Autor Thema: Die Banalität von Beziehungen  (Gelesen 21681 mal)

morgane

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #72 am: 04. August 2008, 07:20 »
Hi!
/>Mir kommt diese ganze diskussion ein wenig, äh, hirnwichserisch  :-X vor. Denn es geht im leben nunmal nicht allein um den kick, den uns ein partner verschafft, um die schmetterlinge im bauch und das ganze prozedere des verliebt seins. Das sind doch *nur* die präliminarien einer beziehung.
/>Natürlich, das ist aufregend und wunderschön und atemlos und vibrierend und und und...... Aber letztendlich führt das im normalfall zu generativität. Das ist der natürliche zweck dieser ganzen sache. Um kinder aufzuziehen, bedarf es einer stabilen beziehung. Wie immer die auch aussehen mag, ob zweier-, gruppen-, homo- o.a. beziehungsmuster, die sache muss stabil genug sein, um kindern einen verlässlichen rahmen zum aufwachsen zu bieten.
/>Dann wären da noch die kranken, alten, behinderten usw. familienmitglieder, die auch betreuung brauchen. Wie sieht's denn damit aus in diesen, auf hedonismus gegründeten beziehungen? Man bindet sich nicht an eine person, nein, hach, das wäre doch viel zu einengend! Wie, frage ich mich, will man sich an mehrere personen binden, wenn man es nicht einmal mit einer so richtig will? Wie will man da die aufgaben, die eine familie nun mal hat, wahrnehmen?
/>Ich bin ein kind der kommunen-, kindergruppen-, beziehungsexperiment- zeiten und habe all diese, ach so furchtbar freien beziehungsmuster beobachtet. Da gab es entweder beziehungslosigkeit in gruppenform, oder in gruppen die gleichen muster wie in den geschmähten zweierbeziehungen, mit eifersuchtsdramen, die aber irgendwie, in endlosen *diskussionen* wegrationalisiert wurden. Auf der strecke bleiben immer die kinder, damals wie heute. Die brauchen nämlich stabilität, gesicherte zuwendung, eltern die für ihre probleme da sind und nicht nur in ihren eigenen beziehungskisten hocken.
/>Und kommt mir nicht mit den sog. *patchworkfamilien* mit immer neuen partnern, tanten, onkel, großeltern. Es ist schon gut, wenn kinder viele kontakte und beziehungen haben. Die wichtigsten aber bleiben immer vater und mutter. Dafür braucht es beziehungs - und konfliktfähige partner, die auch mal ein wenig banalität ertragen, um ihren kindern ein warmes nest zu bieten.
/>
/>lg morgane 
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....

Nordana

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #73 am: 04. August 2008, 07:25 »
Gut gebrüllt, Morgane. Kann ich voll unterschreiben!
/>
/>Liebe Grüße!
/>
/>Nordi

/>Alqamar & Ryoko - mäh mäh

Anufa Ellhorn

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #74 am: 04. August 2008, 07:47 »
Well met, morgane ;)
/>
/> :laugh: DAS ist dann nochmal ne Ebene, die noch nicht mitgespielt hat bisher...
/>Allerdngs gibt´s auch da durchaus (siehe Beginen) Modelle, die gut, wenn nich besser funktionieren als herkömmliche Mann-Frau-Partnerschaften.
/>
/>Ich seh das eher in der Mischung!! Wenn ich Kinder hab (haben will), wenn ich so und so leben will, diese und jene Sozialisierung habe ... DANN schaut ergo mein Beziehungsmuster so und so aus. Die Ansprüche sind einfach anders und da wir es uns heute aussuchen können ob wir Kinder haben oder nicht - ist die Vielfalt noch ein bissl größer geworden an dem was tatsächlich lebbar wäre.
Bright blessings
/>Anufa

Lucia

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #75 am: 04. August 2008, 08:07 »
Die wichtigsten aber bleiben immer vater und mutter. Dafür braucht es beziehungs - und konfliktfähige partner, die auch mal ein wenig banalität ertragen, um ihren kindern ein warmes nest zu bieten.
/>

/>während zweiter satz in meinen augen stimmt, stimmt der erste üüüüüüberhaupt nicht.
/>es geht net um mutter und vater. es geht um beständige bezugspersonen.
/>bei den mosou z.b. ist die besuchsehe, da bleiben die kinder im klan der mutter. die onkel sind für sie die männlichen bezugspersonen. der vater spielt eine untergeordnete rolle, der ist für die kinder seiner schwestern zuständig.
/>also dieser ausschließlichkeit des  mama-papa-kind-spiels widerspreche ich hier auf jedenfall.
/>
/>lucia
Masturbation verspricht mehr als der Sex hält (Pascal Yorks)

morgane

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #76 am: 04. August 2008, 08:47 »
Hi!
/>@lucia: da gebe ich dir im grunde recht. Aber es gibt auch da eine vaterfigur, wenn es auch nicht der leibliche vater ist. Verwandtschaft ist allerdings schon vorhanden. Das ist sicher ein kulturabhängige geschichte. Bei uns ist es halt der leibliche vater und die leibliche mutter. Ich denke, dass die bindung an das kind es ist, die dieses *opfer*, das die elternrolle auf jeden fall erfordert, am ehesten durch leibliche geburt und verwandtschaft hergestellt wird. Es gibt aber natürlich auch andere formen. Sonst würde adoption oder pflegschaft ja nicht funktionieren.
/>
/>@anu: Ja, es gibt, der göttin sei dank, heutzutage in unserem kulturkreis viele, mögliche formen der lebensgestaltung. Wir müssen nicht mehr unbedingt einem modell entsprechen. Es gibt viele möglichkeiten. Aber auch, wenn eine beziehung kinderlos bleibt oder bleiben soll, existiert da die verantwortung, die man für den anderen übernimmt. Das leben besteht ja nicht nur aus frühling, sondern auch aus sommer, herbst und winter..... aus guten und schlechten tagen, aus gesundheit und krankheit. Deshalb lohnt es sich m.e. schon, eine beziehung so weit zu pflegen, dass sie sich nicht in den banalitäten des alltags erschöpft. Dann hält sie auch einiges aus.
/>
/>lg morgane
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....

Anufa Ellhorn

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #77 am: 04. August 2008, 08:59 »
Well met, morgane ;)
/>
/>Mein Eindruck ist, dass eine Zweierbeziehung diese Anforderungen nach "gesunden und kranken/guten und schlechten/Verantwortung übernehmen Tagen" überhaupt nicht erfüllen kann. Das kann imho keiner verlangen oder darauf hinarbeiten.
/>Wenn das funzt, dann ist das für mich ein netter Nebeneffekt!!
/>
/>Probleme der Altersvorsorge, Kinderbetreuung -erziehung, Krankenpflege, gegenseitigen Hilfestellung im Leben etc pp das sähe ich viel eher in einer Gemeinschaft gut aufgehoben. Nur weil heute schon Zweierbeziehungen schon ned funzen und Gemeinschaften noch viel schlechter - das is auch kein Grund dann alles in Paarbeziehungen lösen zu wollen. In meinen Augen ist es schon schwierig genug eine Beziehung ohne diese ganzen Ansprüche sinnvoll am Leben zu erhalten...
/>
/>PS: Ich hab das jetzt absichtlich etwas überspitzt formuliert und will Dir natürlich ned unterstellen, dass Du gesagt hättest, dass das so wäre!!!!
Bright blessings
/>Anufa

Distelfliege

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #78 am: 04. August 2008, 10:15 »
>>Wie immer die auch aussehen mag, ob zweier-, gruppen-, homo- o.a. beziehungsmuster, die sache muss stabil genug sein, um kindern einen verlässlichen rahmen zum aufwachsen zu bieten.
/>
/>Der Hinweis von Lucia mit den Mosou beinhaltet noch mehr als das Thema "Vaterfigur".
/>Da die Kinder von Mutter und Onkeln aufgezogen werden, und dort ihre Stabilität haben, erlaubt das eben jene "freien und instabilen Liebesbeziehungen" die du meinst, daß sie die Grundvorraussetzung zur Kinderaufzucht nicht bieten.
/>Wenn die stabile Aufwachs-familie von der Liebesbeziehung unabhängig ist, braucht die Liebesbeziehung nicht "fest" und "dauerhaft" sein. Das ist eigentlich der Knackpunkt.

Anufa Ellhorn

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #79 am: 04. August 2008, 10:19 »
Well met, Distel ;)
/>
/>>Wenn die stabile Aufwachs-familie von der Liebesbeziehung unabhängig ist, braucht die Liebesbeziehung nicht "fest" und "dauerhaft" sein. Das ist eigentlich der Knackpunkt.
/>
/>DAS war genau, was ich meinte mit "Paarbeziehungen sind schon ohne die ganzen Anforderungen schwierig genug zu leben"... wenn nun ein Großteil des "Druckes" von anderen sozialen Konstrukten abgefedert wird, macht das für mich nur Sinn und zwar sehr viel Sinn :wink1:
Bright blessings
/>Anufa