Autor Thema: Grundgedanken zur Polarität  (Gelesen 28154 mal)

Wælceasig

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #16 am: 01. Juni 2008, 09:46 »
Ich sagte nämlich, dass man das Unbekannte nicht beschreiben kann.

/>Das bezweifle ich ja auch nicht. Ich habe nur widersprochen, dass das Tao nicht „das Unbekannte“ ist. Das Tao ist das, was man nicht beschreiben kann.
/>
/>
Interessant ist auch, dass du offensichtlich alles sofort in Kategorien einteilst "Gut" und "Falsch". Ein schönes Beispiel für den Dualismus gibst du auf diese Weise.
/>Jemand, der alles nur dualistisch sieht, kann eigentlich kein Gesprächspartner für jemand sein, der das Grundprinzip der Polarität erkannt hat.

/>:laugh:
/>
/>Hach, Werner (der natürlich niiiiiie etwas als „richtig“ bezeichnet) verbleibe in deiner dualen Kategorisierung zwischen denjenigen die angeblich die Grundprinzipien der Polarität verstanden hätten und denen, die das deiner Meinung nach nicht tun - ein schönes Beispiel für den Dualismus gibst du auf diese Weise  :wink1: - und unterhalte dich mit Vitom, (der zwar auch etwas als „richtig“ und „falsch“ bezeichnet, dessen Meinung aber deiner offensichtlich nah genug ist, so dass du ihn als jemand bezeichnen kannst, der „das Grundprinzip der Polarität erkannt hat.“) ich jedenfalls halte mich weiter an Laotse, denn der wusste wovon er sprach.

LaChatte

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #17 am: 01. Juni 2008, 17:49 »
Hallo Waelceasig
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Zitat
Sie sind nur nicht nicht absolut gültig, sondern sie wiedersprechen sich auch, da sie eben nicht "real" sind. Wenn Mensch A) im Tal steht, und Mensch B) in der Mitte eines Berges, dann ist für A) der ganze Berg "oben", für B) nur das Stück bis zum Gipfel. Das Stück zwischen Tal und Bergmitte ist also gleichzeitig "oben" und "unten".

/>Ein Widerspruch entsteht nur, wenn die Positionen nicht benannt werden. Die Aussage "dieser Baum steht oberhalb von mir" von Person B und "dieser Baum steht unterhalb von mir" von Person A ist völlig klar, wenn eine dritte Person die ganze Situation sieht und sagt "Person B steht ganz unten, Person A ganz oben und in der Mitte zwischen ihnen ist ein Baum." Damit haben wir im Alltag ja auch selten Mühe, diesen Kontext zu erfassen - obwohl, für Astronauten dürfte es etwas schwieriger sein, da die Gravitation als Referenz fehlt.
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/>
Zitat
Aber wie du sagst - es sind zweckmäßige Einteilungen - wie so viele vermeindliche Polaritäten - die der Mensch erfindet, und die genauso wenig real oder absolut sind wie andere menschliche Geisteskonstrukte auch.

/>Hier könnte man fragen, was dann überhaupt noch real ist? Schliesslich ist alles, was wir Menschen wissen, zu wissen glauben, glauben, vermuten und so weiter nicht mehr als die Interpretation einer Auswahl von über die Sinne aufgenommenen Daten.
/>
/>Auch wenn die Antwort lauten könnte "gar nichts Wahrgenommenes ist real", so denke ich, dass dennoch nicht alles völlig beliebiges Hirngespinst ist, sondern dass es auch im Bereich des Relativen durchaus Regeln gibt, und dass Einteilungen wie hell-dunkel und oben-unten durchaus nicht völlig willkürlich sind, sondern sich oft aus der Natur der Sache - oder des Menschen - ergeben. 
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Zitat
Nach meiner Meinung ist es keine Strukturierung, sondern ein Erkennen eines Prinzips. Strukturiert wird die Welt nicht, wenn wir etwas erkennen. Wenn ich etwas strukturiere, dann "erfinde" ich etwas und  folge dann sehr wahrscheinlich im Rahmen dieser Strukturierung einigen Regeln. Es kann zum Schubladendenken führen. Ein Erkennen jedoch ist ganz und gar wertfrei.

/>Hallo Werner
/>
/>ich kann diese Unterscheidung von dir nicht nachvollziehen. Etwas zu erkennen bedeutet doch auch immer, Unterschiede zu benennen - und daraus folgt doch automatisch eine Struktur? Das muss noch nicht mal wertend sein. Wenn ich sage "in der Nacht ist es dunkel, am Tag ist es hell" so lege ich durchaus Schubladen an - was aber nichts Schlechtes ist, sondern eine Voraussetzung, um überhaupt kommunizieren zu können.
/>
/>grüsse, barbara

rivka

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #18 am: 01. Juni 2008, 21:29 »
Ich wollte eigentlich nur die Bemerkung fallen lassen, dass die katholische Kirche dualistische Christentümer als Häresien betrachtet (hat). Das katholische Christentum ist m.W. alles Mögliche, aber nicht dualistisch. Keine monotheistische Religion ist das, soviel ich weiss.
/>
/>Falls das nicht schon jemand gesagt hat.
/>
/>Und falls, wie gesagt, ich mich nicht irre 
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/>
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

vitom

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #19 am: 01. Juni 2008, 22:37 »

/>Denn das Zerlegen von Texten (indem man Sätze oder auch nur einzelne Worte aus dem Text herausnimmt und zitiert und nur diese Details beurteilt) ist hier sehr verbreitet. Der Sinn für die Gesamtaussage eines Textes geht dabei vollkommen verloren. 
/>
/>

/>Hallo Werner
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/>Das halte ich für zentral und wichtig, wie du schreibst: Der Sinn für die Gesamtaussage ... Unter der Gesamtaussage eines Textes, dem denkbaren Zusammenhang, verstehe ich gleichzeitig auch die physikalische Information und das ist nichts Geringeres als die Bedeutung der Gegenwart. Es scheint folgerichtig, dass der Verlust, Zusammenhänge erkennen zu können, längerfristig, über Generationen, Folgen haben muss wie Ausweglosigkeit, Verzweiflung, Ohnmacht. Das dualistische zerreden und festbeissen in Details, angeblichen Ungenauigkeiten etc. gehört zur Ablenkung zwecks Umgehung der Polarität. Zusammenhänge sind nämlich gar nicht erwünscht, wenn sie ohnehin nicht verstanden werden können. Das zeigt sich daran, dass auch nicht zwischen den verschiedenen Dimensionen innerhalb des Ganzen unterschieden wird. Die jeweils anderen Aspekte von Geist, Biologie, Kosmos zum Gleichen des in die Mitte der Betrachtung gerückten sind sowohl in Form der Wirklichkeit durch menschliche Sinnesorgane als auch der exakten Physik als Ganzes zu erfassen und zu verstehen. In der Polarität geht es nicht um Wahrheit, nicht darum, wie etwas ist oder nicht, sonders es geht um die Bedeutung, um die Mitte der Betrachtung, um die Zusammenhänge, Bezugspunkte und Schnittstellen.
/>
/>Eine Voraussetzung für ein tragfähiges Fundament scheint mir, die normale Wirklichkeit der menschlichen Sinnesorgane als Teil der Realität zu begreifen und nicht als die Realität selbst. Ein Blick in einen klaren Nachthimmel beweist, was damit gemeint ist. Der Mensch sieht bloss Lichtpunkte auf dunklem Hintergrund. Das ist die Wirklichkeit. Erst mit Technik ist der Blick in den Raum möglich und da werden Milliarden von Sonnen und Galaxien erkennbar, das ist die Realität, für den Menschen direkt nicht sichtbar. Oder die Geschwindigkeit von etwa 108'000 Stundenkilometern, mit der die Erde um die Sonne rast und die vom Menschen direkt nicht wahrgenommen wird. Und so weiter.
/>
/>In einem zweiten Schritt kann der Mensch, der ja zweifellos ein biologisches Lebewesen ist, erfasst werden durch das Verstehen, was biologisches Leben bedeutet: Gleichzeitig optimale Abgrenzung und Anpassung. Ohne diese ständige Gratwanderung der Zellen ist kein Leben möglich. Beim Menschen geprägt mit Geburt und Tod führt das zum Begriff Alles/Nichts, zur Polarität. Zugleich ist aus der Funktionsweise des Stoffwechsels der Zellen, nämlich erkennen, unterscheiden und auswählen auch schon das angeborene Denkmuster des Menschen ableitbar und stimmt exakt mit jenem der Polarität überein: Die Mitte der Betrachtung ist die Erkenntnis zwischen den Polen Unterschied und Auswahl. Damit wird unbekanntes in bekanntes umgewandelt.
/>
/>In einem nächsten Schritt kann Mensch, so er will zum besseren Verständnis, nun die seine Menschenwelt als Weltanschauung strukturieren: Mensch[Geist] -> Biologie -> Kosmos und dann mit einem weiteren Schritt auch noch die Ethik einbeziehen, was zu Monismus/Trinität führen kann. Grundlage bleibt aber eine ganzheitliche Welt, die sich dem Menschen als Natur zeigt und auch alles wesentliche in sich selbst enthält. Man braucht bloss das naheliegende zu sehen und dabei das Unsichtbare nicht vergessen.
/>
/>Dass sich vom Mensch Gedachtes, also auch Polarität innerhalb der Menschwenwelt befindet, ist schlicht folgerichtig (logisch). Richtig oder falsch entscheidet sich in der Polarität von selbst dadurch, ob die Bezugspunkte stimmen oder nicht. Der Ausschluss des Dritten wird aber nur zur Schlussfolgerung innerhalb einer Erkennntis benötigt (Ja/Nein, etc.). Von Bedeutung scheint mir auch das Bewusstein der Unterschiede von Weltbild, Weltanschauung, Wirklichkeit und Realität, was je für sich genommen etwas völlig anders darstellt.
/>
/>
/>
Ich wollte eigentlich nur die Bemerkung fallen lassen, dass die katholische Kirche dualistische Christentümer als Häresien betrachtet (hat). Das katholische Christentum ist m.W. alles Mögliche, aber nicht dualistisch. Keine monotheistische Religion ist das, soviel ich weiss.
/>

/>Hallo rivka
/>
/>Generell, unabhängig der zeitbedingt erfolgten Anpassungen und Änderungen, besagt Dualismus, die Welt bestehe aus zwei verschiedenen und miteinander unvereinbaren Elementen, Zuständen oder Prinzipien. Also kein Ganzes, sondern z.B. weltlich und göttlich. Jede Religion und Philosophie in Form von metaphysischer "Übernatürlichkeit" ist Dualismus. Das ist der Satz des ausgeschlossenen Dritten. Die katholische Kirche war und ist Hauptgegner des Animismus [Zauberei/Hexerei]. Animismus teilweise, Polytheismus ist klar Dualismus, die KK ebenfalls, also eine Art Konkurrenz im Kampf um die Seelen. Polarität hingegen ist unistisch, es gibt nur ein natürliches Ganzes, das vom Mensch als Welt bezeichnet wird, welche sich in den sich gegenseitig bedingenden Polen äussert.
/>
/>Gruss, vitom - Irrtum vorbehalten
/>
Die keltische Religion - Meine Vorstellung von einem trinitären Monismus setzt ein unistisches [magisches] Weltbild voraus

Werner

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #20 am: 02. Juni 2008, 00:07 »
Hallo Barbara
/>Ein Schubladendenken ist meines Erachtens nicht dasselbe wie ein Erkennen. Ein Schubladendenken wird geschaffen. Eine Erkenntnis wird nicht erschaffen, sondern, wie der Name sagt, erkannt. Dein Tag und Nacht-Beispiel ist ein Erkennen. Jedenfalls wird im allgemeinen Sprachgebrauch so etwas nicht als Schubladendenken betrachtet. Ich kann zwar verstehen, warum du auf diesen Rückschluss kommst. Du meinst, es sind dann zwei Schubladen da, nämlich Tag und Nacht und man ordnet der einen die Helligkeit zu, der anderen die Finsternis. Normalerweise jedoch meint man bei Zurodnungen nicht ein Schubladendenken. Man bezeichnet damit ein vom Menschen gemachtes Stereotyp und keine Naturerscheinung. Denn man kann schlecht sagen, man macht nun eine neue Schublade und läßt es am Tag finster sein.
/>Typisches Schubladendenken ist z.B.: "Männer sind stur, Frauen sind nachgiebig" - oder ähnliche Klischees. Das sind dann keine Fakten, sondern Annahmen. In einigen Fällen kann es sogar wirklich um eine Beobachtung gehen. Wenn man relativ viele Männer beobachtet hat, die stur sind, dann glaubt man möglicherweise, dass dies eine Erkenntnis ist. Aber das kommt dann daher, dass man entweder nicht genau hingeschaut hat oder nicht genug Fällte beobachtet hat. Bei Tag und Nacht kannst du jedoch so viel beobachten wie du willst, es wird immer dasswelbe dabei herauskommen. Schubladendenken hat auch sehr viel mit vorgefassten Meinungen zu tun, vielleicht auch mit Wunschdenken. Oder beides zusammen. Auch Besserwisserei oder Wichtigtuerei kann ein Rolle spielen. Oder alles zusammen.
/>
/>Hallo Rivka
/>
/>Die christliche Lehre ist geradezu ein Musterbeispiel für den Dualismus. Und das kannst du auch in jedem Buch nachlesen, das sich mit Religionen befaßt (ich meine natürlich ein objektives sachliches Buch, kein christliches).
/>Vitom wies schon auf die Trennung von Materie und Gott hin. Das ist mal das Hauptmerkmal. Aber es gibt noch viele andere. Den Vogel schiessen die Christen ab mit ihrem Osterfest. Da feiern sie die Aufstehung von den Toten. Es wird davon gesprochen, dass man den Tod überwindet. Das ist doch wohl der größte Witz, was die meisten Menschen jedoch gar nicht merken. Denn die Polarität von Geburt und Tod kann man nicht aufheben. Ebenso wie es nicht immer nur Tag sein kann. Auch mit der größten Anstrengung, mit allen spirituellen Mitteln, mit dem größten Willen und auch nicht mit der größten Überredungskunst kann man das bewirken. Man kann es glauben und das tun ja auch die Christen. Aber was bedeutet das schon? Glauben heißt ja bekanntlich: Nicht wissen! Glauben kann man alles. Das hat mit Erkennen, mit Sehen und Erfahrung nichts zu tun. Mit dem Tod ist es leider so, dass wir bei oder nach dem Erfahren niemand sagen können: Das war alles ein riesiger Joke! Deshalb geht der Glaube immer weiter. Und ich kann dir sagen warum: Weil man es glauben will. Denn dann fühlt man sich wichtig und mächtig, auch wenn man noch so klein und unbedeutend ist. Dann sogar glaubt man am allermeisten! Das wird sogar ganz offen zugeben. Denn Jesus sagt doch, dass er besonders für die Armen, Schwachen und Elenden da ist. Vielleicht ist es ja auch hilfreich, wenn man sich an so einer Hoffnung aufrichten kann. Ich für mein Teil finde so einen Unsinn jedoch nicht für sehr hilfreich. Seitdem ich weiss, dass mein  ICH nicht weiter existieren wird, habe ich einen tiefen inneren Frieden erreicht. Aber andere Menschen mögen ihren Glauben benötigen.
/>
/>Und weiter spricht Jesus ständig davon, ins Himmelreich einzugehen, zum Vater zu kommen. Wenn das keine Trennung ist, dann weiss ich nicht was Trennung ist. Wie kann man irgendwo hingehen, wenn man schon da ist??? Wenn man in den Himmel kommen will, dann ist doch vorausgesetzt, dass man wo anders ist. Also getrennt. Und das sagen sie ja auch. Sie sprechen davon, dass wir uns von Gott getrennt haben und deshalb sterben müssen. Also Dualismus von A-Z. Würden sie wenigstens sagen, dass sie meinen, von Gott getrennt zu sein es aber in Wahrheit nicht sind, dann wäre das schon wieder etwas anders. Aber dann bräuchten diese Menschen keine Religion, sondern nur jemand, der ihnen begreiflich macht, dass sie gar nicht getrennt sind. Dann wiederum gäbe es keine Machtstrukturen in den Religionen und die vielen Wichtigtuer und Ausnutzer hätten keine Berechtigung und keine Arbeit mehr. Also muss man weiter den Dualismus fördern, damit der Rubel weiter rollt und der Wagen der Religion schön brav geschmiert wird und weiter fahren kann. Stell dir mal vor, die Christen würden plötzlich sagen: "Wir feiern das Osterfest nicht mehr, denn Jesus ist so wie alle Menschen tatsächlich gestorben! Und einen von uns getrennten Gott gibt es auch nicht!" Die christliche Lehre wäre dann am Ende. Sie würde keinen Sinn mehr machen.
/>
/>Schöne Grüße
/>Werner
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

vitom

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #21 am: 02. Juni 2008, 01:38 »

/>könnte man sagen, Polarität ist eine Methode, die Welt zu strukturieren? Oder lieg ich da jetzt ganz falsch?
/>
/>

/>Hallo LaChatte
/>
/>Für mich ist Polarität ein Resultat. Der in der Praxis gelebte Grundsatz, nicht grundlos und willkürlich zu trennen was zusammengehört. Nicht mehr und nicht weniger.
/>
/>
/>
/>

/>Und die Einteilung "vier Elemente" als "falsch" zu bezeichnen ist absurd.
/>
/>

/>Hallo Wælceasig
/>
/>Bitte richtig lesen und wenigstens versuchen, die Gesamtaussage zu erfassen. Im Zusammenhang habe ich nämlich ganz etwas anderes geschrieben: Zudem habe ich den Eindruck, dualistisch denkende, also "gläubige" Menschen, können durch das entweder/oder des Weltbildes vermutlich keine Mitte der Betrachtung erfassen und sehen dadurch, ebenfalls vermutlich, auch die Zusammenhänge der Natur nicht. Da wird noch heute falsch von vier Elementen geredet, so als ob Feuer nicht schon immer Oxidation, Transformation gewesen wäre. Tragisch ist nun dabei, ein Programm des Glaubens fällt in sich zusammen, wenn die persönliche Weiter-Entwicklung das geglaubte oder Teile davon als Denkfehler entlarvt und auf der anderen Seite kann ohne denkbaren Zusammenhang auch die Bedeutung der Gegenwart, das ist im besonderen der Einbezug von Erkenntnissen der exakten Physik inkl. Zeitbegriff, nicht erfasst werden. Resultat ist Ausweglosigkeit, Verzweiflung, Ohnmacht.
/>
/>Aus heutiger Sicht eindeutig falsch war die Lehre von Aristoteles mit seinen vier Naturelementen, bei der Feuer mit den drei anderen gleichgesetzt wird. Trotzdem werden diese Denkfehler nach meinen Beobachtungen noch heute stets wieder voneinander abgeschrieben, nachdem sich der Irrtum zusammen mit dem ebenfalls eindeutig falschen geozentrischen Weltbild des Claudius Ptolemäus bis in die Neuzeit hinein halten konnte.
/>
/>
/>Gruss, vitom - Irrtum vorbehalten
/>
/>
Die keltische Religion - Meine Vorstellung von einem trinitären Monismus setzt ein unistisches [magisches] Weltbild voraus

_blaumond_

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #22 am: 15. Juli 2008, 07:54 »
So, dann mal hier...
/>
/>Jeder kennt sicher die Gegensätze: Mann/Frau, Tag/Nacht, Oben/Unten, Heiß/Kalt etc. Aber sind das wirklich alles Gegensätze? Die Frage kann ich weder bejahen noch verneinen.
/>
/>Vielen dürfte ja auch das Ying/Yang-Prinzip bekannt sein.
/>Aber inwieweit greift dieses Prinzip - oder eben ein anderes Konstrukt, auf die oben genannten Beispiele zu?
/>
/>Wenn ich mich innerhalb so eines Prinzips z.B. grundlegend darauf festlegen würde, dass der Tag lebensbejahend ist und die Nacht zerstörerisch, wie würde es dann damit in der Wüste von Ägypten bei 55° im Schatten um 12 Uhr Mittags aussehen?
/>
/>Wenn ich definiere, dass feurig = männlich bedeutet und wässrig = weiblich, würde dass dann bedeuten, dass eine aktive, feurige Frau keine richtige Frau ist, sondern nur männliche Eigenschaften hat und das absolute Gegenteil von weiblich ist?
/>
/>Wie würde es aussehen, wenn ich nach der Definition Yang=Gut/Ying=Böse einem Berg die Eigenschaft Yang gebe und dem Tal das Ying, und ich bei einer Wanderung auf dem Berg hinfalle und mir das Genick breche?
/>
/>Die Beispiele sind natürlich sehr weit gefasst.
/>Dabei will ich nur sagen, dass solche Zuordnungen immer willkürlich sind, auch wenn es Hermetiker gibt, die so eine Sichtweise durchaus vertreten, obwohl sich immer etwas finden lässt, was man auf Schwachstellen abklopfen kann.
/>
/>Was ist denn nun diese Polarität, von der immer die Rede ist? – jetzt mal unter religiösen und naturwissenschaftlichen Aspekten gesehen.
/>Was benötigt es für philosophische Voraussetzungen, um Polarität überhaupt wahrzunehmen?
/>Kann man Polarität auch subjektiv oder auch objektiv wahrnehmen bzw. lässt sie sich konkret definieren?
/>Auf welchen Ebenen existiert Polarität (psychisch, physisch)?
/>Gibt es Grenzen für die Polarität?
/>Lässt sich Polarität auf alle Dinge des Lebens übertragen?
/>Was bedeutet Polarität zu leben und sie in den Alltag zu integrieren?
/>
/>Na ja, ich bin gespannt, was ihr so zu sagen habt.

Anufa Ellhorn

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Re: Grundgedanken zur Polarität
« Antwort #23 am: 15. Juli 2008, 08:36 »
Well met, _blaumond_ ;)
/>
/>Die Fragen die Du hier stellst sind für mich genau der deutlicheste Unterschied zwischen Polarität und Dualismus.
/>
/>>Wenn ich mich innerhalb so eines Prinzips z.B. grundlegend darauf festlegen würde, dass der Tag lebensbejahend ist und die Nacht zerstörerisch, wie würde es dann damit in der Wüste von Ägypten bei 55° im Schatten um 12 Uhr Mittags aussehen?
/>
/>Das ist imho genau der Knackpunkt  :thumbsup:
/>Wenn ich mich auf diese Prinzipien genauso festlege - in meiner polaren Sichtweise gibt es diesen Ansatz aber nicht. Tag kann ich nur in Bezug zu Nacht definieren, kalt nur im Vergleich zum heiß etc pp.
/>Deshalb isses für mich auch recht logisch, dass die Sonne in südlichen Gegenden eher als "potentiell gefährlich" gehandelt und auch dementsprechend ins Götterpantheon eingepasst wird und im Norden eher als "lebensspendend". In einem Land wie Hawaii wird der Göttin der Fakt "Vulkan" deutlich zugeschrieben - der zwar fruchtbar aber auch sehr zerstörerisch ist. In unseren Breitengraden heute fehlt der zerstörerische Anteil der Erde z. B. meistens völlig in der Götterwelt...
/>Sofern diese Mechanismen ausschließlich werden - ist das für mich Dualismus und keine Polarität.
/>
/>>Wenn ich definiere, dass feurig = männlich bedeutet und wässrig = weiblich, würde dass dann bedeuten, dass eine aktive, feurige Frau keine richtige Frau ist, sondern nur männliche Eigenschaften hat und das absolute Gegenteil von weiblich ist?
/>
/>Manche mögen es so interpretieren - für mich ist das lebensfern. Yin und Yang sind allein in der Interaktion zu definieren, im Verhältnis. Frauen sind von der Konstitution her meistens mehr yin als Männer. MEISTENS und KONSTITUTIONELL
/>Frauen haben genauso Anteile die yang sind und Männer Anteile die yin sind (sonst würde das System intern wieder nicht schlüssig sein). Yin kann zu Yang werden und Yang zu Yin durch bestimmte Einflüsse und wenn sich Yin und Yang im Menschen bleibend trennen, dann beendet das das Leben genauso wie ein Erlöschen des Yang oder versickern des Yin.
/>
/>>Wie würde es aussehen, wenn ich nach der Definition Yang=Gut/Ying=Böse einem Berg die Eigenschaft Yang gebe und dem Tal das Ying, und ich bei einer Wanderung auf dem Berg hinfalle und mir das Genick breche?
/>
/>Ich kann nicht sehen, wie das Beispiel auch nur irgendwas mit einem umsetzbaren Verständnis von Yin und Yang zu tun hätte (ganz zu schweigen von einem Verständnis, das auch nur irgendwie in die Nähe von TCM kommen würde)
/>
/>>Was benötigt es für philosophische Voraussetzungen, um Polarität überhaupt wahrzunehmen?
/>
/>Für mich ist eine Voraussetzung, dass mensch sich mal auf den Standpunkt begibt, dass grundsätzlich als philosophisches Konstrukt quasi, mal alles EINS und die Trennung des Ichs von der Welt nur EINE mögliche Sichtweise ist. Eine andere ist, dass ich in Gegenpolen denke (dem sowohl-als auch) und nicht in Gegenteilen (entweder-oder). Weiters ist imho nötig, dass Ausschliesslichkeiten möglichst zu reduzieren sind (keine allgemeingültigen und alleinigen Wahrheiten z. B.).
/>
/>>Kann man Polarität auch subjektiv oder auch objektiv wahrnehmen bzw. lässt sie sich konkret definieren?
/>
/>Ich wüsste keinen Weg als Mensch objektiv was wahrzunehmen...
/>Konkret allgemeingültig wäre mir keine Definition bekannt.
/>
/>>Auf welchen Ebenen existiert Polarität (psychisch, physisch)?
/>
/>Es gibt nichts für mich wo es keine Polarität gäbe.
/>
/>>Gibt es Grenzen für die Polarität?
/>
/>Nicht dass mir welche bewusst wären.
/>
/>>Lässt sich Polarität auf alle Dinge des Lebens übertragen?
/>
/>Ja, bis jetzt ist mir nichts untergekommen wo das nicht funktioniert hätte (sonst hätte ich das System gewechselt)
/>
/>>Was bedeutet Polarität zu leben und sie in den Alltag zu integrieren?
/>
/>In welcher Hinsicht?
Bright blessings
/>Anufa