Autor Thema: Freie Liebe  (Gelesen 17655 mal)

Distelfliege

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Re: Freie Liebe
« Antwort #24 am: 16. August 2008, 11:05 »
Sehr amüsant, wo doch eidechse sowas schrieb von wegen "übers vögeln nachdenken, labern und sich den Kopf zerbrechen führt dazu daß son bild aufgebaut wird und man nicht einfach mal so mehr nur ficken kann."
/>
/>Da steht: "das anheizen 'der rede' über sexuelles (bezehungen, liebe .....) lässt die freiräume, in der die dinge 'noch nicht angeordnet sind' sondern selbst angeordnet werden könnten, klein bleiben."
/>
/>

Stella Luna

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Re: Freie Liebe
« Antwort #25 am: 16. August 2008, 21:42 »
Hallo,
/>das ist für mich das wichtigste, um dem Begriff "freie Liebe" mal auf die spur zu kommen...
/>
/>es ist für 'die freiheit' quasi irrelevant ob du dich durch eine feste beziehung in deiner sexualität beschränken lässt, oder dich selbst beschränkst, oder nicht beschränkst, weil du einer bereits 'beschränkten' vorstellung von sexualität bereits aufgesessen bist.
/>Wobei es für mich egal ist, ob ich mich freiwillig einschränke oder bewusst. (Unfreiwillige Einschränkungen nehme ich hier raus...)
/>Dadurch bin ich natürlich nicht mehr frei.
/>Für mich persönlich bleibt jedoch die Frage, ob ich das wirklich muss oder will.
/>Und die nächste Frage, ob eine Liebesbeziehung so eine "Freiheit" (wie oben diskutiert) überhaupt verträgt.
/>Und wenn der allgemeine Begriff "Liebe", der nichts mit dem Begriff "Liebesbeziehung " zu tun haben muss, wirklich frei sein kann, dann ist die Menscheit da, wo es vielleicht unerträglich schön ist.
/>Gruß
/>Stella Luna
/>
/>
Das geht nicht. Das haben wir noch nie so gemacht. Hier können Sie nicht Parken.
/>Unbekannter Mitarbeiter

Peter

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Re: Freie Liebe
« Antwort #26 am: 16. August 2008, 23:57 »
ach junge leute, ne klar.
/>hast du vielleicht auch noch probleme mit deinem alter? oder was soll das jetzt für ein argument sein?
/>

/>Keine Probleme und kein Argument. Ich find nur alte Frauen nicht besonders sexy und geh davon aus dass es umgekehrt genauso ist.
/>
/>
Sehr amüsant, wo doch eidechse sowas schrieb von wegen "übers vögeln nachdenken, labern und sich den Kopf zerbrechen führt dazu daß son bild aufgebaut wird und man nicht einfach mal so mehr nur ficken kann."
/>
/>Da steht: "das anheizen 'der rede' über sexuelles (bezehungen, liebe .....) lässt die freiräume, in der die dinge 'noch nicht angeordnet sind' sondern selbst angeordnet werden könnten, klein bleiben."
/>

/>Amüsant find ich das überhaupt nicht, weil es m.E. voll am wesentlichen vorbeigeht.
/>
/>Ich behaupte: <Sex ist keine besondere Kunst, ansonsten wären wir längst ausgestorben.>
/>Von daher verstehe ich nicht, wieso man, anstatt über Sex zu reden (so man das denn will), sich gleich noch in die meta-meta-meta-Ebene des über-Sex-redens versteigen muss (wo ja auch nix weitergehendes rauskommen kann ausser zunehmendem Verlust des Realitätsbezugs durch zunehmende Abstraktion).
/>
/>Von der anderen Seite jedoch kommt man m.E. zumindest auf ein paar konkrete Fragen, auch wenn ich die Antworten darauf nicht weiss.  :sad1:
/>
/>Nämlich:
/>Es gibt eine Erfahrung des all-eins-seins, des "Wir-sind-alle-verbunden", des "niemand, keiner von uns ist jemals allein". Das ist eine legitime, gültige mystische Erfahrung, und sie ist in unterschiedlicher Intensität möglich.
/>Und alle Vorstellungen und Ideen göttlicher Liebe, oder von Nächstenliebe, scheinen sich aus eben dieser Erfahrung zu speisen.
/>
/>Aus irgendeinem Grund scheint diese Erfahrung mit dem Monotheismus zusammenzuhängen: sie tritt vorwiegend auf einer christlich-mystischen Grundlage auf.
/>Das ist das eine was ich nicht ganz verstehe. Ein Pantheon besteht aus Göttern, die zumeist recht üble Gesellen und dazu noch untereinander zerstritten sind - eine Idee der universellen Verbundenheit passt da gar nicht dazu.
/>
/>Das authentische Wissen um die Idee der Verbundenheit war lange Zeit den Mystikern vorbehalten, während der sterbliche Mensch eben lediglich eine moralische Vorgabe hatte. Das ging solange so, bis die Hippies angefangen haben LSD zu schlucken und damit mystische Wahrnehmungsqualität chemisch auszulösen, und mithin Gotteserfahrung in die Breite des Volks zu bringen. Und jene, die das halbwegs sinnvoll verdaut haben, haben dann natürlich angefangen von Liebe zu reden.
/>In der weiteren Folge führte das ganze dann zu dem was man "New Age" nannte, wurde zunehmend verklärt und verkam zum bloßen moralischen Ideal: dem was man heute Licht+Liebe nennt, und was zumeist nicht auf eigenem mystischen Erleben beruht, sondern sich bloß aus unaufgearbeiteten emotionalen Sehnsüchten speist (anderenfalls gäbe es da kein solches Bedürfnis nach Gurus und Lehrern).
/>
/>Die wirklich spannende Frage scheint mir nun die zu sein, was die sinnvolle Konsequenz aus dem ganzen ist:
/>
/>Ist es Sinn der Übung, dass man versucht diese Verbundenheit zu erkennen und sie in der Alltagswelt zu verwirklichen und zu leben - also irgendwie so ähnlich wie es das Urchristentum oder die Hippies sich vorgestellt haben?
/>
/>Oder ist es sinn der Übung, zu erkennen dass diese Sehnsucht nach Verbundenheit ein kindliches Relikt ist und in der materiellen Welt nicht lebbar - dass wir also in der Fleischwerdung, in der materiellen Existenz im Grunde immer allein sind und jedes menschliche Miteinander nur vordergründige Zweckgemeinschaft sein kann
- und dass wir solange leiden werden wie wir versuchen, jene Verbundenheit in Beziehungen zu verwirklichen?
/>
/>Oder ist diese Unterscheidung im Grunde eine Unterscheidung zwischen Monotheismus und Polytheismus?
/>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
/>
/>Die Idee der "freien Liebe" scheint mir nun überhaupt nicht zu verstehen wenn nicht als Folgerung aus eben jener mystischen Idee der All-Verbundenheit, und gewiss ist das ein Resultat der Hippie-Kultur.
/>In einer einfachen Interpretation heisst das dann: wenn wir eh alle Teil einer Schöpfung sind, und wenn wir das, was das Universum im Innersten zusammenhält, Liebe nennen - welchen Sinn macht es dann, proprietäre Ansprüche an eine zweier-Beziehung zu stellen?
/>Und in einer weiteren Interpretation heisst es: wenn Sex etwas ist, was eigentlich jeder Mensch mehr oder weniger kann, wieso definieren wir unsere Beziehungsstruktur dann anhand von sexuellen Lüsten, nennen das Liebe und erklären es für exklusiv, während es in Wirklichkeit doch vielmehr um die Bewältigung des Alleinseins geht?
/>
/>
/>Nur eben: wenn man stattdessen zuerst Sexualität fokussiert, und dann versucht über polit-dogmatische Denkzwänge auf eine Meta-Ebene zu kommen, dann ist man ja schon voll am Wesentlichen vorbei. Und abgesehen davon war es doch gerade das polit-dogmatische Zwangsdenken, was in Deutschland die Hippie-Kultur ruiniert und die Leute stattdessen zum Baghwan getrieben hat.
/>
/>lg
/>Peter
/>

eidechse

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Re: Freie Liebe
« Antwort #27 am: 17. August 2008, 18:48 »
und kein Argument.
/>

/>schön, dass wir uns an diesem einem punkt einig sind. alles weitere erübrigt sich dann auch.
/>
/>@lachatte
/>
/>eigentlich nein.
/>es geht nicht (nur) um die grenzen sprachlicher kommunikation.
/>und andererseits ja! das ist ein ganz gutes beispiel was ich meinte... wenn man es umfassender nimmt. also 'diskurs'  (oder 'die rede, wie ich es formuliert habe') nicht nur als gesprochene kommunikation nimmt in der begriffe immer in einem besonderne kontext stehen, sondern umfassend: dass alles nur in gewissen grenzen wirklich wird, bzw bedeutung erlangt, einer grammatik folgt: architektur ist dabei genauso gebaute 'sprache'/diskurs wie auch das unbewusste teil dieser 'sprache' ist, alle wahrnehmungen, alles was man so sieht und für wirklich nimmt ist teil der sprache, des symbolischen netzes, der matrix.. . es geht also grundlegender um bedeutung ...
/>matrix: ein ganz gutes beispiel, nur das es keinen stecker am hinterkopf gibt und kein 'wahres aussen'.
/>
/>um mal bei 'der liebe' und den bedeutungsverschiebungen zu bleiben.... nur zum veranschauslichen, nicht als masterplan...
/>
/>erst wenn kein mensch beim thema 'sex' 'die liebe' assoziieren würde (und vielleicht sogar nocht hetero ehe und kleinfamilie im hintekopf hat) bzw alle nachfragen würden: "wie kommst du denn jetzt da rauf; wie kommst du denn auf den 'unsinn'; diese abstruse idee", dann erst wäre das netz grundlegend umgebaut.
/>so wird vielleicht deutlicher durch wellche brille ich auf das thema schaue....
/>
/>
/>... und was ich sehe ist, dass beim thema 'freie liebe'/sexualität, nicht das ganz neue andere freie im vordergrund steht,
/>sondern, dass egal wie variationenreich das ganze verhandelt wird, eher der kontext 'festgezimmert' wird.
/>...die existenz des löffels (der männchen und weibchen mit der eingebauten natürlichen sexualität, eines freien willens, der schwerkraft usw...) bestätigt bleibt und unangetatstet bleibt....
"lieber cyborg als göttin" (donna haraway)

LaChatte

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Re: Freie Liebe
« Antwort #28 am: 17. August 2008, 19:09 »
Hallo eidechse
/>
/>ja, und was sollen wir denn nun tun?
/>
/>Nicht zu sprechen ist ja auch keine Lösung - denn damit sitzen wir einfach alle allein in unseren persönlichen Kontexten fest, während Kommunikation mit andern Menschen vielleicht doch die eine oder andere Tür zu öffnen vermag. Radikalumbau muss ja nicht unbedingt sein, warum denn auch? Schrittweise Veränderungen sind aber sehr wohl möglich, und die führen auch dazu, dass Landschaften sich mit der Zeit wesentlich verändern. Die Frage ist ja nicht, ob wir eine Matrix wollen oder nicht, sondern eher, welche Matrix wir wollen.
/>
/>Wenn ich so zB auf die Geschichte der Emanzipation blicke, so scheint mir, dass das "Sprechen über etwas" deutlich öfters zu einer Veränderung geführt hat - zu sehr wesentlichen Veränderungen, sogar der grösste Macho weiss heute, dass es sowas wie Gleichbereichtigung gibt und Sätze wie "die Frau gehört an den Herd" irgendwie nicht mehr passend sind. Und gerade das Sprechen über die Themen Mann-Frau, Liebe, Familie etc haben dazu geführt, dass heute deutlich mehr Familienformen akzeptiert werden, als noch vor fünfzig Jahren... dass uneheliche Kinder in der Schule wie Aussätzige behandelt werden, das ist vorbei. Und da gabs eine Erweiterung, eine Lockerung bestehender Kontexte.
/>
/>Beim Sprechen werden natürlich die verhandelten Dinge festgezimmert... aber dabei kann es durchaus passieren, dass ein paar Wände zwischen kleinen Zimmern herausgerissen werden und daraus ein grosses Loft gebaut wird. Und dass es festgezimmerte Dinge gibt, das ist ja mal grundsätzlich etwas Gutes. Menschen brauchen Strukturen.
/>
/>grüsse, barbara

Werner

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Re: Freie Liebe
« Antwort #29 am: 18. August 2008, 00:08 »
Hallo Barbara
/>
/>Ich stimme dir voll zu, dass wir mit dem Reden weiter kommen. Würden wir nicht mehr miteinander reden, dann wäre die Welt sehr traurig und alles würde stagnieren. Und wie du so treffend sagst, hat sich ja gerade in den letzten Jahrzehnten genau durch das Reden sehr viel geändert. Selbstverständlich müssen dann auch die Taten folgen. Aber wenn man Dinge nicht ausspricht, dann weiß man doch gar nicht, was den Anderen bewegt oder stört oder auch was ihm oder ihr gefällt etc.
/>Selbstverständlich ist es keine Frage, dass man Dinge auch festreden und dass man Manifeste erstellen kann. Aber auch diese werden dann irgendwann einmal wieder durch ein neues Reden aufgeweicht oder aufgehoben oder verändert. Der Mensch ist nun mal so, dass er den Verstand hat, dass er denken kann und somit auch das Denken in Worte fassen kann und muss. Das ist nun mal eines unserer wichtigsten Werkzeuge. Das ist nun mal ein Teil des Menschseins.
/>
/>Schreibe gleich noch weiter an Peter im nächsten Posting.
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Werner

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Re: Freie Liebe
« Antwort #30 am: 18. August 2008, 00:09 »
Hallo Peter
/>
/>Du hast sehr interessante Punkte gebracht und grundlegende Dinge angesprochen, ohne jedoch auf eine Lösungsmöglichkeit gekommen zu sein. Aber das Aussprechen ist ja schon mal der Anfang (siehe oben!).
/>
/>Du hast geschrieben:
/>„Es gibt eine Erfahrung des all-eins-seins, des "Wir-sind-alle-verbunden", des "niemand, keiner von uns ist jemals allein". Das ist eine legitime, gültige mystische Erfahrung, und sie ist in unterschiedlicher Intensität möglich.
/>Und alle Vorstellungen und Ideen göttlicher Liebe, oder von Nächstenliebe, scheinen sich aus eben dieser Erfahrung zu speisen.
/>
/>Aus irgendeinem Grund scheint diese Erfahrung mit dem Monotheismus zusammenzuhängen: sie tritt vorwiegend auf einer christlich-mystischen Grundlage auf.
/>Das ist das eine was ich nicht ganz verstehe. Ein Pantheon besteht aus Göttern, die zumeist recht üble Gesellen und dazu noch untereinander zerstritten sind - eine Idee der universellen Verbundenheit passt da gar nicht dazu.
/>
/>Was du hier angesprochen hast, das nenne ich das Paradoxon des dualistischen Denkens. Denn der Monotheismus spricht von einem Schöpfergott. Als solcher ist Gott und die Schöpfung getrennt. Übrigens ist das beim Polytheismus im Prinzip nicht anders, man geht auch hier von der Trennung aus: Hier wir, dort die Götter. Der einzige Unterschied ist, dass es nun viele Götter sind.
/>
/>Als Folge dieser als Gedankenkonstrukt und NICHT als Erfahrung zusammengebastelten Weltsicht sehnen sich die Menschen nach dem Einssein. Denn die alleinige Vorstellung und das Fantasieren von einem getrennten Gott ist ja nicht die Einheit. Und zusätzlich kommt noch das dazu, dass wir aus unserer Kindheitserfahrung tatsächlich die Verbundenheit und Geborgenheit erfahren haben. Nach dieser Verbundenheit sehnen wir uns. Die sogenannte Gottesliebe ist nur ein Relikt aus der Kindheit, sie wird von unserer Sehnsucht nach Verbundenheit, die wir ja tatsächlich einmal erfahren haben (wenngleich vielleicht nur noch im Unterbewusstsein gespeichert) gespeist.
/>
/>All das, was sowohl die Mystiker erfahren wie auch das, was aufgrund von Drogengebrauch erlebt wird, sind unsere Wunschvorstellungen, die wir aus unserem Unterbewusstsein ausgraben, bzw. die durch Trance oder Drogen hervorgebracht werden. Es geht hier also gar nicht um Erlebnisse des Göttlichen und es geht auch nicht um ein Eintauchen in eine Meta-Ebene. Denn diese gibt es nicht. Es gibt keine verschiedenen Ebenen. Diese Vorstellung basiert immer noch auf der in unserer westlichen Gesellschaft extrem stark geprägten  Vorstellung von der Trennung von Gott und der Welt. Die Vorstellung von einer Metaebene ist eine Trennung!
/>
/>Nun müssen wir weiter die Frage stellen, warum wir diese ständige Sehnsucht nach Geborgenheit auch dann noch haben, wenn wir diese Zusammenhänge kennen.
/>Die Antwort ist einfach: Weil wir allein tatsächlich nicht lebensfähig sind. Der Mensch ist ein Wesen, das auf die Zusammenarbeit angewiesen ist. Kein Mensch wäre fähig, ohne andere Menschen zu leben. Dies ist unsere Natur und nur wenn wir diese anerkennen, können wir glücklich sein. Wenn nicht, verlieren wir uns Fantastereien und halten dann diese künstliche Welt als schön oder erstrebenswert. Aber auf lange Sicht sind wir dann doch unzufrieden.
/>
/>Was nun den erwachsenen und reifen Menschen vom Kind unterscheidet, das ist ebenfalls leicht zu erkennen: Es ist die Fähigkeit, nicht in totaler Abhängigkeit wie ein Kind zu sein, sondern seinen Beitrag zu leisten zum Wohle Aller. Nur auf dieser Grundlage de Zusammenarbeit  können wir überleben, aber nicht, indem wir uns in die totale Abhängigkeit anderer Menschen flüchten und wie Kinder sind. Zwar ist es möglich und auch notwendig, dass man bedürftige Menschen unterstützt auch ohne deren Leistungen zum Allgemeinwohl, aber diese Menschen sind auf Dauer nicht glücklich. Denn zum Glück gehört dazu, dass man seiner Natur gemäß lebt und eine Tätigkeit für sich selbst im Zusammenwirken mit anderen Menschen ist nun mal die menschliche Natur. Sozialleistungen sind eine feine Sache für Menschen, die wirklich Hilfe benötigen, weil sie selbst zu nichts mehr fähig sind. Aber für Menschen, die noch arbeiten könnten, ist das keine Lösung. Sie werden unzufrieden und unglücklich.
/>Was uns Religionen und auch die New Age Bewegung vorspielt, ist nicht die Erfüllung in diesem Sinne, sondern ein Rückkehren in die kindliche Abhängigkeit. Man sucht die Gotteserfahrung und meint, dass dies dann das Glück sei.
/>Aber  Gott oder das Göttliche oder Spirit ist nicht getrennt von uns, ist nicht etwas, das wir erreichen müssen. Das Göttliche ist nicht einmal IN uns (das wäre ja schon wieder die Trennung, nämlich wir als Gefäß und Gott wohnt darin!), nein, wir SIND auch das Göttliche. Wir müssen nichts suchen, nichts finden, nichts erstreben. Wir müssen nur leben nach unserer Natur.
/>
/>Und was hat das alles mit  Beziehungen zu tun?
/>Klar, eine intime Beziehung kann unseren Wunsch nach Geborgenheit sehr gut erfüllen. So gut, dass es nichts Vergleichbares gibt. Jedoch nur, wenn das Vertrauen in allen Lebensbereichen dabei ist und dies dann zur tiefen und innigen Liebe führt. Aber nun kommt die Hauptsache: Wirkliches Glück finden wir nur dann, wenn wir durch eine solche Beziehung nicht die Fähigkeit verlieren, uns selbst und unser Fähigkeiten, unsere Arbeitsleistung und all unser Können mit einbringen. Und zwar nicht nur in die Beziehung, sondern generell im Alltag, in der Arbeit, in der Verantwortung für alle Menschen und die Welt.
/>Wenn wir in der Beziehung wirklich eine Gemeinschaft bilden, das Verstehen des WIR erarbeiten, ohne unsere Verantwortung sowohl für die Beziehung wie auch für alles Andere nicht vernachlässigen, dann sind wir glücklich in unserem Menschsein. Nicht in der Fantasie, sondern im tätigen Tun und Leben. Dann erleben wir die echte Verbundenheit, sowohl mit dem Parnter, wie auch mit der Welt. Und die Welt ist auch das Göttliche. Also haben wir die Einheit gefunden, ganz ohne Übungen, ohne Religion und ohne Regeln und Dogmen und New Age und Drogen und Fantasien und offenen Wünschen. Wenn wir auf diese Weise auch noch die Verbundenheit mit unserer spirituellen Seite, als mit Spirit, dem Göttlichen, spüren und erleben, dann haben wir das höchstmögliche  Erlebnis des Einsseins mit ALLEM erfahren. Das Spirituelle, das wir selbst sind, erleben wir jedoch nicht, indem wir suche, sondern indem wir uns selbst und alles andere auch betrachten, genau hinsehen und hinfühlen, offen sind in unseren Gedanken und Gefühlen und uns frei machen von Glaubensvorstellungen. Denn diese fördern nur den Glauben (und somit die Wunschvorstellungen), aber nicht das wahre Leben.
/>
/>Und nun die Frage nach der sogenannten „freien Liebe“.
/>Wenn man die Liebe zu einem Partner in dieser Weise erlebt, dann ist man nicht unfrei.
/>Wenn man jedoch „freie Liebe“ als freies Herumvögeln betrachtet, dann ist man deshalb nicht freier als jemand, der eine feste und langjährige Verbindung anstrebt. Allerdings hat man dann, in der vermeintlichen Freiheit der Sexualität, auch das tiefe und innige Erleben des vertrauensvollen und tief gehenden Einsseins nicht erlebt. Denn das braucht Zeit und viel gemeinsame Erlebnisse. Ja, es braucht tatsächlich Jahre. Denn wir lernen laufend. Nur wissen wir oft nicht in unserer Unerfahrenheit, was wir noch nicht wissen. Das erfahren wir dann erst allmählich, wenn wir immer mehr gelernt haben. Und das kommt nicht in wenigen Wochen, Monaten oder kaum in wenigen Jahren.
/>Wer nun denkt, dass er im Praktizieren der freien Liebe ein reiferer Mensch ist, der hat sich geirrt. Denn die Reife ist das Erkennen, dass wir als Menschen nicht wirklich frei und unabhängig voneinander sind und nicht die Flucht in eine vermeintliche Freiheit, die es in Wahrheit gar nicht gibt, ist die wirkliche Freiheit. Also machen sich auch diese Menschen immer etwas vor, so wie die Christen oder andere Religionsanhänger, die sich die Liebe Gottes vormachen und Gott irgendwo getrennt von sich selbst vorstellen und dann nur in ihrer Fantasie leben, in der Vorstellung, mit Gott verbunden zu sein. Mystische Erlebnisse resultieren aus den Gedankenkonstrukten der Religion. Ohne Religion gäbe es diese sogenannten göttlichen Erfahrung nicht. Diese Erfahrungen basieren immer auf Vorstellungen, die schon da waren und dann nur noch weiter im Trancezustand erlebt werden. Wer noch nie etwas von Gott gehört hat, der kann auch nicht davon träumen.
/>
/>Es gibt keine Trennung zwischen dem Alltag und einem vermeintlichen Leben nach dem Tod. Alles ist EINES. Und zum Alltag und somit zum EINEN gehört auch dazu, dass wir unsere Bedürfnisse (z.B. nach Liebe und Geborgenheit und Vertrautheit) haben und sie haben dürfen und sie auch anerkennen und nicht verdrängen. Schon gleich gar nicht sie verdrängen im Erwarten von etwas, das nach dem Tode kommen wird und dann angeblich vollkommen sein wird. Es gibt keine Vollkommenheit. Es sei denn, wir betrachten alles so, wie es ist als vollkommen, auch mit den Unvollkommenheiten eingeschlossen.
/>Wenn wir Liebe, Vertrautheit und Geborgenheit von der Sexualität trennen und meinen, dies auch neben einer Partnerschaft mit anderen Menschen erleben zu können, dann tun wir das nur deshalb, weil wir unser ganzes Denken und Fühlen NICHT auf die Einheit, sondern auf die Trennung ausrichten. Und diese Trennung ist der Dualismus, sind die Religionen, die von einem von uns getrennten Gott ausgehen.
/>
/>Schönen Gruß
/>Werner
/>
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Peter

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Re: Freie Liebe
« Antwort #31 am: 18. August 2008, 02:17 »
Lieber Werner!
/>
/>
All das, was sowohl die Mystiker erfahren wie auch das, was aufgrund von Drogengebrauch erlebt wird, sind unsere Wunschvorstellungen, die wir aus unserem Unterbewusstsein ausgraben, bzw. die durch Trance oder Drogen hervorgebracht werden. Es geht hier also gar nicht um Erlebnisse des Göttlichen und es geht auch nicht um ein Eintauchen in eine Meta-Ebene. Denn diese gibt es nicht.
/>

/>Du willst also sagen, dass es keinen Gott gibt, dass Buddha sich lediglich in infantilen Phantasien verstrickt hat,
/>und dass über Jahrtausende hinweg alle spirituellen Menschen sich einer Illusion hingegeben haben?
/>Na dann danke, für die Wortmeldung.
/>
/>Das Problem dürfte zB schon da sein, dass die erfahrbaren Erlebnisse des Göttlichen oft mit derart evidenten und gut belegbaren parapsychologischen Effekten einhergehen, dass da doch irgendetwas passieren muss was über eine
/>blosse "Wunschvorstellung" hinaus geht.
/>Abgesehen davon ist meine persönliche Erfahrung dessen, was nach meinem dafürhalten sehr gut zu allen mir bekannten Beschreibungen eines "Göttlichen" korreliert, gleichzeitig transzendent und immanent und prinzipiell auch wissenschaftlich fassbar - nämlich als die einem System innewohnende Neigung zur Selbstorganisation. Insofern ist es gewiss auch ebenso faktisch richtig zu behaupten dass es keinen Gott gibt - was ihn freilich nicht daran hindert ausgesprochen wirksam zu sein.
/>
/>Aber wahrscheinlich täte ich besser daran, mir das einfach gleichgültig sein zu lassen - wenn hier die Dinge auf der einen Seite mit unverarbeitetem Geschlechterhaß und auf der anderen Seite mit halbverstandener Freudiana beantwortet werden, ist dies hier wahrscheinlich der falsche Platz um ungelöste existenzielle Fragen in den Raum zu stellen.
/>
/>Lieben Gruß
/>Peter
/>
/>