Autor Thema: Heilzauber ohne Zustimmung?  (Gelesen 15527 mal)

rivka

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #32 am: 20. Mai 2008, 15:50 »
Ich glaube (!!!) (was man so alles glaubt :stunned:) dass im "klassischen Schamanismus" wohl eher nicht gegen den Willen des Kranken geheilt wird da, nach dem bisschen, was ich weiss, der Patient ja anwesend sein muss?
/>
/>Ich selbst halte es so wie McClaudia mit den Heilenergien, und sehe nun wirklich nicht, dass man damit irgendeinen Schaden anrichten kann. Wenn ich allerdings ein Ritual für und/ oder mit eine/e/n Kranke/n machen soll (zum Beispiel) oder sonstwas in der Richtung, dann brauche ich die Zustimmung, weil ich das Vertrauen brauche + der Kranke auch den Willen haben muss, sich selbst zu heilen.
/>
/>Das kann dann eine Vorstufe in sich ergeben: dass mein erstes Ziel ist, diesen Willen zum Heilwerden im Kranken zu stärken. Und ich meine nicht, ihn zu überreden, sondern zu sehen, was wirklich eigener Entschluss, was Schicksal und was sekundäre Hemmung ist (wie Selbstbestrafungstendenzen, Angst vor den Anforderungen des Gesundseins, Krankheitsgewinne aller Art, Krankheit als Strafmassnahme für den Partner und so weiter.)
/>
/>Für das Senden von Heilernergien (@Eldkatten) jedoch gibt es imho keine Grenzen. Warum sollte es? Ob nun die Götter oder die Ananke, der sich nach griechiischer Vorstellung ja selbst die Götter unterwerfen müssen: keine Minute würde ich mir einbilden, jemandem Heilenergien zu senden würde mich zur Wunderheilein machen. Bin schon froh, wenn ich wem helfen kann, der geholfen werden will ( ;D ); wenn Heilenergien so funktionierten, wie ich den Eindruck habe, dass du dir das denkst, dann gäbe es eh keine Kranken mehr.
/>
/>Aber ich versteh schon, was du meinst (glaube ich, mal wieder. Was man so alles...äh.): Ich habe gerade einen Roman gelesen, in dem ein Sohn seine Mutter im Zustande fortgeschrittenen Suizids findet und dafür sorgt, dass der Wirkung der Tabletten gerade noch rechtzeitig Einhalt geboten werden kann, nur damit alle Beteiligten kurz darauf erfahren, dass sie höchstens noch ein halbes Jahr zu leben hat und ihr dann - im Gegensatz zum schmerzlosen Tablettentod - ein äussertst qualvoller Krebstod bevorsteht.
/>
/>Natürlich (denn es war ein gutes Buch) wird festgestellt, dass der Sohn in beiden Fällen Grund für ein schlechtes Gewissen gehabt hätte.
/>
/>Da wäre man also als schamanistisch Arbeitender darauf angewiesen, sozusagen über ein Gefühl für die wirkliche gesundheitliche Verfassung einer sich selbst in die Bewusstlosigkeit befördert habenden Person zu verfügen. Wäre die Konsequenz daraus, die Person nicht auf der Intensivstation abzuliefern? Was, wenn eine Obduktion ergäbe, dass man sich geirrt hat? Was, wenn der Mensch in dem halben Jahr noch was Postives hätte erleben sollen (was in dem Buch übrigens der Fall war).
/>
/>Ich glaube, es hat keinen Sinn, gegen das Schicksal anarbeiten zu wollen. Was nicht bedeutet, dass es sinnlos ist, etwas zu tun. Man kann ja nicht zu Gott / den Göttern sagen, mach du mal, oder macht ihr mal; sowas geht nur im Teamwork. Gott / Götter ist / sind ohne Menschen ziemlich hilflos :inquisitive: :stunned: :pleased: 
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

McClaudia

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #33 am: 21. Mai 2008, 09:04 »
jo, schließe mich dem mal an!  :)
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

Lucia

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #34 am: 21. Mai 2008, 09:10 »
Ich glaube (!!!) (was man so alles glaubt :stunned:) dass im "klassischen Schamanismus" wohl eher nicht gegen den Willen des Kranken geheilt wird da, nach dem bisschen, was ich weiss, der Patient ja anwesend sein muss?
/>
ja, die gehen sogar - falls sie gehen können - selber da hin  :laugh:
/>
/>lucia
Masturbation verspricht mehr als der Sex hält (Pascal Yorks)

eidechse

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #35 am: 21. Mai 2008, 09:19 »
hi lucia,
/>kann ich aus der kleinen aussage schliessen, das du davon ausgehst, dass in traditionellen schamanismen dies fernheilen, einergieschicken,heilzaubern eher oder garnicht 'üblich' ist, falls man die trad, schamanismen da in dem punkt zusammenfassen kann?
/>
/>wie sieht es mit so westlichen (heissen die dann core-schamanismus?) schmanismen aus, gibt es da in den vielen individuellen ausrichtungen sowas wie ein rotes fädchen von dieser regel? oder ist es da ähnlich, das üblicherweise anwesenheit  usus ist und sich die frage nach dem heilenergieschicken-zaubern-werkeln ohne die person fragen zu können erstmal nicht stellt (bewusstlosigkeit nehm ich jetzt mal raus)
/>.
"lieber cyborg als göttin" (donna haraway)

Lucia

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #36 am: 21. Mai 2008, 09:43 »
hi lucia,
/>kann ich aus der kleinen aussage schliessen, das du davon ausgehst, dass in traditionellen schamanismen dies fernheilen, einergieschicken,heilzaubern eher oder garnicht 'üblich' ist, falls man die trad, schamanismen da in dem punkt zusammenfassen kann?
nun, ich kenns halt nicht aus eigener erfahrung, das möchte ich gleich mal klarstellen.
/>allerdings aus persönlichen erzählungen von leuten, die schon selber die möglichkeit hatten entweder in südamerika, asien oder sonstwo bei noch "traditionellen" schamanInnen gewesen zu sein.
/>die menschen nehmen oft einen sehr weiten weg auf sich, um zu denen zu kommen zu einer behandlung.
/>klarerweise gibts auch fälle, wo verwandte diesen weg auf sich nehmen, weil der kranke selber nicht in der lage ist. da wurde mir im speziellen der fall einer sehr wirksamen heilmesa(südamerika) erzählt, die dann auch gewirkt hat.
/>oder wie in dem fall, wo ich die fotos von dem schamanenkrankenhaus verlinkt habe, die geisteskranke patientin ... die war zwar vor ort, aber die hat sicher net selber um die behandlung gebeten, da hats der mann gemacht.
/>für mich ergibt sich weitgehendst der eindruck, das behandelt wird, wenn eine störung - krankheit - vorliegt. das davon ausgegangen wird, das der kranke mensch heilung möchte. und deswegen wird behandelt.
/>
/>
Zitat
wie sieht es mit so westlichen (heissen die dann core-schamanismus?) schmanismen aus, gibt es da in den vielen individuellen ausrichtungen sowas wie ein rotes fädchen von dieser regel? oder ist es da ähnlich, das üblicherweise anwesenheit  usus ist und sich die frage nach dem heilenergieschicken-zaubern-werkeln ohne die person fragen zu können erstmal nicht stellt (bewusstlosigkeit nehm ich jetzt mal raus)
in dem bereich kenn ich den spruch von wegen "nur wer selber fragt wird behandelt" und das ist mir auch selber passiert. erst nach meiner anfrage wurde die hilfestellung gegeben. da es sich aber grade in unseren breiten so eingebürgert hat, das im speziellen die leuts zu core-schamanInnen gehen, wenn es sich um blockaden jeglicher art handelt, ist das - in meinen augen - nur sinnig. nur wer selber den willen hat, diese aufzulösen o. zu bearbeiten, bei dem bringts im endeffekt was. und - weil so eine blockadenlösung grad anfangs auch ziemlich heftige auswirkungen haben kann - nur dann ist es gescheit, weil der mensch vorbereitet ist und nicht in panik verfällt, weil da auf einmal dinge losgelassen werden, mit denen nicht gerechnet wurde.
/>
/>viele haben sich ja auch recht gut eingerichtet mit ihren "behinderungen" und solang man die hat, hat man gute entschuldigungen dies und jenes nicht zu tun oder tun zu können. und es ist eben auch für viele erschreckend, nicht zu wissen, was dann ist - wenn die blockade weg ist. welche freiheit da mögicherweise auf einen zu kommen und/oder welche neuen möglichkeiten und vll. damit für sich persönlich verpflichtungen.
/>
/>außerdem hat man mit seinen sperenzchen oft genug auch macht mit der man sich zuwendungen/aufmerksamkeit holt, von der man glaubt, das man sie sonst nicht erhält.
/>"maaah, die arme mamma hat wieder migräne. seids leise. seids lieb zur ihr, weil ihr gehts schlecht". die angst, das ohne die migräne* niemand mehr lieb zu einem ist, ist, denk ich, oft größer, als der schmerz der migräne. das ist allerdings auch oft unbewußt, bzw. wollen viele so etwas gar nicht erkennen.
/>
/>
/>
/>*migräne ist logischerweise austauschbar auch auf anderes, gelle - das ist ein beispiel.
/>
/>
/>grützli
/>lucia
/>
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elaOlyn

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #37 am: 21. Mai 2008, 09:53 »
Hm, warum soll ich irgendwelche Heilenergien verschicken usw. wenn ich mich schamanischer Arbeitsweisen bediene?
/>
/>Ich spreche jetzt mal von mir aus:
/>
/>Als "Schamanin" ich nehm halt jetzt den Begriff, obwohl er mich nicht 100% befriedigt, habe ich Kontakt in die nicht sichtbare Welt. Ich kann dahin, so ähnlich, wie ich jetzt in der materiellen zum Bäcker beispielsweise kann.
/>Dort begegne ich verschiedenen Wesen,Geister wie man das auch immer nennen kann, diese "Wesen" agieren untereinander und mit meinen Verbündeten oder mir.
/>
/>Was für Möglichkeiten habe ich nun wenn ich höre die Freundin meiner Bekannten hat sich in Honolulu eine schwere Infektion geholt?
/>Da ich zu der Truppe gehöre, die Arbeit gerne wohldosiert, um sich hat, will heißen nicht zuviel, brauche ich schon einen Auftrag, da überhaupt was zu tun. Ebenso ist es dann klar, dass für den Arbeitsaufwand ein Obulus zu entrichten ist. In welcher Form wird ausgehandelt. Also ich bin nicht so das Licht und Liebe Püppchen das sofort einen Licht und Heilauftrag sieht und loslegt.
/>
/>Ich gehe in die unsichtbare Welt und nehme Kontakt  mit meinen Verbündeten mit dem Wesen dieser Krankheit auf,  ebenso mit den "Geistern" die dort leben und auch dieses "Krankheitswesen" um sich haben. Es kann ja sein, dass es dorthin von einigen Wesenheiten gerufen wurde und zwar aus gutem Grund.
/>Dann schaue ich, ob ich die Wesen, die die Freundin begleiten erreiche und frage die, was sie für Vorschläge in Richtung Gesundheit haben? Nachdem ich alle Beteiligten zusammen habe, beauftrage ich meine Verbündeten mit denen der Freundin einen Konsens zu finden. Natürlich wird meine Intesion die Heilung sein, ist ja schließlich der Auftrag, den ich erhalten habe.
/>
/>Da ich nicht vor Ort sein kann, denn kaum jemand wird mir einen Flug nach Honolulu mit dem Auftrag die Krankheitsdämonen der Freundin zu eliminieren, bezahlen, werden die Verbündeten dies übernehmen, da diese mobiler sind.
/>
/>Damit ist mein Part, um den ich gebeten wurde, erledigt.
/>
/>Grüße
/>ela
/>
/>
/>
ich bin nur ein kleiner Teil des Universums, doch trage ich ein ganzes Universum in mir

dr. no

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #38 am: 25. Mai 2008, 15:44 »
no
« Letzte Änderung: 28. Oktober 2008, 12:11 von Schattenspeer »

Distelfliege

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Re: Heilzauber ohne Zustimmung?
« Antwort #39 am: 25. Mai 2008, 18:32 »
Ich finde, in diesem Thema ist bisher immer noch nicht klar genug differenziert worden zwischen "Heilenergie schicken/gute Wünsche/allgemeine Stärkung" und magischen Heiloperationen "am lebenden Menschen". Das wurde zwar des öfteren angesprochen, daß es da auch unterschiedliche Arten gibt, aber so richtig klar rauskommen tats mir nicht.
/>
/>Lucia hat z.b. vom Blockaden lösen gesprochen, das wäre schon eher ein Eingriff, siehe auch erwähnte Neben- und Folgewirkungen.
/>Dann wiederum generell das Beste wünschen und Wohlbefinden und Harmonie, was Uhanek angesprochen hat, das ist für mich ein ganz anderer Schuh.Bisher habe ich auch nie von jemandem gehört, der sich beschwert hat, weil ihm Leute ungefragt die Daumen z.b. für eine Prüfung oder eine Bewerbung drücken.
/>
/>Wenn mir jemand allgemein Kraft und Heilenergie schicken würde, ohne hinzuzufügen, was ich gefälligst mit der Heilenergie an mir ändern soll und wie ich die Kraft anwenden soll (also eine "nicht zweckgebundene Spende") dann ist das für mich völlig okay.
/>Wenn jemand anfängt dafür zu beten, daß ich mich z.b. nicht über Dinge aufregen soll, damit mein Blutdruck gesenkt wird, und es würde funktionieren und ich wäre dann emotional abgestumpft dadurch, dann fände ich das schlecht. Das geht schon über allgemeines Heilenergieschicken hinaus, finde ich.
/>Die nächste Stufe wäre, wenn jemand dann anfängt magisch an mir herumzuoperieren oder so, das ist gegen meine Selbstbestimmung. Und wenn jemand ungefragt auf magische oder sonst eine Art und Weise mich z.b. bereisen würde und meinen Geistes- oder Körperzustand diagnostizieren, fände ich das auch nicht gut.
/>
/>Und so wie ich gerne behandelt werden möchte, so verhalte ich mich anderen gegenüber auch.
/>
/>Noch komplizierter wird es, wenn es um "Notfälle" geht, also - darauf geh ich jetzt auch gar nicht ein, sondern ich weise darauf hin, daß das, was ich okay und nicht okay finde, sich auf den Normalfall bezieht, wo der kranke Mensch, der geheilt werden will, ansprechbar ist und man den Menschen fragen kann. 
/>