doch zumindest wissen!) dass wissenschaftliche Erkenntnis weder allumfassend ist noch es je sein kann, und dass sie auch nur zu einem sehr kleinen Teil als Antwort auf die Sinnfragen taugen kann.
/>
/>Von daher gibt es eigentlich keinen vernünftigen Grund, um in populären Diskussionsrunden mit Vehemenz gegen vermeintlich falsch aufgefasste Erkenntnisse zu felde zu ziehen: die Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozeß sind i.d.R. weniger als gering, und der wissenschaftliche Erkenntnisprozeß folgt sowieso seiner eigenen Dynamik.
/>
/>Die Frage, die ich mir stelle, ist also, warum hier eine solche Wichtigkeit gesehen wird.
/>Und die Antwort, die sich mir aufdrängt, ist dass wissenschaftliche Erkenntnis eben doch in ganz ungebührlichem Maß als Antwort auf Sinnfragen gesehen wird, m.a.W.: dass Wissenschaft geglaubt wird.
/>
/>Das führt weiter auf ein viel grundsätzlicheres Problem: dass nämlich offenbar viele Menschen dazu neigen, ihre Welterklärungen von außen zu beziehen - dass sie dazu neigen, in diesen Dingen jemand anderem zu glauben - sei dies nun ein Guru, ein Priester oder ein Wissenschaftler. Und in heutiger Zeit scheint Wissenschaft die Rolle einer Religion einzunehmen - sie wird als Antwort auf Sinnfragen herangezogen, obwohl sie das ihrem Wesen nach gar nicht leisten kann! (Das mag mit der Entwertung und Austauschbarkeit der Religion zusammenhängen.)
/>
/>Mir schiene es wesentlich sinnvoller, wenn die Welterklärung aus einem eigenen Erkenntnisprozeß hervorginge, wobei eine Vielfalt von Erkenntnissen und Einsichten sowohl aus dem wissenschaftlichen als auch aus dem philosophisch-spirituellen Bereich zur Bereicherung und zur Erweiterung des Horizonts mit einfließen.
/>
/>In dem Fall hätte dann von vorne herein keine dieser Erkenntnisse die Macht der Ausschließlichkeit, und mithin ...
/>
/>
Zitat
und die gesamte Welt in ein Modell einsperren muss
/>

/> ... auch niemals die Macht, die ganze Welt irgendwie "einzusperren".
/>
/>Ich denke, nur dann, wenn man selber im außen nach Erklärungen sucht denen man glauben kann (und mithin diesen Erklärungen über gebühr Glauben zu schenken neigt), muß man befürchten, von den Erklärungen, die einem ungeeignet erscheinen, irgendwie "eingesperrt" zu werden - und dann ist man auch geneigt, mit Heftigkeit gegen solche Erklärungen einzutreten.
/>
/>lg
/>Peter
/>