Autor Thema: Heilzauber ohne Zustimmung?  (Gelesen 15649 mal)

McClaudia

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Heilzauber ohne Zustimmung?
« am: 19. Mai 2008, 14:31 »
Slania,
/>
/>eine Freundin hat mir im Laufe eines Gesprächs mal gesagt, dass es in den modernen schamanischen Traditionen, die sie kennengelernt hat, absolut tabu, no-go, strikt verboten ist, einem kranken Menschen Heilenergie zu schicken, wenn dieser Mensch das nicht ausdrücklich wünscht.
/>
/>Gekommen sind wir drauf, weil es um eine schwer krebskranke Bekannte meiner Freundin ging, mit der sie aber nur einen ambivalenten Kontakt hat, also nicht so richtig befreundet ist und auch ein eher disharmonisches Verhältnis besteht. Meine Freundin hat nun durch Shiatsu u.ä. das Zeug zum "Energieschicken". Und obwohl ihre Bekannte nicht so gut auf sie zu sprechen war, war sie davon betroffen, und sie überlegte, was sie machen könne. Ich hab dann so locker vom Hocker vorgeschlagen, dass sie ihr ja Heilenergie schicken könne, oder eine Heilgöttin anrufen könne und um Heilung für die Bekannte ersuchen könne.
/>
/>Draufhin meinte meine Freundin, dass sie das nie tun würde, weil lt. schamanischer Tradition ist es nicht erlaubt, einem Menschen einfach so Heilenergie zu schicken. Ihre Begründung klang für mich ziemlich "buddhistisch" - denn man weiß ja nicht, WARUM ein Mensch so ne Krankheit hat, und was er dran zu lernen hat, und da soll man nicht einfach reinpfuschen.
/>
/>Soda, jetzt habe ich zwei Fragen, die zwei Ebenen betreffen, da ich weder eine Heilzauberin bin noch was mit Schamanismus am Hut habe, also praktisch nicht, und mit dem modernen kenn ich mich gar nicht aus, und die anderen kenn ich nur aus Büchern:
/>
/>1. Ist es wahr, dass in den modernen Schamanismen gesagt wird, dass man niemandem Heilenergie schicken darf, der nicht extra drum ansucht?
/>1. a) Wie schaut das in traditionellen Schamanismen aus? Gibts da auch so ne Regel "Heile niemanden, der nicht darum bittet?"
/>
/>und
/>
/>2. Wie steht Ihr dazu, ich meine dazu, jemanden erst dann Heilenergie zu schicken (oder ähnliches, also Gesundbeten, etc.), wenn er/sie extra drum bittet?
/>
/>Bin echt neugierig auf die Antworten, da mir das nicht ganz eingeht, da mein Zugang zu Krankheit und Leid offenbar total "unbuddhistisch" ist.
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
« Letzte Änderung: 20. Mai 2008, 13:48 von McClaudia »
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

Tintifax

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #1 am: 19. Mai 2008, 14:37 »
1) wie es im neuen schmanismus steht, weiss ich nicht
/>2) a) mit heilenergie kann man normalerweise eigentlich nichts falsch machen. entweder es funktioniert nicht, dann ist es egal. oder es funktioniert, dann wurde ja geholfen.
/>b) daher glaube ich, dass man auch ohne zustimmung heilen kann, tat das auch ab und an
/>3) krebs ist was anderes. da musst du die richtige form des schrumpfens wählen etc. das wird als ziemlich gefährlich angesehen und sollte daher gesondert behandelt werden,

Phoenix

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #2 am: 19. Mai 2008, 15:03 »
Schwierige Frage, die sicher verschieden gehandhabt wird - je nach persönlicher Ethik...
/>Ich hab mal unaufgefordert ein Heilritual gemacht, da ging's aber um psychische Probleme, und die Person war gar nicht in der Lage, jemanden um Heilenergie zu bitten. Hat aber gefunzt, und ist auch richtig gut angekommen.
/>Aber wenn ich die betreffende Person und ihren diesbezüglichen Standpunkt nicht gut genug kenne (bzw. schon gut genug kenne und _deshalb_ weiß, daß sie das nicht gutheißen würde), dann würd ich das nicht machen.
/>In dem Rahmen damals hat's aber gepaßt.
/>
/>...my 2 cents...
awkward is beautiful; machine is machine
/>(fetish)

tiffany

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #3 am: 19. Mai 2008, 15:08 »
Ich kann dir nur sagen, wie ich persönlich es mache, weil ich von Schamanismus null Ahnung habe...
/>Also den Grundsatz, nicht ungebeten magisch Einfluss auf andere zu nehmen, kenne ich. Grundsätzlich erscheint mir das fair und sinnvoll. Ich will ja auch nicht das irgendwer ungebeten an mir rumpfuscht! :sneaky:
/>Ich muss allerdings gestehen, dass ich mich nicht immer dran halte. Meist mische ich mich nicht ein, weil es mich einfach nichts angeht.
/>Anders ist es zum Beispiel bei meinem Freund, der hat sich vor einigen Jahren von der Magie abgewandt, weil er nicht wüßte, was er damit soll. Wenn er Schmerzen hat kann ich es nicht mitansehen, also mach ich was. Ohne zu fragen versteht sich, weil er es eben mit der Magie nicht mehr so hat. Dabei hats mir jedesmal eine gezunden, aber nicht von schlechten Eltern :stunned: ;D Seit einiger Zeit frag ich jetzt vorher, ist angenehmer für mich und weil ich mich erklärt habe, lässt er mich auch.
/>Das andere ist, wenn ich Morgenmuffel am frühen Morgen im Zug noch schlafen will, und der neben mir ohne Ende hustet und rotzt >:( Entweder ich bring ihn um, oder ich mach was dagegen :wink1:

Uhanek

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #4 am: 19. Mai 2008, 15:25 »
Hi McClaudia!
/>
/>Also in der traditionellen tibetischen Medizin und den Praktiken des Medizinbuddha ist es durchaus üblich, ungefragt und ohne Zustimmung Energie zu schicken. Es gibt zum Beispiel eine ganze Menge an Heilamuletten, -diagrammen u.ä. die etwa in der Nähe einer aus dem Gleichgewicht geratenen Person deponiert werden. Man kann solche Menschn auch in die meditative Praxis einbeziehen etc. Der Wunsch, nicht geheilt zu werden könnte durchaus als Teil des zu behandelnden Problems gesehen werden.
/>
/>LG
/>Uhanek
Sighs[/list]

Uhanek

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #5 am: 19. Mai 2008, 15:38 »
Ach ja, und das hier...
/>
/>
denn man weiß ja nicht, WARUM ein Mensch so ne Krankheit hat, und was er dran zu lernen hat, und da soll man nicht einfach reinpfuschen.

/>
/>...ist keine sehr buddhistische Haltung. Buddhistisch ist es, mitfühlend zu handeln, wenn man die Fähigkeit dazu besitzt. Die Argumentation, die Du hier beschreibst, könnte sogar als Ursache für eigenes negatives Karma angesehen werden. Indem man zum Nutzen eines Wesens handelt - und das gilt besonders für Heilung -, sammelt man positives Verdienst an und übt die Paramita der Großzügigkeit.
/>
/>Und die Antwort auf das WARUM ist im Buddhismus eigentlich ganz simpel: Weil alles Dasein Ausdruck von Karma ist und man irgendwann einmal die Ursachen für diese Krankheit gelegt hat. Dies gilt aber für alles und ist keine Begründung für untätiges Zusehen, das sich mit dem Argument rechtfertigt, es dürfe ja nicht eingreifen, weil das Leiden des anderen ja irgendwie so sinnvoll sei.
/>
/>Wer Heilenergie schicken kann, der soll das tun! Wer nur glaubt, es zu können, sich aber auch nicht ganz sicher ist, soll es dennoch versuchen (und übt damit dann zumindest mitfühlende Zuwendung und Großzügigkeit). Worauf es ankommt, ist eine gute Motivation.
/>
/>Liebe Grüße
/>Uhanek
Sighs[/list]

merlin

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #6 am: 19. Mai 2008, 15:54 »
...setzt aber eine gewisse selbstreflektion voraus, ich denk da an das helfersyndrom. Idealzustand wäre ja die konsequenzen zu wissen.
Ewige Blumenkraft - et in Arcadia ego

Eldkatten

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #7 am: 19. Mai 2008, 15:56 »
Hallo,
/>
/>also ich würde einen Grundsatz durchaus sinnvoll finden, nicht unaufgefrodert magisch, schamanisch oder sonstwie an anderen Menschen zu manipulieren, und zwar weder im positiven (Heilzauber) noch im negativen (Schadzauber) Sinne. Die Alternative zum unaufgeforderten Heilversuch wäre ja, den/die Betreffende/n einfach zu fragen, und sich dann auch an die Antwort - insbesondere, wenn sie nicht mit dem eigenen Wunsch übereinstimmt - , zu halten.
/>
/>Wie alle Grundsätze gibt es da natürlich Problemfälle. Was ist, wenn der/die Erkrankte keinen Wunsch äussern kann, weil bewusstlos, dement, zu weit weg? Das Dilemma ist aber nicht anders gelagert als bei "nicht-magischer" Heil-Behandlung oder Hilfestellung.
/>Oder was ist mit Kindern, für die üblicherweise die Eltern - zustimmend oder ablehmend - entscheiden? Auch hier sehe ich keinen Unterschied zum "konventiellen" Fall, wenn etwa die Eltern aus religiösen Gründen die lebensrettende Bluttransfusion für ihr Kind verweigern.
/>
/>Ganz grundsätzlich aber halte ich den Wunsch des/derjenigen, der/die letztlich die (Heil-)Behandlung empfangen soll, für maßgeblich und bindend. Auch in unserem etablierten medizinischen System kann ich im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte eine Behandlung ablehnen und sterben (so geschehen bei einer ehemaligen Nachbarin, die mit 92 Jahren die Amputation ihres Beines, trotz der Konsequenz ihres Todes zwei Wochen später, abgelehnt hat).
/>
/>
(...)
/>Es gibt zum Beispiel eine ganze Menge an Heilamuletten, -diagrammen u.ä. die etwa in der Nähe einer aus dem Gleichgewicht geratenen Person deponiert werden.
/>(...)
/>Der Wunsch, nicht geheilt zu werden könnte durchaus als Teil des zu behandelnden Problems gesehen werden.
/>
Gerade der zweite Satz führt meiner Meinung nach direkt in die Dilemma-Zone. Wir haben in Deutschland ja auch die Praxis der "Entmündigung", bei der ein Fremder - in diesem Fall ein Psychiater oder Psychologe - entscheidet, ob ich noch "Herr meiner selbst bin", und im Fall eines negativen Bescheides ein Richter einen Vormund bestellt. Die/der Kranke selbst hat damit fast nur noch den Status einer kaputten Maschine, über deren Reparatur oder sichere Aufbewahrung (Zwangseinweisung) andere entscheiden. Ich meine, sowas sollte man nicht leichtfertig tun und auch nicht als normale Praxis führen. Und ehrlich gesagt, jemandem ungefragt Zauber-Amulette unterschieben - ich kenne solche Dinge aus dem fromm-christlichen Bereich, in dem nicht selten "wundertätige" Marienmedaillen heimlich ins Kopfkissen eingenäht werden - finde ich genauso respektlos wie jemandem im Schlaf die Haare abzuschneiden ("Waren sowieso zu lang (meiner Meinung nach)") oder in einem unaufmerksamen Augenblick mit der Axt den Finger abzuhacken ("Das sah so schwarz aus, ich dachte, das sei Krebs").
/>
/>Und schliesslich, hier wie in vielen anderen Bereichen auch: Das Gegenteil von "gut" ist sehr oft "gut gemeint".
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/>Schönen Gruss
/>Herbert

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