Autor Thema: Polaritäts-Artikel von Dr. phil. R. Müller  (Gelesen 12378 mal)

Wælceasig

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Re: Polaritäts-Artikel von Dr. phil. R. Müller
« Antwort #8 am: 18. Mai 2008, 16:29 »
Wenn ich nerve, muss man mir Bescheid sagen :wacky:
/>

/>Ganz und gar nicht!
/>Ich finde es superinteressant, was du sagst (So etwas wie: >>>"Wie verwendet man einen elektirischen Stuhl, eine taktische Atomwaffe, ein Fliessband "sachgerecht"? Oder ist es vielleicht gar nicht gut, die Dinge "sachgerecht" zu verwenden? Wie wäre es mit "menschengerecht"?<<< muss man sich mal richtig schön auf der Zunge :P zergehen lassen.)
/>
/>Ich bewundere deine Ausdauer mit diesem Text! Immerhin ist er dadurch ja noch zu etwas gut!  :devilish:
/>
/>P.S.:
/>Ich hatte mich auch schon von Beginn an gefragt, an was für eine Leserschaft der ursprüngliche Artikel gerichtet war. Ich habe keine Ahnung, an was für einen Käuferkreis sich die "Basler Nachrichten" wende(te)n, aber ich vermute einfach mal ins Blaue, dass die sich haben beeindrucken lassen von den hochgelehrten Verweise (Oder bei denen der "Wort-zum-Sonntag- "Achtung, es kommen nur ein Haufen Phrasen" - Einschläferreflex gewirkt hat ;D ) und der Autor nicht wirklich damit gerechnet hat, dass das einer ernsthaft reflektiert, und sich so dementsprechend auch keine wirkliche Mühe um inhaltliche Stimmigkeit oder Tiefe gegeben hat.)
/>
/>Das wäre jedenfalls das einzige, was mir zur Entlastung eines Dr. phil einfällt, der so was zusammenschreibselt...  :anxious:
/>
/>
« Letzte Änderung: 18. Mai 2008, 17:11 von Wælceasig »

rivka

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Re: Polaritäts-Artikel von Dr. phil. R. Müller
« Antwort #9 am: 18. Mai 2008, 18:44 »
Danke, Waelceasig...na, wenn ich nun darf, dann werd ich mal - zum Schluss kommen ;D
/>
/>
Zitat
Es gibt unzählbare dieser voneinander je grundverschiedenen Doppelpoligkeiten
/>
/>Sie stellen zur Hauptsache sogenannte "archetypische Bilder" dar, tief auf dem Grund unserer Seele verankerte naturgegebene Widerparte, die sich in kämpferischer Wechselwirkung eröffnen, so, dass in gegenseitiger Ausschliessung und Ergänzung beide, als absolut massungleich, nur durcheinander sinnvoll sind. Je nach Frageweise oder Blickrichtung tritt aber nur das eine oder andere hervor; versucht man dahinter zurückzutreten oder darüber hinauszugehen, zeigt sich eine fast unüberbrückbare Distinktion: Einheit ist nie erkennbar, nur schau- und fühlbar im Zusammenhang und -halt der Wirklichkeit - etwa in Gestalt und Harmonie oder Organismus und Biotop, in den einander gegenseitig umgreifenden Bezirken: Natur, Religion, Kunstwerk, Liebe und Persönlichkeit. Desungeachtet sind Konvergenz der Entgegensetzungen, Freiheit, Wahrheit, Bewusstheit, Liebe und das Gute als absolute, nicht beweisbare Postulate der Vernunft unentbehrliche Ideen - ihre Absolutsetzung im Fanatismus jedoch ist negativ, entleerend, zerstörerisch.
Der erste Satz des ersten Absatzes birgt einige Fragen: Sind "archetypische Bilder" "naturgegeben"? "Tief auf dem Grund unserer Seele verankert"? "Naturgegebene" (und noch einmal, weil das Naturgegebene immer so schön unphilosophisch  unhinterfragbar ist) "Widerparte"? Hier widerfährt uns wieder der bereits erwähnte Dogmatismus, der als "naturgegeben" verkaufen will, was doch nur eine Hypothese, ein System, eine Annahme und ein Erklärungsversuch ist. Apropos Erkärungsversuch: naturgegebene Widerparte, die in gegenseitiger Ausschliessung und Ergänzung nur durcheinander sinnvoll sind, das erklärt nichts, und die Bemerkung, sie seien "absolut massenungleich", weniger als gar nichts. Oder sagen wir: dass im tiefsten Seelengrunde massenungleiche Widerparte verankert sein sollen, hat mich denn doch überrascht, da ich in dem Glauben befangen war, die "Seele" (so sie denn notwendig gedacht werden muss, von "Existenz" gar nicht zu reden) sei so ziemlich das Immateriellste Menschliche, wohingegen die "Masse" untrennbar mit der Materie verbunden sind; schon Licht hat keine Ruhemasse; wie denn "archetypische Bilder"? Ein Satz, der einen einigermassen ratlos lässt, wenn man die Melodie im Wortgeklingel finden will. Und mit Wortgeklingel geht es denn auch weiter, "Einheit ist nie erkennbar, nur schau- und fühlbar" - was vielleicht eher im Wesen des (verstandesmässigen) Erkennens, der Analyse liegt, in der Dialektik des Denkens, das zerteilen muss, um zu erkennen, so dass die Nicht-Erkennbarkeit des Ganzen vielleicht in der Natur des Erkenntnisinstruments "Mensch" eher liegt als in der Natur der Sache, überhaupt: welcher Sache? "In Gestalt und Harmonie oder Organismus und Biotop", als seien diese natürliche Einheiten und nicht der Gestaltwahrnehmung (möglicher Weise) geschuldete Begriffe, Kategorien, die der Mensch der Welt eher zuschreibt, denn dass er sie als "natürliche Gegebenheiten" in ihr vorfindet? Und gar die "einander umgreifenden Bezirke" nun, "Natur, Religion, Kunstwerk, Liebe und Persönlichkeit", in denen Einheit schau- und fühlbar werden soll, sind vollends Abstrakta, Systeme, in denen man genauso viel oder so wenig Einheit vorfinden wird, wie man zuvor in sie hineingedacht.
/>"Desungeachtet sind Konvergenz der Entgegensetzungen, Freiheit, Wahrheit, Bewusstheit, Liebe und das Gute als absolute, nicht beweisbare Postulate der Vernunft unentbehrliche Ideen - ihre Absolutsetzung im Fanatismus jedoch ist negativ, entleerend, zerstörerisch." Wie bitte? Konvergenz (das Aufeinander-zu-Streben) der Entgegensetzungen? Freiheit, Wahrheit, Bewusstheit, Liebe und das Gute? Ich gestehe, dass sich mir der Sinn dieser Wortanhäufungen hier endgültig nicht mehr offenbart. "Bewusstheit" als Postulat der Vernunft leuchtet mir ja noch ein, aber wieso wäre das unbeweisbar unter der Voraussetzung, dass wir unter "Vernunft" rationales Denken verstehen? Wieso sind die Liebe und das Gute "absolute Postulate" der "Vernunft", ihr unentbehrlich? Und ihre - also der Vernunft - Absolutsetzung sei der Fanatismus? Wessen Fanatismus? Des religiösen meines Eindrucks nach nicht, entbehrt dieser doch gerade der Vernunft nicht selten; des wissenschaftlichen Fanatismus, also? Der Autor erklärt sich nicht (wieder einmal) und lässt so die Frage offen, ob hier einer Art mephistophelischer Natur der Wissenschaft das Wort geredet werden und alle Wissenschaftler per se heimlich, still und leise zu Fanatikern gedacht werden sollen? Ich kann mich des Eindrucks kaum erwehren, dass der Artikel hier eine anti-aufkärerische Haltung annimmt und propagiert; das heile "Ganze" dem Empfinden, dem Gemüt, man darf den Verdacht haben: der Religion, der Kunst, der "Natur" (witziger Weise als idealer), der Liebe und so weiter zuschreibt und, vermutlich als Polarität mit einem trennenden Riss dazwischen, diesen als ganzheitlich-gut gedachten Werten die böse, analysierende Wissenschaft als "Polarität" gegenüberstellt, eine paradoxe Sache, da eine Ganzheit ihrer Natur nach kein "Gegenüber" mehr haben kann. Der Verdacht, wie gesagt, drängt sich auf, nicht zuletzt der Zuschreibungen "negativ, entleerend, zerstörerisch" wegen, die man aus frühneuzeitlichen Predigten und zeitgenössischen fundamentalchristlichen Elaboraten zu kennen glaubt (aber nicht nur daher) und mit denen der religiöse Fanatismus schecht charakterisiert wäre, ist dieser doch recht eigentlich weder des Negativismus noch der Entleerung zu zeihen (das schon gar nicht), sondern bloss der Zerstörung.
/>
/>
Zitat
Im Bewusstsein der Zweiheitlichkeit und der Vielzahl von Perspektiven halten wir uns in der "goldenen Mitte", im labilen inneren Gleichgewicht - wenn nicht, stellt dies die Natur von selbst wieder her, analog den physiologischen (antagonistischen) Regelmechanismen in der Homöostase und Kompensation - und befleissigen uns der richtigen Mischung der Pole und Extreme in und um uns. Platon veranschaulicht dies so: Der Mensch muss die beiden Pferde (zum Beispiel Gefühl und Vernunft) vor seinem Lebenswagen aufeinander einspielen.
/>Dass es anstrengend ist, das Leben richtig zu leben, ist klar, besonders wenn man auf dem schmalen Pfad zwischen den Übertreibungen zu gehen und unablässig inmitten von Unzulänglichkeiten zu lavieren versuchen muss. Doch leider ist es nun einmal so: Absolute Sicherheit ist nicht und nirgends zu finden noch zu erreichen.
Wir sind also gehalten, den goldenen Mittelweg zu gehen (und nicht etwa in Extreme zu verfallen und auf revolutionäre Ideen zu kommen?), unser labiles inneres Gleichgewicht (wieso ist das labil?) zu wahren (und nicht etwa zu stabilisieren) weil sonst, und es klingt wie eine Drohung, die Natur es wieder herstellt, das labile Gleichgewicht, "analog den physiologischen (antagonistischen) Regelmechanismen". Bös gesagt, scheint mir das eine Rechtfertigung der Mittelmässigkeit aus dem Willen der Natur heraus zu sein; auf jeden Fall ein Biologismus mit weltanschaulichem Hintergrund und politischen Auswirkungen; "naturgewollt" klingt hier ein bisschen wie "gottgewollt" und ja doch, bescheiden wir uns und protestieren wir nicht, schützen wir unser labiles seelisches Gleichgewicht, in dem wir in der Sicherheit der (auch politischen?) "Mitte" verharren; ein stabiles Gleichgewicht, wie es beispielsweise der Buddhismus oder auch die Kampfsportarten anstreben, wird hier gar nicht für möglich gehalten - so, als wäre ein Individuum mit stabilem innerem Gleichgewicht irgendwie beängstigend, was es ja auch ist, besonders für jene, die, wie der Autor, das Kunststück fertig bringen, in Freiheit nach absoluter Sicherheit zu streben, ein Streben, das quintessenziell das der wohlhabenden, allemal unspirituellen Vorstadtbürgerlichkeit sein könnte, ein "suburbian motto".
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/>
Zitat
Dies alles mag gelehrt klingen oder nicht, es ist im Kleinen und im Konkreten sehr wohl ausführbar: Bemühen wir uns in Konflikten und Ärgernissen um die vielgerühmte "liebenswürdige Bestimmtheit", Sorgfalt und Gerechtigkeit, anerkennen wir ("tapfer und weise") unsere und unserer Mitmenschen mannigfaltigen Verpflichtungen und bringen unsern Partnern, Vorgesetzten und Untergebenen die ihnen gebührende Achtung und Wertschätzung entgegen. Nicht blinder Menschenfreundlichkeit oder Selbstzügelung im Zeitalter der Mechanisierung, Quantität und Schnelligkeit soll damit das Wort geredet werden, auch nicht faulen Kompromissen und billigen Oberflächlichkeiten, sondern dem Dienst an der Sache, die jeder zu erledigen hat - sei sie noch so klein oder bedeutend -, gepaart mit etwas Höflichkeit, Gefühl (In-sich-hinein-Horchen) und Phantasie - im Wissen um all unser Ungenügen und im Vertrauen auf das uns dennoch bergende und tragende Wunderbare, das ewig gegenwärtig und doch nur zu erahnen ist, uns aber ständig weiterbringt und unserem bescheidenen Erdenleben Sinn schenkt.
Der Text "mag gelehrt klingen" im Wortsinne, daran habe ich kaum einen Zweifel, dass er das mag, genau dieses "gelehrt klingen" scheint mir eher Absicht als Zufall, aber was sind nun die praktischen Empfehlungen, die Körner aus dem Phrasengedresche, sozusagen? Lesen Sie selbst, liebe Mitbürger/innen im bescheidenen Erdenleben, möge Ihnen das bergende, ewig nur zu erahnende Wunderbare den Sinn dazu schenken.
/>
/>
/>Also, "unser bescheidenenes Erdenleben" - das geht mir noch nach, irgendwie. Da halte ich es lieber mit Ingeborg Bachmann (schon wieder): "Nichts Schöneres unter der Sonne / als unter der Sonne zu sein" .
/>
/>*winks*
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

Werner

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Re: Polaritäts-Artikel von Dr. phil. R. Müller
« Antwort #10 am: 20. Mai 2008, 08:54 »
Hallo Rivka, ich verstehe einerseits, dass du dich ereiferst. Denn der Artikel ist wirklich nichtssagend. Und überholt sowieso. Wer spricht heute noch von Gegensätzen, wenn es um Polarität geht? Das ist doch der Hauptunterschied zum Dualismus und somit wird aus philosophischer Sicht die Polarität zu etwas ganz Anderem als Dualismus. Man könnte fast schon sagen, es ist das Gegenteil vom Dualismus. Es ist also aus vielerlei Gründen verständlich, wenn man diesen Artikel kritisiert.
/>Aber was soll das? Der Artikel ist von 1968 !!! Was hat sich inzwischen nicht alles verändert! Wollen wir alles kritisieren und zurechtrücken, was irgend jemand vor 40 Jahren gesagt oder geschrieben hat?
/>Ich frage mich ohnehin, warum man so einen alten Artikel überhaupt bringen muss und warum man nicht etwas bringt, das ein wenig mehr dem heutigen Verständnis entspricht. Möglichkeiten zur Diskussion wäre sicher anderswo genug zu finden. Aus Interesse an der Entwicklung könnte man so etwas abdrucken, aber dann eine lange Diskussion daran aufhängen, das ist doch Zeitverschwendung.
/>Wenn ich so etwas lese, dann habe ich ein Achselzucken und das wars dann.
/>
/>Schöne Grüße
/>Werner
« Letzte Änderung: 20. Mai 2008, 22:15 von Werner »
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Anufa Ellhorn

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Re: Polaritäts-Artikel von Dr. phil. R. Müller
« Antwort #11 am: 20. Mai 2008, 10:58 »
Well met, alle zusammen ;)
/>
/>Ich find´s mal wieder immens interessant, was jeder so aus einem Text rausliest und wie er rezipiert wird.
/>
/>Werner, ich seh nicht, dass sich die allgemeine Bedeutung von Polarität tatsächlich von Dualismus unterscheidet!! Für mich sind das zwei völlig unterschiedliche Dinge - für die aktuellen Resourcen sind sie das aber meines Wissens NICHT. Falls Du Links hast, wo ich einen deutlichen Unterschied herausgearbeitet bekomme (Duden, sonstiges Wörterbuch, etc) dann nur her damit.
/>DAS find ich unter anderem so interessant an dem Artikel, dass er in meinen Augen genauso gut heute geschrieben worden hätt sein können. Ich sehe nicht, wo da der große Unterschied zum heutigen Denken sein soll.
/>
/>Rivka, was Du gemacht hast, das ist so ungefähr das, was ich im Sinn hatte. Der Artikel kann Fragen aufwerfen in ganz bestimmte Richtungen...
/>Wie wird "archetypisches Bild" gebraucht, was heisst das überhaupt für mich, was versteh ich drunter und wie wirkt sich das aus. So in der Art. Für mich ist faszinierend, dass sich der Autor eben nicht explizit deklariert und so jedem Leser Tür und Tor offen steht für persönliche Vermutungen. DIE sind dann für mich das was mich interessiert :). Warum fällt dem einen sowas dem anderen was anderes auf - was fällt überhaupt auf? Das geht und ging mir im WuWe bei den Artikeln bis dato vielfach ab - es werden gradmal von ein paar Leuts Artikel moniert, die sie nicht gut finden und alle heiligen Zeiten gibt´s mal für einen Artikel Lob auch. Was für Gedanken bei einem selbst dadurch ausgelöst werden, wie Leser selbst sich damit auseinander setzt und ob überhaupt - das findet kaum statt. DAS find ich schad und wieder mal war das ein Versuch von mir, das zu ändern.
/>Diesmal scheine ich wesentlich erfolgreicher dabei gewesen zu sein als bei den letzten Anstrengungen.
/>
/>Da mich (noch immer und klaro *g*) das Thema per se interessiert schmeiss ich mich nu von der Metaebene wieder auf die Themenebene ;D - aber da brauch ich noch einen Tee für :wink1:
/>
/>
Bright blessings
/>Anufa

Anufa Ellhorn

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Re: Polaritäts-Artikel von Dr. phil. R. Müller
« Antwort #12 am: 20. Mai 2008, 12:19 »
Well met, alle zusammen ;)
/>
/>>(Rivka) Jammern hilft selten, aber wem unterstellt der Autor hier das Jammern? Eine Bilanz der Zustände, der Bedingungen der Welt wie sie uns Zeigenossinnen erscheint, muss gezogen werden, "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar", wie Ingeborg Bachmann zu den Kriegsblinden sagte, und sollte ihm auch zugemutut werden; sie (der Mensch) sollte sie sich selber zumuten. Tut man das nicht, läuft man Gefahr, Ursachen nicht zu erkennen, an Symptomen zu doktern oder sich in eine heile Westentaschenwelt zurückzuziehen, womit einem selbst gedient ist und denen, die weiterhin ungestört alles vermasseln dürfen.
/>
/>Warum muss er was unterstellen wollen? Wenn ich mir hier im Forum ansehe, was wie diskutiert wird, dann kann sehr wohl vieles davon als "Jammern" gesehen werden. Jammern ist für mich in dem Zusammenhang ein Beklagen der Situation (was ja sein kann/darf) aber in vielen Fällen mit einer Taten- oder Ratlosigkeit gepaart ist.
/>Klar hast Du mit dem durchaus recht, was Du vorschlägst, aber wieviele Menschen tun das HEUTE tatsächlich?? Also sehe ich da durchaus immer noch Aktualität (ich bin zwar 68 mit drei Jahren noch nicht in der Lage gewesen das mitzubekommen, aber heute bekomme ich es mit 8))
/>
/>>Es hiesse dann schlicht: Auf eine zweckmässige Ausarbeitung und einen sinnvollen Einsatz dieser Mittel, das heisst eine sachentsprechende Verwendung kommt es an, vom Produzenten wie vom Benützer - seien es nun Küchengeräte, Verkehrsmittel, Massenmedien, Genussmittel oder Medikamente. Dass hierbei sogleich die uralten Probleme vom "richtigen Mass" und von der Verantwortung auftauchen, ist bekannt: aus einem Überangebot das Zweckdienliche auswählen und Verantwortung üben, sich selbst, den Mitmenschen und der Sache gegenüber.
/>
/>Rivka  :smile: moralinsauer kommt mir das nicht daher - ich würd eher sagen, das ist ne Binsenweisheit an die sich die Menschheit noch seltenst gehalten hat. Ist das nicht das, was wir im Bezug auf "Magie/magische Hilfestellungen/etc pp" des öfteren diskutieren?? Mehr oder minder heftig und mit divergierendem Outcome??
/>
/>>Vielleicht wäre es viel verantwortungsvoller, das besagte Überangebot zu reduzieren?
/>
/>Klar wäre es das - bloß WER macht das freiwillig? Der Ansatz ist imho schon zum Scheitern verurteilt, weil er sich in erkennbarer Menge wohl kaum machen lässt.
/>
/>>>Zeigt sich neben dem Einsatz von Automaten und Computern noch eine menschliche Möglichkeit, dieser stellenweise geradezu fatalen Gegebenheiten, welche uns immer mehr beunruhigen und ernüchtern, Herr zu werden?
/>
/>>Wann konnte denn bitte jemals ein Problem als "einigermassen gelöst" betrachtet werden?
/>
/>Nun, vierzig Jahre später haben wir "I, Robot" in Arbeit - dieses Problem ist also nicht gelöst sondern ganz im Gegentum, tät ich meinen...
/>
/>>Welche "fatalen Gegebenheiten" uns nun "beunruhigen und ernüchtern" erfährt man vom Autoren nicht; allerdings möchte ich festhalten, dass es kein unangemessener, ja, auch kein übler Zustand ist, nüchtern und beunruhigt zu sein: "Bleib erschütterbar und widersteh!" wie Peter Rühmkorf reimte. Und dass wir (wir? Vielleicht fühlen sich da einige Wesen + Wesinnen des spirituellen Umfelds gerade nicht gemeint, wie meineeine zum Beispiel?) der Gegebenheiten "Herr werden möchten" ist ja nun wirklich nichts Neues seit Adam. Sollte es da nicht noch andere Möglichkeiten geben?
/>
/>Siehste, welche genau sagt er nicht - aber wir haben z. b. heute noch die Pendants dazu. Dinge und Gegebenheit die UNS beunruhigen (jeden einzelnen der hier mitliest und diese Dinge sind auch nicht spezifiziert sondern für jeden anders). Auch nehm ich nicht an, dass mit "Herr werden" eine ganz bestimmte Art von Lösung gemeint war, sondern ÜBERHAUPT IRGENDEINE Lösung.
/>
/>>Was meint der Autor mit "Bewältigung der Technik"? Soll ich lernen, mit einem Auto verantwortungsvoll umzugehen? Oder darauf hinarbeiten, die Zahl der Autos überhaupt einzuschränken? Wäre der Entschluss, einen Wagen nach dem anderen zu Schrott zu fahren nicht möglicher Weise ein sehr verantwortungsvoller Umgang mit der Technik? ("Macht kaputt, was euch kaputt macht, hiess das früher. Aber macht uns die Technik kaputt?) Was ist eine "sachentsprechende Verwendung"? Wie verwendet man einen elektirischen Stuhl, eine taktische Atomwaffe, ein Fliessband "sachgerecht"? Oder ist es vielleicht gar nicht gut, die Dinge "sachgerecht" zu verwenden? Wie wäre es mit "menschengerecht"?
/>
/>Genau diese Fragen sind bis heute nicht so beantwortet, dass sich and er Gesamtsituation etwas entscheidend verändert hätte. Oder meinst Du, dass es sich hat??
/>
/>>zusammen mit der  Forderung (wir erinnern uns) der Dinge "Herr" zu werden, scheinen mir die "Werte", derer wir hier teilhaftig werden sollen, doch vorzugsweise christliche zu sein:
/>
/> :laugh: wenn Du sie als solche interpretierst, dann findet sich sicher christliches Pendant dazu - aber, wie ich dankenswerter Weise aufmerksam gemacht wurde
/>
/>"Ja, das Geringe und Schlechte, das kann man in Haufen erhalten
/>Ohne Bemühn, schön eben der Weg, ganz nahe, da wohnt es.
/>Vor die Vollendung jedoch haben Schweiss die untersterblichen Götter
/>Hingesetzt; steil steigend und lang ist der Pfad, der dorthin führt,
/>Und voller Steine zuerst; doch hast du die Höhe gewonnen,
/>Wird es leicht, auf ihm weiter zu gehn, so schwierig er anfing.
/>
/>Der steht allen voran, der selbst ein Jegliches einsieht,
/>Wenn er bedenkt, was danach und hin bis zum Ende das Beste.
/>Tüchtig ist zweitens auch der, der dem Gutes Ratenden folgsam.
/>Doch wer es selber nicht sieht und auch nicht, hört ers vom andern,
/>Sich zu Herzen es nimmt, der Mann ist nicht zu gebrauchen."
/>
/>Hesiod: Erga, Artemis-Verlag, 2. Aufl. 1984, 287-297:
/>
/>>Nun ja, das ginge ja noch an, und es gehört wirklcih keine grössere Intelligenzleistung oder Einsicht dazu, uns als "endlich" und "winzig" zu erleben - damit, sich der eigenen Unendlichkeit und Unbegrenztheit zuzuwenden, müsste man schon mehr Zeit verplempern, die sind nicht so offensichtlich, obwohl jedes Kind sie weiss...
/>
/>DAS finde ich allerdings im Angesicht von Gentechnik und anderen Nettigkeiten einen hehren Standpunkt... Wenn sich die betreffende Klientel als endlich und winzig erleben WÜRDE, dann nehm ich mal nicht an, dass sie sich anmaßen würden der Ansicht zu sein die Natur wirklich abschätzen zu können. Ich seh da eher die Überschätzung an allen Fronten... keinen Mangel an Undendlichkeit oder Unbegrenztheit.
/>
/>>Bilde ich mir das nur ein, oder bimmeln da die Glocken christlicher Demut vom Grunde des Jammertals herauf?
/>
/>Bei mir bimmelt da nix ;D
/>
/>>Wie man übrigens, dies eine letzte Anmerkung am Rande, die Idee, dass Alles mit Allem verbunden sei mit der einer Risse verursachenden Polarität in Einklang bringen will, das will mir im Moment auch nicht Recht einleuchten. Was von einem bis auf die Grundfesten gehenden Riss durchzogen wird, ist ja gerade nicht mehr verbunden; so etwas wie die daoistische Yin-Yang-Polarität - nennen wir es einmal so - ist hier ja ganz offenbar nicht gemeint, wie ein nachdenklicher Blick auf das Yin-Yang-Zeichen alleine lehrt, das von Allem spricht, nur nicht von Rissen, Grenzen, Macht und Unvereinbarkeiten.
/>
/>Ich sehe das quasi in Schichten:
/>Es GIBT nunmal einen Riss, weil es schlichtweg wohl die Mehrheit der Menschheit nicht auf die Reihe kriegt beide Pole als unabdingbar miteinander verbunden zu sehen - das stellt sich mir als Realität dar.  :mellow: Warum sonst hätten wir unendliche Diskussionen über die Pöözen Wissenschaftler gegen die auch Pööözen Gefühlsmenschen Das sind Fronten, das sind Risse... warum brauchen wir Feminismus? Weil da Risse sind... und auch Mauern sind/waren. Auf jeden Fall Unvereinbarkeiten :) im leben der Dinge.
/>Auf einer philosophischen Ebene ist sicher vielen klar, dass diese Gegensätze keine sind, sondern nur Emanationen eines "Lebens" - bloß würd imho die Welt schon a bissl anders aussehen, wenn das auch weitläufiger gelebt werden würde. Wird´s aber ned, weil einfach zuviele Fragen nicht allgemeingültig und damit meine ich "für jeden nachvollziehbar und aktzeptierbar" beantwortet werden können (oder bisher nicht konnten).
/>
/>So das war mal, was mir so bsonders in die Augen gefallen ist... und MICH beschäftigt
Bright blessings
/>Anufa

rivka

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Re: Polaritäts-Artikel von Dr. phil. R. Müller
« Antwort #13 am: 20. Mai 2008, 14:17 »
Nur ganz kurz: Werner, ich hab mich nicht ereifert, echt nicht.
/>
/>Anufa, was Polarität + Dualität betrifft, also, waren wir da nicht vor Jahren schon mal :laugh: ?
/>Egal: Laut Wikipedia ist "Polarität...ein Ausdruck der Philosophie für das Verhältnis sich gegenseitig bedingender Größen. Im Unterschied zum Dualismus geht es bei der Polarität um ein komplementäres Verhältnis von Gegensätzen."
/>
/>Werner hatte die Links zwar auch schon irgendwo gepostet, aber hier sind se nochmal:
/>
/>Polarität: http://de.wikipedia.org/wiki/Polarit%C3%A4t_%28Philosophie%29
/>Dualität: http://de.wikipedia.org/wiki/Polarit%C3%A4t_%28Philosophie%29
/>
/>*winks*
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

Werner

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Re: Polaritäts-Artikel von Dr. phil. R. Müller
« Antwort #14 am: 20. Mai 2008, 23:06 »
Hallo Rivka
/>
/>Wenn du dich nicht ereifert hast, dann ist es gut. Es kam nur bei mir so rüber. Tut mir Leid, dass ich das angeführt habe, wenns nicht so gemeint war.
/>
/>Da sieht man wieder mal, wie Worte in ganz verschiedener Weise aufgenommen werden und wie schnell Mißverständnisse entstehen. Aber dazu haben wir ja schließlich auch unsere Sprache, dann man dann solche Dinge anspricht und zurecht rückt.
/>Gleichzeitig ist auch dies wieder ein Beispiel dafür, wie auch der besagte Artikel von jedem Menschen anders interpretiert wird. Denn jeder liest in von seiner Warte aus und somit kann dann was ganz Anderes dabei herauskommen. Darauf hat ja auch Anu schon aufmerksam gemacht.
/>
/>Hallo Anu
/>Den Link hat Rivka schon geliefert. Und wenn du mal weiter bei Google oder auch in der neueren Literatur herumsuchst, wirst du viele Stellen finden, wo der Unterschied zwischen Polarität und Dualismus herausgestellt wird. Es sind so viele Quellen vorhanden, dass ich eigentlich zur Zeit überfordert bin, auf die Suche zu gehen.
/>Du kannst auch mal unter dem Stickwort "Yin und Yang" nachsehen. Denn das ist Polarität vom Feinsten. Da ist nichts erwähnt von Trennung oder von "Rissen", wie Rivka ja auch schon erwähnte.
/>
/>Ich glaube, dass wir im Westen extrem von dem christlichen Denken (Gut und Böse) geprägt sind, sodass wir im Allgemeinen große Probleme haben, den Unterschied wirklich zu erkennen.
/>Polairtät ist ein Fakt und man kann Polarität überall finden und erleben, während der Dualismus ein Gedankenkonstrukt ist. Aber darüber habe ich schon so oft geschrieben, dass ich mich nun nicht schon wieder damit abrackern will mit dem Erklären.
/>
/>Der Artikel, um den es hier geht, unterscheidet leider nicht zwischen Polarität und Dualismus. Das ist hier das Problem. Denn auf diese Weise wird alles in einen Topf geworfen und es kann eigentlich nichts dabei heraus kommen, selbst wenn einige gute Gedanken dabei sind. Man kann diese natürlich aufgreifen und dann selbst weiter denken und zu Anwendungen oder Hilfen kommen. Insofern ist der Artikel interessant, wenngleich nicht dem neueren Stand unseres Wissen entsprechend. Aber das ist ja nicht verwunderlich, denn er ist immerhin 40 Jahre alt und in unserer schnellebigen Zeit ist das schon eine lange Zeit.
/>
/>Anu, der Riss, von dem du sprichst, existiert tatsächlich. Aber schauen wir uns mal diesen Riss genauer an. Du sagst: "weil es schlichtweg wohl die Mehrheit der Menschheit nicht auf die Reihe kriegt beide Pole als unabdingbar miteinander verbunden zu sehen - das stellt sich mir als Realität dar..."
/>Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, ohne dies wahrscheinlich selbst bemerkt zu haben. Denn der springende Punkt hier ist, dass es die Menschen (die heutigen westlichen Menschen wohlgemerkt, denn das ist eine Erscheinung der westlichen Welt) nicht fertig bringen, die beiden Pole als unabdingbar verbunden ZU SEHEN !!!
/>Dies ist zwar eine Realität, aber eine menschengemachte! Und somit ein Gedankenkonstrukt und schon sind wir mitten im Dualismus gefangen.
/>Ja, wir können sehr tief in Gedankenkonstrukte gefangen sein. Wir brauchen hier nur alle möglichen Religionen mal genauer betrachten, da sehen wir sehr schnell, wie man sich in solchen Konstrukten häuslich einrichtet und das dann als Realität erlebt. Aber solche Realitäten sind konstruiert. Von solchen Konstrukten weg zu kommen, das wäre ein ganz neues Erkennen. Vielleicht könnte man dies dann sogar als "Erleuchtung" bezeichnen, obwohl ich dieses Wort wahrlich nicht gerne mag, denn es beinhaltet eine ganze Portion von Überheblichkeit. Und zusätzlich ranken sich dann wieder einige Religionen um diesen Begriff, machen ihn zu eine Ziel, das wünschenswert ist, erfinden Riten und Übungen und schon haben wir genau das, wovon ein wirklich Erleuchteter frei ist: nämlich ein Gedankenkonstrukt.
/>Jedenfalls würden wir zu einem friedlicheren Leben finden, wenn wir statt der Trennung des Dualismus nun das Selbstverständnis der Polarität erkennen würden. Dann bräuchten wir kein Patriarchat, kein Matriarchat, keinen Feminismus und nicht einmal mehr den extremen Wettbewerb, der unser Leben täglich vergiftet. Dann müssen wir nicht besser als andere sein, dann müssen wir nicht nach Dominanz streben und vieles mehr. Ja, wir würden sogar viel gesünder werden. Die alte chinesische Medizin beruht auf den Erkenntnissen der Polarität und sie hat wohl unbestritten große Erfolge. Von Beziehungen will ich erst gar nicht anfangen, die Vorteile aufzuzählen. Denn hier liegt es ja heute wahrlich sehr im Argen. Und warum wohl?
/>Ja, weil wir uns getrennt fühlen anstatt als zusammengehörig und uns ergänzend. Weil wir dominieren wollen, besser oder wichtiger sein wollen und so weiter.
/>
/>Wenn man mal angefangen hat, die Prinzipien der Polarität wirklich voll und ganz zu erfassen und zu verstehen und dann auch noch nach diesen Erkenntnissen sein Leben ausrichtet, dann lebt man wirklich in einer anderen Welt und Vieles fällt dann wie Schuppen von unseren Augen. Leider ist es nicht so ganz einfach, sich von dem Ballast von Jahrhunderten zu befreien. Und die Welt um uns herum lebt in Dualismen. Da ist es nicht einfach, sich davon frei zu machen.
/>
/>Schöne Grüße
/>Werner
/>
/>
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

morgane

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Re: Polaritäts-Artikel von Dr. phil. R. Müller
« Antwort #15 am: 21. Mai 2008, 07:56 »
Hi!
/>Was mir momentan besonders unangenehm auffällt, ist, dass sich dieses dualitätsdenken durch alles hindurch zieht, was wir so von uns geben, besonders in filmen, romanen etc. Es geht in ermüdender, eintöniger weise immer wieder um das alte, abgelutschte gut : böse - schema.
/>lg morgane
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....