Autor Thema: Was ist ein spirituell entwickelter Mensch?  (Gelesen 10015 mal)

McClaudia

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Re: Was ist ein spirituell entwickelter Mensch?
« Antwort #16 am: 17. Juli 2008, 09:54 »
Slania Uhanek,
/>
/>
Darüber hinaus sagt Wilber, dass Lehren weniger verdächtig seien, wenn sie seit langer Zeit etabliert sind, d.h. wenn sie nicht allein auf den Neigungen eines Einzelnen beruhen, sondern das Ergebnis einer jahrhunderte- oder jahrtausendelangen Ausübung durch viele Praktizierende ist, durch die die Lehre immer weiter ausgearbeitet und verfeinert wurde.
/>

/>Bei lang existierenden Traditionen besteht aber auch die Gefahr der Verkrustung, was man bei jungen Traditionen nicht so hat. Möchte hier auch auf meinen letzten "Helden" Gendün Chöpel hinweisen:
/>
/>http://forum.wurzelwerk.at/index.php/topic,3750.16.html
/>
/>Also ich finde einen individuellen Weg, ernsthaft und tiefgreifend gegangen, spiritueller als einen überlieferten, den man nur nachgeht, nur "nachplappert".
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
/>PS.: In einer modernen Tradition kann ich also nach Wilbert kaum spirituell sein, weil keine Lehren ausgearbeitet wurden.... Schade. Bin i halt unspirituell....  :confused: :confused:
/>
/>
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

McClaudia

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Re: Was ist ein spirituell entwickelter Mensch?
« Antwort #17 am: 17. Juli 2008, 10:01 »
Auf Wilber bezogen frage ich mich auch, kann es einen spirituellen Weg ohne (menschlichen) Lehrer/in geben? V.a. in modernen Traditionen sind solche eher selten, denn irgendwer muss ja ne Tradition erst mal erfinden, beginnen, erfahren, offenbart kriegen.
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

Uhanek

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Re: Was ist ein spirituell entwickelter Mensch?
« Antwort #18 am: 17. Juli 2008, 10:10 »
Hi McClaudia,
/>
/>also Gendün Chöpel hat sich vor allem mal gegen starre, hierarchische Machtstrukturen gewandt. Damit stand er in einer ganzen Reihe von spirituellen Meistern, die das auch getan haben. Und meiner Ansicht nach zurecht. Wilber täte das wohl auch, denn er betont - ich habe es mitzitiert, Du aber leider nicht - auch die Wilensfreiheit und Individualität des Schülers, was ja in rigiden politischen Organisationsformen eher zu kurz kommt. Wilber bezieht sich auf spirituelle Lehren, d.h. Lehren, die das innere Wesen des Menschen und der Welt betreffen und die verbunden sind mit Übungen und praktischen Anwendungen, die zu spezifischen Erfahrungen führen. Er versucht Leuten, die sich im Wust des heutigen Spirit-Marktes ein wenig orientieren wollen, einige Punkte an die Hand zu geben, die ihnen behilflich sein könnten. Dazu gehört, dass alt tradierte Lehren über viele Generationen entwickelt wurden und aus diesem Grund seien sie weniger verdächtig, nur die Wünsche und Neigungen eines Einzelnen widerspiegeln.
/>
/>LG
/>Uhanek
Sighs[/list]

Uhanek

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Re: Was ist ein spirituell entwickelter Mensch?
« Antwort #19 am: 17. Juli 2008, 10:11 »
Auf Wilber bezogen frage ich mich auch, kann es einen spirituellen Weg ohne (menschlichen) Lehrer/in geben?
/>

/>
/>Tatsächlich geht es in den traditionellen Wegen für gewöhnlich nicht ohne.
Sighs[/list]

McClaudia

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Re: Was ist ein spirituell entwickelter Mensch?
« Antwort #20 am: 17. Juli 2008, 10:14 »
Slania,
/>
/>soda, ich nehm mir mal die ganze Beschreibung von Uhanak/Wilber her und versuch da für mich zu resümieren. Irgendwas passt mir da nicht:
/>
/>
Er meint, dass eine echte, authentische Lehre eher "transrational", als "prärational" ausgerichtet sei. U.a. bedeutet dies, dass sie nicht die Aufgabe der Vernunft fordert, sondern ihre Steigerung und Transzendierung hin zu höheren Bewußtseinszuständen, die auch das Rationale umfassen, statt es zu zerstören.
/>

/>OK, damit bin ich einverstanden. Eine Lehre, der man folgt, sollte also nicht nachgeplappert werden sondern zum Selberdenken anregen, die Vernunft fördern, erweitern, transzendieren.
/>Mein Fazit: Wenn man sein Hirn an der Garderobe abgeben muss - Hände weg.
/>
/>
Echte Lehren schließen Wilber zufolge diszipliniertes Üben, Konzentration und den Willen mit ein.
/>

/>Ich kann nur von meiner Warte aus was sagen: Diszipliniertes Üben (z.B. Taiji, Qi Gong, Meditation, Gebete, Beschäftigung mit Lehren, Philosophien??), Konzentration (s. vorher), Willen (immer dranbleiben, nicht nachlässig werden???).
/>
/>
Außerdem weisen sie ethisch-moralische Grundlagen auf.
/>

/>Die meinen sind - eh scho wissen - Menschenrechte. Was dem nicht entspricht, mag ich nicht.
/>
/>
Die erforderliche Disziplin ist genauso groß wie die, die man zur Erlangung eines Doktorgrades benötigt.
/>

/>Das heißt, dass man eigentlich keine Freizeit mehr hat, und sein gesamtes Leben nur mehr der Lehre nachfolgt....? (Ich stell mir grad vor, ich mach neben der Arbeit nen Doktortitel....)
/>
/>
Darüber hinaus sagt Wilber, dass Lehren weniger verdächtig seien, wenn sie seit langer Zeit etabliert sind, d.h. wenn sie nicht allein auf den Neigungen eines Einzelnen beruhen, sondern das Ergebnis einer jahrhunderte- oder jahrtausendelangen Ausübung durch viele Praktizierende ist, durch die die Lehre immer weiter ausgearbeitet und verfeinert wurde.
/>

/>s. mein voriges post. Trifft m.E. nur dann zu, wenn die Lehren in sich flexibel bleiben und neue Impulse aufnehmen, neue Ideen nicht ablehnen, sich selbst verändern und das Selberdenken der Schüler/innen fördern und deren Erkenntnisse ernst nehmen. Ansonsten ist es erstarrtes Dogma.
/>
/>Das einzige, was ich mir denk ist, dass es vielleicht schwieriger ist, in einer selber kreierten Tradition, direkt von den Gottheiten inspiriert, eine Lehre, einen Weg zu gehen. Aber es ist nicht schlechter, auch nicht verdächtiger. Missbrauch gibts überall, und GERADE alte Traditionen, etabliert, unangetastet können sich mehr Missbrauch "leisten", weil sie weniger hinterfragt werden.
/>
/>
Außerdem vertritt er die Ansicht, dass die Willensfreiheit und Individualität des Schülers niemals gefährdet sein sollte.
/>

/>Gut, das würde ich als ganz oberstes hinstellen (eben wegen der Missbrauchsgefährdung). Finde ich sehr gut und wichtig.
/>
/>Und damit bin ich wieder bei der Frage - Nach Wilber gibt es offenbar keinen spirituellen Weg ohne Lehrer/in?
/>
/>Entspricht ehrlich nicht unbedingt dem, was ich mir unter Spiritualität vorstelle. Wenn ich meine eigene Lehre, geoffenbart, aus alten Quellen, woher auch immer, nach obigen Prinzipien (diszipliniert, etc.) lebe, ist das m.E. genauso spirituell. Finde ich.
/>
/>Ich selbst bin es nach obigem Konzept nicht. Zu nachlässig. Und Freizeit brauch ich auch.  :smile: Da bleib i lieber volksreligiös und philosophisch, ist eher meins.
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
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McClaudia

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Re: Was ist ein spirituell entwickelter Mensch?
« Antwort #21 am: 17. Juli 2008, 10:17 »
Slania Uhanek,
/>
/>OK, innerhalb der Traditionen gibts keine Spiritualität ohne Lehrer. Ich finde das zu kurz gegriffen und auch unlogisch. Wer war der erste Lehrer? Welche/r Mensch/in war am Anfang?
/>
/>Irgendwer muss die Tradition ja mal begründet/erfunden/geoffenbart gekriegt haben, nicht?
/>
/>Und WENN das also möglich ist, ne Lehre geoffenbart zu kriegen, zu erfinden, wo ist dann der Unterschied zwischen dem Menschen von vor 2000 Jahren, der sie geoffenbart gekriegt hat und einem modernen Menschen, der eine Lehre geoffenbart kriegt?
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
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Uhanek

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Re: Was ist ein spirituell entwickelter Mensch?
« Antwort #22 am: 17. Juli 2008, 10:24 »

/>OK, innerhalb der Traditionen gibts keine Spiritualität ohne Lehrer. Ich finde das zu kurz gegriffen und auch unlogisch.

/> :stunned: Inwiefern sollte das "unlogisch" sein? Da ist einer, der eine Ausbildung mit allem, was dazu gehört, gemacht hat und ein anderer, der nun mit ihm interagiert und bei ihm die Ausbildung macht. Was ist da "kurz gegriffen und unlogisch"?
/>
/>
/>
Wer war der erste Lehrer? Welche/r Mensch/in war am Anfang?

/>
/>Kommt drauf an, welche Legende die entsprechende Tradition erzählt. Ist aber eigentlich nicht wirklich relevant, wenn die entsprechende Lehre über Generationen hinweg erfolgreich geübt und darüber in ihren subtilen Details noch weiter ausgearbeitet wurde. Historisierendes Denken hilft dabei überhaupt nicht weiter und ist eher irrelevant, scheint mir.
/>
/>
Sighs[/list]

LaChatte

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Re: Was ist ein spirituell entwickelter Mensch?
« Antwort #23 am: 17. Juli 2008, 10:24 »
Mich stört das "entwickelt", das klingt für mich immer so nach Elite, nach besser als die Anderen...

/>Hallo Anu
/>
/>ich glaube nicht, dass man das mit einem Werturteil verbinden muss. Es ist doch nicht mehr als die Feststellung, dass ein Mensch in einem gewissen Bereich mehr Fähigkeiten hat als andere Menschen. Und das sind ja doch Unterschiede, die real sind und die feststellbar sind, und die auch benennbar sind - so wie man auf ähnliche Weise sagen kann "Martin spielt besser Klavier als ich" oder "Susannes Fähigkeiten als Sportlerin sind besser entwickelt als meine." Und da kann ich solchen Menschen auch neidlos zugestehen, dass sie einer Elite angehören, zum Beispiel dem Olympia-Team eines Landes, oder den Berliner Philharmonikern. Als Mensch - in Bezug auf Menschenwürde - sind sie deswegen nicht wertvoller oder anders als alle anderen Menschen.
/>
/>
Auf Wilber bezogen frage ich mich auch, kann es einen spirituellen Weg ohne (menschlichen) Lehrer/in geben? V.a. in modernen Traditionen sind solche eher selten, denn irgendwer muss ja ne Tradition erst mal erfinden, beginnen, erfahren, offenbart kriegen.
/>

/>Hi McClaudia
/>
/>ich glaube, das ist schwierig, einen spirituellen Weg ohne LehrerIn zu gehen. Andererseits glaube ich aber, dass LehrerInnen in ausreichender Menge auch vorhanden sind. Das müssen nicht VertreterInnen bestimmter Richtungen sein, sondern einfach Vorbilder - Menschen, denen ich ähnlich werden möchte, weil sie mich durch ihr Verhalten und ihre Haltung beeindrucken. Da muss es auch nicht unbedingt eine formale Abmachung geben "ich bin die Schülerin, du bist die Lehrerin". Wobei ich Lehren in Bezug auf die korrekte Durchführung eines bestimmten Rituals oder die korrekte Deutung eines Textes als nicht so wichtig betrachte wie Lehren in Bezug auf Werte wie Menschlichkeit, Authentizität und Integrität. Weil dies dann die notwendigen Werkzeuge gibt, die persönliche Spiritualität und deren äusserliche Formen zu entwickeln.
/>
/>grüsse, barbara