Autor Thema: Zu den Chants im Ritual  (Gelesen 19936 mal)

Die Krähe

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #8 am: 06. Mai 2008, 11:09 »
Heya miteinander,
/>
/>das mit dem Singen ist, um’s mit dem alten Briest zu sagen, „ein weites Feld“...
/>
/>Ich habe da ja nun Erfahrungen aus allerlei Richtungen, beruflich wie privat, und für mich gibt’s überhaupt kein „Entweder-Oder“ von „musikalischer Musik“ und „einfachen Gesängen“ – das Wort „musikalisch“ und mehr noch das Wort „unmusikalisch“ sollte, wie ich schon bei Ryuu schrieb, endlich einmal ersatzlos verschwinden. Musik ist Musik, und die ganze Fülle der Welt kann in einem einzigen Ton stecken, ebenso wie in einer komplexen Symphonie.
/>
/>Viele sind befangen beim Singen weil sie glauben, sie könnten’s nicht.
/>Ich arbeite nun schon seit ca. 15 Jahren mit ebendiesen Menschen und habe noch in keiner meiner Gruppen auch nur eine Person erlebt, die nicht singen konnte...
/>
/>Wer sprechen kann, kann auch singen, sagt man in Afrika. Und das stimmt.
/>
/>Die Frage, ob nun ein komplexes mehrstimmiges Gebilde oder ein einfacher, immer wiederholter Chant im Ritual eingesetzt wird, entscheidet sich in erster Linie mal anhand der Teilnehmenden, ihrer Vorerfahrungen und dem, was sie wünschen. Ich habe beides erlebt – und die Intensität war absolut gleichwertig. Im Zweifelsfall würde ich lieber was Einfaches singen, damit auch wirklich alle (!) teilnehmen können.
/>
/>Die Sache mit der Überwindung... nun, wie kriegt man Leuts, die von sich glauben, sie könnten keine Töne machen, dazu, das eben doch zu tun? Das erfordert ein wenig allseitiges Fingerspitzengefühl und natürlich die Bereitschaft derjenigen, auch mal über ihren Schatten zu springen bzw. zu singen ;-)
/>Bei einer Ritualgruppe, die sich nicht wirklich gut kennt, sollte dieses Aufwärmen und die ganze Sing-Anleitung am besten eine Person in die Hand nehmen, die sich damit vertraut fühlt. Dann können sich nämlich alle fallenlassen.
/>Und es gibt viele Techniken und Methoden, so ein entspanntes Aufwärmen und Einsingen zu ermöglichen. Ich finde es immer wieder wunderschön, wenn eine ursprünglich befangene Gruppe während einer lustigen, manchmal gar albernen oder einer meditativ-verinnerlichten Übung auf einmal „aufmacht“ und danach völlig anders klingt.
/>
/>Das Sich-Einlassen auf das rituelle Singen führt in (mindestens) zwei Richtungen: zum einen nach Innen, über leib-seelische Eigenwahrnehmung, zum anderen nach Außen, denn der Klang der Gruppe ist immer mehr als die Summe seiner Teile. Gerade beim freien Tönen, aber auch beim Chanten entstehen durch Frequenzüberlagerungen Ober- und Untertöne, die „keiner singt“.
/>
/>Zu diesem Sich-Öffnen gehört vor allem einmal Zeit. Bissl singen und dann weiterhetzen im Ritual ist keine gute Idee. Da Töne ja auch Transportmittel sind, können sie zentrales Element der rituellen Handlung werden, so man das wünscht.
/>
/>Das mit der Sprache ist auch wichtig. Ich selber arbeite vorwiegend mit deutschen Chants. Nicht umsonst gibt es das Wort „Mutter-Sprache“. In der eigenen Sprache Gesungenes geht einfach noch eine Etage tiefer in Herz und Bauch.
/>Natürlich gibt es wunderschöne Chants in fremden Sprachen, aber wenn ich solche tatsächlich einmal einsetze, gibt’s davor immer eine ausführliche Kontext-Erklärung. Generell sind muttersprachliche Gesänge beliebter. Oder gleich das wortlose Tönen...
/>
/>Cheers
/>Karan
/>
Wir sind in Flammen
/>Tanzen die Nacht in Brand
/>Und das geschriebene Wort
/>Wird Gesang
/>
/>
/>http://www.troubadoura.de

Phoenix

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #9 am: 06. Mai 2008, 11:21 »
Heya Karan,
/>
/>Danke für den schönen Beitrag.
/>Wollte seit gestern schon Anu zustimmen, was das Tranceunterstützende bei "einfachen" Chants betrifft (bin aber im Arbeitsstress versumpft). Bei mir kommt da auch noch dazu, dass ich mich an Komplexeres & Improvisationen meist gar nicht herantrau, weil ich von klein auf einfach viel zu oft gehört habe, dass ich gar nicht singen könne (bzw. sogar andere drausbringe, wenn ich neben ihnen singen würd).
/>Mittlerweile geht das Sich-drauf-Einlassen schon immer besser (hab zu Beltane zwei Chants angestimmt, einen mit Unterstützung, einen anderen alleine!) - und zwar mit Hilfe des Feuers (und im zweiten Fall auch mit Hilfe von Waldmeisterbowle ;)).
/>
/>Grüße,
/>Phoenix
awkward is beautiful; machine is machine
/>(fetish)

Erik

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #10 am: 06. Mai 2008, 11:41 »
Hallo!
/>
/>Schöööööönes Thema ;-)
/>Also Singen war bei mir früher auch eher was Hemmendes. Aber da ich halt "zwangsweise" auch Musik unterrichte, kam ich nicht dran vorbei und gewöhnte mich so ans Singen. In Coven wird´s halt auch so sein; wenn man länger zusammen arbeitet und das Verrauen wächst, dann gewöhnt man sich mit der Zeit schon dran.
/>Ich hab vor einigen Tagen folgendes Buch gekauft: Chanten - Eintauchen in die heilsame Welt des Singens (mit CD) von Wolfgang Bossinger und Wolfgang Friederich; nicht speziell heidnisch, sondern multi-kulti-spirituell-religiös etc. Teilweise echt schöne Chants und Lieder, die einfach zum Mitsingen animieren. Hoffe (und bin zuversichtlich) dass es im Zirkel damit recht gut klappt.
/>
/>Liebe Grüße
Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit ! Und EINE Wahrheit gibt es nicht!
/>www.zaunreiter.at.tt

Anufa Ellhorn

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #11 am: 06. Mai 2008, 11:57 »
Well met, alle zusammen ;)
/>
/>Was mir grad so auffällt  :thinking: - ich mach einen großen Unterschied zwischen Chanten (zu einem bestimmten ZWECK) und einfach singen. In meinem MutterCoven z. B. gab es massig Chants für die unterschiedlichsten Arbeiten und es gab nach dem quasi "Arbeitsteil" im Ritual den "Sozialisierungsteil" und da wurde einfach so gesungen.
/>
/>So nu im Detail...
/>
/>>(Distel) Das könnte ich mir auch vorstellen bei Chants oder komplizierteren Liedern, daß 1-2 "Leadsänger" die anderen mitziehen.
/>
/>Das ist sicher möglich - allerdings muss ich auch gestehen, dass ich damit keine guten Erfahrungen gemacht habe (auf Dauer jetzt gesehen!!!) Ein Chant funzt arbeitstechnisch für mich dann am besten, wenn jeder der dabei ist in der Lage ist, selber zu gehen (und nicht gezogen werden muss!!). Ist das nicht der Fall, dann geht schon ein guter Teil der Energie dadurch verloren, dass eben die Leadsänger die anderen ständig auf Trab halten müssen (das hab ich mal sehr eindrucksvoll auf einem Seminar erlebt - war für mich fast körperlich schmerzhaft).
/>
/>>Hm, also das ist sicher ein Aspekt, diese ganze Trance-musik ist ja recht monoton vom Charakter her, das war aber glaube ich nicht, worums ging. Also dieses "runterleiern" ohne daß gscheit Stimmung aufkommt, kanns ja auch nicht sein, das würde dem Zweck dann nicht dienen, wenn ich jetzt mal "Stimmung" mit "Trance oder der verstärkten Möglichkeit dazu" gleichsetzen darf.
/>
/>Auch is da nicht viel mit "Runterleiern" in vielen Chants, die ich so verwendet. Die dienen dazu ein bestimmtes Energiepotential aufzubringen...  :laugh: :laugh: wie zum ... sollte das mit "Runterleiern" funzen? Im Unterschied dazu natürlich z. B. Gebetschants in denen einfach auf etwas Bestimmtes eingetuned wird - dabei brauchts kein Energiepotential, sondern nur das Feintuning für jeden selbst. Das "Auf-eine-Schwingung-kommen" mit dem was gesungen wird und mit den anderen in der Gruppe.
/>
/>>"Ich stimme mich mit einem Chant ein und hantiere dann mit meinen magischen Werkzeugen herum" sondern "Ich stimme mich mit Herumwerkeln ein und dann hantiere ich mit Tönen herum".
/>Was ich auch schon erlebt habe, ist daß Ritualmusik sozusagen hörbar und erfahrbar macht, was "feinstofflich" abgeht, also was das feiner herausgeschälte Thema des Rituals ist, hört man dann raus. Daher auch meine Verknüpfung von Ästhetik und "magischem Anspruch". Also wenns scheisse klingt, dann zeigt mir das was an, und es ist mir nicht egal, weil das heisst dann für mich, daß was im Argen liegt mit der Kommunikation mit "drüben" oder untereinander.
/>
/>Das ist dann nochmal ne gaaaanz andere Schiene ;D
/>Wieder für mich ne Frage der Zielsetzung. Ich war mal bei einem Ritual eingeladen, in dem genau das als Mittelpart des Rituals verwendet wurde. Das war für mich immens spannend, weil ich weder von der Tradition auch nur die geringste Ahnung hatte, noch von deren Arbeitsmethoden oder irgendeinem Ablauf. Allein ich wurde aufgefordert nach meinem Gefühl das zu machen, was für mich stimmig wäre.
/>Das Getöns war mehr als spannend und als wir das dann nachher postrituell analysierten, kamen auch genau die Dinge raus (verbalisiert!!) die mir währenddessen aufgefallen waren - zu 100% stimmig. Mit völlig fremden Menschen (ich kannte gradmal einen aus der Gruppe) ein sehr interessantes Erlebnis. Wenn ich allerdings drauf angewiesen gewesen wäre jemanden mitzuziehen oder selber gezogen zu werden, nehm ich nicht an, dass ich da auch nur irgendwas von mitbekommen hätte können... das fällt mir z. B. bei diversen budhhistischen Gebeten oder Chants hin und wieder auf. Dass ich dabei einfach ned mitkann - ich kann mich ned drauf einschwingen auf die Gruppenenergie oder das Setting. Es fühlt sich für mich in diesen Situationen einfach nur fremd an und völlig ohne persönlichen Zugang. Wohingegen eine alte Freundin von mir, sich genau dort mehr als zu Hause gefühlt hat - für mich völlig unverständlich (und da konnte sie mich auch nicht auf Dauer mitziehen, weil kaum war in "drin" in dem für mich sehr atonalem Geleiere, war ich auch schon wieder draußen, wenn sie nicht weiter an mir zog *g*)
/>
/>PS: ich seh grad den Buchtitel in Erik´s Post - das könnte z. B. so eine "Arbeit" sein - "Chanten - Eintauchen in die heilsame Welt des Singens". Mit einem Chant den Körper mit der Seele und dem Geist auf eine Schwingung bringen und damit "heilen". Karan, besser als mit
/>>Nicht umsonst gibt es das Wort „Mutter-Sprache“. In der eigenen Sprache Gesungenes geht einfach noch eine Etage tiefer in Herz und Bauch.
/>hätt ich das auch nicht ansprechen können. Allerdings gibt es auch die Sache mit "je weniger Sinn der Text für mich macht, desto weniger hängt sich das Hirn dran auf"...
/>Und
/>>Das Sich-Einlassen auf das rituelle Singen führt in (mindestens) zwei Richtungen: zum einen nach Innen, über leib-seelische Eigenwahrnehmung, zum anderen nach Außen, denn der Klang der Gruppe ist immer mehr als die Summe seiner Teile. Gerade beim freien Tönen, aber auch beim Chanten entstehen durch Frequenzüberlagerungen Ober- und Untertöne, die „keiner singt“.
/>geht in die Richtung, dass mensch am Getöns erkennen kann, wie die Gruppe gestrickt ist ;)
/>
« Letzte Änderung: 06. Mai 2008, 12:32 von Anufa Ellhorn »
Bright blessings
/>Anufa

Distelfliege

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #12 am: 06. Mai 2008, 14:14 »
Ich habe das "mitziehen" nicht so gemeint, daß man selbst die ganze Zeit quasi wie ein Kleinkind an der Hand genommen und gegängelt wird, keineswegs. Es geht dabei nur darum daß man eben die anderen Leute ermutigen kann daß sie selbst mitmachen trauen. Und Musik an sich hat eine mitziehende Wirkung, also daß gemeinsames rituelles Singen stattfindet und daß dabei jeder völlig isoliert und alleine singt, ist sowieso unmöglich. Ausser, wenn es eben magisch gesehen nicht "sein sollte" und schwer was im Argen liegt auf irgendeiner Ebene. (Meine Theorie)
/>
/>>>Viele sind befangen beim Singen weil sie glauben, sie könnten’s nicht.
/>Ich arbeite nun schon seit ca. 15 Jahren mit ebendiesen Menschen und habe noch in keiner meiner Gruppen auch nur eine Person erlebt, die nicht singen konnte...
/>
/>Finde ich auch, also was meinen ästhetischen Anspruch angeht, da finde ich jemandes Gesang dann schön, wenn dieser Jemand wagt, sich gesanglich zu äussern, also sich zu zeigen, quasi - das hat einfach Kraft und das ist schon der Hammer, wie jeder anders ist, und jeder total einzigartig. Also, WENN sich wer tatsächlich überwindet, dann komm ich nie in die Lage, irgendwie aus Höflichkeit herumzuloben damit die Person nicht demotiviert ist, weil ich das meist von Grund auf und von Herzen total klasse finde, was dabei rauskommt.
/>Ich hatte mal einen Kunstlehrer, der konnte in jedem Bild den einzigartigen Ausdruck seiner Schüler sehen und hat weniger auf genaue Proportionen und eben messbare Vorgaben geachtet, und genau so finde ich, muss das auch sein. Auch in der Musik.
/>
/>>>Zu diesem Sich-Öffnen gehört vor allem einmal Zeit. Bissl singen und dann weiterhetzen im Ritual ist keine gute Idee. Da Töne ja auch Transportmittel sind, können sie zentrales Element der rituellen Handlung werden, so man das wünscht.
/>
/>Ja, genau so hab ich das auch gemeint.
/>
/>>>Bei mir kommt da auch noch dazu, dass ich mich an Komplexeres & Improvisationen meist gar nicht herantrau, weil ich von klein auf einfach viel zu oft gehört habe, dass ich gar nicht singen könne (bzw. sogar andere drausbringe, wenn ich neben ihnen singen würd).
/>
/>Also, vielleicht nutzt es dir was, wenn du deine Hörgewohnheiten bewusst machst. Was Wildweib angesprochen hat "das hört sich gar nicht an wie das im Radio" finde ich ganz typisch, also daß unser Hörgeschmack mittlerweile sehr beschränkt ist auf eine ganz bestimmte Art des Singens, und nur wenige Leute sind eben in dieser einen Art gut, während 100 andere Singweisen unter den Tisch fallen, wo du persönlich vielleicht DER Star wärst, aber es gar nicht weisst, weil du sie gar nicht kennst. Zum Beispiel so "ethnologisches Material" - Aufnahmen von rituellen Gesängen anderer Kulturen, die eben als Doku aufgenommen wurden und nicht um Publikum zu unterhalten. Da sind oft Aufnahmen dabei, die sehr, sehr wenig "gefällig" klingen.
/>
/>>>, dann geht schon ein guter Teil der Energie dadurch verloren, dass eben die Leadsänger die anderen ständig auf Trab halten müssen (das hab ich mal sehr eindrucksvoll auf einem Seminar erlebt - war für mich fast körperlich schmerzhaft).
/>
/>Ok, also dazu nochmal, für mich ist es fast körperlich schmerzhaft, wenn ich mich einbringen will, es aus irgendeinem Grund aber nicht kann, z.b. wenn die singende Gruppe sehr eingespielt ist, und man einfach keine "Öffnung" findet, wo man selbst andocken könnte oder dazukommen könnte. Oder wenn die quasi auf einem Niveau sind, wo ich einfach nicht mal mit einfachen Mitteln reinkomme. Man fühlt sich dann, wie wenn man konstant gegen eine Mauer rennt und sich jedesmal darüber totärgert, daß man so blöd war, dagegen zu rennen.
/>
/>>>Auch is da nicht viel mit "Runterleiern" in vielen Chants, die ich so verwendet. Die dienen dazu ein bestimmtes Energiepotential aufzubringen...  wie zum ... sollte das mit "Runterleiern" funzen?
/>
/>Hab ich doch gesagt, daß das eh nicht funzt.
/>
/>>>Im Unterschied dazu natürlich z. B. Gebetschants in denen einfach auf etwas Bestimmtes eingetuned wird - dabei brauchts kein Energiepotential, sondern nur das Feintuning für jeden selbst. Das "Auf-eine-Schwingung-kommen" mit dem was gesungen wird und mit den anderen in der Gruppe.
/>
/>Da klappt "runterleiern" auch nicht.
/>
/>Achso, "einfach singen" gibts bei mir so gut wie nicht, das kommt von meinem alltagsmagischen Paradigma, d.h. wo gesungen wird, sind für mich IMMER "andere Welten" involviert, grundsätzlich.
/>
/>>>Wenn ich allerdings drauf angewiesen gewesen wäre jemanden mitzuziehen oder selber gezogen zu werden, nehm ich nicht an, dass ich da auch nur irgendwas von mitbekommen hätte können... das fällt mir z. B. bei diversen budhhistischen Gebeten oder Chants hin und wieder auf.
/>
/>Da würde ich die Chance sehen, wenn die anderen in der Gruppe dazu bereit sind, und das zulassen können, daß man nicht versucht, buddhistisch zu chanten, sondern halt irgendwie nach innen geht oder nach "drüben" und dort versucht einen Ausdruck, irgendwas, geschenkt zu bekommen, womit man andocken kann, und was einem selbst entspricht. Klappt das nicht, siehe oben - Gefühl eines "Gegen die Mauer anrennens".
/>
/>Am Samstag war ich zu Besuch bei einer Freundin, sie hat eine Ocean-Drum, also wo so Kügelchen drin sind. Ich hab sowas noch nie gespielt. Das hat eine Weile gedauert bis ich und die Oceandrum zusammenkamen, aber dann ist es immer wieder spannend, daß jedes Instrument als Individuum, und jede Stimme, jeder Mensch, andere Saiten in einem selber anklingen lässt.
/>
/>Was ich jetzt bisher aus den Antworten rauslese, ist, daß viele von uns echt geschädigt sind, und ich finds ehrlich gesagt schlimm, wenn man sich so damit abfindet daß man sich den eigenen Ausdruck hat verderben lassen. Umso toller finde ich es, wenn man sich auf den Weg macht, den wiederzufinden, der ist nämlich meiner Ansicht nach irre wichtig und einfach Geburtsrecht des Menschen. Die Arbeit, die du da machst, Karan, find ich z.b. irre wichtig, also als Musiktherapie und mit den Leuten zu arbeiten, die ihren Ausdruck verloren haben und wiederfinden wollen.
/>
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/>

Erik

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #13 am: 06. Mai 2008, 14:18 »
Hallo!
/>
/>Weils mir grad noch so einfällt.....:
/>Beim Chanten geht´s für mich v.a. auch um eine Art Synthese aus Energiegewinnung "extern" und "intern".
/>"Extern" leite ich Magische Kraft/Energie (oder wie immer ihr es auch nennt) z.B. durch Baummeditation in mich oder Invokationen.
/>"Intern" funktioniert für mich z.B. Autogenes Training oder Atem-Meditation.
/>Beim Chanten (so kommts mir jedenfalls vor) verbinden sich diese beiden Ebenen - insbesondere bei religiösen Mantren - also die Kraftgewinnung durch die eigene Stimme und gleichzeitig die Kraftgewinnung durch die "angesprochenen" Wesenheiten.
/>L.G.
/>Erik
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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #14 am: 06. Mai 2008, 15:30 »

/>Also, vielleicht nutzt es dir was, wenn du deine Hörgewohnheiten bewusst machst. Was Wildweib angesprochen hat "das hört sich gar nicht an wie das im Radio" finde ich ganz typisch, also daß unser Hörgeschmack mittlerweile sehr beschränkt ist auf eine ganz bestimmte Art des Singens, und nur wenige Leute sind eben in dieser einen Art gut, während 100 andere Singweisen unter den Tisch fallen, wo du persönlich vielleicht DER Star wärst, aber es gar nicht weisst, weil du sie gar nicht kennst. Zum Beispiel so "ethnologisches Material" - Aufnahmen von rituellen Gesängen anderer Kulturen, die eben als Doku aufgenommen wurden und nicht um Publikum zu unterhalten. Da sind oft Aufnahmen dabei, die sehr, sehr wenig "gefällig" klingen.
/>

/>was du da ansprichst ist sehr interessant.
/>
/>Wo ich auch das Problem sehe, ist die Tatsache, dass wir tagtäglich aus dem Radio perfekte Töne zu hören bekommen. Da quietscht kein Instrument, da kratzt nix, da ist alles perfekt.
/>Perfekte Töne halt, perfekter Gesang - na klar, kommt ja aus dem Studio.
/>
/>Und in real - life - so ohne verschönerungen, ohne Verstärkungen, hört sich das ganze wieder komplett anders an, auf das müssen sich unsere Ohren einstellen, auf Klänge, die nicht glasklar und sauber sind.
/>
/>Und ich denke genau dort ist der Hund begraben, warum sich so viele Leute nicht singen oder musizieren trauen. Sie glauben immer, dass alles immer so perfekt klingen muss.  Muss es aber nicht...
Muse mit Öffentlichkeitsrecht
/>
/>nicht käuflich

Distelfliege

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Re: Zu den Chants im Ritual
« Antwort #15 am: 06. Mai 2008, 16:10 »
>>Und in real - life - so ohne verschönerungen, ohne Verstärkungen, hört sich das ganze wieder komplett anders an, auf das müssen sich unsere Ohren einstellen, auf Klänge, die nicht glasklar und sauber sind.
/>
/>Dafür ist "Live" aber auch ne ganz andere Kommunikation da, die diese "Unsauberkeit" mehr als wett macht. Ich habe eine Bad-Religion-CD gehört, wo sie ein Konzert so mitgeschnitten haben, wie es beim Tonmixer am Mischpult hörbar war, d.h. ohne Nachbearbeitung. In dem CD-Heft stand drin, daß bei den meisten "Live-Mitschnitten" mittlerweile nur das Klatschen des Publikums noch halbwegs original ist, alles andere ist derartig nachbearbeitet, daß es eigentlich als Studioaufnahme bezeichnet werden müsste. Das hörte sich auch direkt sehr rauh und anders an. Ist man nicht mehr gewöhnt. Eine Stelle war auch, wie die Band anfing und der Sänger dann aus vollem Hals falsch sang und dann kam die Ansage: "I started in the wrong key, sorry..." *g*