Autor Thema: DON'T PANIC. - CERN und der Schwarze-Löcher-Baukasten  (Gelesen 11558 mal)

WildWeib

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Hallo!
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/>Ich bin heute Morgen unversehens über dieses Thema gestolpert und habe mir dazu einige Gedanken gemacht. Das Wesentliche ist im folgenden Link kurz und allgemeinverständlich erklärt; es lohnt sich aber auch, die dazugehörige Diskussion zu lesen.
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/>http://www.kosmologs.de/kosmo/blog/promotion-mit-interferenzen/allgemein/2008-04-01/das-ende-der-welt
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/>Dieser Thread soll nicht der fachlichen Diskussion des Themas dienen, diese Möglichkeit bietet schon die obige Diskussion. Hier geht es mir um den, wenn man so will, ethischen Aspekt.
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/>Dies soll kein Panik-Post im Stil von "Aaaaah, wir werden alle sterben, lasst uns rote Sterne auf die Stirnen malen und unseren Massenselbstmord vorbereiten!" sein, weil ich sowas erstens nicht ab kann und zweitens auch nicht allzu besorgt angesichts des geplanten Experimentes bin. Es geht mir, um es so zu sagen, um das Prinzip; um die fehlende Ethik und um das mir immer absurder erscheinende Selbstverständnis mancher Menschen in unserer auf Profit und Vorwärtskommen (wohin vorwärts?) geeichten Gesellschaft.
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/>Ich bin kein wissenschaftsfeindlicher Mensch. Im Gegenteil, ich hege für ganz unterschiedliche Wissenschaftsbereiche zumindest ein Basisinteresse. Ich finde es spannend, was manche Wissenschaften an Theorien zu Tage fördern, und schätze sie als (in der Regel) der Wahrheit verpflichtete Disziplin gegenüber der Dummschwätzerei populärer Scheinwissenschaften.
/>Trotzdem denke ich, es muss für alles eine Grenze geben.
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/>Im anscheinend sehr unwahrscheinlichen Fall, dass das Experiment schief läuft, wäre das das Ende. So einfach ist das. Ich verstehe die Botschaft, die hinter einer (angenommenen) Worst-Case-Wahrscheinlichkeit von, sagen wir, 0,00000000009 steht.
/>Aber kann man das mögliche Ergebnis gegen diese Zahl aufwiegen? Ich behaupte, nein.
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/>Es geht hier um den hypothetischen und zugegeben sehr nach Science-Fiction klingenden Fall von einem tatsächlichen Ende der Welt. Aber nicht alles, was nach Science-Fiction klingt oder es einmal war, ist oder bleibt unrealistisch. Wir haben technisch schon einiges längst verwirklicht, das lange Zeit reine Fiktion war. Und die Bedenken kommen keineswegs nur von Laien, sondern auch von Fachleuten.
/>Ich habe den Artikeln und Diskussionen entnommen, dass die Schwarzen Löcher etwas sind, das die Wissenschaft bisher noch nicht einmal in der Theorie ganz begreift. Bedenkt man dazu die Tatsache, dass in der Naturwissenschaft sämtliche "Erkenntnisse" eigentlich Theorien heißen, weil man sich darüber im Klaren ist, dass auch die Wissenschaft nie der Weisheit letzten Schluss kennt, wird das Thema haarsträubend.
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/>Das Ziel dieses Experimentes ist mehr Wissen, mehr Verstehen, neue Forschungsmöglichkeiten und schließlich auch – natürlich - noch mehr Profit.
/>Setzt man dafür die Existenz unserer Welt aufs Spiel? Soll es uns das wert sein? Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit so gering ist, dass sie praktisch bei Null liegt: die möglichen Folgen solange sie nicht BEI Null liegt, wiegen einfach zu schwer. Dies ist meiner Meinung nach nicht mit dem menschlichen Streben nach Wissen zu entschuldigen. Ich verstehe den Drang der Forscher, mehr über Dinge wie Schwarze Löcher zu erfahren. Aber vielleicht kann man auch zu weit gehen?
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/>Wir alle haben wohl irgendwann in unserer Kindheit den Satz gehört: "Es ist genug!" Ich würde es niemals befürworten, Bildung und Forschung einen Riegel vorzuschieben, solange sie in Grenzen bleiben, die kein Leben gefährden. Der Forschungsdrang hat uns weit gebracht. (Wie weit, ist ein anderes Thema und gehört hier nicht hin.) Aber müssen wir den Weg des immer mehr und mehr angehäuften Wissens blind weitergehen, ungeachtet der möglichen Konsequenzen? Warum können wir nicht an irgendeinem Punkt einfach sagen: Halt! Ab hier lassen wir es einfach mal gut sein?
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/>Alles muss irgendwann ein Ende haben. Es wäre schön, wenn die Menschheit ihrem Streben nach "schneller, höher, weiter, mehr" dieses Ende selbst setzen würde. Und zwar nicht durch ein Experiment, aus deren Scheitern niemand mehr eine Lernerfahrung ziehen kann.
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/>Hiermit ist die Diskussion eröffnet. ;)
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Distelfliege

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Re: DON'T PANIC. - CERN und der Schwarze-Löcher-Baukasten
« Antwort #1 am: 12. April 2008, 22:40 »
Also, wenn das der Punkt wäre, wo man sagen müsste, jetzt is aber mal gut, dann würde ich dir vorbehaltlos zustimmen.
/>Glaub ich aber net, daß das der Punkt ist.
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/>Also, diese Teilchenbeschleuniger und Quantenphysik sind doch ziemlich unkapitalistisch, und hat für mich mit "höher, schneller, weiter" nicht viel zu tun.  ich bin ja auch nur Laiin. Ist nur so mein Eindruck: da versuchen maaal Leuts mal wirklich bar jeglichen kapitalistischen Interesses, die Welt zu verstehen - und dann isses auch wieder nicht recht.  Na gut, also wenn die Welt jetzt aus reinem Interesse an ihr draufginge, wäre das Ironie des Schicksals, wo wir doch lange dachten, sie geht aufgrund von Profitstreben und Ausbeutung drauf *g*
/>Aber wie gesagt, ich glaube nicht, daß das jetzt der Punkt ist, wo man erzittern müsste.
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/>grüssliz
/>Distel
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Ulrike

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Re: DON'T PANIC. - CERN und der Schwarze-Löcher-Baukasten
« Antwort #2 am: 13. April 2008, 11:02 »
Hi,
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/>Also, diese Teilchenbeschleuniger und Quantenphysik sind doch ziemlich unkapitalistisch, und hat für mich mit "höher, schneller, weiter" nicht viel zu tun.  ich bin ja auch nur Laiin. Ist nur so mein Eindruck: da versuchen maaal Leuts mal wirklich bar jeglichen kapitalistischen Interesses, die Welt zu verstehen - und dann isses auch wieder nicht recht.
/>

/>Ich kenn zwei Hochenergiephysiker, die (unter anderem) mal bei CERN und auch mit anderen Teilchenbeschleunigern gearbeitet haben. Beide sind durchaus lebenslustige Familienmenschen, die mir keinesfalls den Eindruck machen, als nehmen sie das Ende der Welt in Kauf. Beide können (bzw. konnten, der eine ist jetzt in einem anderen Gebiet tätig) wohl auch mit der Verwantwortung leben. Ich glaube, der größte Impuls ist hier wirklich der Wunsch, Dinge zu verstehen, wie Distel schon schrieb. Was man damit machen kann und ob sich damit Geld verdienen läßt ist eine eher nachrangige (wenn auch nicht unwichtige) Frage.
/>
/>Der Knackpunkt ist allerdings, und da geb ich dir recht: wer erkennt, wann genug ist und wann man keinen weiteren Schritt mehr gehen sollte? Von Wissenschaftlern, die in ihrem Element sind, sollte man realistischerweise diese Fähigkeit nicht verlangen, obwohl es wünschenswert wäre. Das ist gefährlich in einem so komploxen und schwer zu verstehenden Bereich der Naturwissenschaft.
/>
/>Aber mir machen da ganz andere Bereiche der Forschung viel größere Sorgen als der CERN-Monster-Teilchenbeschleuniger.
/>
/>Liebe Grüße
/>Ulrike
/>

dagaz

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Re: DON'T PANIC. - CERN und der Schwarze-Löcher-Baukasten
« Antwort #3 am: 13. April 2008, 16:26 »
bis zur zündung der ersten atombombe, die das gegenteil bewies (wir sind immer noch hier), hielten es einige wissenschaftler für möglich, dass die kettenreaktion die gesamte erdatmosphäre erfassen könnte.
Ich denke, also bin ich gefährlich![/b]

WildWeib

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Re: DON'T PANIC. - CERN und der Schwarze-Löcher-Baukasten
« Antwort #4 am: 15. April 2008, 11:23 »
Hallo!
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Also, wenn das der Punkt wäre, wo man sagen müsste, jetzt is aber mal gut, dann würde ich dir vorbehaltlos zustimmen.
/>Glaub ich aber net, daß das der Punkt ist.

/>Kannst du dir momentan etwas anderes vorstellen, das für dich dieser Punkt wäre?
/>
/>
Zitat
Also, diese Teilchenbeschleuniger und Quantenphysik sind doch ziemlich unkapitalistisch, und hat für mich mit "höher, schneller, weiter" nicht viel zu tun.  ich bin ja auch nur Laiin. Ist nur so mein Eindruck: da versuchen maaal Leuts mal wirklich bar jeglichen kapitalistischen Interesses, die Welt zu verstehen - und dann isses auch wieder nicht recht.

/>Dass die Wissenschaftler selber das aus reinem Forschungsdrang und nicht aus kapitalistischem Interesse heraus machen, nehme ich auch an. Aber aus den Ergebnissen der Forschung kann man oft auch irgendwie Profit schlagen und ich vermute, dass das auch passieren wird. Gibt es wirklich Forschung, die aus reinem Idealismus heraus finanziert wird, ohne dass irgendjemand daran ein kapitalstisches Interesse hegt? Die Frage ist ernst gemeint, ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht liege ich mit meiner Vermutung ja auch falsch.
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/>
Zitat
Na gut, also wenn die Welt jetzt aus reinem Interesse an ihr draufginge, wäre das Ironie des Schicksals

/>Aber sowas von. ;D
/>
/>
Zitat von: Ulrike
Aber mir machen da ganz andere Bereiche der Forschung viel größere Sorgen als der CERN-Monster-Teilchenbeschleuniger.

/>Was zum Beispiel?
/>
/>LG
/>Wilde

Distelfliege

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Re: DON'T PANIC. - CERN und der Schwarze-Löcher-Baukasten
« Antwort #5 am: 15. April 2008, 15:48 »
Z.b. Gentechno macht mir Sorgen, Lucia hat ja z.b. gerade Monsanto erwähnt...
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/>>>Kannst du dir momentan etwas anderes vorstellen, das für dich dieser Punkt wäre?
/>
/>Hm, die Frage ist nicht so gestellt, daß sie in meine Gedankengänge passt. Das würde ja vorraussetzen, daß ich die Erde dadurch für gefährdet halte, und daß ich es aber für unproblematisch halte, wenn der ganze Planet von einem schwarzen Loch verschluckt würde.
/>Das entspricht aber nicht meiner Denkweise - was ich denke, ist, daß ich es für unmöglich halte, daß ein im LHC erzeugtes "Micro-Schwarzes-Loch" genügend Masse ansammelt, um die Erde zu verschlingen, und deshalb sind wir meiner Ansicht nach nicht an dem Punkt. Ich habe dazu ja ein, zwei Artikel gelesen, die von den betreffenden Wissenschaftlern für die laienhafte Öffentlichkeit verfasst wurden, und diese können mit ihren Erklärungen  Bedenken ausräumen.
/>Im Gegensatz dazu finde ich die Argumentation z.b. von dem Rössler in einem dort ebenfalls verlinkten Interview lückenhaft und der "Beweis" den er angeblich hat, erfolgt einfach nicht.
/>
/>grüsslis
/>Distel

LaChatte

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Re: DON'T PANIC. - CERN und der Schwarze-Löcher-Baukasten
« Antwort #6 am: 15. April 2008, 17:57 »
Gibt es wirklich Forschung, die aus reinem Idealismus heraus finanziert wird, ohne dass irgendjemand daran ein kapitalstisches Interesse hegt?

/>Hi!
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/>beim Cern vermute ich in erster Linie ein militärisches Interesse. Also irgendwelche Waffen (obwohl hoffentlich keiner auf die Idee kommt, eine zu bauen, die gleich die ganze Welt verschwinden lässt), aber auch Quantencomputer, Verschlüsselungsmethoden, solche Dinge könnten aus Nuklearforschung entstehen. Doch auch manchmal so sympathische Dinge wie das www, das im Umfeld des CERN geboren wurde.
/>
/>grüsse, barbara

Distelfliege

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Re: DON'T PANIC. - CERN und der Schwarze-Löcher-Baukasten
« Antwort #7 am: 16. April 2008, 12:45 »
Der olle Quantencomputer wird an der Uni Wien entwickelt, übrigens.
/>
/>http://www.quantum.at/