Autor Thema: Die Asen-eine verloren geglaubte Religion  (Gelesen 5939 mal)

Eldkatten

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Re: Die Asen-eine verloren geglaubte Religion
« Antwort #8 am: 13. September 2008, 13:29 »
Hallo,
/>
/>
(...)
/>bloß anderen infos ist zu entnehmen dass fimbultyr angeblich auch die ersten menschen erschuf.
/>(...)
/>
Diese "anderen Infos" sind aber sehr freie Nacherzählungen, um nicht zu sagen Nacherfindungen, die - mindestens, was "Fimbultyr" angeht - in den überlieferten Texten keinerlei Stütze besitzen.
/>
/>Aber was willst du eigentlich mit diesem "Fimbultyr"? Das Wort ist genau einmal in der oben zitierten Edda-Strophe erwähnt, und der Kontext macht eine Interpration als Beiname Odins möglich. Doch auch Odin kommt - weder explizit noch implizit mit einem seiner vermutlichen Beinamen - in den Strophen der Voluspá von der Entstehung der Welt vor. Die Rede ist lediglich von
/>
Zitat von: http://www.thomasnesges.de/edda/woeluspa.html
Da gingen die Berater zu den Richterstühlen,
/>Hochheilge Götter hielten Rat.
/>(...)
/>
Während die "Fimbultyr"-Fiktion ja irgendwie einen germanischen Ur-Monotheismus etablieren will.
/>Vielleicht erklärst du wirklich zunächst einmal, worauf du mit "Fimbultyr" hinaus willst.
/>
/>Schönen Gruss
/>Herbert
/>

/>Meine Beiträge geben ausschliesslich meine persönliche Meinung wieder, nicht die des Vereins Varnenum e.V (www.varnenum.de).

Eldkatten

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Re: Die Asen-eine verloren geglaubte Religion
« Antwort #9 am: 13. September 2008, 14:15 »
P.S.:
/>
(...)
/>http://www.skaldenmet.com/3meine/treibholzsindwir.htm auf diesem link gibt es einen germanischen gottesgesang
/>(...)
/>
Das ist aber auch kein "germanischer Göttergesang", sondern ein von der Edda locker inspiriertes neuzeitliches Gedicht (copyright 2008). Den originalen Text findet man in Voluspá, ab Strophe 16 oder 17.
/>
/>Möchtest du dich nicht lieber erstmal mit den überlieferten Texten befassen? Dann läufst du auch nicht in solche durch neuzeitliche freie Interpretationen ausgelegte Fallstricke.
/>
/>Schönen Gruss
/>Herbert

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wikingerfaust

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Re: Die Asen-eine verloren geglaubte Religion
« Antwort #10 am: 13. September 2008, 14:24 »
nun gut aber es ging mir nicht um den gesang sondern um den inhalt. und da edda noch sehr viele lücken besitzt was die wahrheit betrifft, greife ich lieber zur richtigen schrift und die besitze ich in form von büchern zu genüge. außerdem sind z.B. göttergesänge aus dem christentum auch nicht alle originalgetreu interpretiert worden und letztenendes zählt doch nur die erfahrung selbst die man mit seiner religion und seinem glauben macht und da greife ich nicht immer nur zu fakten. :sneaky: :wink1: :smug:
Psycho

Eldkatten

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Re: Die Asen-eine verloren geglaubte Religion
« Antwort #11 am: 13. September 2008, 14:40 »
Hallo,
/>
/>was, bitte, soll das denn heissen:
/>
(...)
/>und da edda noch sehr viele lücken besitzt was die wahrheit betrifft
/>(...)
/>
Die Edda, im Verbund mit Sagas, ist das einzige was von der nordischen Mythologie überliefert ist. Plus die Aussagen einiger antiker Autoren. Wenn da Lücken drin sind, können die authentisch ausschliesslich durch neue Schriftfunde geschlossen werden, nicht durch dichterische Fantasien, so sehr sie sich auch "inspiriert" fühlen mögen. Und über die "Wahrheit", so wie so von den Menschen in Nordeuropa - oder überhaupt irgendwo - vor 1000 bis 2000 Jahren verstanden wurde, wissen wir sowieso so gut wie gar nichts. Insofern lassen sich "Wahrheitslücken" in der Edda noch nicht einmal identifizieren, erst recht nicht schliessen.
/>
/>
(...)
/>greife ich lieber zur richtigen schrift und die besitze ich in form von büchern zu genüge.
/>(...)
/>
Auch das ist mir äusserst unklar. Was soll denn die "richtige Schrift" sein? Ich kann nur klar und deutlich betonen: Was die nordische Mythologie betrifft, ist einzig und allein die Überlieferung, sprich die Eddas und Sagas, die "richtige Schrift". Punkt. Alles andere ist viel spätere Hinzu-Dichtung und Interpretation, oft frühestens aus dem nationalromantisch geprägten 19. Jahrhundert.
/>
/>Ich finde, wir lassen diese Diskussion jetzt. Ich habe die Information, die es zu Fimbultyr gibt - und die sich darin zusammen fassen lassen
/>- dass das Wort exakt einmal in den überlieferten Texten erwähnt wird
/>- dass es als Beiname Odins aufgefasst wird
/>- dass weder Odin noch Fimbultyr noch überhaupt irgendein einzelner, namentlich genannter Gott bei der Erschaffung der Welt laut nordischer Mythologie eine Rolle spielt oder auch nur erwähnt wird
/>- gegeben. Für germanische Fantasien fühle ich mich nicht zuständig.
/>
/>Du, wikingerfaust, hast einen Thread eröffnet mit den Worten "Hier gibt es alles über Odin, Thor, Loki und Co. Quatscht euch ruhig aus.", hast aber keinerlei Informationen gegeben noch deine Absicht erläutert. Ich meine, es sei an der Zeit, dass du das nachholst, bevor sich dieser Thread in weiteren "Götterinspirationen" verzettelt.
/>
/>Schönen Gruss
/>Herbert

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McClaudia

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Re: Die Asen-eine verloren geglaubte Religion
« Antwort #12 am: 14. September 2008, 17:44 »
Slania Wikingerfaust,
/>
/>herzlich willkommen im "Es-war-einmal...."-Forum.
/>
/>Hier sind Wikinger, Germanen, Asatruar natürlich willkommen, und man kann hier drüber diskutieren. ja.
/>
/>Mir ist nur nicht ganz klar, was genau Du mit dem Thread diskutieren willst? Könntest Du Dich präzisieren?
/>
/>Danke
/>
/>Mc Claudia
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

Geza

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Re: Die Asen-eine verloren geglaubte Religion
« Antwort #13 am: 15. September 2008, 18:29 »
Zu Fimbultýr. Er kommt in der Völuspá (60) vor, die in meiner korrigierten Übersetzung so lautet:
/>
/>60. Die Ásen finden sich auf dem Iðavellir ein,
/>Über die mächtige Erdenschlange zu urteilen,
/>Sich erinnernd an das große Urteil
/>Und an Fimbultýrs Vorzeit-Runen.
/>
/>61. Danach werden sich die wundersamen
/>Goldenen Tafeln im Grase finden,
/>Die in Urtagen die Geschlechter hatten.
/>
/>Da Fimbultýr mit den Vorzeitrunen in Verbindung gebracht wird, gibt es zwei Möglichkeiten:
/>1. Es ist Ódinn, der "große Týr (Gott)", denn Ódinn ist unbestritten der Gott der Runen.
/>2. Es ist Mímir, der Lehrmeister oder Initiator von Ódinn; Er wird z. B. in den Hávamál 142 "Fimbulthulr" "Der große Thulr (Spruchzauberer)" genannt. Somit müßten wir in der Völuspá 60 von einem Schreibfehler (in beiden Haupthandschriften) ausgehen, und ein ursprüngliches "Fimbulthulr" voraussetzen.
/>Die Goldenen Tafeln jedenfalls finden sich bereits am Anfang der Völuspá, und da sind es die Ásen, die sie haben (und als Spiel benutzen), also kein Urgott, der sie anschleppte.
/>Daß Fimbulthulr nicht Ódinn sein kann, ergibt sich aus den Hávamál 142, wo Ódinn ja bereits als Hroptr genannt wird; es wäre unlogisch und auch ohne Beispiel, daß in der gleichen Halbstrophe ein und derselbe Gott zwei Mal unter zwei Namen aufgezählt werden sollte. Und daß Ódinn die Runen von Mímir erfuhr bzw. Mimir hier Sein Lehrmeister war, ergibt sich aus den Sigrdrífumál 14:
/>
/>Auf dem Berge stand er mit blankem Schwerte,
/>Den Helm auf dem Haupt.
/>Da hub Mímirs Haupt an
/>Weise das erste Wort
/>Und sagte wahre Stäbe.
/>
/>Und in der Strophe davor wird gesagt, daß Ódinn die Runen auserdacht hatte aus dem Hirn Heiddraupnirs und dem Horn Hoddrofnirs. Da die Weltesche auch "Hoddmímirs Holz" heißt, kann man wohl den Hoddrofnir auf Mímir beziehen, sein Horn ist Mimirs Horn, mit dem der Weisheitstrank aus Mímirs Brunnen geschöpft wird. Dieser Brunnen aber unter der Weltesche hängt mit den Flüssen der Urzeit zusammen, und da gibt es einen, der den Namen "Fimbul-Thulr" trägt, und der sich offenbar auf Mimir bezieht (manche Ausgaben trennen beide Worte und gehen von zwei Flüssen aus: Fimbul und Thulr).
/>
/>Woher kommt es nun, daß so viele sog. Heiden über unsern Göttern einen Urgott Fimbultýr geradezu herbeireden? Na, die Antwort ist ja klar: Man will zwar Heide sein, findet alles interessant, aber vom innerlich vorhandenn und liebgewordenen christlichen Monotheismus will man sich denn doch nicht einfach trennen. Lieber das germ. Heidentum zum Monotheismus umdeuteln, dann ist alles "kompatibel". Irgendwann wird dann Baldur (oder auch Ódinn) zum Jesus.
/>
/>Soweit die Einstellung. Aber wie kommt es, daß so viele gleichzeitig diesen Fimbultýr als Obergott hinstellen, als hätten sie sich geheim abgesprochen? Ganz einfach. Der Gondrom-Verlag hatte in Großauflage und sehr preiswert ein gut illustriertes Buch herausgegeben, "Deutsche Götter- und Heldensagen", Herausgegeben von R. W. Pinson (2. Auflage, Bayreuth 1981). Der offenbar christliche Herausgeber hat dann mal ein wenig nachgeholfen, um so seinen (biblischen) Monotheismus den Germanen unterzujubeln. Zitat vom Anfang des 1. Kapitels:
/>
/>>Einst - so glaubten unsere Vorfahren, die alten Germanen - gab es eine Zeit, da alles nicht war: Nicht Erde und Meer, noch der Himmel mit seinen unzählbaren Sternen; nichts war da als ein ungeheurer, finsterer Abgrund: Ginnungagap, die gähnende, lautlose, tote Kluft.
/>Aber in dem grenzenlosen, schweigenden All lebte Fimbultyr, der geheimnisvolle, große, allmächtige Weltgeist, den nie ein Auge gesehen. Allvater ist's, "der Starke von oben, der alles steuert und ordnet ewige Satzungen an". Nach seinem Willen entstand im hohen, kalten Norden das finstere Nebelreich Nifelheim und fern im Süden Muspelheim, das Reich der Gluthitze, des Feuers.<
/>
/>Also werden hier Dinge von Ódinn (Allvater, der Starke von Oben) einfach auf diesen Fimbultýr bezogen, der hier als von Ódinn unabhängiger Weltgeist erscheint. Über Surtr heißt es dann weiter:
/>
/>>Hatte Fimbultyr, der ihn zum Herrn von Muspelheim gesetzt hatte, ihm kundgetan, daß dort eine neue Welt voll großen, reichen Lebens entstehen sollte?<
/>
/>Ansonsten kommt Fimbultýr da nicht weiter vor, sondern die bekannte Schilderung der Eddas in Nacherzählung.
/>
/>Damit ist eigentlich alles gesagt, außer, daß ich selbst in meinem ersten Buch auch von einem Urgott ausgegangen war. Bin halt 1985 auch auf diese Deutungen hereingefallen. Heute weiß ich es besser.
/>
/>Lichtgruß,
/>Geza
/>