Autor Thema: Spirituelles und materielles Weltbild  (Gelesen 3353 mal)

Geza

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Spirituelles und materielles Weltbild
« am: 06. Juli 2008, 09:56 »
Rivka brachte in einem andern Thema dieses Zitat von Hubert Schleichert:
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Zitat
Niemand soll, im Namen welcher Religion, Ideologie oder Ideale auch immer, bedrängt, geängstigt, verhöhnt, materiell beeinträchtigt, seiner Freiheit beraubt, gefoltert oder ermordet werden. Dieser Satz ist allen grossen Kulturen der Menschheit gemeinsam, wer ihn nicht vorbehaltlos unterschreibt, mit dem zu reden verlohnt sich nicht. Daraus folgt: Ideologien, Religionen, Schwärmereien, Visionen, Dogmen, Doktrinen, Glaube und Aberglaube, Orthodoxien, Häresien oder was es dergleichen sonst noch alles geben mag, die zu Verletzungen der Menschenrechte anleiten oder dieselben verharmlosen, soll man attackieren - auch dann, wenn sie sich im Moment lammfromm geben. Denn die Erfahrung lehrt, dass man in diesen Dingen überhaupt nicht misstrauisch genug sein kann. Deshalb soll man sich jeden Versuch, die Vernunft verächtlich zu machen, jede Relativierung der Vernunft durch verspielte Intellektuelle, genauso wie durch verbohrte Fanatiker entschieden verbitten.
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/>Die abendländische, kritische Vernunft ist kein völlig zufälliges Vorurteil. Wer im Namen irgendeiner Ideologie gequält oder verbrannt werden soll, der wird die aufklärerische europäische Vernunft allen Alternativen vorziehen. Man mag das eine Frage des Geschmacks nennen. Aber es ist ein guter Geschmack."

/>Es ist das alte Thema, der Gegensatz vom spirituellen und materiellen Weltbild, wobei im Zitat das spirituelle Weltbild eindeutig als barbarisch diffamiert wird. Ich glaube nicht, daß die Auseinandersetzung der Zukunft zwischen dem Heidentum und dem Christentum oder zwischen verschiedenen Religionen stattfinden wird, sondern es wird eine Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Weltbildern sein. Anhänger beider Weltbilder zusammen finden sich in jeder Religion. Es gibt beispielsweise Christen, die an Geister, den Teufel, Heilige und Wunderheilungen glauben, und es gibt Christen, für die Jesus nicht mehr als ein menschlicher Philosoph ist, die ansonsten an nichts "unsichtbares" (Geister, Jenseits, Seele) glauben.
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/>Ich bin nun aber gerade ein überzeugter Anhänger des spirituellen Weltbildes. Wenn ich einen Raben krähen höre, dann ist das nicht ein Vogel, der sein Revier abgrenzt oder um sein Weibchen balzt, wie uns die Biologen einreden wollen, sondern dann hat dieses Krächzen je nach Richtung, Tageszeit und Tonfall eine bestimmte Bedeutung. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß es im spirituellen Weltbild einen Zufall nicht gibt, während das materielle Weltbild sogar die Entstehung der Lebewesen auf einen Zufall zurückführt.
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/>Wegen der unterschiedlichen Weltbilder gibt es natürlich auch unterschiedliche Werte. Die "Vernunft" scheint das Höchste im materiellen Weltbild zu sein. Im spirituellen aber hat sie eine untergeordnete Rolle oder ist ihm eingeordnet. Die Vernunft im spirituellen Weltbild sagt, daß es einen Sinn des Lebens gibt, daß es Geister und Götter gibt und daß man Sie verehren muß, wenn man Ihren Beistand will.
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/>Ich hätte eigentlich nicht gedacht, daß es nach der 68er Zeit, nach der Esoterikwelle und nach Forschungen von Kübler-Roß oder Moody noch immer Menschen gibt, die das materielle Weltbild unverändert hochjubeln. Längst haben Ärzte doch erkannt, daß an Homöopathie oder Akupunktur, an Reiki oder Ayurveda mehr dran ist, als man glaubte. Längst wurde die Aura per Auraphotographie (Kirlian) sichtbar gemacht, längst haben Ärzte durch Hypnose gemerkt, daß Menschen mehrfach auf dieser Erde inkarniert sein können, längst sind einige uralte religiöse Lehren durch Forschungen bestätigt worden. Also sollte man meinen: Das materialistische Weltbild öffnet sich dem spirituellen. Aber dieses Zitat fällt wieder in eine Zeit zurück, wo der Naturheiler als Quacksalber bezeichnet und Zauberei lediglich als eine Einbildung im Gehirn interpretiert wurde.
/>Ich bedauere diesen Rückfall, insbesondere in einem Forum, das sich doch - wenn ich es richtig verstanden habe - auch um Spiritualität, Heidentum und eben das spirituelle Weltbild dreht.
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/>Natürlich ist für den Materialisten allein der Verstand, die Vernunft entscheidend, und die vom menschlichen Verstand ersonnenen Dinge wie z. B. Menschenrechte und Menschengesetze haben hier den Stellenwert, der im spirituellen Weltbild göttlichen Offenbarungen gebührt. Deswegen die diesseitige Ausrichtung des Zitates: Das Leben ist das Wertvollste, denn etwas anderes existiert für den Materialisten nicht. Im spirituellen Weltbld ist Leben auch wichtig, aber der Tod wird nicht als zu fürchtendes Ende dämonsiert, sondern als ein Durchgangsstadium in die spirituelle Welt. Deswegen ist er so natürlich und notwendig, wie die Geburt auf der andern Seite. Das Lebensziel ist nicht, möglichst lange zu Leben (weil danach eh alles aus ist), sondern seine Lebensaufgaben zu erfüllen - sollte es nötig sein, muß man dafür auch sein Leben einsetzen (opfern). Das können Materialisten nicht verstehen. Deswegen versteht der heute mehrheitlich materielle Westen nicht die moslemischen Gihad-Kämpfer, die im Glauben, ihre Lebensaufgabe zu erfüllen, bereit sind, zu sterben. Oder die japanischen Kamikaze-Flieger. Oder germanische Krieger, die den Tod nicht fürchteten. Oder altenglische Ritter, die sich weigerten, den Feind durch einen Hinterhalt zu bekämpfen, die stattdessen offen und ehrlich gegen ihn antreten wollten. Nicht das körperliche Überleben des Kampfes ist das wichtigste, sondern den Kampf ehrenvoll zu führen. Einen "Totalen Krieg", bei dem heimtückische Distanzwaffen eingesetzt werden, gibt es nicht im spirituellen Weltbild.
/>Der Tod ist für Materialisten tatsächlich eine Strafe, es gibt für sie so etwas wie "Todesstrafe", weil das einzige Leben, das man hat, verkürzt wird. Für Anhänger des spirituellen Weltbildes dagegen gibt es keine Todesstrafe, da der Tod jedem, sei er Heiliger oder Massenmörder, irgendwann bevorsteht und die Lebenszeit sowieso von den Göttern vorherbestimmt ist. Deswegen kann die sog. "Todesstrafe" auch gar nicht gegen irgendwelche Menschenrechte verstoßen, denn sie kann in Wahrheit das Schicksal eines Menschen gar nicht ändern. Wer durch die Todesstrafe stirbt, dm war dieser Tod vorherbestimmt, wem der Tod noch nicht bestimmt ist, der wird auch nicht wegen der Todesstrafe sterben. Das Vertrauen auf das Wirken höherer (spirituller) Mächte ist bei Materialisten nicht vorhanden. Sie kommen mir vor wie der König in "Dornröschen", der sich in dem Wahn befand, wenn er nur alle Spindeln des Landes vernichtete, würde seiner Tochter nichts geschehen - ein Irrtum, wie wir wissen. Hätte er der 13. Norne geopfert, dann wäre Dornröschen vielleicht dieses Schicksal erspart geblieben.
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/>Ich schreibe dies, weil der peinliche Rückfall in ein bereits infragegestelltes und in seine Reinstform überholtes Weltbild nicht unkommentiert hier stehen bleiben sollte.
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/>Geza

Wælceasig

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Re: Spirituelles und materielles Weltbild
« Antwort #1 am: 06. Juli 2008, 10:05 »
Für Anhänger des spirituellen Weltbildes dagegen gibt es keine Todesstrafe, da der Tod jedem, sei er Heiliger oder Massenmörder, irgendwann bevorsteht und die Lebenszeit sowieso von den Göttern vorherbestimmt ist. Deswegen kann die sog. "Todesstrafe" auch gar nicht gegen irgendwelche Menschenrechte verstoßen, denn sie kann in Wahrheit das Schicksal eines Menschen gar nicht ändern. Wer durch die Todesstrafe stirbt, dm war dieser Tod vorherbestimmt, wem der Tod noch nicht bestimmt ist, der wird auch nicht wegen der Todesstrafe sterben.

/>Das ist wieder mal ein gutes Beispiel das zeigt, wie gefährlich Fanatismus und ein Schwarz-Weiß-Weltbild sind. Was können wir froh sein, dass Geza nur der Guru einer kleinen Sekte ist, und keine Macht hat. 
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/>Ein "Ups! Wir haben jemanden hingerichtet, und im nachhinein hat sich herausgestellt er war an dem Verbrechen, die ihm zu Last gelegt haben doch unschuldig - Na macht nichts, war ja der Willen der Götter und von ihnen vorherbestimmt." ist eine genauso krankhafte, perverse Sinnverdreherei wie von der Inquisition die Ausrede: "Wir sollen in Gottes Namen kein Blut vergießen? Okay, verbrennen wir unsere Feinde, dann fließt kein Blut."
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/>Und bitte Geza, maße dir nicht an für alle "Anhängern des spirituellen Weltbildes" zu sprechen, sondern nur für dein eigenes verkorkstes.

dr. no

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Re: Spirituelles und materielles Weltbild
« Antwort #2 am: 06. Juli 2008, 11:16 »
no
« Letzte Änderung: 28. Oktober 2008, 09:28 von Schattenspeer »

Wælceasig

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Re: Spirituelles und materielles Weltbild
« Antwort #3 am: 06. Juli 2008, 11:22 »
es gehört ja auch zu den guten seiten eines "spirituellen" weltbildes, wie es hier dargestellt wurde,
/>zB eine hexe plump tatsächlich zu verbrennen, aber nur den alten madensack- den körper, die seele wird durch´s feuer gereinigt,
/>

/>Öh, stimmt, Schattenspeer!  :stunned: Wäre Geza konsequent (die Betonung liegt auf wäre), müsse das nach seinem spirituellen Weltbild eigentlich auch seine Ansicht sein: Die Hexenverbrennungen waren Willen der Götter, da ihr Tod von den Göttern vorherbestimmt war.
/>Heeeeeerrrrrrlich!  ;D

McClaudia

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Re: Spirituelles und materielles Weltbild
« Antwort #4 am: 06. Juli 2008, 13:53 »
@Geza:
/>
/>Ich möchte nur mal einem Punkt Deiner Aussagen entschieden widersprechen, der Rest kommt vielleicht später, wenns mich gelüstet:
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/>Es ist eindeutig UNWAHR, dass Materialisten (resp. Atheisten, Humanisten, Freigeister) den Tod automatisch fürchten, bloß weil sie nicht an ein wie immer geartetes Leben danach glauben. Im Gegenteil.
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/>Schon Epikur um 400 v. Chr. postulierte, dass der Tod das Ende des Lebens ist, und unweigerlich zur Nichtexistenz führe, weshalb eine Angst vor dem Tod (die er fastzinierenderweise GERADE bei den Hades-Gläubigen feststellte) für ihn absolut sinnlos sei.
/>
/>"Die Lebenden interessieren die Toten nicht, und die Toten interessieren die Lebenden nicht." so in der Art seine Aussage. Der Grund ist einfach: Als Lebende bin ich mit den Dingen des Lebens beschäftigt. Höchstens der Verlust eines Menschen kann mich traurig machen. Aber da der Mensch nun nicht mehr existiert, lohnt es nicht, UM IHN zu trauern, denn er existiert ja nicht mehr. Fazit: Man soll sich des Lebens freuen, es genießen, sinnvoll gestalten, denn es ist kurz.
/>
/>Und nachdem die Toten aufhören zu existieren, ist ihnen, da sie ja nicht mehr existieren, das Leben auch egal.
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/>Deshalb ist die Angst vor dem Tod sinnlos. Denn als Nicht-Existierende kann man ja schwerlich noch irgendetwas betrauern, was mal war.
/>
/>Sokrates postuliert hingegen gar nix, sondern lässt die Frage offen: Entweder er kommt (nach griechischem Glauben) in den Hades oder es existiert kein Leben nach dem Tode, dann stellt er sich das wie einen tiefen traumlosen Schlaf vor. Beide Möglichkeiten machen ihm keine Angst. Im ersteren Fall träfe er alle verstorbenen Philosophen vor ihm und könne unendlich lange seiner Lieblingsbeschäftigung, der Philosophie nachgehen, im anderen Fall schliefe er traumlos, und auch das ist eine schöne Sache.
/>
/>Auch heutige radikale Atheist/innen, wenn sie konsequent sind, haben daher keine Angst vor dem Tod (aus Gründen, die Epikur schon darlegte).
/>
/>Mc Claudia
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

Manfred

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Re: Spirituelles und materielles Weltbild
« Antwort #5 am: 06. Juli 2008, 14:17 »
....
/>Ich bin nun aber gerade ein überzeugter Anhänger des spirituellen Weltbildes.
/>....

/>Interessant, mein Weltbild ändert sich ständig, es wie ein Fluss der mich dahintreibt, solange ich mich dahintreiben lasse ändert sich ständig alles um mich herum (und ich mich natürlich). Sobald ich dagegenschwimme stehe ich und mein Weltbild bleibt gleich
/>
/>Darum bin ich kein überzeugter Anhänger meines Weltbildes, da es regelmäßigen Änderungen unterworfen ist.
/>
/>
/>
...sondern es wird eine Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Weltbildern sein.
/>

/>Es wird eine Auseinandersetzung sein, zwischen denen die unterschiedliche Weltbilder einzementiert haben...Weltbilder in denen das andere Weltbild keinen Platz hat  :sad1:
/>
/>Bearhug
/>
/>Manfred

/>"Smile, it kills time between disasters!!!"
/>

McClaudia

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Re: Spirituelles und materielles Weltbild
« Antwort #6 am: 06. Juli 2008, 14:30 »
Bin spirituelle Materialistin. Passe also dummerweise gar nicht in Gezas Schwarz/Weiß-Denken.  8)
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

elaOlyn

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Re: Spirituelles und materielles Weltbild
« Antwort #7 am: 06. Juli 2008, 14:47 »
Ich materialisiere mein spirituelles Weltbild. Was bin dann Ich?
ich bin nur ein kleiner Teil des Universums, doch trage ich ein ganzes Universum in mir