Autor Thema: Wie definiert ihr Liebe?  (Gelesen 31881 mal)

morgane

  • Zweitwohnsitz WurzelWerk
  • *******
  • Beiträge: 3045
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Wie definiert ihr Liebe?
« Antwort #32 am: 22. Juli 2008, 15:24 »
Hi euMin!
/>Habe ich dich richtig verstanden, meinst du, dass die beiden dann miteinander magie und rituale machen? Oder ist es etwas anderes? Ich fürchte, bei mir musst du eine wenig konkreter werden  ;).
/>Ich kenne die situation, dass DURCH gemeinsame magische arbeit verbundenheit oder liebe entsteht. Wenn da kein partner außerhalb steht, ist das auch kein problem. Das kennen lernen an sich hat natürlich auch etwas magisches, eh klar.
/>Was hast du jetzt aber wirklich gemeint?
/>
/>lg morgane
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....

Peter

  • WurzelWerk Mitglied
  • ***
  • Beiträge: 1645
  • Geschlecht: Männlich
Re: Wie definiert ihr Liebe?
« Antwort #33 am: 22. Juli 2008, 15:32 »
Hallo EuMin!
/>
/>Das wird jetzt "treading dangerous grounds", aber was solls...
/>
/>
/>
Und es hat sicherlich eine andere Qualität mit einem Menschen sexuellen Kontakt in Liebe zu haben, als zB beruflich...
/>

/>Wenn ich Dich hier richtig verstehe, dann... komme ich anhand aktueller Marktbeobachtungen zu dem Ergebnis, dass diese "andere Qualität" offenbar in den letzten Jahren immer weniger oder nicht mehr gesehen wird.
/>
/>
Zitat
ICH habe in meiner einleitenden Frage über Liebe im Allgemeinen, also zu jeder Person, die mir in irgendeiner Weise nahes teht gedacht und damit schließt sich die Sexualität zumindest teilweise aus, nicht wahr?  :wink1:
/>

/>Und ich beziehe mich auf das was m.M.n. ein übliches, verbreitetes Common-Sense Verständnis eines Begriffs ist, um von da aus dann meine eigene Vorstellung zu entwickeln.
/>Und da gehts halt los mit "liebe machen" als euphemismus für Sex, "liebesbeziehung" als eine Paarbeziehung mit einem "member of the approprate sex" (wie das in den US-Foren so schön politisch korrekt umschrieben wird), und geht dann weiter in verschiedene Richtungen familiärer Liebe, altruistischer Liebe, Liebe als moralisches Gebot, Liebe innerhalb von Orden und Glaubensgemeinschaften, etc.etc.etc.
/>
/>[qutoe]
/>Diese Verbindung und Verbundenheit auf geistiger Ebene, die andere vielleicht als Seelenpartner oder was auch immer bezeichnen, gibt mir auch sehr viel nachzudenken, da ich nicht ganz sicher bin, ob das unbedingt mit Liebe zu tun haben muss?
/>
Zitat

/>Mein Eindruck ist, dass das mehr damit zu tun hat wie irgendwas anderes.
/>Und es hat überhaupt nichts mit Seelenpartner oder irgendsowas zu tun, sondern ist -so wie ich es empfinde- eine Möglichkeit des sich-begegnens oder sich-naheseins genauso wie manche Leute kuscheln um sich körperlich nahe zu sein. (Wobei es natürlich sein könnte dass manche Menschen Hemmungen haben ihren Geist zugänglich zu machen - so wie manche Leute auch körperliche Berührungen als unangenehm empfinden.) Ob man das freilich unter moralischen Gesichtspunkten tun darf, oder Wie man damit am besten umgehen soll, das weiss ich auch nicht so genau. Mir scheint aber, dass dieses  ganze Feld der sog. Liebes-Beziehungen dermaßen überladen ist mit Konfliken, mit Erwartungen, mit nicht-allein-sein-wollen, mit komischen Klischees, mir scheinbaren Bedürfnissen, usw.usf., dass eine tatsächlich Wahrnehmung dessen wie man sich begegnet und was man dabei empfindet sowieso kaum noch möglich ist.
/>
/>Und, wir müssten da auch mal schauen wir wir zwischen Liebe als hochstehender moralischer Idee einerseits, und Liebe als Wirkkraft mit auch destruktivem Potential andererseits unterscheiden. Weil es gibt ja die Geschichten von unbefriedigenden, problematischen Beziehungen, die dennoch zusammenbleiben, und als Begründung hört man dann <ja aber ich liebe ihn/sie doch!>. Und da denke ich nicht, dass das man als bloße Gewohnheitsbildung abtun kann - wobei, man könnte es als eine Art psychische Abhängigkeit auffassen...
/>
/>Ich steh da halt vor dem Problem, dass einerseits der Begriff Liebe als etwas reines, gutes, angenehmes, fast schon heiliges daherkommt; und dass es andererseits ganz spezifische Kräfte gibt, die Menschen aneinanderbinden - und die sind nicht immer nur angenehm oder vorteilhaft.
/>Während aber Liebe ein philosophischer Begriff ist, das mir letztlich nicht konkret fassbar ist und entgleitet, sind diese Kräfte zwar gewissermaßen "übersinnlich", aber doch irgendwie real, und für mein Verständnis eher greifbar - und mglw. decken sie all das ab was im praktischen Leben als "Liebe" bezeichnet wird - vom schwarzmagischen "Liebes"zauber bis zum Einswerden mit "Gott".
/>Wobei Sex eher nochmal ne ganz andere Geschichte ist - aber da scheint der Trend ganz stark dahin zu gehen dass man Sex (wie ja schon vieles andere zuvor: Wohnung, Kleidung, Essen) eh nicht mehr selber macht sondern lieber kauft.(*)
/>Und die idealisierte christlich-altruistische Liebe wiederum was anderes ist, und wohl eher dem buddhistischen Mitgefühl nahe.
/>
/>Wobei ich da dann interessant fände wie andere das verstehen. Vielleicht ist so ein Herangehen auch gar nicht erwünscht, weil es romantische Vorstellungen untergräbt?
/>
/>Alles Liebe
/>Peter
/>
/>
/>(*) was ja nur konsequent ist: die anderen Komponenten der Grundversorgung wurden käuflich, als die Stammes- oder Dorfgemeinschaft und später dann die Großfamilie sich auflöste; heute mit der Auflösung der verbindlichen Zweisamkeit muss logischerweise auch Sex sich mangels hinreichender Zahl solidarischer Partizipienten zur überwiegend käuflichen Dienstleistung wandeln.
/>

Peter

  • WurzelWerk Mitglied
  • ***
  • Beiträge: 1645
  • Geschlecht: Männlich
Re: Wie definiert ihr Liebe?
« Antwort #34 am: 22. Juli 2008, 15:36 »
'die liebe' ist eine bürgerliches konstrukt, mit dem 'zweck' die frau in abhängigkeit in die unbezahlte reproduktionsarbeit
/>[... undsoweiter undsofort]
/>

/>Genau, das sind die auswendiggelernten Parolen wie sie von sozialistischen Betonköpfen immer heruntergeleiert werden.
/>Wobei bezeichnend dafür scheint, dass dieses Abpredigen mit viel unterdrückter Aggressivität einhergehen muss.
/>
/>Dabei ist interessanterweise schon in den Anfängen der Psychoanalyse aufgefallen, dass der Ansatz schon rein sachlich falsch ist, weil eben in der üblichen familienstruktur zwar der Mann seiner Frau sehr viel Liebe entgegenbringt, diese sie aber nicht erwiedert, sondern ihre Liebe vielmehr ihren Kindern widmet.
/>Was im Sinne funktionierender Fortpflanzung ja auch durchaus Sinn macht, aber eben die Funktionalisierung von Liebe für sozialistische Dogmatik sachlich besehen unsinnig erscheinen läßt.
/>
/>Dass das ganze dabei in keiner Weise irgendwie dem Phänomen der Menschlichkeit näherkommt, sei nur am Rande bemerkt.
/>
/>lg
/>Peter
/>

Phoenix

  • Moderator/in dieses Forums
  • ***
  • Beiträge: 1007
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Wie definiert ihr Liebe?
« Antwort #35 am: 22. Juli 2008, 18:25 »
Um noch mal weiter oben anzuknüpfen...
/>Ich komm grad von einer Kaffee-Diskussion mit meinem liebsten Philosophier-Buddy, und der sagt:
/>
/>1. Liebe heißt Loslassen.
/>2. Angst ist der größte Feind der Liebe.
/>
/>In diesem Kontext fiel auch noch mal der Ausspruch eines (in diesem Kontext) erstaunlich jungen Menschen (ca.15) von vor über einem Jahr:
/>"Wenn meine Freundin jemand anders lieber mag als mich, dann muß ich sie einfach gehen lassen."
/>
/>Sich an jemanden klammern heißt ein Besitzverhältnis zu etablieren versuchen.
/>Quasi "ich liebe dich, also verlange ich auch, daß du mich liebst, und zwar exklusiv, oder sonst..." (lies: also "will ich dich haben").
/>Das ist keine Liebe, sondern was anderes.
/>
/>Wenn ich jemanden liebe, will ich doch, daß derjenige glücklich ist, daß es ihm gut geht.
/>Wenn das (auch) woanders ist, warum nicht.
/>
/>Und noch ein Auszug aus einem Songtext zum Thema (war ein sponaner Zusammenhangs-Geistesblitz):
/>say what is love / and who am I / to dare to pull the stars from your favourite sky
/>(I Am Kloot)
awkward is beautiful; machine is machine
/>(fetish)

Atalante

  • Gast
Re: Wie definiert ihr Liebe?
« Antwort #36 am: 22. Juli 2008, 18:41 »
Eidechse, Deine Definition ist das genaue Gegenteil zu dem, was ich darunter verstehe. Ich würde das eher als die gesellschaftliche/machtmäßige Instrumentalisierung eines vor allem von Konservativen geförderten Klischees von Liebe ansehen.
/>
/>
und ich hatte schon Angst, ich sei vollkommen verrückt!  :laugh:
/>
Nö. Zumindest aus meiner Sicht ist das ganz normal.
/>
/>@ Eumin: Liebe und Magie? Hm. Also, wenn sich für mich neue intensive, aber durchaus unterschiedliche Beziehungen ergaben, dann wusste ich das immer schon vorher, weil ich so eine bestimmte Stimmung hatte. Sowas Brizzelndes, Mutwilliges, Frühlingshaftes, Freudiges, Funkelndes, für Alles offenes - verliebt in die Welt vielleicht. (Vielleicht ist das ja Verliebtheit? Die gäbe es dann auch ohne "Objekt".) Hat jedenfalls anziehende Wirkung auf die Umgebung. Oder man nimmt andere Leute einfach nur anders wahr und reagiert anders, ist ja nur mein subjektiver Eindruck.
/>Ich könnte mir vorstellen, dass man sich in so eine Stimmung versetzt und schaut, was passiert, wenn man unter Leute geht.
/>
/>
weil eben in der üblichen familienstruktur zwar der Mann seiner Frau sehr viel Liebe entgegenbringt, diese sie aber nicht erwiedert, sondern ihre Liebe vielmehr ihren Kindern widmet.
/>
Hä? Woher weißt'n das?
/>Kleine Kinder brauchen eben viel Pflege. Dass dann keine Liebe mehr für den Mann übrig sein soll, will mir nicht einleuchten. Dass sie dann kaum noch Zeit und Energie für ihn übrig hat, schon eher.

LaChatte

  • Zweitwohnsitz WurzelWerk
  • *******
  • Beiträge: 1604
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Wie definiert ihr Liebe?
« Antwort #37 am: 22. Juli 2008, 18:58 »
Kleine Kinder brauchen eben viel Pflege. Dass dann keine Liebe mehr für den Mann übrig sein soll, will mir nicht einleuchten. Dass sie dann kaum noch Zeit und Energie für ihn übrig hat, schon eher.
/>

/>Hallo Atalante
/>
/>da gibts ja durchaus einen Zusammenhang. Lieben heisst ja auch immer: sich für jemanden interessieren, Zeit miteinander verbringen, mal nur gerade für diese eine Person da sein... und wenn in einem Paar eine Person stark belastet ist, sei es durch Kinder, das Studium, den Beruf, und den/die Andern kaum mehr beachtet als einen Tisch oder Stuhl, dessen Dasein zwar geschätzt wird, aber auch nicht mehr, so kann schon das Gefühl des Nicht-Geliebt-Werdens entstehen. Und das durchaus zu Recht, schliesslich verspricht sich ein Paar gegenseitig auch Dinge wie "ich werde für dich da sein."
/>
/>Ich glaube, wo immer zwei Menschen einander sagen (oder voneinander denken) "ich liebe dich", so braucht es auch immer wieder Privat-Zeit miteinander, um dieses Band zu festigen und zu erhalten.
/>
/>grüsse, barbara

Phoenix

  • Moderator/in dieses Forums
  • ***
  • Beiträge: 1007
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Wie definiert ihr Liebe?
« Antwort #38 am: 22. Juli 2008, 19:04 »
And as his parentage is, so also are his fortunes. In the first place he is always poor, and anything but tender and fair, as the many imagine him; and he is rough and squalid, and has no shoes, nor a house to dwell in; on the bare earth exposed he lies under the open heaven, in the streets, or at the doors of houses, taking his rest; and like his mother he is always in distress. Like his father too, whom he also partly resembles, he is always plotting against the fair and good; he is bold, enterprising, strong, a mighty hunter, always weaving some intrigue or other, keen in the pursuit of wisdom, fertile in resources; a philosopher at all times, terrible as an enchanter, sorcerer, sophist. He is by nature neither mortal nor immortal, but alive and flourishing at one moment when he is in plenty, and dead at another moment, and again alive by reason of his father’s nature. But that which is always flowing in is always flowing out, and so he is never in want and never in wealth; and, further, he is in a mean between ignorance and knowledge.
/>

/>
Lieben heisst ja auch immer: sich für jemanden interessieren
/>

/>interesse = inter + esse (wörtlich: "dazwischen sein")  :)
awkward is beautiful; machine is machine
/>(fetish)

Nelja

  • FleißigWerkler/in
  • ***
  • Beiträge: 76
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Wie definiert ihr Liebe?
« Antwort #39 am: 22. Juli 2008, 19:45 »
Deshalb kann ich nicht wirklich lieben, wenn ich gleichzeitig hasse.
/>
/>

/>Hallo morgane,
/>
/>sprichst Du hier tatsächlich von Dir oder handelt es sich um ein "generalisiertes ich"?
/>
/>Grüßle
/>Nelja
"Hätte ich keinen Namen für das, was ist, wäre ich umgeben von Wundern." - Jörg Starkmuth