Autor Thema: Köln: europäische Rechtsradikale kreigen kein Taxi und fliegen aus Hotel  (Gelesen 4813 mal)

Eldkatten

  • Zweitwohnsitz WurzelWerk
  • *******
  • Beiträge: 1599
  • Geschlecht: Männlich
Hallo,
/>
/>erstmal nehme ich der Hotelmanagerin durchaus ab, dass sie aus Überzeugung gehalndelt hat. Das ist auch nicht das erste Mal, dass in Deutschland aus der obersten Management-Etage von Hotels Rechtsextremen die Beherbergung verweigert wurde. Der DVU (meines Wissens) wurde sogar einmal klargemacht, dass sie generell in Hotels der betreffenden Kette nicht willkommen sind (und nicht nur aktuell und eventuell wegen der Befürchtung, von Demonstranten belagert zu werden). Ich finde es ziemlich an den Haaren herbei gezogen und auch eine Respektlosigkeit gegenüber der kölner Hotelmanagerin, ihr anders konstruierte Motive zu unterstellen.
/>
/>Und was bitte hat es mit "demokratischen Prinzipien" zu tun, wenn sich kölner Taxifahrer und Busunternehmer weigern, Rechtsextremen eine Dienstleistung zu erbringen? Den demokratischen Prinzipien ist dadurch genüge getan, dass "Pro Köln" und ihre aus dem gesamten Ausland zusammengetrommelten Rechtsaussen-Kumpanen mitten in Köln eine Kundgebung anmelden konnten und genehmigt bekamen.
/>
/>Dieses Nachkarten passt mir wiederum überhaupt nicht. Da sind Leute, die mit hasserfüllten Vorurteilen gegen Menschen hetzen, die seit langem Mitbürgerinnen und Mitbürger sind, und die versuchen, das zu zerstören, was gerade in Städten wie Köln mit einer bunten Vielfalt von kulturellen und religiösen Hintergründen über viele Jahre mühsam aufgebaut worden ist: Das gegeneinander und nebeneinander her Leben zu ersetzen durch ein sich gegenseitig in der Verschiedenheit akzeptierendes Miteinander. Diesen Typen kann man nur Widerstand entgegensetzen, und wenn sich dieser Widerstand in vielfach kreativer Weise ausdrückt - sie kriegen keinen Tisch im Restaurant, wo sich sich sowieso verlogen einschleichen wollten, sie kriegen kein Bier in der Kneipe, sie müssen zu Fuss gehen (nicht etwa, weil Taxifahrer die Fahrt verweigerten, sondern weil einfach keiner da ist, und so klar gemacht wird: mit euch wollen wir nichts zu tun haben) - umso besser.
/>Mich nervt der sich seit vielen Jahren in sich toll "demokratisch" dünkenden Kreisen ausbreitende "Toleranzismus": Ich bin ja soll toll tolerant, dass ich sogar dem letzen Nazipack noch freundlich Brot und Bier serviere  :sneaky: Für mich ist das im Grunde ein Form der völligen Gleichgültigkeit, eine Form von Feigheit - nur ja nicht deutlich Stellung beziehen - und eine Form von Faulheit, denn wenn man ja zu allen Leuten ach so demokratisch nett ist, muss man sich nicht die Mühe machen, in gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen zu denken.
/>
/>Der Widerstand von Köln gegen die braunen Rassisten war gut und richtig. Bestrebungen, die demokratische und tolerante Grundlage einer Gesellschaft, wo jede/r so leben kann, wie sie/er es für richtig hält, zu unterminieren und zu zerstören, bestimmte Menschen als "nicht dazu gehörig" und zu entfernen zu diffamieren, verdienen genausowenig "Toleranz" wie die Leute, die diese Bestrebungen betreiben.
/>Die Gewalt, die einige wenige Gegendemonstranten inszenierten, war allerdings absolut fehl am Platz und die Täter müssen entsprechend bestraft werden. Das hatte aber auch wenig mit dem eigentlichen Anlass zu tun und wurde von Leuten verübt, die sowieso bei jeder Gelegenheit Randale machen und Bürgerkrieg üben. Diese Leute mit ihren Sowjetfahnen und ihren "Nieder-mit Deutschland!"-Sprechchören haben nix begriffen, die Taxifahrer/innen, Wirte und Wirtinnen, überhaupt die Bürgerinnen und Bürger Kölns, die mit buntem Protest den Rassisten den Boden unter den Füssen wegzogen, sehr wohl, nähmlich: Wehret den Anfängen! Das ist wehrhafte Demokratie, und nicht lasches Wir-sind-ja-jedem-Arschloch-gegenüber-demokratisch-tolerant-Gerede.
/>
/>In diesem Sinne, Arsch hu, Zäng usenanger und Kölle Salam Alaaf.
/>Herbert

/>Meine Beiträge geben ausschliesslich meine persönliche Meinung wieder, nicht die des Vereins Varnenum e.V (www.varnenum.de).

eidechse

  • Zweitwohnsitz WurzelWerk
  • *******
  • Beiträge: 1010
"Deutschland muß sterben, damit wir leben können"
/> - slime -
/>
/>Das Bundesverfassungsgericht zu „Deutschland muss sterben“
/>
"lieber cyborg als göttin" (donna haraway)

Kaiser Wilhelm II

  • FleißigWerkler/in
  • ***
  • Beiträge: 35
  • Geschlecht: Männlich
Also das die mit den Ängsten der Menschen spielen finde ich richtig unmöglich.
/>O.k. zum Thema:
/>Ich meine was machen die da für ein Zirkus da machen, die in allen ernstes Gute Mine zum Bösen Spiel!
/>anderer seits gut jeder soll auf seine weise glücklich sein und das Glauben woran er will!
/>Egal ob Allah oder Odin oder Jahwe  oder was für ein Gott auch immer!
/>Wir sollten lernen Brüderlich zusammen zu leben das ist das Wichtigste!
/>
/>Kaiserliche Grüsse Wilhelm II.
/>
Friede Freude Eier Kuchen ich willst doch mal versuchen!
/>Gruß aus  Preußen!

Eldkatten

  • Zweitwohnsitz WurzelWerk
  • *******
  • Beiträge: 1599
  • Geschlecht: Männlich
Hallo,
/>
/>noch was konkret dazu, es sei "mit demokratischen Prinzipien nicht vereinbar, Leuten Taxifahrten zu verweigern, weil einem ihre politische Gesinnung nicht passt." Ich fände es mit demokratischen Prinzipien nicht vereinbar, Menschen abhängig von ihrer Meinung, politischen Gesinnung, Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht, sexueller Ausrichtung, etc... die Inanspruchnahme von Dienstleistungen und Nutzung öffentlicher Einrichtungen zu verbieten. Also wenn zum Beispiel die Stadt Köln den Rechtsextremen per Steckbrief die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel untersagt hätte. Das hat aber auch niemand getan und niemand angestrebt.
/>Ich halte es aber ebensowenig für mit demokratischen Prinzipien vereinbar, Anbieter von Dienstleistungen  - sofern sie nicht öffentlich finanziert oder besonderen ethischen Grundsätzen (ärztliche Behandlung, Nutzung rechtsstaatlicher Mittel wie Antwaltshilfe) unterworfen sind - dazu zu verpflichten jeder und jedem ohne eigenes Mitbestimmungsrecht die betreffende Diesntleistung zu erbringen. Auch das ist meines Wissens nur in Ausnahmefällen in unserer Gesellschaft der Fall. Ein Taxifahrer muss - meines Wissens - solange er "im Dienst" ist, einen Fahrgast unabhängig von der Länge der Fahrstrecke und persönlicher Eigenheiten befördern, aber ein Taxifahrer ist nicht verpflichtet, seine Dienstleistung anzubieten. Insofern war das Fernbleiben der Taxis vom bekannten Aufenthaltsort der Rechtsextremen völlig ok. Auch Wirte und Wirtinnen sind - meines Wissens - nur verpflichtet, einem Gast auf Verlangen den Toilettenbesuch (auch ohne Verzehr in der Gaststätte) zu ermöglichen und ein Glas einfaches Wasser anzubieten, aber ansonsten können sie sich durchaus ihre Gäste aussuchen. Sowas nennt sich "Hausrecht", das eben auch für Hotelmanager gilt.
/>Also selbst abgesehen von der Frage, ob Intoleranten Toleranz entgegen gebracht werden soll/muss oder ob Feinden der Demokratie die Nutzung demokratischer Mittel zu deren (Zer)Störung zu Verfügung stehen sollten, machen die demokratischen Prinzipien niemanden zu irgendwessen Sklave.
/>
/>Schönen Gruss
/>Herbert

/>Meine Beiträge geben ausschliesslich meine persönliche Meinung wieder, nicht die des Vereins Varnenum e.V (www.varnenum.de).

morgane

  • Zweitwohnsitz WurzelWerk
  • *******
  • Beiträge: 3045
  • Geschlecht: Weiblich
Hi!
/>Ich verlange nicht von jedem taxifahrer und von jedem beherbergungsbetrieb eine astreine, demokratische gesinnung mit stempelmarke und unterschrift. Die dürfen ruhig von ihren geschäftsinteressen ausgehen. Wenn es geschäftsstörend wird, nazihorden zu beherbergen, kann mir das nur recht sein, denn dann wird reagiert. Egal aus welchen gründen. Hauptsache die merken, dass sie nicht erwünscht sind. Islamisten übrigens auch nicht. Und alle, die sich nicht an die demokratischen spielregeln halten wollen. Hofffentlich macht das kölner beispiel auch bei uns, im opportunistischen ösiland, schule: kein achterl beim heurigen, die lipizzaner weigern sich, zu tanzen, und die FPÖ kriegt keine mandate mehr....... Träum weiter, morgane.......  ;)
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....

dagaz

  • WurzelWerk Mitglied
  • ***
  • Beiträge: 3384
  • Geschlecht: Männlich
null toleranz für intolerante!
Ich denke, also bin ich gefährlich![/b]

Phaidros

  • EmsigWerkler/in
  • ****
  • Beiträge: 221
  • Geschlecht: Männlich
Grüße!
/>
/>@Dagaz: Exakt.
/>
/>Mit meinen Worten: Ich toleriere (fast) alles - außer Intoleranz
/>
/>Phaidros

biowetter

  • GelegenheitsWerkler/in
  • **
  • Beiträge: 12
hallo
/>tut mir leid, dass ich jetzt erst stellung zu euren kommentaren nehme, bin gestern einfach nicht dazu gekommen. eldkatten, ich möchte dir insofern recht geben, als dass ich die hotelmanagerin nicht kenne und also auch nichts über die beweggründe dieser speziellen person sagen kann. in diesem punkt war ich wirklich vorschnell oder habe eher schlampig formuliert. ich finde es aber weiterhin ausgesprochen merkwürdig, wenn eine branche, die ansonsten einen gewissen ruf in sachen diskriminierung von migranten genießt, auf einmal dermaßen uniform antirassistische position zu vertreten scheint. ich sehe in dem verhalten der hoteliers auch wirklich nichts "linksradikales" (wie von dir und eidechse angedeutet, wenn ich euch richtig verstanden habe), sondern würde das eher in eine tradition des spektakels einreihen, vergleichbar den lichterketten der 90er Jahre, des immer mal aufgerufenen "aufstand der anständigen" und was da in regelmäßigen abständen an "rucks" oder rucken durchs "volk" geht. es ist nicht so, dass ich eure spontane freude über köln nicht nachvollziehen könnte, aber ich schätze das ganze einfach anders, weniger positiv ein. Was mir am meisten unbehagen bereitet, ist die uniformität der meinungsäußerungen und verhaltensweisen, die in dieser form eben nicht der realen heterogenität der meinungen und politischen haltungen, die in der bevölkerung diesbezüglich vorherrschen, entspricht. die nicht allzuweit zurückliegende zeit, in der ich genötigt war, meinen lebensunterhalt mit politischen umfragen zu verdienen, hat mir in dieser hinsicht wenig illusionen gelassen. ich persönlich würde doch lieber in einer gesellschaft leben, in der öffentliche verlautbarungen und - bis zu einem gewissen grade - auch handlungen eher der heterogenität der einstellungen in der bevölkerung entsprechen würden und nicht einen derartig hohen grad von inszenierungscharakter aufweisen würden, wenn sich beispielsweise wirklich ein oder zwei hotels bereit gefunden hätten, die nazis aufzunehmen, wogegen man dann in der üblichen weise vorgehen hätte können, demos, sitzblockaden etc. diese dinge haben ja auch stattgefunden, richtig so, aber offensichtlich war das in der stadt auf einmal unisono konsens, niemanden mehr, der anderer meinung war, und das glaube ich nicht, ich schätze die bevölkerung anders ein. um so merkwürdiger diese abgrenzungsrituale... ich schätze das so ein, wie ich auch einen 65%igen wahlsieg bei einer beliebigen wahl einschätzen würde, als etwas, was im politischen system der bundesrepublik eigentlich nicht vorkommen kann, also, höchst ambivalent.
/>und ciao
/>biowetter
« Letzte Änderung: 23. September 2008, 17:48 von biowetter »