Autor Thema: Die Banalität von Beziehungen  (Gelesen 21588 mal)

Lucia

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #64 am: 03. August 2008, 14:50 »
Ah, verstehe.
/>Hm, sehr interessant - also, mir war das gar nicht so bewusst, daß es Leute gibt, die Sex wirklich in dem Sinne _brauchen_ als daß sie "ohne" unleidlich werden würden, und halb als Zombie rumliefen.
/>
/>

/>na, du hast mich jetzt ja wochen nicht gesehen .... vll. bin ich schon ein zombie?
/>
/>*mit steifen schritten durch die gegend wankt*
/>
/>
/> :laugh: :laugh: :laugh: :laugh:
Masturbation verspricht mehr als der Sex hält (Pascal Yorks)

LaChatte

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #65 am: 03. August 2008, 15:19 »
Hm, sehr interessant - also, mir war das gar nicht so bewusst, daß es Leute gibt, die Sex wirklich in dem Sinne _brauchen_ als daß sie "ohne" unleidlich werden würden, und halb als Zombie rumliefen.
/>

/>naja, bis zum Zombiezustand zu kommen, dazu gehören noch ein paar andere "accidents de la vie", also ungünstige Umstände der härteren Sorte. zum Stand der schlechten Laune komme ich aber relativ schnell - so nach zwei, drei Monaten ohne Sex, und auch wenn es mir sonst gut geht.
/>
/>Grundsätzlich bin ich aber durchaus der Meinung - ohne mich hier auf irgendwelche wissenschaftlichen Untersuchungen stützen zu können - dass mehr Sex der freundschaftliche Sorten der Welt und dem Weltfrieden durchaus gut tun würden, und dass die fliessenden Humores auch dem Humor etwas auf die Sprünge helfen würden.  :)
/>
/>grüsse, barbara

Distelfliege

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #66 am: 03. August 2008, 15:41 »
>>na, du hast mich jetzt ja wochen nicht gesehen .... vll. bin ich schon ein zombie?
/>
/>Glaube ich nicht, du hast doch deinen leberverschmähenden Schmusekater!

Peter

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #67 am: 03. August 2008, 23:58 »
Hallo Barbara!
/>
/>
wo es um die heute üblichen Paarbeziehungen geht - da ist der körperliche Aspekt für mich durchaus wichtig. Es ist nicht der einzige Aspekt, der eine Beziehung ausmacht, aber er ist für mich ein obligatorischer Teil.
/>...
/>es geht eher darum, gern die andere Person zu berühren, gern ihr nahe zu sein. und sehr nahe zu sein.
/>...
/>Bis jetzt ist es mir nicht passiert, in mehrere gleichzeitig stark genug verliebt zu sein, dass sich daraus eine erotische Mehrfachbeziehung der einen oder andern Art hätte ergeben können. Und auch wenn es soweit käme - kann ja sein - so würde es vermutlich dennoch so bleiben, dass eine Person meine "besondere Person" bleibt, was dann auch heissen würde, dass ich gewisse Dinge nur mit dieser Person tue, sonst mit niemandem.
/>

/>Das erscheint mir als zwei Dinge, die Du da beschreibst, die ich beide aus meinem Erfahren nachvollziehen kann.
/>Ich kenne das Gefühl, wo ein Mensch für mich der wichtigste Mensch ist und ich bei vielem was mir widerfährt zuallererst den Wunsch hab es mit diesem Menschen zu teilen.
/>Und ich kenne gewiss auch den Wunsch jemandem körperlich nah zu sein, Zärtlichkeiten zu teilen und wo möglich mehr.
/>
/>Nur scheint das beides nicht zusammenzuhängen, oder wenn dann auf eine eher komplexe Weise. Es kann ja durchaus leicht dazu kommen dass ich an einer Frau gefallen finde und ohne weiteres zu Zärtlichkeiten gelaunt wäre - und wenn ich ein paar Gläschen getrunken hab dann umso leichter. Das ist ein erotisches Spiel, und es kann auch leicht zur Folge haben dass diese Frau dann für mich wichtig und bedeutsam wird - jedenfalls wenn eine gute Verständigung sich auch auf anderen Ebenen auftut.
/>Aber der Wunsch, mit einem bestimmten Menschen zusammenzusein und sehr viel mit diesem Menschen zu teilen, den empfinde ich woanders, und das ist ganz unabhängig von Erotik und folglich auch ganz unabhängig vom Geschlecht.
/>Es kann natürlich sein dass beides zusammenkommt, und das stelle ich mir dann wunderschön vor.
/>
/>Was kann ich nun daraus folgern?
/>Zunächst mal, dass es Männern vielleicht naturgemäß leichter fällt, sich auf Erotik einzulassen ohne dabei eine fortgesetzte Verbundenheit zu suchen.
/>Dann mag es gut sein, dass wenn ich körperliche Lust und seelische Vertrautheit zuerst gemeinsam erfahren hätte, dass ich dann auch der Überzeugung wäre dass beides zusammengehört. Aber das habe ich nicht so erfahren, sondern ganz im Gegenteil habe ich seelische Vertrautheit in einer Beziehung erfahren wo Erotik keine Rolle spielte, und hab sexuelles Interesse in einer Beziehung erfahren wo kein seelisches Verständnis erreichbar war.
/>Als Ergebnis kommt dann heraus, dass es sich um zweierlei Dinge handelt, die sich zwar wundervoll verbinden lassen, die aber auch unabhängig voneinander existieren können.
/>
/>Und ich bin darüberhinaus der Meinung, dass diese Art persönlicher Vorlieben und Empfindungen nicht von vorneherein feststehen, sondern erst durch unsere individuellen Erfahrungen ausgeformt werden.
/>
/>
Zitat
ich glaube, die Konditionierung ist nicht das Einzige, auch nicht das Wichtigste darin. Für mich als Frau dürfte es mal ganz grundsätzlich nicht allzu schwer sein, zwei oder mehr Männer zu finden, die bereit sind für diese Art Experiment. Ich glaube auch, das Ding mit der Bequemlichkeit greift zu kurz. Einen Partner zu suchen, war bisher noch nie eine Frage von bequem oder unbequem, es war zuallererst immer eine Frage des Verliebt-Seins, und das passiert einfach, oder es passiert eben nicht.
/>

/>Das wäre herauszufinden. Ich kann durchaus entscheiden ob ich mich verlieben will oder nicht - das "passiert" nur wenn ich mich drauf einlasse.
/>
/>Und du hast recht, diese Art Vorlieben beruhen nicht nur auf Konditionierung - sondern es ist, auf der Ebene der Erfahrung des Individuums, eher eine Art von "Programmierung", ein schon vorgesehenes Lernen durch bestimmte Schlüsselreize (vielleicht vergleichbar mit einer Initiation?): Wenn ich einmal erfahren hab, dass ich in einer bestimmten Konstellation Erfüllung finde, dann ist das von da an für mich *richtig*. Und deshalb funktionieren diese Art "Experimente" regelmäßig nicht.
/>Dennoch gibt es Bewusstseinstechniken um solche Dinge zu verändern - und es gibt genug Berichte von Menschen, die sich plötzlich in einer Empfindungsweise wiederfanden, die sie überhaupt nicht für möglich gehalten hätten - ich halte es aber für ganz falsch, jemand da zu etwas überreden zu wollen - ganz genauso falsch wie jemand zu einer Religion bekehren zu wollen.
/>
/>
Zitat
hm, Biologie ist vielleicht nicht sachlich zwingend, sehr überzeugend ist sie allemal...
/>

/>Ich halte es eben nicht für biologische Gegebenheiten.
/>
/>Alles Liebe
/>Peter
/>

Peter

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #68 am: 04. August 2008, 00:57 »
Hallo Anufa!  :smile:
/>
/>
>(Peter) Eher  akademisch deswegen, weil es ein gesellschaftliches "Normal" gibt, und alles was davon abweicht macht erstmal eine Menge Mühe um sich darauf abzustimmen und zu einigen.
/>
/> :wink1: das würde aber voraussetzen, dass überall auf der Welt da eine einheitliches "Normal" gelten würde
/>

/>Nein, Anufa, das keineswegs! Ich meine: es gibt einen Haufen möglicher Modelle, die für sich sehr befriedigend funktionieren können - und dass das so ist sehen wir u.a. daran, dass in dieser oder jener Kultur auch ganz verschiedene gelebt werden.
/>Aber, da wir, also Du und ich und 95% der Leute die wir kennen, in dieser Kultur aufgewachsen sind und schon als Kinder erfahren haben was zB "verliebt-verlobt-verheiratet" bedeutet, ist es viel einfacher, diesem vorgezeichneten Weg zu folgen, als etwas anderes zu leben wo man sich über alle diese Vereinbarungen erstmal neu einigen müsste.
/>Und, wir lernen ja hin und wieder und grade auch hier im Heidenumfeld Menschen kennen, die sich durchaus vorstellen können in einer ganz anderen Beziehungsstruktur zu leben, die das aber nicht tun, weil es zB den Aufwand nicht wert scheint oder weil der Partner es sich nicht vorstellen kann oder weil mans schon probiert hat und gescheitert ist.
/>
/>Und ich behaupte, dass dieses Scheitern nicht deswegen passiert, weil ein anderes Modell *per se* so viel mühsamer und schwieriger wäre (denn sonst würde es ja anderswo nicht erfolgreich gelebt), sondern weil der Aufwand des definierens und erklärens und rechtfertigens es mühsam macht - was nur daher kommt dass die uns umgebende Kultur eine Art "normative Kraft des faktischen" ausübt.
/>Und wenn wir die Hippie-Experimente anschauen, dann war dieser Haufen erstens groß genug und hat zweitens ein komplett eigenständiges Kulturverständnis zu entwickeln gesucht, um sich selber als normativ verstehen zu können. Und letztlich isses dann trotzdem assimiliert und verschlissen worden.
/>
/>Also: wenn wir nur von Menschen ausgehen würden, die ein ganz ausentwickeltes Selbstbewusstsein haben, dann könnte man jede Menge spannende Sachen machen. Aber die haben wir eben nicht, sondern wir sehen auch eine ganze menge Leuts die zB schon dadurch in Selbstzweifel geraten können weil sie eine ungewöhnliche Religion haben - nebst Egospielchen, Kindheitstraumata und allem möglichen anderen was aufgearbeitet werden will...
/>
/>
Zitat
Deshalb schliesse ich mal daraus, dass die FORM nicht das Problem ist...  :thinking: Das Problem verorte ich eine Schicht tiefer - eben in der Entwicklungsmöglichkeit auf persönlicher Ebene.
/>

/>Das ist auch noch ein Aspekt. Wenn du etwas total befriedigendes (oder ekstatisches oder whatever) erlebst, dann rastet im Bewusstsein was ein und es wird ein umfassender Zusammenhang zu den Umständen hergestellt. Da mag ein Kerl seinen ersten richtig geilen Sex mit ner Blondine gehabt haben, und dann steht er eben auf Blondinen - und weiss zumeist nichtmal warum.
/>
/>
Zitat
Ich nehm mal an, dass in der Evolution nicht vorgesehen war *g*, dass mehr als Vermehrung bei rauskommt (jetzt mal ganz materialistisch gesprochen)  ;D - das Potential ist aber da. Und das fängt schon bei den Affen an.
/>Schau Dir mal die unterschiedlichsten Paarbildungsformen allein bei den Menschenaffen an. Ich seh da nicht viel Unterschied, wenn ich ganz ehrlich bin - ausser, dass die das nicht intellektualisieren wie wir das tun :laugh:
/>

/>Okay, dann gehen wir mal weiter. Ich geh davon aus, dass der Evolutionsvorteil des Menschen in seiner unverschämt guten Anpassungsfähigkeit liegt. Das heisst, in unserem Bewusstsein ist nur sehr wenig starr vorgegeben und ganz vieles frei gestaltbar. Damit das aber so überhaupt funktionieren kann, braucht es Mechanismen die kulturelle Standards ermöglichen. Einer davon ist die Lernfähigkeit, ein anderer ist das Ding mit der Blondine: da wird nicht eigentlich etwas gelernt, sondern von vielen ursprünglich gleichwertigen Möglichkeiten wird in einem eher spontan-sprunghaften Prozess eine ausgewählt, weil sie für dieses Individuum eine bestimmte Erfahrung ermöglicht hat, und gilt fortan als "richtig". Das verhindert, dass in einer Kultur jedes Individuum fröhlich mit allen erdenklichen Möglichkeiten experimentiert, was nur ein großes Chaos ergäbe.
/>Und jetzt bist Du dran - jetzt kommen nämlich Deine Initiationen ins spiel.  :smug: Da hast eigentlich ne Technik, die für viel mehr taugt als nur um sich ne nette Religion zu basteln. Und dann gehen wir noch nen Schritt weiter und kommen zu den sog. Magiern, die von der heftigeren Sorte, die sich da nicht so primär für Heilung und Selbsterkenntnis interessieren, sondern eher dafür was man alles Ekstatisches erleben kann wenn man diese Verknüpfungen aufbricht und verändert...
/>
/>
Zitat
Ich habe mit  Menschen Verbindungen, die genau dieses Gefühl in mir auslösen, ohne je sexuellen Kontakt zu diesen Menschen gehabt zu haben. Genau dieses Gefühl kenne ich auch nach "rundem" Sex (körperlich ausagierte Liebe) und auch nach einem "runden" Ritual (energetisch/seelisch  ausagierte Liebe). Macht für mich keinen Unterschied.
/>

/>Natürlich machts nen Unterschied :sneaky: Es kann nur beides genauso intensiv und genauso erfüllend&beglückend sein.
/>
/>
Zitat
Vor etlicher Zeit hatte ich mal einen Link zur Beginen-Bewegung hier ins LinkForum gestellt. Das ist imho genau diese Art von Lebensbeziehung... bzw KANN es SEIN.
/>

/>Sehr gut möglich. Nur ist mein Ding nicht, da irgendwas zur Institution zu machen, sondern eben das Ding auszuspielen was uns von den Affen unterscheidet: dass wir uns drüber bewusst werden können, wie wir funktionieren - und das auch verändern können.
/>
/>Alles Liebe
/>Peter
/>

Peter

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #69 am: 04. August 2008, 01:13 »
Hm, sehr interessant - also, mir war das gar nicht so bewusst, daß es Leute gibt, die Sex wirklich in dem Sinne _brauchen_ als daß sie "ohne" unleidlich werden würden, und halb als Zombie rumliefen.
/>

/>Doch ja, die gibts, da ist Barbara nicht die einzige.
/>Ich hatte mal die Idee, dass das eine hedonistische Gewohnheitsbildung ist (vielleicht so ähnlich wie beim Haschischrauchen), mit dem Vorteil dass es völlig unschädlich ist. Also wenn sich jemand damit wohlfühlt, why not? Sex-Entzugstherapie wär ja nun wirklich albern...
/>
/>lg
/>Peter
/>

Distelfliege

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #70 am: 04. August 2008, 01:23 »
Ich hab ja nix dagegen eingewendet, ich hatte es nur bisher nicht auf dem Schirm, daß es das gibt. ;)

LaChatte

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #71 am: 04. August 2008, 05:42 »

/>Hallo Peter
/>
/>
Zunächst mal, dass es Männern vielleicht naturgemäß leichter fällt, sich auf Erotik einzulassen ohne dabei eine fortgesetzte Verbundenheit zu suchen.

/>Das halte ich für richtig.
/>
/>
/>
Aber das habe ich nicht so erfahren, sondern ganz im Gegenteil habe ich seelische Vertrautheit in einer Beziehung erfahren wo Erotik keine Rolle spielte, und hab sexuelles Interesse in einer Beziehung erfahren wo kein seelisches Verständnis erreichbar war.
/>Als Ergebnis kommt dann heraus, dass es sich um zweierlei Dinge handelt, die sich zwar wundervoll verbinden lassen, die aber auch unabhängig voneinander existieren können.

/>meine Erfahrung ist in dem Bereich wiederum, dass regelmässig Sex früher oder später auch zu einer Verbundenheit auf anderen Ebenen führt. Während umgekehrt ein Gefühl von Verbundenheit und Nähe nicht zu Sex führen muss. Aber durchaus auch mal kann.
/>
/>
/>
/>
Das wäre herauszufinden. Ich kann durchaus entscheiden ob ich mich verlieben will oder nicht - das "passiert" nur wenn ich mich drauf einlasse.

/>echt, du kannst das? Für mich ist Verliebt-Sein so ein ähnliches Gefühl, wie von einem Tornado gepackt zu werden... da werd ich nicht gross gefragt, ob ich mich drauf einlassen möchte. Ich muss wohl oder übel mitfliegen, und that's it.
/>
/>
/>
/>
Dennoch gibt es Bewusstseinstechniken um solche Dinge zu verändern - und es gibt genug Berichte von Menschen, die sich plötzlich in einer Empfindungsweise wiederfanden, die sie überhaupt nicht für möglich gehalten hätten -
/>

/>naja, es hat Zeiten gegeben, da hätte ich es ganz nützlich gefunden, einen Knopf zum Ent-Lieben zu haben - der war dann aber nicht da. Aber ich bins im Moment zufrieden, so wie es ist.
/>
/>grüsse, barbara