Autor Thema: Die Banalität von Beziehungen  (Gelesen 21685 mal)

Lucia

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #80 am: 04. August 2008, 10:29 »
Der Hinweis von Lucia mit den Mosou beinhaltet noch mehr als das Thema "Vaterfigur".
/>Da die Kinder von Mutter und Onkeln aufgezogen werden, und dort ihre Stabilität haben, erlaubt das eben jene "freien und instabilen Liebesbeziehungen" die du meinst, daß sie die Grundvorraussetzung zur Kinderaufzucht nicht bieten.
/>Wenn die stabile Aufwachs-familie von der Liebesbeziehung unabhängig ist, braucht die Liebesbeziehung nicht "fest" und "dauerhaft" sein. Das ist eigentlich der Knackpunkt.
/>

/>net nur mutter und onkeln.
/>von mutter, tanten und onkeln.
/>das beinhaltet noch ein bissle mehr.
/>und ansonsten hab ich genau das gemeint von wegen "stabiles umfeld". nämlich ein viel größeres mit viel mehr identifikationsfiguren und vor allem festen beziehungsmenschen für kinder. wahrscheinlich damit ein viel größerer emotionaler rückhalt, als bei uns überhaupt möglich.
/>
/>lucia
Masturbation verspricht mehr als der Sex hält (Pascal Yorks)

Distelfliege

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #81 am: 04. August 2008, 11:22 »
Ja, hast natürlich recht. Ich hab mich da nicht so genau ausgedrückt, weils mir eben vor allem auf den Punkt ankam, daß es nicht immer nur die Liebesbeziehung sein muss, die als Kindererziehungs-Ort genutzt wird. 
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morgane

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #82 am: 04. August 2008, 12:33 »
Ja, dieses modell mit der onkel - ehe wäre schon vorstellbar. Nur glaube ich, dass die lebensbedingungen in diesem kulturkreis ziemlich anders sind als bei uns. Dort dürfte es sich um stationäre großfamilien handeln, eine familienform, die es bei uns so kaum mehr gibt. Das bedingt auch eine andere individualitätsauffassung. In solchen gesellschaften ist das individuum viel weniger frei in seiner persönlichen lebensgestaltung, weil viel mehr in eine sippe eingebunden. Ob wir das auch so leben wollten? Ich jedenfalls nicht.
/>lg morgane
/>
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....

Peter

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #83 am: 04. August 2008, 14:41 »
Hallo Barbara!
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naja, es hat Zeiten gegeben, da hätte ich es ganz nützlich gefunden, einen Knopf zum Ent-Lieben zu haben
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/>Kommt drauf an was Du damit meinst. Verlieben ist eine Verschiebung der Realitätswahrnehmung, so ähnlich wie eine Psychose. Und das kriegt man ja mit, da muss man sich nicht unbedingt hineinsteigern. Liebe wiederum entsteht allmählich aus vertrauensvoller Gemeinschaft, und läßt sich nicht einfach "abstellen".
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/>lg
/>Peter
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LaChatte

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #84 am: 04. August 2008, 15:21 »
Kommt drauf an was Du damit meinst. Verlieben ist eine Verschiebung der Realitätswahrnehmung, so ähnlich wie eine Psychose. Und das kriegt man ja mit, da muss man sich nicht unbedingt hineinsteigern. Liebe wiederum entsteht allmählich aus vertrauensvoller Gemeinschaft, und läßt sich nicht einfach "abstellen".
/>

/>Hallo Peter
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/>ja, den Trick mit dem "muss man sich nicht hinein steigern", den hätt ich geme mal gelernt. Ich kann das nämlich nicht. Das kommt BUMM und ist dann da, das geht sehr schnell, vom Gefühl her wirklich ähnlich wie eine Lawine oder ein Tornado - wenn es einen erwischt, dann kann man nur noch versuchen, sich einigermassen festzuhalten, ein bisschen mitzuschwimmen, die grössten Brocken vermeiden, Kopf einziehen und warten bis es vorbei ist... aber aussteigen...? keine Chance. Ich habs schon probiert, ich hab nichts gefunden, das über ein bisschen Ablenkung hinaus geht, doch sobald die Ablenkung, ganz gut ist konzentrierte Arbeit mit vielen Zahlen, vorbei ist, ists wieder voll da.
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/>Aber da es im Grossen und Ganzen ein guter Trip ist, gibts ja wohl auch keinen Grund, aussteigen zu wollen... nicht mal dann, wenn das Objekt der Verliebtheit unwillig ist.
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/>grüsse, barbara
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/>

Peter

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #85 am: 04. August 2008, 15:54 »
Hallo Morgane!
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Mir kommt diese ganze diskussion ein wenig, äh, hirnwichserisch  :-X vor. Denn es geht im leben nunmal nicht allein um den kick, den uns ein partner verschafft, um die schmetterlinge im bauch und das ganze prozedere des verliebt seins. Das sind doch *nur* die präliminarien einer beziehung.
/>Natürlich, das ist aufregend und wunderschön und atemlos und vibrierend und und und...... Aber letztendlich führt das im normalfall zu generativität. Das ist der natürliche zweck dieser ganzen sache. Um kinder aufzuziehen, bedarf es einer stabilen beziehung.
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/>Aha. Jetzt wird die Sach interessant!
/>Da hab ich mir also die Arbeit gemacht das ganze Beziehungszeug mal intellektuell so weit zu zerlegen, dass offensichtlich wird dass eigentlich gar nichts dafür spricht dass das so laufen muss wie es eben läuft.
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/>Und das ist jetzt zu "hirnwichserisch". Und warum? Weil eine Beziehung eben gar nicht dazu da ist, um die Partner zu befriedigen, sondern nur als Mittel zum Zweck zum Kindermachen! Und damit kann man die Frage nach der Sinnhaftigkeit des ganzen gleich vom Tisch wischen, weils eben genau so sein muss wie es ist, fürs Kindermachen.
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/>Von da aus verstehe ich natürlich einiges. Da verstehe ich dann gut, warum keine Frau was von mir wissen will: ich bin ja als Mensch eh und eh völlig uninteressant, ich werd ja nur gebraucht als funktionierender Lieferant für diese erforderliche Stabilität, damit sie ihre Kinder kriegen kann! Und Stablitiät heisst Verläßlichkeit und das geht am einfachsten durch Angepasstheit, so machen wie es alle machen und bloss nicht selber denken!
/>
/>Dann verstehe ich auch besser, warum sich niemand so recht an die Frage rantraut, was "Liebe" ist: offenbar ein Lieferantenverhältnis, das weder in geistiger, noch seelischer oder körperlicher Hinsicht irgendwie erfüllend oder befriedigend zu sein braucht.
/>
/>Bleibt dann natürlich die spannende Frage, wozu wir Menschen eigentlich die Fähigkeit haben, derartige Befriedigung zu erfahren und zu empfinden?
/>Denn das wäre das worauf  ich ziele - und ich gehe davon aus, dass etwas was erfüllend und befriedigend ist, auch seine eigene Stabilität entwickeln kann - während man natürlich auch umgekehrt vorgehen und einfach den Zwang zur Stabilität auferlegen kann wurscht obs irgendwen erfüllt oder befriedigt, nach dem Motto: wenns dir so nicht passt, dann gibts eben nix.
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/>Jedenfalls, bevor man mich als bloßen Fortpflanzungslieferant verzweckt, bleib ich eben allein - soviel Trotzkopf muss sein. Und davon kommen dann ja auch keine Kinder, eh?
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/>
Zitat
Wie immer die auch aussehen mag, ob zweier-, gruppen-, homo- o.a. beziehungsmuster, die sache muss stabil genug sein, um kindern einen verlässlichen rahmen zum aufwachsen zu bieten.
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/>Und warum eigentlich? Früher war das klar, da brauchte man viele Kinder, weil sonst der Stamm ausgestorben wäre - es sind ja eh genug davon gestorben.
/>Ich weiss, wenn wir alle Vegetarier werden und die Nahrungsmittel gerecht verteilen, dann haben bis zu 35 Milliarden Menschen auf der Erde platz  - wir müssen dann halt Algen fressen und in Käfigen leben wie Legehennen, aber hauptsach wir können Kinder kriegen.
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/>Und immerhin hat man ja jetzt schonmal die Doppelbesteuerung auf Renten eingeführt. Das funktioniert so: man geht arbeiten, und vom Lohn zahlt man erstmal ganz viel Steuern. Von dem was übrigbleibt muss man so viel wie möglich für die Rente sparen. Wenn man dann Rentner ist und das Gesparte wiederhaben will (bzw. das was die Inflation davon übriggelassen hat) dann muss man dafür auch wieder Steuern zahlen. Klar warum: bis dahin sind die Kinder erwachsen und wollen ihre Sozialhilfe - und wer ausser den Rentnern sollte die bezahlen bei zu erwartenden 50-60% Arbeitslosigkeit?
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/>
Zitat
Ich bin ein kind der kommunen-, kindergruppen-, beziehungsexperiment- zeiten und habe all diese, ach so furchtbar freien beziehungsmuster beobachtet. Da gab es entweder beziehungslosigkeit in gruppenform, oder in gruppen die gleichen muster wie in den geschmähten zweierbeziehungen, mit eifersuchtsdramen, die aber irgendwie, in endlosen *diskussionen* wegrationalisiert wurden.
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/>Nunja. Ich hab zu derartigen Kreisen kaum Zugang gefunden - ich war denen menschlich nicht gut genug für ihre Ansprüche.  :sad1:
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/>lg
/>Peter
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Peter

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #86 am: 04. August 2008, 16:29 »
ja, den Trick mit dem "muss man sich nicht hinein steigern", den hätt ich geme mal gelernt. Ich kann das nämlich nicht.
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/>Hm, schwierig. Ich hab mirs wohl deswegen abgewöhnt, weils eh nie erwiedert wird und von daher unterm strich nur frustet.
/>Ich mein, wenn gelegentlich eine Erfüllung durch Gegenseitigkeit draus würde, dann wärs ja ok, aber wenns immer nur auf ein "Hae? was für nen Blödsinn hab ich mir denn da eingebildet?" rausläuft, das nervt einfach.
/>
/>lg
/>Peter
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Peter

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Re: Die Banalität von Beziehungen
« Antwort #87 am: 04. August 2008, 16:44 »
Probleme der Altersvorsorge, Kinderbetreuung -erziehung, Krankenpflege, gegenseitigen Hilfestellung im Leben etc pp das sähe ich viel eher in einer Gemeinschaft gut aufgehoben. Nur weil heute schon Zweierbeziehungen schon ned funzen und Gemeinschaften noch viel schlechter - das is auch kein Grund dann alles in Paarbeziehungen lösen zu wollen. In meinen Augen ist es schon schwierig genug eine Beziehung ohne diese ganzen Ansprüche sinnvoll am Leben zu erhalten...
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/>Das wird ja von den meisten Beziehungen eh ganz ausdrücklich abgelehnt, und dem Staat vorgehalten, dass das alles Staatsaufgaben seien. Woraus folgt, dass sie eben nicht in einer Gemeinschaft mit Beziehungsgeflecht stattfinden, sondern durch eine bürokratische Gesellschaft geleistet werden sollen, die dann ihrerseits diese Aufgaben wieder "privatiisiert", d.h. sie für den Zweck der Profitmaximierung zur Disposition stellt.
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