Autor Thema: Freie Liebe  (Gelesen 17657 mal)

DoctorF.

  • WurzelWerk Mitglied
  • ***
  • Beiträge: 1495
Freie Liebe
« am: 04. August 2008, 12:22 »
Nachdem sich in dieser Rubrik die Themen "Wie definiert ihr Liebe" und "Die Banalität von Beziehungen" finden, poste ich mein Thema auch mal hier, obwohls zu "Gesellschaft, Heidentum, ... " auch passen würde.
/>
/>Was ist "freie Liebe"? Der Begriff ist ja etwas vorbelastet, zumeist denkt man dabei an Hippie Kommunen und "jeder treibts mit jedem". Tatsächlich heißt es aber nur dass jeder selbst entscheiden kann, mit wem er Sex hat und mit wem er zusammenlebt. Der Zwang zu Sex in extremen Auswüchsen wie der berühmten Otto Mühl-Kommune ist der freien Liebe genauso schädlich wie eine durch Zwang herbeigeführte Ehe.
/>
/>Dazu die recht gut gelungene Definition in Wikipedia: "Die freie Liebe definiert Liebe und Sexualität als natürliche seelische und körperliche Bedürfnisse, die frei von gesellschaftlichem Druck und Zwängen gelebt werden sollen. Dazu gehört, dass Beziehungen ausschließlich und partnerschaftlich von den an ihnen Beteiligten definiert werden und ansonsten keinen Vorgaben unterliegen, was etwa die Dauer, die Anzahl der Beteiligten und die Stärke betrifft. Herkömmliche Liebeskonzepte wie die Ehe werden als besitzergreifend, ökonomisch begründet und unfrei kritisiert."
/>
/>Das heißt im Endeffekt, dass folgende Dinge die freie Liebe verhindern:
/>*) Einmischung von außen: Ihr dürft/sollt nicht so leben, das ist nicht richtig (wieder in beide Richtungen!)
/>*) Festgefahrene Moralvorstellungen der Beteiligten ("nur so ist es richtig")
/>*) Religiöse Dogmen
/>*) Zwang und Druck ("wenn du nicht treu bist, verlasse ich dich")
/>
/>Tatsächlich muß man jemandem, der freie Liebe lebt genauso zugestehen, sich ausschließlich für einen Partner zu entscheiden, entweder weil man das selber so empfindet und das Bedürfnis so gelagert ist, oder weil man abwägt und entscheidet: Dieser Partner ist für mich so viel wichtiger als mögliche One-Night-Stands, dass ich auf andere verzichte.
/>
/>Tatsächlich ist freie Liebe immer viel Arbeit an sich und seinen Beziehungen auf allen Ebenen. Dies gilt heutzutage schon für klassische Zweierbeziehungen, und erst recht, wenn man alternative Konzepte verfolgt.
Diese drei Theorien mögen noch so verschieden sein, aber sie haben eins gemeinsam: Sie erklären die beobachteten Tatsachen - und sind völlg falsch.

Anufa Ellhorn

  • Allgemeine Moderatorin
  • ****
  • Beiträge: 5077
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Freie Liebe
« Antwort #1 am: 04. August 2008, 12:34 »
Well met, Doc F ;)
/>
/>Was ist daran denn frei??
/>
/>>... oder weil man abwägt und entscheidet: Dieser Partner ist für mich so viel wichtiger als mögliche One-Night-Stands, dass ich auf andere verzichte.
/>
/>Auch bewusster Verzicht ist Verzicht und irgendwann kommt dann der Retourschlag und haut einen ins Genick (Motto: wegen DIR hab ich auf das oder das verzichtet!!). Ich sehe freie Liebe als heftige Auseinandersetzung mit sich selber an.
/>Das funzt imho nur wirklich, wenn ich mir über meine Bedürfnisse völlig im Klaren bin, fähig bin diese auch meinem Partner zu kommunizieren und dann einen Weg finden kann (OHNE Verzicht) diese Bedürfnisse auch zu befriedigen. Abgesehen davon, dass natürlich auch hier wieder für mich gilt, dass Liebe allein in mir selber stattfindet (nur ich halt nicht dran glaube, dass diese Liebe mit irgendeinem bewussten Verzicht verbunden sein kann).
Bright blessings
/>Anufa

DoctorF.

  • WurzelWerk Mitglied
  • ***
  • Beiträge: 1495
Re: Freie Liebe
« Antwort #2 am: 04. August 2008, 12:42 »
Hm, schwer zu erklären. Der Verzicht ist eine bewußte freie Entscheidung und ebenfalls nur möglich, wenn man erkennt, dass es das zugrundeliegende Bedürfnis auf verschiedene Arten befriedigt werden kann, du könntest auch sagen: Ich strebe ja eigentlich nach dem inneren Zustand der Liebe, nicht nach diesem oder jenem Weg den Zustand zu erreichen.
Diese drei Theorien mögen noch so verschieden sein, aber sie haben eins gemeinsam: Sie erklären die beobachteten Tatsachen - und sind völlg falsch.

Manfred

  • StammWerkler/in
  • *****
  • Beiträge: 426
  • Geschlecht: Männlich
Re: Freie Liebe
« Antwort #3 am: 04. August 2008, 12:47 »
Was ist "freie Liebe"? Der Begriff ist ja etwas vorbelastet, zumeist denkt man dabei an Hippie Kommunen und "jeder treibts mit jedem".
/>Tatsächlich heißt es aber nur dass jeder selbst entscheiden kann, mit wem er Sex hat und mit wem er zusammenlebt.......
/>

/> :confused: :confused: :confused:
/>
/>1. Frage: Warum bindest Du Liebe an Sex und zusammenleben....(für mich hat das gar nix miteindander zu tun)
/>
/> :confused: :confused: :confused:
/>
/>2. Frage: Kann nicht eh'  jeder selbst entscheiden, mit wem er/sie ins Bett steigt bzw. zusammenlebt (Ein beidseitiges Einverständnis, wird ja, so nehme ich mal an, auch bei Deiner freien-Liebe-Theorie eine gewichtige Rolle spielen)
/>
/> :confused: :confused: :confused:
/>
/>für mich liest sich das mehr nach; Mein Partner soll nicht ang'fressen sein, wenn ich mal wen anderen bumse....

/>"Smile, it kills time between disasters!!!"
/>

DoctorF.

  • WurzelWerk Mitglied
  • ***
  • Beiträge: 1495
Re: Freie Liebe
« Antwort #4 am: 04. August 2008, 16:19 »

/>
/>für mich liest sich das mehr nach; Mein Partner soll nicht ang'fressen sein, wenn ich mal wen anderen bumse....
/>

/>Interessant. Genau das Gegenteil war gemeint...  :wink1:
/>
/>Zu Frage 1: Liebe und Sex an Zusammenleben binden hatte ich auch nicht vor, für mich waren die beiden Themen einfach Bereiche wo sich die freie Liebe äußert...
/>
/>Zu Frage 2: (Klaro, beiderseitiges Einverständnis ist sowieso Voraussetzung) - aber ob das jeder alles so frei entscheiden kann? Nur ein Beispiel: Ich denke es gibt bei vielen Menschen bezüglich Heirat/Zusammenleben immer noch jede Menge Druck aus diversen Verwandtschaftskreisen...
Diese drei Theorien mögen noch so verschieden sein, aber sie haben eins gemeinsam: Sie erklären die beobachteten Tatsachen - und sind völlg falsch.

Anufa Ellhorn

  • Allgemeine Moderatorin
  • ****
  • Beiträge: 5077
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Freie Liebe
« Antwort #5 am: 04. August 2008, 17:42 »
Well met, Doc F ;)
/>
/>>Zu Frage 1: Liebe und Sex an Zusammenleben binden hatte ich auch nicht vor, für mich waren die beiden Themen einfach Bereiche wo sich die freie Liebe äußert...
/>
/>Wenn sich freie Liebe da äussert, dann wäre es für mich nötig, dass Du mir mal "freie Liebe" in Deinem Konnotationsrahmen definierst  :stunned: Für mich heisst "freie Liebe", dass ich eine Beziehung zu und mit jemandem habe, den ich liebe in der es quasi keine "fixen Regeln" gibt, sondern in der im Anlassfall jeder das tut, was er tatsächlich will und den anderen auch darin einbindet. Damit ist das ganze auf einen Beziehungsrahmen gespannt (natürlich nicht an ein örtliches Zusammenleben gebunden, sondern an ein "da Leben teilen")
/>
/>>aber ob das jeder alles so frei entscheiden kann? Nur ein Beispiel: Ich denke es gibt bei vielen Menschen bezüglich Heirat/Zusammenleben immer noch jede Menge Druck aus diversen Verwandtschaftskreisen...
/>
/>Deshalb rede ich bei solchen Dingen gerne von mir und von sonst nix - weil ich der Ansicht bin, dass wenn ich noch an Druck aus der Familie, Verwandtschaft woher auch immer kranke, ich sowieso von freier Entscheidung meilenweit entfernt bin.Da bräucht ich das Thema überhaupt nicht anschneiden :no:
Bright blessings
/>Anufa

Manfred

  • StammWerkler/in
  • *****
  • Beiträge: 426
  • Geschlecht: Männlich
Re: Freie Liebe
« Antwort #6 am: 05. August 2008, 07:56 »
@DoctorF.
/>
/> :confused: Ich brauch bitte mal Deine Definition von freier Liebe  :confused:
/>
/>

/>"Smile, it kills time between disasters!!!"
/>

Distelfliege

  • RubrikenBetreuer/in
  • *****
  • Beiträge: 1723
Re: Freie Liebe
« Antwort #7 am: 05. August 2008, 09:39 »
Zitat
Dazu die recht gut gelungene Definition in Wikipedia: "Die freie Liebe definiert Liebe und Sexualität als natürliche seelische und körperliche Bedürfnisse, die frei von gesellschaftlichem Druck und Zwängen gelebt werden sollen. Dazu gehört, dass Beziehungen ausschließlich und partnerschaftlich von den an ihnen Beteiligten definiert werden und ansonsten keinen Vorgaben unterliegen, was etwa die Dauer, die Anzahl der Beteiligten und die Stärke betrifft. Herkömmliche Liebeskonzepte wie die Ehe werden als besitzergreifend, ökonomisch begründet und unfrei kritisiert."

/>Also, ich finde das ganz gut definiert, "ganz ohne fixe Regeln" - na ich weiß nicht ob das überhaupt geht im zwischenmenschlichen Beziehungsbereich, und in dem Satz bei Wikipedia ist das nett, da steht, im Beziehungsfall:  "ausschließlich von den an ihnen Beteiligten" werden, ggf. die Regeln gemacht.
/>Laut dem Satz ist es offen, ob bei freier Liebe Beziehungen entstehen, und es ist auch offen, ob es da Regeln gibt.
/>
/>Ich kenn mich mit freier Liebe ja nicht aus *ggg*
/>Aber was DocF ansprach: "Dieser Partner ist für mich so viel wichtiger als mögliche One-Night-Stands, dass ich auf andere verzichte." kommt bei mir z.b. vor. Jetzt isses eh so, daß ich extrem selten mal Lust auf sowas wie einen One-Night-Stand hätte, eigentlich so gut wie nie, und wenn das wirklich mal vorkommt, wäre die Person eh schon vergeben oder es wäre unklug, oder es würde meist sowieso nicht zustande kommen.  Also mein Bedürfnis ist nicht so gelagert, deshalb ist das eigentlich kein wirklicher Verzicht, sondern ergibt sich einfach so.