Autor Thema: Freie Liebe  (Gelesen 17658 mal)

eidechse

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Re: Freie Liebe
« Antwort #16 am: 15. August 2008, 10:57 »
"freie liebe" ist ebenso wie z.b - und wild herausgegriffen - "das zölibat", "parfumwerbung", "allgemeine gesundheitsvorsorge" teil eines bündels, eines sexualitätsdispositives, einer heterosexuellen matrix, die sexualität durch stetige wiederholung des diskurses 'hervorbringt' und in identitäten und vergeschlechtlichen körpern materialisiert, und 'macht' an, in und durch diese körper installiert, sie ordnet und verfestigt.
/>
/>dabei sind verschiedene 'gegenreden' teil dieses bündels.
/>das bündel, das dispositiv, die matrix beinhaltet die 'vermeintliche gegenrede' und wird durch diese stabilisiert, wenn sie auch gleichzeitig die chance beinhaltet, durch bestimmte subversive wiederholungen 'der reden', verschiebungen, umdeutungen, "resignifikations' zu bewirken, die das bedeutungsnetz, dass die menschen 'im griff hat', die wirkung der macht, lockert.
/>
/>die macht wirkt nicht repressiv (auf z.b die sexualität) sondern konstruktiv, die sexualität muss nicht 'befreit' werden. (eher noch müssten die menschen von ihr befreit werden, im sinne eines obsolet werdens, eines aufweichens, eines aushandelnden situativen werdens im gegensatz zu einem 'natürlichen' sein)
/>
/>die macht wirkt auch nicht anders, wenn freiheitsdiskurse anderweitig mit dem sexualitätsbündel 'verbündelt', verknüpft werden.
/>
/>verschiebungen lassen sich eher in der 'art und weise' der wiederholung von diskursen, als durch bestimmte inhalts-reden versuchen (es sei denn letztere sind taktischer eingriff um der verschiebung willen).
/>
/>klingt kompliziert, ist auch so, ist aber so.
/>
/>von daher interessiert mich "freie liebe" (oder allgemeine gesundheistvorsorge) als solche eher weniger.
« Letzte Änderung: 31. August 2008, 12:12 von eidechse »
"lieber cyborg als göttin" (donna haraway)

DoctorF.

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Re: Freie Liebe
« Antwort #17 am: 15. August 2008, 11:58 »
"freie liebe" ist ebenso wie z.b - und wild herausgegriffen - "das zölibat", "parfumwerbung", "allgemeine gesundheitsvorsorge" teil eines bündels, eines sexualitätsdispositives, einer heterosexuellen matrix, die sexualität durch stetige wiederholung des diskurses 'hervorbringt' und in identitäten und vergeschlechtlichen körpern materialisiert, und 'macht' an, in und durch diese körper installiert, sie ordnet und verfestigt.
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/>dabei sind verschiedene 'gegenreden' teil dieses bündels.
/>das bündel, das dispositiv, die matrix beinhaltet die 'vermeintliche gegenrede' und wird durch diese stabilisiert, wenn sie auch gleichzeitig die chance beinhaltet, durch bestimmte subversive wiederholungen 'der reden', verschiebungen, umdeutungen, "resignifikations' zu bewirken, die das bedeutungsnetz, dass die menschen 'im griff hat', die wirkung der macht, lockert.
/>
/>die macht wirkt nicht repressiv (auf z.b die sexualität) sondern konstruktiv, die sexualität muss nicht 'befreit' werden. (eher noch müssten die menschen von ihre befreit werden, im sinne eines obsolet werdens, eines aufweichens, eines aushandelnden situativen werdnens im gegensatz zu einem 'natürlichen' sein)
/>
/>die macht wirkt auch nicht anders, wenn freiheitsdiskurse anderweitig mit dem sexualitätsbündel 'verbündelt', verknüpft werden.
/>
/>verschiebungen lassen sich eher in der 'art und weise' der wiederholung von diskursen, als durch bestimmte inhalts-reden versuchen (es sei denn letztere sind taktischer eingriff um der verschiebung willen).
/>
/>klingt kompliziert, ist auch so, ist aber so.
/>
/>von daher interessiert mich "freie liebe" (oder allgemeine gesundheistvorsorge) als solche eher weniger.
/>

/>
/>
/>häääääääääääääääääääääääääääääääääääää????
Diese drei Theorien mögen noch so verschieden sein, aber sie haben eins gemeinsam: Sie erklären die beobachteten Tatsachen - und sind völlg falsch.

eidechse

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Re: Freie Liebe
« Antwort #18 am: 15. August 2008, 16:17 »
klingt kompliziert, ist auch so, ist aber so.
/>

/> :)
"lieber cyborg als göttin" (donna haraway)

LaChatte

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Re: Freie Liebe
« Antwort #19 am: 15. August 2008, 16:44 »
ich versteh das auch nicht.:worried2: Gibts hier jemanden, der das auf "einfach und verständlich" übersetzen kann und will?
/>
/>grüsse, barbara

eidechse

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Re: Freie Liebe
« Antwort #20 am: 15. August 2008, 17:13 »
hmmm.. vielleicht hilft das hier weiter....
/>
/>http://de.wikipedia.org/wiki/Dispositiv
/>http://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Foucault#Sexualit.C3.A4t_und_Wahrheit
/>
/>vielleicht so formuliert:
/>meiner einschätzung nach (und foucault grob folgend) fördern sowohl die idee des tabus (reglementierung von sexuellen beziehungen) als auch die idee der "freien liebe", dass 'sexualität konstruiert' wird... hervorgebracht wird.. oder noch anders ausgedrückt, das mensch sich zu dem thema verhalten muss und 'irgendwie sexuell sein muss', dass man nicht drum rum kommt....  ob nun zustimmend oder ablehnend oder irgendwas.... aber dabei bezieht mensch sich immer auf ein 'vorgegebenes' ensemble von dem was sexuell und sexualität (und beziehungen und liebe und Körperlichkeit und dessen gesundheit...... usw usw)  zu sein hat.
/>
/>weil dieses 'ensemble' genau so beschaffen ist, wie es beschaffen ist, schliesst es bestimmte anordungen von den elementen (beziehung, lust, körpertechniken, soziales ....) aus, schreibt der bestehenden anordnung herrschaft ein ('unfreiheit').
/>
/>lust lässt sich nicht unabhängig von "sexualität" diskutieren,
/>beziehung lässt sich nicht unabhängig von "sexualität" diskutieren
/>...
/>..
/>.
/>
/>das anheizen 'der rede' über sexuelles (bezehungen, liebe .....) lässt die freiräume, in der die dinge 'noch nicht angeordnet sind' sondern selbst angeordnet werden könnten, klein bleiben.
/>
/>es ist für 'die freiheit' quasi irrelevant ob du dich durch eine feste beziehung in deiner sexualität beschränken lässt, oder dich selbst beschränkst, oder nicht beschränkst, weil du einer bereits 'beschränkten' vorstellung von sexualität bereits aufgesessen bist.
"lieber cyborg als göttin" (donna haraway)

LaChatte

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Re: Freie Liebe
« Antwort #21 am: 15. August 2008, 17:35 »
Hallo Eidechse
/>
/>ich glaube nun den Schimmer einer Idee zu haben... ich versuch es mal, in eigenen Worten zu formulieren.
/>
/>geht es hier um die Grenzen sprachlicher Kommunikation - also darum, dass Begriffe generell in gewisse Kontexte eingeordnet werden, und viele diese Kontexte wenig oder gar nicht bewusst sind, sondern mehr oder weniger automatisch im Lauf der Erziehung und Bildung übernommen werden...?
/>
/>
Zitat
das anheizen 'der rede' über sexuelles (bezehungen, liebe .....) lässt die freiräume, in der die dinge 'noch nicht angeordnet sind' sondern selbst angeordnet werden könnten, klein bleiben.

/>aber kann nicht durch das Sprechen es geschehen, dass Kontexte umgeordnet werden, Unbewusstes bewusst wird, neue Zusammenhänge kreiert werden, neue Kontexte geschaffen werden, und somit auch in dieser Unfreiheit die Möglichkeit einer Freiheit besteht - nicht einer absoluten Freiheit, aber sehr wohl einer relativen?
/>
/>grüsse, barbara
/>
/>

Peter

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Re: Freie Liebe
« Antwort #22 am: 15. August 2008, 23:58 »
meiner einschätzung nach (und foucault grob folgend) fördern sowohl die idee des tabus (reglementierung von sexuellen beziehungen) als auch die idee der "freien liebe", dass 'sexualität konstruiert' wird... hervorgebracht wird.. oder noch anders ausgedrückt, das mensch sich zu dem thema verhalten muss und 'irgendwie sexuell sein muss', dass man nicht drum rum kommt.... 
/>

/>Das halte ich für beweisbar falsch.
/>Man bringe einfach eine Anzahl junge Leute zusammen, ohne ihnen etwas von Sexualität zu erzählen, und sie werden ganz von selbst draufkommen wie das mit dem Ineinanderstecken der Pißdinger und dem Kinderkriegen geht.
/>Beweis: Säugetiere wären anderenfalls längst ausgestorben.
/>
/>Demgegenüber ist das abstrakte Intellektualisieren etwas, auf das die Leute normalerweise nicht von selber kommen, sondern eher eine Rechtfertigungs- oder Verdrängungsleistung.
/>
/>Aber, wie schon ein Grundgesetz der Systemanalyse besagt: it is always possible to add another level of indirection. Anstatt einfach miteinander zu ficken, kann man drüber reden. Anstatt drüber zu reden kann man über die Moral dabei nachdenken. Anstatt über Moral nachzudenken kann man die soziale Bedeutung von Moral thematisieren. Anstatt die soziale Bedeutung zu thematisieren kann man Bedeutung als Meta-Einfluss auffassen. Undsoweiter undsofort. Manche Leute finden das erregend - für andere wiederum ...
/>
/>
ist aber so.
/>

/>
/>... ist es einfach ein Dogma.
/>
/>lg
/>Peter
/>

eidechse

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Re: Freie Liebe
« Antwort #23 am: 16. August 2008, 06:09 »
@peter
/>ach junge leute, ne klar.
/>hast du vielleicht auch noch probleme mit deinem alter? oder was soll das jetzt für ein argument sein?
/>
/>
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