Autor Thema: Heilzauber ohne Zustimmung?  (Gelesen 15528 mal)

Uhanek

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #24 am: 20. Mai 2008, 08:15 »
Hi Eldkatten,
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/>also nach buddhistischem Verständnis ist Krankheit ein aus-der-Balance-geraten der drei Säfte (Wind-Galle-Schleim) die ihrerseits aus den fünf Elementen bestehen. Dies bedeutet nicht allein Krankheit in unserem westlichen Sinn, sondern umfasst eine Vielzahl innerer und äußerer Probleme. Nach buddhistischer Vorstellung ist es immer gut, sich für andere das Beste zu wünschen und das bedeutet: Alle Wesen sollen glücklich werden und die Elemente, aus denen sie zusammengesetzt sind, mögen sich in einem Zustand der Balance und Harmonie befinden. Es geht also nicht um ungefragte chirurgische Eingriffe oder so, sondern um ein Handeln, das innere und äußere Balance und Glück bewirken soll. Basierend auf solchen und ähnliche Gedanken geht die Überlegung dann so weiter, dass also ein Amulett oder Diagramm, dass in der Nähe einer erkrankten Person deponiert wird, durchaus im Sinne dieser Person wirkt, denn jeder möchte sich wohlfühlen und in einem Zustand der Balance befinden. Und ist das Diagramm falsch gewählt, dann wirkt es eben nicht und dann ist es auch egal.
/>
/>All dies bedeutet keinesfalls, dass dazu aufgefordert wird, immer und überall irgendwelche Diagramme und Amulette zu verteilen. Aber man stelle sich vor, ein Nachbar oder guter Freund oder so erkrankt, kennt aber derlei Dinge nicht, könnte sie jedoch gut gebrauchen. In so einem Fall würde z.B. ein Diagramm an einer Stelle versteckt, an der er immer wieder vorbeikommt. Oder ein hübscher Gegenstand würde präpariert und verschenkt. Oder man würde z.B. mit Mantras besprochenes Wasser zu trinken geben. Wichtig wäre die richtige Motivation, nämlich dem anderen solle es gut gehen und seine Elemente mögen sich im Gleichgewicht befinden.
/>
/>LG
/>Uhanek
Sighs[/list]

Anufa Ellhorn

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #25 am: 20. Mai 2008, 08:22 »
Well met, alle zusammen ;)
/>
/>Was ich ganz vergessen habe 8) meiner Erfahrung nach gibt´s auch Probleme mit unterlassener Hilfeleistung ned nur mit grenzüberwuchernder Zwangsbeglückung  :laugh: .Wobei in beiden Fällen mich die Stimmigkeit vor unangenehmen bis verheerenden Konsequenzen bewahrt hat.
/>Das Gleichgewicht ist so ne Sache  8)
Bright blessings
/>Anufa

Uhanek

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #26 am: 20. Mai 2008, 08:27 »
@Anufa: In diesem Zusammenhang von "Zwangsbeglückung" zu sprechen finde ich eher irreführend. Sich für andere das Beste zu wünschen (was aber auch meint: Nicht das Boot, das Auto und das Haus, sondern Balance, Harmonie und Glück) scheint mir doch durchaus etwas sehr Positives zu sein, das im Grunde doch scheinbar viel zu selten praktiziert wird...
/>
/>LG
/>Uhanek
Sighs[/list]

Anufa Ellhorn

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #27 am: 20. Mai 2008, 08:33 »
Well met, Uhanek ;)
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/>Nu ich hab auch ned Dich angesprochen  :wink1: - allerdings kann ich mir trotzdem seeeehr gut vorstellen, dass in unseren Breiten sehr wohl etliche Leuts einen Übergriff verorten in einem guten Wunsch (abgesehen davon, dass ich denke, dass viele gute Wünsche de facto keine guten Wünsche sind 8) sondern eher das widerspiegeln, woran es dem Wünscher mangelt). Aber das läuft dann wieder in eine ganz andere Richtung...
/>
/>Aber generell ist natürlich klar: wenn jemand einem anderen "sauber" das Beste wünscht und derjenige auch nur halbwegs rund läuft, dann passt das auf jeden Fall und hat einen positiven Effekt bzw. richtet im schlimmsten Fall auch keinen Schaden an.
Bright blessings
/>Anufa

Uhanek

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #28 am: 20. Mai 2008, 08:39 »
Hi Anu!
/>
/>Vielleicht könnte man sagen, dass die Thematik häufig einfach zu oberflächlich und zu egozentrisch behandelt wird und Reflektionen über die richtige Motivation, die Folgen des Handelns, Verantwortung, Gemeinschaft, Mitmenschlichkeit, die Vernetzt- und Verbundenheit der Dinge u.ä. viel zu wenig Teil dieser Gesellschaft sind...?
/>
/>LG
/>Uhanek
Sighs[/list]

Tintifax

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #29 am: 20. Mai 2008, 08:54 »
Man schickt der Person Heilenergie mit dem Zusatz " wenn er/sie sie für sich in Anspruch nemen möchte. Ansonsten soll die Energie allen zur Verfügung stehen, die sie brauchen".

/>das ist zwar recht smart, erscheint mir geradezu sophistisch in seiner verklausulierung.
/>indes: wie bleibt dann die intention klar ? derartige vorbehalte mitzuvisualisieren wird wohl nur sehr fortgeschrittenen gelingen, oder ?

Anufa Ellhorn

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #30 am: 20. Mai 2008, 11:05 »
Well met, alle zusammen ;)
/>
/>>(Uhanek) Vielleicht könnte man sagen, dass die Thematik häufig einfach zu oberflächlich und zu egozentrisch behandelt wird und Reflektionen über die richtige Motivation, die Folgen des Handelns, Verantwortung, Gemeinschaft, Mitmenschlichkeit, die Vernetzt- und Verbundenheit der Dinge u.ä. viel zu wenig Teil dieser Gesellschaft sind...?
/>
/>In meinen Augen ein Knackpunkt - da sich heute jeder (oder sagen wir mal, jeder, der sich damit halbwegs ernsthaft beschäftigt) seine eigene Ethik basteln muss (weil die allgemeine Ethik ned mehr greift/ned vorhanden oder einem zuwider ist) oder auch basteln kann (weil sie einem einfach nur so ned gefällt/mensch seiner Kreativität Ausdruck verleihen will/whatever) schaut das dann eben so aus.
/>
/>Tintifax - pragmatisch, praktisch, funktionell spielt´s unter diesen Konditionen in meinen Augen ned wirklich einfach und die Chance der reinen Energieverschwendung steigt dadurch heftig an.
/>
/>Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir die Kultur bezgl. Geben/Nehmen, Schenken/Annehmen und Fordern/Zurückweisen auf dem Weg verloren haben  :thinking:
Bright blessings
/>Anufa

McClaudia

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #31 am: 20. Mai 2008, 14:30 »
Slania,
/>
/>also ich schließe mich mal ganz frech unumwunden Morgane, Rivka und Uhanek an, wenn meine Motivation auch aus einer anderen Philosophie resultiert, die aber teilweise der von Uhanek angesprochenen tibet-buddhist. nicht so ganz unähnlich ist, nämlich dem Epikureismus und dem Utilitarismus.
/>
/>Beide Philosophien gehen davon aus, dass Leiden eigentlich Scheiße ist (Wortwahl von mir). Das heißt, empirisch gesehen leidet ein Mensch eher nicht gerne. (Und auch sonst kein fühlendes Wesen.) Diesen Grundsatz konnte ich bis jetzt auch in meinem näheren und ferneren Umfeld beobachten. Wenn nicht wirklich aus einer Krankheit ein Nutzen gezogen wurde (z.B. juhu, bin verkühlt, hab jetzt 2 Wochen Krankenstand, oder "juhu, hab nur ein Bein, krieg voll krass Sozialhilfe", etc.) ist es also in den meisten Fällen doch so, dass man danach trachtet, Leiden zu verkürzen, zu lindern, zu beenden (im krassesten Fall durch Freitod). Wobei natürlich die Leidensfähigkeit von Mensch zu Mensch verschieden ist. Was der eine locker wegsteckt, ist für den anderen der reinste Horror.
/>
/>Ich bezweifle zwar nicht, dass man durch Krankheiten was lernen kann (vor allem, wie man wieder gesund wird), und es soll sogar Fälle geben, wo ziemlich ungute Mitmenschen durch eine schwere Krankheit zu sehr guten Mitmenschen geworden sind, aber das ist nicht zwingend. Meine an schwerer MS erkrankte Kollegin war auch vorher schon ein äußerst liebenswürdiger Mensch, und mein Opa ist durch Schwerhörigkeit, Fast-Blindheit, Gehbehinderung und Schwindelgefühle auch kein weniger cholerischer Mensch geworden - eher das Gegenteil ist der Fall  :confused: .
/>
/>Meine Grundannahme ist also: Leiden ist ein in den meisten Fällen unerwünschter qualvoller Zustand, den die meisten fühlenden Wesen gerne wieder los werden wollen. Die Grundannahme ist also ähnlich der buddhistischen, was ich schon mal sehr nett finde.  :pleased:
/>
/>Jetzt komm ich zum Nächsten: Eidechses Frage und EuMins Einwand sind natürlich gerechtfertigt. Es ist sicher ein Unterschied, ob man einfach nur "Heilenergie" schickt (wie es jede/r kann), für jemanden betet, meditiert, oder so, oder ob man als prof. Schamanin eine Schamanen-OP durchführt mit allem Drum und Dran, was in der Auswirkung sicherlich krasser sein wird als ersteres. In meinem ersten posting habe ich eher ersteres gemeint, also was irgendwo jede/r kann, und was man grundsätzlich mal "ohne Bedenken" tun könnte, also keine schamanist. OP (obwohl man in schweren Fällen, z.B. bei Koma etc. durchaus sowas ungefragt machen könnte, wenn man das Zeug dazu hat - ich meine, wenn man das Zeug zu sowas hat, ist man glaube ich eh auch fähig, sich mit dem Bewusstsein der Patientin zu verbinden und sie auf ner anderen Ebene zu fragen, nicht?).
/>
/>Dass man mit laienhaftem und stümpferhaftem Zaubern auch schaden kann, ist mir klar. Darum gehts mir aber nicht. Ein Heilzauber von mir ging in die Hose, machte das genaue Gegenteil, und das, obwohl (oder weil?) die Patientin davon wusste und ihr Einverständnis gab. Seitdem trau ich mich nimmer. Aber um mich gehts auch nicht. Ich selber bete jetzt lieber und überlass es den Gottheiten, Heilenergie weiterzuschicken, weil mir eben selbiges passiert ist und mir das natürlich sehr unangenehm war ....
/>
/>Zurück zur Heilenergie, die nicht durch krasse Zauber, Schamanen-OPs oder so gemacht werden sondern eher den "Fenster-lüften"-Effekt haben, wie Eidechse sprach, also Heilenergie senden, die dem Kranken helfen soll, so dass er sich besser fühlt, Leiden gelindert werden, er wieder Hoffnung schöpfen kann. Sowas in der Art meine ich.
/>
/>In den meisten Fällen wird auch nicht viel mehr passieren. Spontanheilungen sind m.W. ja auch mit Magie eher die Ausnahme. Also auch bei einem gelungenen Heilzauber muss nicht gleich der ganze Krebs weg sein (das wäre wirklich ein Wunder), sondern Schmerzlinderung oder sowas wäre da ja schon ein Erfolg, nicht?
/>
/>Ich bringe also meine zwei Grundsätze zusammen:
/>
/>Leiden ist Scheiße. Heilenergie schicken ist grundsätzlich was Gutes.
/>
/>Und frage dann mal, warum nicht auch ungefragt?
/>
/>Und da gleich auf Eldkatten antwortend: NEIN, ich meine keineswegs, GEGEN den Willen eines Patienten!!! Der freie Wille ist m.E. immer zu respektieren, denn wenn ein Kranker ausdrücklich wünscht, nicht mit einem Heilzauber belegt zu werden, dann wird er seine Gründe haben, und das muss man respektieren.
/>
/>- Andererseits: Wird man einen suizidgefährdeten Menschen nicht auch gegen seinen Willen vom Springen abhalten???? - Manchmal muss man solche Entscheidungen treffen, ist in jedem neuen Fall wohl einzeln zu bewerten, denk ich.
/>
/>Im besten Fall wird man natürlich den Patienten fragen, weil dann auch alles passt. Aber - wie auch mein Anfangsposting impliziert und Rivka ausführt - es gibt Fälle, wo fragen entweder unmöglich, unhöflich, sinnlos oder sogar kontraproduktiv ist. Komapatienten, Babies, Demente, Menschen, zu denen man eigentlich keine oder eine eher unerfreuliche Verbindung hat (stell Dir vor, ein Erzfeind von früher ruft Dich an, weiß von irgendwem, dass Du schwerkrank bist und bietet Dir an, Dir Heilenergie zu schicken - nona, wirst Du mit nein antworten und sich fast alles sträuben - meistens halt.) Also manchmal ists auch besser, was im Geheimen zu tun, um solche zwischenmenschlichen Hürden einfach zu umschiffen, wenn es dem Ziel der Heilung dient.
/>
/>@Eldkatten:
/>
/>>also ich würde einen Grundsatz durchaus sinnvoll finden, nicht unaufgefrodert magisch, schamanisch oder sonstwie an anderen Menschen zu manipulieren, und zwar weder im positiven (Heilzauber) noch im negativen (Schadzauber) Sinne.<
/>
/>Also - äh - ich glaube nicht, dass ein aufgeforderter Schadzauber besser ist als ein nicht aufgeforderter, nur glaub ich nicht, dass das potentielle Opfer jemanden dazu auffordern wird.  ;D
/>
/>
/>@alle:
/>
/>Also, wie gesagt, ich selber bete immer um Heilung für XX oder YY oder alle oder mich selbst. Aber andere zaubern lieber, die nächsten schicken bewusst Heilenergie. Wenn der Heilungswunsch im Vordergrund steht und an keine Bedingungen geknüpft sind, dann kann das m.E. einfach nicht schlecht sein. Oder um es krass auszudrücken: Wenn Islamisten oder Fundi-Christen gegen meine Migräne beten, wäre mir das nur recht, v.a. wenns wirkt! Ich werde deswegen weder zur Muslimin mutieren noch zur Christin, sondern wäre einfach für die erfolgreiche Heilung dankbar.
/>
/>äh - und wenn sie es geheim tun, mich also nicht vorher fragen, dann wäre ich eben einfach so dankbar, dass ich geheilt bin, weil ich ja gar nicht weiß, wer mich geheilt hat, nicht?
/>
/>Meine andere Frage bleibt offen: Außer Uhanek mit dem tibet. Buddhismus hat noch niemand die Frage bezügl. der schaman. Systeme beantworten können, wobei mich auch interessiert, ob es wirklich im modernen Schamanismus usus ist, niemanden ohne eindeutige Zustimmung dazu zu heilen. ??
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
/>
/>
/>
/>
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)