Autor Thema: Zu den Chants im Ritual  (Gelesen 20127 mal)

Distelfliege

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Zu den Chants im Ritual
« am: 04. Mai 2008, 10:05 »
Ich verfolge ja nun direktens die Artikelreihe zu Chants im Ritual, und erinnerte mich gleichzeitig an einen Austausch in Ryuus Blog, über heidnische Musik und Ansprüche/Wünsche.
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/>Hier ist erstmal das bislang geschriebene: http://ryuu.twoday.net/stories/4892181/
/>
/>Ich schreibe das in der Eule, weil es doch um Wicca-Liturgie und dazugehörige Chants geht, das Ganze richtet sich aber nicht nur an Wicca, sondern an Hexen/Heiden allgemein.
/>
/>Frage: Wie kann man es bewerkstelligen, daß eben nicht so kinderliedmässig Chants geleiert werden, sondern wie kann man im Ritual einen echten Ohrenschmaus haben, und zwar mit den Leuten, die dort sind, unabhängig von deren musikalischer "Bildung"?
/>Wie überwindet man diese Trennung zwischen den Mutigen und den Mutlosen, die eingeimpft bekommen haben, daß sie nicht singen können und unmusikalisch sind?
/>womit habt ihr praktische positive Erfahrungen gemacht?
/>Oder geht es euch gar nicht so, daß ihr findet, die Chants klingen eh alle gleich und sind "niedriges Niveau"?
/>
/>Ich hab ja sehr positive Erfahrungen mit Improvisation und nicht-liedgebundenem Singen, wo es auch viele Gelegenheiten gab, wo sich jeder der wollte einbringen konnte egal wie talentiert oder vorgebildet etc. Wenn man aber Improvisation nicht so mag, was macht man dann?
/>
/>Lasst ma hören ;)
/>

WildWeib

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #1 am: 04. Mai 2008, 14:38 »
Hallo Distel!
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Frage: Wie kann man es bewerkstelligen, daß eben nicht so kinderliedmässig Chants geleiert werden, sondern wie kann man im Ritual einen echten Ohrenschmaus haben, und zwar mit den Leuten, die dort sind, unabhängig von deren musikalischer "Bildung"? [...] Oder geht es euch gar nicht so, daß ihr findet, die Chants klingen eh alle gleich und sind "niedriges Niveau"?  [...] Ich hab ja sehr positive Erfahrungen mit Improvisation und nicht-liedgebundenem Singen, wo es auch viele Gelegenheiten gab, wo sich jeder der wollte einbringen konnte egal wie talentiert oder vorgebildet etc. Wenn man aber Improvisation nicht so mag, was macht man dann?

/>Also mir geht es ähnlich wie Ryuu. Es gibt Sachen, die ich ganz nett finde und ein paar sogar sehr toll, aber mit wenigen Ausnahmen kann ich die mir bekannten Chants mehr oder weniger in folgende Kategorien einteilen: 1) lasch; 2) Kirchenlied-Stil; 3) grauenvoll.
/>Sorry.
/>Manchmal texte ich Songs die ich kenne und von Melodie, Rhythmus etc. toll und passend finde, für mich selber einfach um. Bei einigen Songs drängt sich mir der neue Text regelrecht auf. Manchmal ist das aber auch gar nicht nötig und ich singe das Lied so wie es ist. Ja, voll uuunmagisch, Songs aus der Populärmusik zum Schänten zu nehmen. :wink1: Find ich aber ehrlich gesagt nicht. Manche Songs haben's für mich einfach und andere nicht. Und da ist es mir relativ latte aus welchem Genre die stammen.
/>
/>
/>
Zitat
Wie überwindet man diese Trennung zwischen den Mutigen und den Mutlosen, die eingeimpft bekommen haben, daß sie nicht singen können und unmusikalisch sind? 

/>Ganz wichtig finde ich, dass wenigstens ein oder zwei Leute dabei sind, die sich trauen und dem Rest das Gefühl vermitteln können, dass sie sich trauen *dürfen*. Und die sie ein bisschen mitziehen. Bei uns beiden hat das ja mal wunderbar geklappt. ;) Ich bin ja selber superschüchtern und habe festgestellt: je mehr ich merke, dass der, der singt, selber echten Spaß daran hat; je mehr der- oder diejenige darin aufgeht, um so eher werde ich mitgerissen und traue mich auch.
/>
/>Eventuell hilft den Schüchternen auch, die anderen erst mal singen zu lassen und sich ein bisschen einzufühlen. In unserer Gesellschaft ist Singen ja leider nichts, das im Großen und Ganzen ermutigt wird; es ist bei weitem nicht so selbstverständlich und alltäglich wie in vielen anderen Ländern und Kulturen. Wenn man es dann doch mal wagt, kommt häufig sehr schnell aus irgendeiner Ecke Gemoser, weil man nicht so klingt wie die im Radio. :sneaky: Das kann furchtbar entmutigen, und viele geben leider im Lauf der Zeit auf und singen zum Teil nie wieder. Wenn in einer Gruppe dann die, die singen, eine gewisse Selbstverständlichkeit rüberbringen und hinter dem stehen was sie tun, springt meiner Erfahrung nach der Funke irgendwann einfach über. Die Schüchternen müssen irgendwie mitkriegen, dass auch ihre Stimme erwünscht ist und es nicht darum geht, wer die beste oder schlechteste "Leistung" bringt.
/>
/>
Zitat
womit habt ihr praktische positive Erfahrungen gemacht?

/>Mit einer gar wunderbaren Gesangslehrerin. ;)
/>Nu, klar - nicht jeder will oder kann gleich Unterricht nehmen. Aber wenn's hart auf hart kommt, man unbedingt singen will und nicht weiß wie, oder die Hemmungen partout nicht abbauen kann, kann ich nur raten, sich eine/n einfühlsame/n Gesangslehrer/in zu suchen. Ein Lehrer mit Verständnis für Schüchternheit und für den der Spaß am Singen im Vordergrund steht, ist durch nichts zu ersetzen. Ohne das hätte ich vor dir, Distel, niemals den Mund aufgemacht.
/>Wenigstens mal so ein paar Grundtechniken zu erlernen (was mit einem guten Leiter auch im Chor geht), ist aber grundsätzlich nie verkehrt, auch wenn man "nur" chanten will. Mit falscher Technik kann man sich die Stimme nämlich dauerhaft ruinieren. Es ist leider ein weit verbreitetes Phänomen bei uns, dass viele Leute schon früh verlernen, ihre Stimme richtig zu benutzen. Wenn man dann häufiger singt, kann sich das im Lauf der Zeit fatal auswirken.
/>Und wenn man so nach und nach merkt, wie sich die eigene Stimme entwickelt und man besser mit ihr umgehen kann, hat man auch immer mehr Lust und Mut zu singen.
/>
/>Lieben Gruß
/>Wilde

Eldkatten

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #2 am: 04. Mai 2008, 15:57 »
Hallo,
/>
/>
(...)
/>Manchmal texte ich Songs die ich kenne und von Melodie, Rhythmus etc. toll und passend finde, für mich selber einfach um. Bei einigen Songs drängt sich mir der neue Text regelrecht auf. Manchmal ist das aber auch gar nicht nötig und ich singe das Lied so wie es ist.
/>(...)
/>
Kannst du ein paar Beispiele nennen?
/>
/>Schönen Gruss
/>Herbert

/>Meine Beiträge geben ausschliesslich meine persönliche Meinung wieder, nicht die des Vereins Varnenum e.V (www.varnenum.de).

Anufa Ellhorn

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #3 am: 05. Mai 2008, 10:01 »
Well met, alle zusammen ;)
/>
/>Distel - suuuper, mal Bezug zu einem Artikel zu haben (kannst Dir garnicht vorstellen, wie mich persönlich sowas freut).
/>
/>Ich fang mal mit Deiner letzten Frage an
/>
/>>Wenn man aber Improvisation nicht so mag, was macht man dann?
/>
/>Die Frage ist für mich mal generell - Zuwas soll die Sach gut sein?? Wenn das mal gekärt ist, denn imho ist ja Ritual oft ganz was anderes als Ritual oder Ritual  ;D , dann könnt das so aussehen.
/>Wenn ein Haufen Leuts sich auf ein "Wohin und Warum" geeinigt hat, dann gibts genau die Möglichkeiten entweder per "jeder macht getöntes Seines, so laut, so lang und so individuell, wie er das für sinnvoll empfindet" oder die Möglichkeit "es gibt einen Chant und den nemm mer - leiten tut das der Hansi" (und noch ein, zwei andere... dann wird´s aber zu lang :laugh:, das schieb ich ev. noch nach)
/>
/>>Frage: Wie kann man es bewerkstelligen, daß eben nicht so kinderliedmässig Chants geleiert werden, sondern wie kann man im Ritual einen echten Ohrenschmaus haben, und zwar mit den Leuten, die dort sind, unabhängig von deren musikalischer "Bildung"?
/>
/>Da ist dann tatsächlich mal die Frage des Geschmacks  :wink1: - mein Interieur mag kinderliedermässige Chants, weil da kann sich das Hirn beim Mittun ausschalten :nice: ; es mag aber auch hochkomplizierte Dinger, die ich dann nur "auf mich wirken lassen kann" (weil sonst das Hirn, wenn ich mittun wollte sich NICHT ausschalten tät, weils eben mittun mag und die Fähigkeiten von "Trance UND Hochkompliziertes machen" ned so meins sind)
/>
/>Örgs, und nu kommt meine Klientin zu früh und ich muss den Rest nachher schreibseln... - sorry
Bright blessings
/>Anufa

McClaudia

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #4 am: 05. Mai 2008, 10:23 »
Slania,
/>
/>ich schließe mich Wildweib an. Da ich selber immer dreistimmig sing (laut, falsch und mit Begeisterung - Schattenspeer meinte, er war in der akustischen Hölle  ;D ) aber mir eben kein Blatt vor den Mund nehm (und auch nicht vor die Trommel), kanns schon sein, dass ich auf andere Schüchternere motivierend wirken könnte (oder noch einschüchternder - hoffe ich doch nicht).
/>
/>Also, ich schreib Texte, Hymnen, Gebete, Sprüche für meine Riten. Und die, die mit mir feiern, können sich aussuchen, was sie vortragen oder singen, oder ob sie lieber sprechen oder singen. Gegenseitiges Zuhören und Respekt sind wichtig. Und bei rhythmischen Chants, wenn sich Leuts nicht trauen, dann mach ich einfach mal vor, wie ichs mir vorstelle, also mit Enthusiasmus, lautem rhythmischen Trommeln, und dann gehts schon mit Einschwingen.
/>
/>So meine Erfahrung.
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

Anufa Ellhorn

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #5 am: 05. Mai 2008, 11:19 »
Well met, alle zusammen ;)
/>
/>Hier also die Fortsetzung... :)
/>
/>Ich war bei den komplizierten Dingern, in die ich mich dann aber nur reinfallen lasse, ohne groß was selber mittun zu wollen (weil das Können einfach ned ausreicht).
/>
/>>Oder geht es euch gar nicht so, daß ihr findet, die Chants klingen eh alle gleich und sind "niedriges Niveau"?
/>
/>Klar sehe ich Chants nicht als hochmusikalische Ergüsse an - sondern als Mittel zum Zweck. Meine Erfahrung ist eher gegenteilig zu Distels - ich habe eher erlebt, dass Leuts bei "KinderreimChants" mitgegangen sind als bei "freiem Improvisieren".
/>Die "Einfachheit" von Chants is imho deshalb so einfach gehalten, weil es wie mit Kinderreimen ist - je einfacher, desto eher ist das innere Kind angesprochen und desto eher langweilt sich das Erwachsenenhirn, und geht dann halt mal (nach mehr oder minder Rebellion  :wink1: ) in Pause. Zweite Möglichkeit ist es schlichtweg zu überfordern und dann macht´s quasi einen "Notaus". Beides sind Möglichkeiten um vom intellektgesteuerten Ego auf Instinkt und Innenleben bzw Aufnahme auf anderen Ebenen umzuschalten.
/>
/>>Wie überwindet man diese Trennung zwischen den Mutigen und den Mutlosen, die eingeimpft bekommen haben, daß sie nicht singen können und unmusikalisch sind?
/>
/>Man kann da ihmo garnix überwinden, sondern nur jeder selbst. Dabei ist es halt wieder wie überall im Leben. Mensch wird vor ne Situation gestellt "Dabeisein in einem Ritual in dem wie auch immer gechantet wird und dann stellt sich halt die Frage von Mittun oder eher lassen" oder geht bewusst darauf zu "ich sollte mal einen Workshop machen" :laugh:
/>
/>>womit habt ihr praktische positive Erfahrungen gemacht?
/>
/>Ich kenn es von mehreren Seiten. In meinem MutterCoven wurde und wird sehr viel gesungen (und auch gechantet). In meinen eigenen Coven war das leider kaum der Fall, weil die meisten dabei sich schlichtweg mehr verspannt als entspannt haben :sad1: was für mich immer sehr traurig war, weil ich es eben auch anders kenne. Daher kommen auch meine Erfahrungen mit "einfachem Tönen" (das was Distel, wenn ich nicht irre, als Improvisieren, bezeichnet hat). Da dabei eben von Haus aus alles sein kann und darf war zumindest ein Ansatz von "Auslassen" damit zu erreichen - zwar auch ned so viel, dass es sich wirklich als Hilfsmittel zur Arbeit rentiert hätte, aber es waren immerhin nette Übungen :uneasy:.
/>
/>Meine positivsten Erfahrungen sind mit zwei völlig unterschiedlichen Settings.
/>1. Eine Kern von halbwegs selbstsicheren Alleinpraktizierenden und/oder Gruppenleitern, die sich auf eine Art des Chants geeinigt haben (wurscht nu ob Improvisation - wie am letzten SommerFest, oder vorgegebener Chant - wie ich es mal aun einem "fremden" Ritualabend erlebt habe) und dann den Rest einfach mitnehmen (oder eben auch stehen lassen).
/>2. Eine eingearbeitete Gruppe, die ein bestimmtes eingeübtes Muster als Werkzeug verwendet
/>
Bright blessings
/>Anufa

Distelfliege

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #6 am: 06. Mai 2008, 06:03 »
Ich versuchs mal mit einer Kompaktantwort, ohne mich hoffentlich zu wiederholen (ich hatte ja in Ryuus blog schon etwas geschrieben..
/>
/>>>Ganz wichtig finde ich, dass wenigstens ein oder zwei Leute dabei sind, die sich trauen und dem Rest das Gefühl vermitteln können, dass sie sich trauen *dürfen*. Und die sie ein bisschen mitziehen.
/>
/>Das könnte ich mir auch vorstellen bei Chants oder komplizierteren Liedern, daß 1-2 "Leadsänger" die anderen mitziehen.
/>
/>>>In unserer Gesellschaft ist Singen ja leider nichts, das im Großen und Ganzen ermutigt wird; es ist bei weitem nicht so selbstverständlich und alltäglich wie in vielen anderen Ländern und Kulturen. Wenn man es dann doch mal wagt, kommt häufig sehr schnell aus irgendeiner Ecke Gemoser, weil man nicht so klingt wie die im Radio.
/>
/>Jo, diese ewige Musik aus der Dose und die seltsamen Qualitätsstandards die sich daraus ergeben..
/>
/>>>Da ist dann tatsächlich mal die Frage des Geschmacks  wink - mein Interieur mag kinderliedermässige Chants, weil da kann sich das Hirn beim Mittun ausschalten nice ; es mag aber auch hochkomplizierte Dinger, die ich dann nur "auf mich wirken lassen kann" (weil sonst das Hirn, wenn ich mittun wollte sich NICHT ausschalten tät, weils eben mittun mag und die Fähigkeiten von "Trance UND Hochkompliziertes machen" ned so meins sind)
/>
/>Hm, also das ist sicher ein Aspekt, diese ganze Trance-musik ist ja recht monoton vom Charakter her, das war aber glaube ich nicht, worums ging. Also dieses "runterleiern" ohne daß gscheit Stimmung aufkommt, kanns ja auch nicht sein, das würde dem Zweck dann nicht dienen, wenn ich jetzt mal "Stimmung" mit "Trance oder der verstärkten Möglichkeit dazu" gleichsetzen darf.
/>
/>>>Klar sehe ich Chants nicht als hochmusikalische Ergüsse an - sondern als Mittel zum Zweck. Meine Erfahrung ist eher gegenteilig zu Distels - ich habe eher erlebt, dass Leuts bei "KinderreimChants" mitgegangen sind als bei "freiem Improvisieren".
/>
/>Hm. Ich habe ja nicht mit vielen Chants in Ritualen Erfahrungen gemacht. Natürlich isses so daß bei den einfachsten Kinderreim-Chants am einfachsten mitzumachen ist. Die Frage ist halt, die Ryuu aufgeworfen hatte, ob wir uns damit zufrieden geben wollen?
/>Ich finde dieses "hochmusikalisch" - was auch bei ryuu im Blog von Karan angesprochen wurde, ist ein Standard, den man nicht anstreben sollte, also irgendwelche Kriterien ansetzen, die wiederum über Qualität oder nicht-Qualität entscheiden... Ich bin aber was meine Magieauffassung angeht, jemand, der sich sehr an Ästhetik hochzieht. Das heisst, wenn etwas schön ist, dann ist das für mich ein Zeichen, daß es magisch auch gut ist, und wenn etwas unästhetisch sich anhört, dann ist das für mich auch für den magischen Zweck ein schlechtes Omen. Mal so groooooob ausgedrückt!
/>Dabei leg ich allerdings sehr freie Maßstäbe an. Ästhetisch ist dann nicht nur irgendwie eine gefällige Stimme die jeden Ton trifft, sondern genauso ist eine knarrende, eher "groteske" Stimme sehr ästhetisch. Ungeahnte Harmonien zwischen einer gefälligen und einer grotesken Stimme sind z.b. sehr ästhetisch.
/>
/>>>je einfacher, desto eher ist das innere Kind angesprochen und desto eher langweilt sich das Erwachsenenhirn, und geht dann halt mal (nach mehr oder minder Rebellion  wink ) in Pause.
/>
/>Das geht bei mir grad umgekehrt. Mein Erwachsenenhirn würde mir was von Monotonie und Tranceinduktion und der logischen Zweckmässigkeit des Ritualchants vordenken, während sich das innere Kind zu Tode langweilt. Das innere Kind in mir will bunt, gross, schön, bombastisch, alles mögliche - aber sich langweilen will das innere Kind auf keinen Fall. Bei Starhawks Apfelvisualisierübungen z.b. hat sich mein inneres Kind immer so gelangweilt, daß ich lange dachte, ich könnte gar nicht visualisieren.
/>
/>>>Man kann da ihmo garnix überwinden, sondern nur jeder selbst. Dabei ist es halt wieder wie überall im Leben. Mensch wird vor ne Situation gestellt "Dabeisein in einem Ritual in dem wie auch immer gechantet wird und dann stellt sich halt die Frage von Mittun oder eher lassen" oder geht bewusst darauf zu "ich sollte mal einen Workshop machen"
/>
/>Klar, man kanns denjenigen vll. aber erleichtern sich selbst zu überwinden. Wildweib und McClaudias Hinweise scheinen da zu taugen. Mehr kann man denk ich auch nicht machen als einfach loslegen und die Möglichkeit zum mitmachen zu geben.
/>
/>>>Da dabei eben von Haus aus alles sein kann und darf war zumindest ein Ansatz von "Auslassen" damit zu erreichen - zwar auch ned so viel, dass es sich wirklich als Hilfsmittel zur Arbeit rentiert hätte, aber es waren immerhin nette Übungen
/>
/>Ja, also in dem Artikel (Teil 2) kommt das ja auch oft vor, Chants als Hilfsmittel zur Arbeit, aber auch oft als "die Arbeit selbst"! Weil ich halt oft bei Ritualen erlebt habe, daß die Musik kein Hilfsmittel zu einer Arbeit war, sondern die Arbeit selbst. Also nicht nach dem Motto "Ich stimme mich mit einem Chant ein und hantiere dann mit meinen magischen Werkzeugen herum" sondern "Ich stimme mich mit Herumwerkeln ein und dann hantiere ich mit Tönen herum".
/>Was ich auch schon erlebt habe, ist daß Ritualmusik sozusagen hörbar und erfahrbar macht, was "feinstofflich" abgeht, also was das feiner herausgeschälte Thema des Rituals ist, hört man dann raus. Daher auch meine Verknüpfung von Ästhetik und "magischem Anspruch". Also wenns scheisse klingt, dann zeigt mir das was an, und es ist mir nicht egal, weil das heisst dann für mich, daß was im Argen liegt mit der Kommunikation mit "drüben" oder untereinander. 
/>Das heisst dann wie gesagt nicht, daß die Leute zu schlecht sind oder zu unmusikalisch, weil daran hängts nicht, es hängt dann meistens daran, daß die magische Arbeit aus irgend einem Grund nicht klappt. Vielleicht einfach nur, weil die Gruppe zu gross ist, um ohne Leitung die Energie bündeln zu können, z.b. 
/>
/>Vielleicht wäre das ja auch ne Möglichkeit, um sich selber die Verklemmung zu nehmen... also einfach das so sehen: Wenn es so sein soll, dann helfen mir die Geister und die Götter schon beim Singen, wenn nicht, dann isses halt leider nicht so gewesen, aber probieren muss man es - wenn man den Mund gar nicht aufmacht, hilft auch keine Geisterwelt. Schräge Töne? Also, iiiiiich war das nicht, das war... Loki *g*
/>
/>Also, zurück zu den "komplizierten Dingern". Ich kenne ja nur Chants, die sehr einfach sind, und Tönen/Impro, was auch nicht kompliziert ist.
/>Was gibt es überhaupt für komplizierte heidnische Ritual-Gesänge?
/>McClaudia, deine Hymnen vielleicht?
/>Was ich auch wunderschön finde, wo ich aber auch nur als Background-Ton mitwirken könnte, sind z.b. die Gesänge von Karan auf ihrer Aphrodhita-CD. Allein bei der Aussprache von Altgriechisch würds bei mir schon aussetzen ;)
/>Aber das kann ich mir trotzdem effektiv in nem Ritual vorstellen, also wenn z.b. die Karan das singen/sprechen würde und eine Gruppe Leute würde einen getönten Klangteppich dazu übernehmen und hin und wieder ein paar einfache Instrumente auf einfachste Art betätigen.
/>Da kann man sich doch auch ruhig drauf konzentrieren, wenn man den Gesang als magische Arbeit ansieht und nicht nur als Wegtrancemöglichkeit, die die eigentliche magische Arbeit nur zu untermalen hat.
/>
/>Da könnte ich mir auch eine nette Arbeitsteilung vorstellen, also z.b. diejenigen, die das Singen/chanten als die Arbeit selbst betreiben, und diejenigen, die diese Gesänge/Chants dann zum Wegtrancen nutzen, zusammen in einem Ritual.
/>

morgane

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #7 am: 06. Mai 2008, 08:12 »
Hi!
/>Für mich persönlich ist die frage nach musik im ritual keine frage des *ob* sondern des *wie*. In meiner ritualpraxis war es eher die regel, dass einander vertraute leute, die lange miteinander arbeiteten, die rituale gemeinsam gestalteten. Da kann gut experimentiert werden, weil vertrauen herrscht. Da kann man sich auch mal fallen lassen.
/>Daher haben wir mit vorgegebenen chants (eh den meisten bekannt), konservenmusik, intuitiven einfällen und freier intonierung experimentiert. Ich habe erlebt, dass alles gut passt in der richtigen situation und mit wirklichem enthusiasmus. Dann macht es nichts, wenn nicht alle töne ganz richtig sitzen.
/>Wenn neue in die gruppe kamen, mag das auf sie manchmal ein wenig seltsam gewirkt haben, andererseits mussten sie auch keinen hohen ansprüchen gerecht werden und konnten sich trauen, einfach loszulegen.
/>
/>
/>Da für meine auffassung die inneren bilder (visualisierung) und die emotion die brücke sind, auf der der andere bewusstseinszustand herüber kommen, ist es vor allem wichtig, diese emotion zu erzeugen oder zu verstärken.
/>
/>Beispiel: yule - ritual
/>Als hauptteil einigten wir uns auf die neugeburt des eichenkönigs, der sonne, des lichtes mit allen assoziationen, die es dazu auf allen möglichen ebenen gibt. Wir bildeten mit gespreizten beinen einen geburtsweg, den jeder einmal  passieren musste. Dazu wählten wir konserve: shinead o' connors "all babies are born from the universe..." Der effekt? Alle heulten.
/>
/>Ein anderes beispiel: beim *herabziehen der mondin* helfe ich mir selbst oft auf die sprünge, indem ich meine sehnsucht, mein verlangen, meine bitte, dass sie der anrufung folge leisten möge, in einem wortlosen, intuitiven, gesungenen ruf verpacke. Das wirkt (für mich) und demzufolge auch für die teilnehmer.
/>Oder wir bedienen uns der technik des *inneren tones*, um den aufbau des energiekegels *akustisch zu visualisieren*. Jeder summt den ton, der in ihm/ihr gerade klingt. Daraus entsteht manchmal ein stark aufgeladenes klangfeld, das wir mit verschiedenen bewegungen noch zusätzlich verstärken. Es entwickelt sich immer ein wenig anders, situationsbedingt. Die kunst dabei ist für mich, eine gewisse struktur vorzugeben, aber darin nicht gefangen zu bleiben, sondern sie eher als starthilfe zu benützen zum *abflug*.
/>
/>lg morgane
/>
/>
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....