Autor Thema: Grundgedanken zur Polarität  (Gelesen 28470 mal)

Werner

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Grundgedanken zur Polarität
« am: 12. Mai 2008, 00:17 »
Nach langer Zeit habe ich wieder mal ins WuWe hereingeschaut und fiel gleich über den langen Thread „Der männliche Aspekt - suche und brauche Hilfe“.
/>Wie schon seit Jahren, geht es wieder mal um Polarität und die Vorurteile und Missverständnisse sind immer noch dieselben. Es wird über Rollenklischees und über Männer und Frauen diskutiert, aber über die wirkliche Frage nach der Polarität wird nicht geforscht.
/>Sanddorn hat doch nicht die Frage nach solchen Dingen gestellt, sondern – wenn ich recht verstanden habe – nach dem Prinzip oder der Wesenheit der Polarität gefragt und dass sie nun etwas finden will, das ihr offensichtlich bisher gefehlt hat. Eine Antwort konnte ich in den vielen Postings nicht finden.
/>
/>Die vielen Missverständnisse kommen daher, dass man immer wieder die Polarität mit dem Dualismus verwechselt.
/>
/>Für alle diejenigen, die es immer noch nicht einsehen wollen oder können, dass es hier um ganz verschiedene Dinge geht, möchte ich mal Wikipedia zitieren
/>Also, Wikipedia :
/>„Polarität ist ein Ausdruck der Philosophie für das Verhältnis sich gegenseitig bedingender Größen. Im Unterschied zum Dualismus geht es bei der Polarität um ein komplementäres Verhältnis von Gegensätzen...... In der chinesischen Philosophie ist die Polarität (Taiji) ein zentraler Begriff. Insbesondere im Daoismus wird eine Einheit von polaren Gegensätzen (Yin und Yang) besonders betont.
/>Von http://de.wikipedia.org/wiki/Polarit%C3%A4t_%28Philosophie%29
/>
/>Wenn man sich über die Wesenheit der Polarität unterhalten will, dann geht es erst mal überhaupt nicht um Männer und Frauen, sondern es geht um DAS Männliche und DAS Weibliche.
/>Das kann spitz und rund, kalt und heiß sein, Geburt und Tod, Tag und Nacht. Das alles hat mit dem Geschlecht nichts zu tun.
/>Mit anderen Worten: Es geht um Entsprechungen – nicht um GEGEN-sätze. Denn GEGEN-sätze beinhalten den Kampf. Die Nacht besieht nicht den Tag oder der Tag besiegt nicht die Nacht, sondern sie wechseln sich ab. Und das Eine kann ohne das andere gar nicht sein. Diese vermeintlichen Gegensätze sind Gedankenkonstrukte, währen die Entsprechungen Tatsachen sind.
/>Beim Dualismus geht es um Gegensätze, die sich der Mensch erdacht hat, weil er wertet und beim Werten setzt er sich selbst als Maßstab. Beim Dualismus geht es um Trennung (z.B. hier Gott, dort die Materie). Bei der Polarität geht es nicht um Trennung, sondern um das Zusammengehören. Und das ist dann das ALL-Eine.
/>Das EINE ist somit immer auch die ZWEI.
/>
/>Jemand hier hat davon geschrieben, dass für sie der Pluralismus maßgebend ist.
/>Das trifft für mich auch zu. Denn wir müssen nur die Augen aufmachen, da sehen wir, dass alles verwoben und verbunden ist und dass sich alles gegenseitig ständig beeinflusst. Das zeigt und auch die moderne Wissenschaft, insbesondere die Quantenpyhsik. Die Schöpfung ist ständig in Gange und sie geht nicht von einer Kraft aus. Sie geht davon aus, dass alles fließt. Und dieses Fließen kommt von zwei Polen: Materie und Spirit. Das ist das Grundprinzip des Seins.
/>Dieses „alles fließen“  findet sogar im Atom statt. Die Wissenschaft spricht von „Information“, was wahrscheinlich nur ein anderes Wort für „Spirit“ ist. Das Fliessen von Energie kann nur dann stattfinden, wenn es zwei große Kraftquellen gibt. Und diese beiden Kraftquellen sind immer da. Es ist Materie und Geist. Statt Geist spreche ich lieber von Spirit, denn das Wort Geist wird auch für den Intellekt verwendet und das führt uns in die Irre. Ebenso führt uns das Wort „Gott“ in die Irre, denn es wird immer als eine Personifizierung betrachtet und das ist falsch. Wenn man sich von der üblichen Definition des Wortes Gott trennen könnte, dann könnte man tatsächlich sagen: Die beiden Kräfte sind Materie und Gott. Gott wäre dann nicht der Schöpfer, sondern die zweite Seite der Materie, so wie alles, was es gibt, Materie und Spirit (oder Gott) gleichzeitig ist und sich beides gegenseitig erschafft und erhält. Ohne Materie also auch kein Gott. Und umgekehrt. LaoTse sagt: „Sein und Nicht-Sein erschaffen einander!“ Wobei „Nicht-Sein“ nicht so zu verstehen ist, wie wir das im Westen sehen, nämlich nicht als das absolute Nichts, sondern eher als „Nicht-Materie“, ähnlich wie im Buddhismus.  Oder im Hinduismus sieht man Brahman als Schöpfer und Schöpfung zugleich. Das ist Polarität, nicht Dualismus. Dies sind ganz alte Gedanken, die leider durch den später aufgekommenen Dualismus total verdrängt wurden.
/>
/>In der Polarität gibt es kein besser oder schlechter, kein Gut und Böse. Diese Dinge sind Gedankenkonstrukte, die mit Wertung zu tun haben. Während Tag und Nacht Fakten sind und nichts mit Wertung zu tun haben.
/>
/>Zurück zum Männlichen und Weiblichen.
/>Man könnte hier auch A und B sagen für Eigenschaften oder Wesenheiten, die sich bedingen.
/>Da sich jedoch Mann und Frau in sehr auffälliger Weise ergänzen und wir alle Mann oder Frau sind, hat man offensichtlich dieses Beispiel als typisch oder bezeichnend für die Polarität verwendet (siehe Yin und Yang). Einesteils verständlich, andererseits jedoch kann dies den Blick auf die wahre Eigenschaft der Polarität verstellen.   
/>Dies und auch die Verwechslung mit der Dualität bringt jedoch die meisten Probleme. Jemand hat in diesem Thread sinngemäß geschrieben: „Wenn ich höre, dass die männliche Energie das Geben ist, dann werde ich ganz wild!“
/>Das kann ich sehr gut verstehen, dass man dann wild wird, wenn man diese Aussage auf Mann und Frau bezieht.
/>Wenn man jedoch auf die Wesenheit des Gebens und Nehmens schaut, dann ist es doch ganz klar, dass sich diese beiden Wesenheiten ergänzen und zusammengehören. Ja, es gibt nicht einmal das Geben, wenn es das Nehmen nicht auch gibt und umgekehrt.
/>Oder nehmen wir spitz und rund. Das eine können wir ohne das andere gar nicht benennen.
/>Warum aber dann die Verbindung zu Männlich und Weiblich?
/>Nun, die Antwort ist ganz einfach: Man hat im Laufe der Menschheitsgeschichte erfahren, dass bestimmte Eigenschaften vorwiegend bei Männern auftreten, und andere bei Frauen. Und man hat ferner festgestellt, dass sich diese Eigenschaften wunderbar ergänzen. Wie hier schon jemand schrieb: Der Penis dringt in die Scheide ein. Also Geben und Nehmen. Oder die Sonne befruchtet die Erde. Wieder Geben und Nehmen. Weder das eine noch das andere kann für sich allein bestehen.
/>Wenn man nun anfängt, sich über Ausnahmen zu unterhalten, die von der überwiegenden Mehrzahl der Vorkommnisse abweicht, so hat man das Thema verfehlt und führt sich selbst vom Wesentlichen weg. Denn die Grundprinzipien werden dadurch nicht verletzt, dass es Ausnahmen gibt. Wenn wir jedoch Prinzipien aus den überwiegenden Vorkommnissen erstellen (also wieder ein Kunstprodukt) und Klieschees aufstellen, wie Männer und Frauen ZU SEIN HABEN, dann wirds kritisch! Dann sind wir nämlich wieder mal von dem Verstehen einer Wesenheit weggekommen und haben uns künstliche Tatsachen erschaffen. Die Natur sollte uns hier Lehrmeister sein: Nicht ist absolut in der Natur. Wohl aber gibt es vorwiegende Dinge, z.B. wird eine Eiche schlecht in Afrika wachsen. Aber es ist nicht unmöglich  Aber auch wenn es ein paar Eichen in Afrika unter bestimmten Bedingungen gibt, wird doch niemand sagen, dies sei ein typisch afrikanischer Baum
/>
/>Hab noch eine Kleinigkeit zu sagen, also weiter im nächsten Beitrag
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Werner

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #1 am: 12. Mai 2008, 00:45 »
Ich habe schon viel über das Wesen der Polarität geschrieben, sogar ein ganzes Buch. Ich habe viele Fehler gemacht in meinen Ausführungen während der letzten 10 Jahre, weil für mich bestimmte Dinge so klar waren, dass ich versäumt habe, darüber nachzudenken, dass andere Menschen in Ihrer typisch westlichen Prägung dies alles nicht so klar sehen können. Ich bin froh, dass mein Buch nun vergriffen ist und nicht mehr lieferbar ist.  Es hat auch nicht in den Verlag gepaßt, denn es hat mit Esoterik und dem Verlagsprogramm nicihts zu tun. Aber auch sachlich ist es nicht ganz richtig aus obigen Gründen. Ich muss es gründlich überarbeiten, bevor ich es neu verlegen kann. Sehr viel habe ich aus den Diskussionen mit euch gelernt, denn ihr habt mir aufgezeigt, was ich noch verändern muss, damit es auch wirklich verstanden werden kann und dass es wirklich nicht um Männer und Frauen geht, aber es wurde wohl überlesen.
/>Die Erkenntnisse der wirklichen Polarität sind eine wunderbare Erfahrung. Diese Erfahrungen haben mein Leben von Grund auf verändert. Insbesondere haben sie mich total von jeder Religion weggeführt. Denn Religionen sind Gedankenkonstrukte und verschleiern den Blick für die sehr einfache Wahrheit des Seins. Es gibt keinen Gott, der herrscht und allmächtig ist. Es gibt kein OBEN und UNTEN, es sei denn, man geht von einen kleinen Detail – nämlich unserer eigenen Existenz – aus. Dann stellen wir uns in den Mittelpunkt und werten alles von diesem Mittelpunkt aus. Diese Konstrukte führen zur Egozentrik. All diese Dinge sind Gedankenkonstrukte, die leider sehr große Auswirkungen haben. Und all diese Konstrukte und der Glaube an Gott und ein ewiges Leben sind Krücken, die wir als mündige und reife Erwachsene eigentlich gar nicht benötigen sollten.
/>Die Erkenntnisse der Polarität haben mir weiterhin eine große innerliche Ruhe gegeben. Die Erkenntnis: „Es ist alles so, wie es ist und das ist gut so“ hat mir die Weisheit des Alters beschwert. Ich bin ein Mann und das ist gut so. Wäre ich eine Frau, dann wäre es auch gut so, wie es ist. Und weder Mann noch Frau ist besser oder mehr wert und das Bedürfnis nach Dominanz ist absoluter Unsinn und führt uns vom Frieden weg. Ich wünschte, alle Menschen könnten zu diesen Erkenntnissen und diesem inneren Frieden finden. Eine Religion brauchen wir dazu nicht, sondern eigentlich nur unseren Gesunden Menschenverstand und das Loslösen von alten Mustern und Prägungen aus der Zeit des Dualismus, des Patriarchats oder Matriarchats, aus dem Besserwissen und den Lehren, aus dem Streben nach Mehr und Besser-sein-wollen und all dem Ballast, den wir seit Jahrtausenden mit uns herumschleppen. 
/>
/>
/>Habt eine gute Zeit und streitet euch nicht über Dinge, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt!
/>Tschüß
/>Werner
/>
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Nordana

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #2 am: 12. Mai 2008, 07:26 »
Hallo Werner!
/>
/>Wahnsinn! Super, dass Du wieder retour bist und uns so einen langen Artikal beschert has. Das, was Du geschrieben hast, ist sehr schön. Das Posting ist so gut, dass es ein Artikel sein kann. Ich finde es auch interessant, dass Du Dein altes Buch kritisierst. Eine tolle Sache. Bücher sind ja nie perfekt, das wird meist vergessen. Es wäre schlimm, wenn man bis in Ewgkeit an einem Buch festhält. Bücher sind Impulsgeber und helfen weiter, jedoch keine fixen Meilensteine. Denn Bücher ändern sich nicht so wie Menschen. Daher finde ich es spannend, wenn Du jetzt wieder ein Buch schreibst. Ein anderes temporäres Buch. Es wäre ein schönes Erbe an die Gesellschaft. 
/>
/>Schöne Grüße nach Neuseeland(?)!
/>
/>Nordi

/>Alqamar & Ryoko - mäh mäh

Anufa Ellhorn

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #3 am: 12. Mai 2008, 07:48 »
Well met, Werner  ;)
/>
/>Na irgendwie scheinen wir grad einen Zyklus zu vollenden  :stunned: 8)
/>Leider hab ich (wird schon fad, ich weiß  ;D grad nicht die Zeit Dir zu antworten, weil ich auf einem Seminar bin, aber ich meld mich garantiert!!) Auf jeden Fall find ich absolut spannend, was Du geschrieben hast und fein, dass Du es gschrieben hast  :thumbsup:
Bright blessings
/>Anufa

Werner

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #4 am: 12. Mai 2008, 09:23 »
Danke für das positive Feedback, Anu und Nordi.
/>
/> Vielleicht muss ich etwas richtig stellen. Ich werde zwar mein Buch sehr ausführlich überarbeiten und eine Menge wird gar nicht mehr drinstehen und andere Stellen werden wohl mehr oder weniger geändert. Aber die Grundgedanken, was Polarität ist, die bleiben natürlich gleich.
/>Wie ich schon sagte, ging ich von mehr Verständnis aus der Leserschaft aus. Das kam daher, dass ich meine Vision, von der alles ausging, schon vor ca. 15 oder 16 Jahren erhalten hatte und mehrere Jahre mit mir herumtrug bis sich alles total geklärt und gesetzt hatte und für mich damit alles sonnenklar war. Erst nach ca. 5 Jahren schrieb ich das Buch. Es war für mich also alles klar geworden in dieser langen Entwicklung, aber der Leser hatte ja nicht die Zeit, sich mit so umwerfend neuen Gedanken auseinander zu setzen. Mein Fehler war also, dass ich die gleiche Entwicklung, die ich durchgemacht hatte, auch von meinen Lesern erwartete, was natürlich Unsinn war. Denn wie kann jemand, der etwas Neues das erste Mal hört, gleich total Bescheid wissen. Viel zu viel sind wir von unserer westlichen Sicht geprägt, um sofort umschwenken zu können. Ich muss also alles vorsichtiger erklären und insbesondere herausfinden, worin die Mißverständnisse bestehen und woraus sie resultieren.
/>Ein hervorstechendes Mißverständnis ist - auch hier im WuWe über meine vielen Postings von früher - dass ich immer von Männlich und Weiblich sprach ohne ausreichend darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei um Grundenergien handelt und nicht um Männer und Frauen. In meinem Buch habe ich dies zwar kurz erwähnt, aber ich bin nicht sicher, ob alle Leser dies auch mit Aufmerksamkeit gelesen haben. Denn oft liest man über solche Dinge hinweg und ist sich über die Tragweite einer solchen Aussage gar nicht bewußt. In unserer schnellebigen Zeit kommen solche Dinge leider besonders oft vor.
/>Allerdings habe ich sehr gute emails von Lesern erhalten, die mir trotzdem zeigen, dass sie mein Buch verstanden haben und eine Menge daraus in ihr Leben einbauen konnten. Die meisten Mißverständnisse sind tatsächlich hier am WuWe geschehen. Ich glaube das liegt daran, dass es hier einige Leser und besonders Leserinnen gibt, die ein rotes Tuch sehen, wenn sie nur etwas von der Verschiedenheit von männlichen und weiblichen Energien hören, denn sie denken dabei an Männer und Frauen. Das erschwert eine Diskussion sehr, denn auf der Basis von solchen grundlegenden Mißverständnissen kann man nichts aufbauen. Vielleicht wird das nun besser !? Wäre schön, wenn es zu einer wirklich ernsthaften Diskussion käme, ohne Vorurteile und hoffentlich ohne Mißverständnisse. Ich bin von meiner Seite aus gerne dazu bereit.
/>
/>Nordi, was du über Bücher gesagt hast, finde ich sehr schön. Sie können sich nicht ändern, wohl aber der Autor. Leider werden Bücher oft als Maßstäbe und als unumstößliche Wahrheiten betrachtet. Siehe die Bibel und viele andere derartige Schriften. Jedoch bleibt nichts so, wie es ist. Alles ist im Fluss, alles ändert sich. Das sollte man immer bedenken, wenn sich ein Buch oder eine Lehre reinzieht.
/>Ein Buch als Denkanstoss, ja das ist es! Kann eine Diskussionsgrundlage sein, auch sehr gut! Jeden Fall bin ich sehr froh, dass mein Buch nun nicht mehr erhältlich ist, denn ich bin schon seit einiger Zeit nicht mehr damit zufrieden gewesen und auch der Verlag hat mir überhaupt nicht mehr gepaßt. Nun habe ich die Rechte wieder, der Verlag hat sie mir zurückgegeben und nun kann ich alles neu beginnen! Bin wirklich froh darüber. Werde mich nicht mehr so bedingungslos an einen Verlag binden. Das hätte noch viel schlimmer ausgehen können. Aber man lernt ja niemals aus! War ja auch mein erstes Buch, da kann man nicht alles wissen. 
/>Schöne Grüße
/>Werner
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

vitom

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #5 am: 13. Mai 2008, 00:23 »

/>Die vielen Missverständnisse kommen daher, dass man immer wieder die Polarität mit dem Dualismus verwechselt.
/>
/>Für alle diejenigen, die es immer noch nicht einsehen wollen oder können, dass es hier um ganz verschiedene Dinge geht ...
/>
/>

/>Hallo Werner
/>
/>Deine Beobachtungen stimmen mit den meinigen überein. Für viele ist allerdings die Aufhebung des Dualismus unmöglich, wenn es sich um das Weltbild selber handelt. Das ist zum Beispiel ein Punkt, den ich meinerseits lange übersehen habe, dass nämlich sich die meisten Menschen gar nicht dessen bewusst sind, in welchem Weltbild sie sich befinden und die persönliche Weltanschauung als die vorgebenene betrachten und voraussetzen.
/>
/>Darum kurz, zum Verständnis von "Polarität", der Bezug zur Entwicklung des "Weltbildes":
/>
/>Die ersten Bilder werden fassbar vor einigen zehntausend Jahren als Felszeichnungen, Höhlenmalereien der Altsteinzeitmenschen. Am Anfang menschlichen Kulturschaffens steht eine fast klassische und ganz naturwahre Kunst der Abbildung, das magische erste Weltbild.
/>
/>Magie wirkt unabhängig davon wie sie wirkt. Die grosse Banngeste der Magie ist die Gegenwart des Menschen mit der [geistigen] Besitzergreifung. Für den Menschen handelt es sich darum, dem ewig sich wandelnden Gegenstand die gewünschte Form zu geben und ihn darin festzuhalten. Im Magischen bilden Leib und Seele eine ungetrennte Einheit als Bestandteil einer Welt als Gesamtes, bestehend im alles und nichts des Ganzen sowie erkennbar im bekannten und unbekannten. Der Mensch steht in dieser Welt ohne den Schutz der Götter, aber auch ohne Bedrohung durch Dämonen. Was ihn, den magischen Menschen, bedroht, ist die Unbeständigkeit und Wandelbarkeit der Dinge als Summe des Unbekannten, Unvorstellbaren und Unfassbaren.
/>
/>Das zweite grosse Weltbild ist der Animismus, entstanden bei den jungsteinzeitlichen, sesshaften Ackerbauern [neolithische Revolution], ist also Jahrtausende jünger als die Magie. Im Animismus (vom lateinischen Wort anima = Seele) tritt vor allem die Trennung von Leib und Seele klar zu Tage, jene Zweiheit, die als geistige Haltung mit Dualismus bezeichnet wird. Die Naturkräfte werden vergöttlicht. Die magische Ergriffenheit weicht der Hingabe und dem Glauben. Hier im Animismus ist der Zauber beheimatet, in der Magie ist es der Bann.
/>
/>Magie und Animismus liefen vermutlich nie als reine Form nebeneinander, denn überall traf der Animismus auf das alte magische Weltbild. Die Unterschiede zwischen Magie und Animismus sind heute nicht mehr unmittelbar zu sehen, weil beide Formen gemeinsam und durcheinander gelebt werden. Tatsache ist jedenfalls, dass ein rein magisches [unistisches] Weltbild, wie es zum Beispiel die moderne Quantenphysik vermitteln kann, bestehen könnte und auch einst bestand. Die animistische Trennung von Leib und Seele ist willkürlich und die Welt voller Götter, Dämonen, Heroen und vermenschlichter Kräfte nicht mit den Erkenntnissen von exakten Wissenschaften vereinbar.
/>
/>Die Ahnung um die Unsterblichkeit der Seelen rankt sich durch die ganze europäische Geistesgeschichte. Da man davon ausgehen darf, dass die Vorstellung einer Seelenwanderung niemals zum Bestandteil christlich katholischer Missionspredigt in Mittel- und Nordeuropa gehörte, kann sie allein aus eigengesetzlichem Wissen erwachsen sein, zumal diese Auffassung durch Belege abgesichert wird. Die ältesten Schriften der Indoeuropäer sprechen in eindeutiger Festigkeit, z.B. im Rig Veda I-164, Vers 30, der auf die Zeit vor 1500 v.Chr. datiert wird: "Die Seele des Toten wandert nach eigenem Ermessen. Die unsterbliche Seele ist gleichen Ursprungs mit dem Sterblichen." Das magische Weltbild macht keinen Unterschied zwischen tod und lebendig. Es besteht also auch ein Unterschied zwischen einer Seele im magischen [unistischen] Sinne und einer Seele nach heidnisch-animistischem Verständnis.
/>
/>vitom - Irrtum vorbehalten
/>
/>
Die keltische Religion - Meine Vorstellung von einem trinitären Monismus setzt ein unistisches [magisches] Weltbild voraus

Werner

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #6 am: 14. Mai 2008, 00:05 »
Hallo Vitom
/>
/>Ein sehr interessanter Beitrag! Danke!
/>
/>Wie du sehr richtig schreibst, ist das magische Weltbild und das animistische Weltbild nicht auseinander zu halten. Beide haben sich vermischt. Wobei noch die Frage offen ist, ob es jemals eine Trennung dieser beiden Weltbilder gab oder ob nicht viel wahrscheinlicher das eine sich langsam in das andere verwandelt oder entwickelt hat.
/>Es ist auch eine offene Frage, ob in der animistischen Weltsicht wirklich Leib und Seele (oder auch: Materie und Spirit bzw. Geist) trennend gesehen wurden. Dies wirklich mit Sicherheit zu sagen dürfte unmöglich sein.
/>
/>Ich gehe bei solchen Fragen immer lieber in die Gegenwart als in die Vergangenheit. Denn heute gibt es noch Völker, die ein animistisches Weltbild haben. Ich möchte hier besonders die nordamerikanischen Indianer nennen. Aber auch die Maori in Neuseeland haben ein ganz deutlich ausgeprägtes animistisches Weltbild, auch wenn die meisten von ihnen Christen sind. Sie können das sehr leicht vereinbaren, denn die christliche Lehre als Theologie und als reine Kopf-Religion kennen sie gar nicht bzw. sie kümmern sich nicht darum.
/>Da ich in einer Gegend lebe, in der ca. 40% Maori sind, kenne ich sie recht gut, denn wir leben im täglichen Leben zusammen und nicht getrennt. Ich arbeitete auch 10 Jahre in einer Maori-Organisation und hatte hier reichlich Gelegenheit, ihre Kultur und religiösen Vorstellungen kennen zu lernen.
/>Die Maori trennen keineswegs Materie und Geist. Ganz im Gegenteil ist dies wohl einer der Hauptunterschiede zu unserer westlichen Kultur.
/>
/>Man kann auch nicht für alle animistisch fühlenden Völker behaupten, sie würden die Naturkräfte vergöttlichen. Bei den Maori ist dies jedenfalls nicht der Fall. Als Christen kennen sie nun zwar einen Gott (nämlich den christlichen), aber ursprünglich kannten sie keine Götter. Sie verehren und achten zwar die Naturkräfte, aber nur unsere, von unserem eigenen christlichen und dualistischen Denken geprägten Sicht kommend und in fast schon in unglaublicher Weise geprägten Kultur läßt uns das als "Vergöttlichung" sehen. Und so kommt es, dass sogar Wissenschaftler und Archäologen davon sprechen, die Maori hätten Götter verehrt. Das stimmt absolut nicht. Ihre sogenannten "Götterfiguren" sind ihre Ahnen. Auch der Ausdruck "Großer Geist", den die Indianer kennen, wurde von den Weissen fälschlich als "Gott" interpretiert. Dabei heißt "Großer Geist" in der ursprünglichen Bedeutung soviel wie "Großes Geheimnis". Und das ist ja nun wirklich kein Gott, sondern bezeichnet lediglich, dass es etwas gibt, das für uns ein Geheimnis ist. Ähnlich wie LaoTse sagt, man kann das Tao nicht benennen. Also auch hier ist es ein Geheimnis, das man nicht benennen kann. Denn sobald man es benennt, wird es materialisiert. Nämlich die Benennung, die wir intellektuell und mit unserem Gehirn vollziehen und somti ein Produkt des Gehirns ist, kann wiederum nur Materie sein. Somit ist jeder Gott, den wir benennen, gar kein Gott oder etwas aus der spirituellen Welt, sondern ein Geilde unseres Verstandes und somti ist dieser Gott in Wahrheit Materie. Aber Spirit ist ja gerade Nicht-Materie und somit nicht mit materiellen Werkzeugen - nämlich mit dem Verstand - zu erkennen.
/>In der animistischen Weltsicht ist alles "beseelt". Mit anderen Worten: Alles ist auch Spirit. Wir "haben" nicht Spirit, sondern wir sind es. Ebenso "haben" wir keinen Körper, sondern wir sind es. Wir sind beides: Körper UND Spirit. Dies trifft für alles zu, auch für den Stein, das Wasser, die Erde, die Sonne etc.... Das ist demnach alles andere als eine Trennung.
/>
/>Nun wäre noch in diesem Zusammenhang die Frage zu behandeln, wie es mit der Vorstellung des "ewigen" Lebens ist. Lebt die Seele ewig? Und was ist eigentlich die Seele?
/>
/>Wie ich soeben ausführte, ist in der animistischen Weltsicht alles auch Seele und zwar untrennbar mit dem Körper verbunden. Stirbt nun die Seele, wenn der Körper stirbt, nachdem doch alles untrennbar verbunden ist?
/>
/>Diese Frage beschäftigt die Menschen seit undenkbaren Zeiten und alle Religionen versuchen und versuchten, Antworten auf diese Frage zu geben. Und weil sich der Mensch so unendlich wichtig vorkommt (was daher kommt, dass er ein Bewußtsein seiner Existenz hat, sich also als ein "ICH" erkennen kann), kann er sich nicht vorstellen, dass er (seine Seele oder sein Ich) nicht weiterlebt. Zusätzlich es ist ein großer Wunsch, weiter zu leben und sein so wichtig erscheinendes Ich nicht aufzugeben und aus diesem Wunschdenken heraus (und aus der Wichtigkeit, die er sich selbst gibt) wird dann aus dem Wunsch die Realität. Der Wunsch und die Selbstüberschätzung ist so groß, dass sich dieser Wunsch oder Fantasie verselbständigt, eine eigene Dymnamik entwickelt und zur Relligion wird. Religionen haben deshalb den großen Zulauf, weil etwas versprochen wird, das jeder Mensch gerne haben will. Ob das Versprochene dann auch eintritt, kann niemand nachprüfen und somit kann man auch nicht beweisen, dass alles nur Wunschdenken ist.
/>
/>Aber neben diesem Gedanken sollten wir noch eine andere Frage aufwerfen im Zusammenhang mit der Frage nach dem Tod.
/>Was ist denn eigentlich der Tod?
/>Gehen wir rein vom Körper und den hier sichtbaren Tatsachen aus, dann sehen wir, dass der Körper verschwindet.
/>Aber halt, dieses Denken ist vorschnell und falsch. Denn in Wirklichkeit verschwindet gar nichts aus dem Universum. Wohin sollte es auch verschwinden? Und so verschwindet auch der Körper nicht, sondern er löst sich auf in viele Bestandteile oder transformiert in neue Bestandteile. Und hier kommt nun wieder die Parallele zur Quantenphysik mit ins Spiel, die ja auch genau diese Dinge wissenschaftlich nachweist. Aber wir müssen gar nicht so weit gehen. Schon die Beobachtung der Natur kann jedem von uns zeigen, was der Tod eigentlich ist. Schauen wir einen Baum an, der langsam stirbt und ein Ast nach dem anderen abfällt und morsch wird. Was wird aus diesem Baum? Klar, es wird Humus daraus und auch noch andere Dinge. Das Wasser verdunstet zum Beispiel. Aber damit ist es ja nicht weg. Und aus dem Humus wächst Gras oder ein neuer Baum etc....
/>
/>Wenn nun Körper und Seele eine untrennbare Einheit sind, dann kann es doch gar nicht anders sein, als dass beides zusammen die gleiche Entwicklung mitmacht.
/>
/>Und mit diesem Gedanken will ich mal mein Posting schliessen und überlasse es euch allen, hier selbst mal ein wenig weiter in diese Richtung zu denken. Es wird ein ganz neues (oder auch uraltes) Weltbild daraus entstehen.
/>
/>Schöne Grüße
/>Werner
/>
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

vitom

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #7 am: 31. Mai 2008, 04:52 »
Hallo Werner
/>
/>Bei den Diskussionen von Polarität, ganzheitlich und Dualismus, hier ein Beispiel, kann der Eindruck entstehen, man würde, sinnbildlich, vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen.
/>
/>Polarität verstehe ich als die gelebte Praxis, jenes nicht zu trennen, welches zusammengehört. Das ist weder Theorie noch werden dadurch irgendwelche philosophischen oder religiösen Aussagen getroffen. Klar funktioniert Polarität innerhalb des bestehenden kulturellen Wortschatzes, aber deswegen ist das noch kein Konzept, sondern bezeugt lediglich eine Tatsache, wie eines ohne das andere gar nicht fassbar ist. Nicht mehr und nicht weniger.
/>
/>Nehmen wir ein Beispiel: Was als partnerschaftliche Liebe bezeichnet wird, kann aus den zwei monogamen Polen bestehen und ist gegenseitig. Aus meiner Sicht der Polarität kann ich nun den diffusen Begriff Liebe erfassen als meinen Stolz, die Ehre zu haben, von meiner Frau geliebt zu werden.
/>
/>Die Polarität selber liefert keine Inhalte, sondern lediglich eine Mitte der Betrachtung innerhalb der durch die Pole vorgegebenen Sachverhalte, welche alle für sich ausfüllen können.
/>
/>Noch kurz zu deiner Frage:
/>

/>Lebt die Seele ewig? Und was ist eigentlich die Seele?
/>
/>

/>Ewig meint zeitlos und das bedeutet für mich, im übertragenen Sinn, so ungefähr in der Gegenwart ruhend. Mein momentaner Begriff der Seele ist folgender: Heute kann Seele verstanden werden als Zugriff auf eine geistige Dimension. Real physikalisch, aktuell die Quantenbits der Information. In der Psyche der Menschen verkörpert als der angeborene religiöse Impuls, die zentrale Verbindung und Erfassung von Ahnung, Glauben und Denken.
/>
/>Wenn man den Vorgang des Psychischen als eine Teilnahme an etwas begreift, das es gibt, nämlich die physikalische Information, ist es offensichtlich, dass auch die Seele einzigartig und unsterblich ist. Allerdings unpersönlich, die Person gehört zur Biologie. Auferstehen aus dem zeitlosen Zustand kann nur die Information. Die Seele ist folglich der Bezugspunkt des Menschen in einer geistigen Dimension, der zu Lebzeiten als denkender Geist wahrgenommen wird.
/>
/>Unabhängig davon, was Seele ist oder sein könnte oder sein möge; die Seelen sind unvergänglich. Alle. Ohne Ausnahme. Das ist genial. Man ist sich einig im Diffusen - (Wer keine Seele hat, bitte Hand erheben.)
/>
/>Gruss, vitom
/>
« Letzte Änderung: 31. Mai 2008, 05:49 von vitom »
Die keltische Religion - Meine Vorstellung von einem trinitären Monismus setzt ein unistisches [magisches] Weltbild voraus