Autor Thema: Freie Liebe  (Gelesen 17650 mal)

Werner

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Re: Freie Liebe
« Antwort #8 am: 05. August 2008, 23:44 »
Hallo
/> Ich finde die Definition von Wikipedia teilweise brauchbar. Nur der letzte Satz ist sehr unglücklich gewählt und läßt Fragen offen.
/>Es heißt da: "Herkömmliche Liebeskonzepte wie die Ehe werden als besitzergreifend, ökonomisch begründet und unfrei kritisiert."
/>
/>Wer kritisiert dies ? Das ist mal die eine Frage.
/>Die zweite Frage ist: Wer sagt denn, dass dieses herkömmliche Liebeskonzept der Ehe automatisch als besitzergriefend und ökonomisch begründet sein muss?
/>
/>Meine Ehe ist weder ökonomisch noch besitzergreifend.
/>Sie basiert darauf, dass sich zwei Menschen lieben und dass diese zwei Menschen es als schön betrachten, ein Leben lang beisammen zu sein und so viel wie möglich zu teilen. Sex eingeschlossen.
/>Nur wenn man auch diese Möglichkeit mit einbezieht, dann kann ich wirklich von freier Liebe sprechen. Denn dann bin ich frei, diese Liebe so zu gestalten, wie ich es will und für richtig halte.
/>Die Freiheit hört natürlich immer dann auf, wo die Freiheit Anderer eingeschränkt wird.
/>Und kommt nun ein Problem auf, wenn es um Beziehungen geht. Denn ich alleine kann über "meine" Beziehung nicht alleine entscheiden. Denn wenn es eine Beziehung ist, dann ist da noch jemand beteiligt, nämlich mein Partner.
/>Unter diesem Gesichtspunkt kann es eine "freie Liebe" als Partnerschaft nicht geben. Denn das Wort "Partnerschaft" weist schon darauf hin, dass zwei Menschen etwas als Partner tun, das heißt: zusammen gehörend. Jedenfalls so lange zusammengehörend, wie man zusammen ist.
/>In einer Beziehung, egal ob Ehe oder sonst was, ist die Liebe somit niemals "frei", sondern muss Rücksicht auf den Anderen nehmen. Damnach wäre - wenn man dies mal ganz ganau und wörtlich nehmen will - eine "freie Liebe" nur ein einmaliges Erlebnis, das zu nichts. Das einmalige Erlebnis kann sich natürlich wiederholen und zu einer Reihe von "einmaligen Erlebnissen" werden. Das wäre dann nach meinem Verständnis eine wirklich "freie Liebe".
/>
/>Wikipedia sagt zwar sehr schön, dass "die freie Liebe dadurch definiert wird, dass Liebe und Sexualität als natürliche seelische und körperliche Bedürfnisse, die frei von gesellschaftlichem Druck und Zwängen gelebt werden sollen. Dazu gehört, dass Beziehungen ausschließlich und partnerschaftlich von den an ihnen Beteiligten definiert werden und ansonsten keinen Vorgaben unterliegen, was etwa die Dauer, die Anzahl der Beteiligten und die Stärke betrifft"
/>
/>So weit, so gut, könnte man sagen. Nur geht diese Definition automatisch davon aus, dass sich die zwei beteiligten Partner einig sind. Was ist aber, wenn einer so und der andere so will? Zum Beispiel der eine nichts gegen Sex mit einer anderen Person hat, der andere aber das nicht tolerieren kann? Was geschieht in diesem Falle mit der Freiheit?
/>
/>Schöne Grüße
/>Werner
/>
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Peter

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Re: Freie Liebe
« Antwort #9 am: 06. August 2008, 01:05 »
Das ist lustig, ja.
/>
/>Denn der Begriff ist an sich ja Blödsinn pur - es gibt keine freie oder unfreie Liebe; das Attribut frei/unfrei ist auf Liebe überhaupt nicht anwendbar.
/>
/>Nun wird aber "Liebe" oft benutzt als Bezeichnung für eine (monogame heterosexuelle) Beziehung/Ehe oder sogar benutzt als Euphemismus für Sex. Und von daher kriegt das Ding mit der "freien Liebe" dann seinen Sinn.
/>Da ja eine Beziehung oder Ehe eigentlich das ggfs. vertraglich festgeschriebene Exklusivrecht auf die sexuelle Nutzung eines bestimmten Menschen darstellt, und eben dies dann bizarrerweise als "Liebe"  bezeichnet wird, hat man "freie Liebe" als Gegenposition dazu formuliert.
/>
/>Der Knackpunkt bei dem ganzen ist wohl das Umgehen mit Besitzansprüchen und mit Eifersucht - üblicherweise wird Eifersucht ja als Liebesbeweis angesehen, während die Vertreter der "freien Liebe" zumeist der Auffassung sind, dass Eifersucht wie Besitzansprüche aus einem defizitären Selbstwertempfinden herrühren.
/>
/>Allerdings scheint es beim Umsetzen dieser Anschauung - die vom Grundsätzlichen her gar nicht mal verkehrt erscheint - doch irgendwelche Schwierigkeiten zu geben - jedenfalls scheint der größte Teil der "freie Liebe"-Anhänger sich inzwischen in Richtung Licht+Liebe oder Esoterik bewegt zu haben und die konkrete Ausübung der freien Liebe auf die in diesem Umfeld übliche ritualisierte Umarmung zu beschränken.
/>
/>Abgesehen davon ist der Begriff "Freie Liebe" sowieso völlig überflüssig, denn die die das leben wollen brauchen dafür keinen Begriff, und wer auf den Begriff wert legt läuft leicht gefahr ein neues Dogma zu schaffen. (Ich hab das erste Pärchen, das freie Liebe lebte, kennengelernt, da gabs den Begriff noch gar nicht. Die wussten einfach was sie wollen.)
/>
/>
Zitat
Dieser Partner ist für mich so viel wichtiger als mögliche One-Night-Stands, dass ich auf andere verzichte.
/>

/>Und das wird jetzt spannend. Da ergeben sich nämlich gleich drei lustige Fragen draus:
/>
/>Erstens: freie Liebe ist eifersuchtsfreie Liebe, denn Eifersucht wäre ja eine Druckausübung. Wenn du also keine anderweitigen Liebesaffären eingehst, dann beraubst du ja deinen Partner der Möglichkeit sich mit seiner Eifersucht überhaupt auseinanderzusetzen - womit das ganze  "freie Liebe" Konzept eigentlich auf der Ebene grauer Theorie bleibt.
/>
/>Zweitens: Indem du auf Liebesaffären deinem Partner zuliebe verzichtest, gibst du deinem Partner die Verantwortung für deinen Verzicht. Ob er damit wohl glücklich ist?
/>
/>Drittens: Liebe kann heißen <meine Freude ist, deine Freude zu sehen>. Indem du verzichtest, beraubst du deinen Partner dieser Freude.
/>
/>
/>Alles Liebe
/>Peter
/>

Werner

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Re: Freie Liebe
« Antwort #10 am: 06. August 2008, 06:42 »
Ohne in Wortglauberei zu verfallen, meine ich schon, dass die meisten Menschen sehr genau wissen, was mit dem Begriff "freie Liebe" gemeint ist.
/>
/>Selbstverständlich hat Peter Recht, dass es keine freie und unfreie Liebe gibt, wenn Liebe nicht auf Sex und Partnerschaft bezieht. Eltern-Kind-Liebe z.B. Die kann weder frei noch unfrei sein. Und freundschaftliche Liebe auch nicht. Aber ist Freundschaft gleichzusetzen mit Liebe? Ist nicht immer Sex und Partnerschaft automatisch gemeint, wenn man von Liebe spricht (Ausnahem die Eltern-Kind-Liebe). Vielleicht auch ausgenommen die platonische Liebe. Aber hier ist schon die Frage erlaubt, ob das nicht ein Sonderfall ist und somit dann doch nicht das, was man im Allgemeinen mit Liebe bezeichnet.
/>
/>Peter, was mir bei dir auffällt, ist offensichtlich eine fixe Vorstellung, dass eine Ehe oder feste Partnerschaft einen "Besitzanspruch" und ein "Nutzungsrecht auf Sex" automatisch beeinhaltet. Meiner Meinung nach ist so eine Haltung eine fast schon krankhafte - oder zumindest eine sehr kuriose - Vorstellung und die meisten Menschen sehen das sicher nicht so.
/>Schönen Gruß
/>Werner
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Manfred

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Re: Freie Liebe
« Antwort #11 am: 06. August 2008, 08:08 »
Worum es DoktorF. wirklich geht, kann ich bis jetzt noch nicht nachvollziehen. :thinking:
/>Mir kommt es so vor als ob Liebe mit Hormonstau verwechselt wurde, also mehr das Thema: Partnerschaft mit 1 - n Partnern und Sex mit mehr als nur einem Partner  ;D
/>...so hätte ich das vom Doktor gelesen
/>
/>Zu den Beispiel mit der Eltern-Kind-Liebe kann ich, für mich, dann noch Geschwisterliebe hinzufügen. (Das ist wede frei noch unfrei und schon gar nicht "abstellbar" und mit Sex hat das gar nix zu tun, nicht mal ansatzweise  ;D)
/>
/>Liebe ist für mich ein Seinszustand und es gibt Momente (Situationen) in denen ich jemanden mit Liebe (gepaart mit Freude) betrachte, in meinem Fall passiert das oft, wenn ich einen eklatanten Fortschritt, oder eine wesentliche Besserung des Allgemeinzustandes, bei guten Freunden feststelle.  :wink1:
/>
/>
/>

/>"Smile, it kills time between disasters!!!"
/>

Anufa Ellhorn

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Re: Freie Liebe
« Antwort #12 am: 06. August 2008, 08:30 »
Well met, alle zusammen ;)
/>
/>Na dann mal ganz in die Vollen  :laugh:
/>
/>Wenn ich mich ausschließlich auf "ich liebe" beziehe mit der hier angesprochenen Liebe, dann seh ich persönlich im Outcome (für mich und auch für von mir geliebte Wesen) keinen Unterschied, wurscht worum es sich handelt. Mein Bestreben ist demjenigen seine (Entscheidungs) Freiheit möglichst zu lassen, mein Gefühl möglichst "echt" zu fühlen und somit auch auszustrahlen und ansonsten das alles für mich in einen sinnvollen Lebensablauf zu integrieren.
/>Ob ich da nun meine Katzen liebe (bei denen ich mir sehr wohl klar war, dass wenn ich sie liebe ich ihnen dann die bestmöglichen Lebensbedingungen bieten sollte - auch wenn diese nunmal Risiken beinhalten), meinen Vater (der sicher von einigen meiner Tipps profitieren könnte, wenn er sie sich abholt... was er mittlerweile auch hie und da tut), meine Freunde oder Lebensgefährten (die ich z. B. lieber gehen lasse als die Beziehung manipulativ aufrecht zu erhalten) handelt, ist mir somit echt Powidl.
/>
/>Wenn ich jemand liebe, dann heisst das auch NICHT, dass ich alles gut finde, was der/die/das tut oder dass ich alles unterstütze. Es heisst, dass ich mein Leben lebe und Liebe in meinem Herzen trage, die je nach Situation auch gelebt werden kann/will.
/>
/>Liebe per se hat imho auch nix mit Verantwortung dem anderen gegenüber zu tun - DAS wäre dann schon ne LiebesBEZIEHUNG  :sneaky: und bei dieser sollte dann durchaus verbalisiert werden, was geht und was nicht, was on ist und was nicht, etc pp.
Bright blessings
/>Anufa

Nordana

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Re: Freie Liebe
« Antwort #13 am: 09. August 2008, 13:34 »
Hallo!
/>
/>Ich möchte hier einen Begriff aufgreife und ewas kneten:
/>
/>

/>Was ist daran denn frei??
/>
/> [...]
/>
/>Auch bewusster Verzicht ist Verzicht und irgendwann kommt dann der Retourschlag und haut einen ins Genick (Motto: wegen DIR hab ich auf das oder das verzichtet!!). Ich sehe freie Liebe als heftige Auseinandersetzung mit sich selber an. [...]
/>

/>Ich möchte hier auf den bewußten Verzicht eingehen ->
/>
/>Also nehmen wir an, man ist ein Mensch, der auf nichts verzichten will/muss. Das heißt, ich nütze für mich jede Option, die mir entgegentritt, wenn sie mir gefällt. In der Vorstellung der "Liebe" weiß sicher jeder,was man sich nun darunter vorstellen kann. Ich möchte aber nur kurz diese Vorstelllung auf den Alltag transferieren: also hier spreche ich nicht mehr nur vom Bereich "Liebe" sondern von allen Dingen in der Welt, die einem interessieren würden. Zum Beispiel möchte ich beinhart jede Gelegenheit nutzen, die mein Schwarzzeltprojekt fördern könnte. Das habe ich auch ein Jahr lang nun gemacht. Alles hat mir gefallen, ich habe auf nichts verzichtet und die positiven Seiten vollends ausgenützt. und zwar wirklich vollends. Was ist mir geblieben? Nicht viel. Tatsächlich habe ich jede Situation genützt, aber meinen Projekt hat es nicht geholfen. nach einem Jahr habe ich kaum Ergebnisse. Hätte ich jedoch den sehr verlockenden Möglichkeiten, die mir geboten wurden, widersprochen und mich auf die Sache konzentriert, die ich eigentlich machen wollte (und diese war bescheiden und sicher im Erfolg), dann wäre ich jetzt WESENTLICH weiter als bisher.Das heißt, ich habe meinen Fokus verloren und meinen Kern an der Sache. Mit bewußten Verzicht wäre mir das nicht passiert. Denn mein tatsächlicher Wille ist das projekt und nicht die angenehmen Verlockungen.
/>
/>.... äh eigentlich wollte ich noch mehr schreiben, aber unser Besuch ist da.... Fortsetzung folgt.
/>
/>Vielleicht ahnt ja schoon wer auf was ich hinaus will?
/>
/>LG Nordi
/>
/>
/>
/>

/>Alqamar & Ryoko - mäh mäh

Werner

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Re: Freie Liebe
« Antwort #14 am: 09. August 2008, 23:32 »
Ich gehe mal noch nicht auf Nordi ein und warte, was sie noch schreiben wird.
/>
/>Hallo Anu
/>Wenn du Liebe so definierst und auf alles beziehst, dann stimme ich dir zu.
/>Die Frage ist jedoch, ob in diesem Thread mit "freier Liebe" diese Dinge (z.B. deine Katzen) angesprochen waren. Ich meine, dass es eigentlich klar ersichtlich war, dass es sich bei diesem Thread um eine menschliche Beziehung handelte und was bei dann als "Freie Liebe" bezeichnet. Katzen oder Väter oder irgendwelche Freunde waren dabei sicher nicht mit eingeschlossen.
/>Aber ich stimme dir zu, dass es bei "Liebe" ganz allgemein um diese Dinge geht, die du angsprochen hast.
/>
/>Schöne Grüße und schönen Sonntag
/>Werner
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

DoctorF.

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Re: Freie Liebe
« Antwort #15 am: 14. August 2008, 13:30 »
@DoctorF.
/> :confused: Ich brauch bitte mal Deine Definition von freier Liebe  :confused:
/>

/>Daran arbeite ich noch (mental)  ;D
/>
/>
Worum es DoktorF. wirklich geht, kann ich bis jetzt noch nicht nachvollziehen. :thinking:
/>

/>ums "umrühren" (in den Gedanken)
/>
/>
Auch bewusster Verzicht ist Verzicht und irgendwann kommt dann der Retourschlag und haut einen ins Genick (Motto: wegen DIR hab ich auf das oder das verzichtet!!). Ich sehe freie Liebe als heftige Auseinandersetzung mit sich selber an.
/>Das funzt imho nur wirklich, wenn ich mir über meine Bedürfnisse völlig im Klaren bin, fähig bin diese auch meinem Partner zu kommunizieren und dann einen Weg finden kann (OHNE Verzicht) diese Bedürfnisse auch zu befriedigen. Abgesehen davon, dass natürlich auch hier wieder für mich gilt, dass Liebe allein in mir selber stattfindet (nur ich halt nicht dran glaube, dass diese Liebe mit irgendeinem bewussten Verzicht verbunden sein kann).
/>

/>Die Sache mit den Bedürfnissen ist ein guter Ansatz: Immerhin gibt es im Leben auch Bedürfniskonflikte (einerseits möchte ich lieber im Bett liegen bleiben, andererseits ein neues Auto kaufen, also entscheide ich mich lieber dafür arbeiten zu gehen. Daß die Arbeit auch Spaß macht soll hier mal vernachlässigt werden).
/>
/>Hier: Es ist MEIN Bedürfnis, in einer Beziehung zu leben in der ich mich wohlfühle (vielleicht auch noch mit einem bestimmten Partner), wohlfühlen geht nur wenn der Partner sich wohlfühlt, weil man in einer Liebesbeziehung nun einmal stark energetisch verbunden ist, ich habe auch das Bedürfnis oder die Tendenz zur "Abwechslung" - also muß ich abwägen: Was ist mir wichtiger? Und so werde ich dann entscheiden. Es bleibt dennoch meine freie Entscheidung.
Diese drei Theorien mögen noch so verschieden sein, aber sie haben eins gemeinsam: Sie erklären die beobachteten Tatsachen - und sind völlg falsch.