Autor Thema: Fremde Religion  (Gelesen 5661 mal)

Londo

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Re: Fremde Religion
« Antwort #8 am: 01. Oktober 2008, 07:09 »
Für mich ist Spiritualität (das Wort "Religion" ist bei mir nicht ganz zutreffend, denke ich) ein Bestandteil der jeweiligen Kultur, und Kultur kann man transportieren. Dazu ein simples historisches Beispiel: als die ersten Wikinger Island besiedelten, brachten sie Asatru aus Norwegen mit. Später nahmen sie es mit nach Grönland, und (für kurze Zeit) sogar nach Vinland (Amerika). Das gilt auch andernorts: In meinem Urlaub lernte ich bei einer Führung durch das Wikingerdorf Foteviken (südlich von Malmö), dass in Südschweden früher Sonne und Mond verehrt wurden, und erst nach dem Jahre 500 die Verehrung der "klassischen" nordischen Götter (Odin, Thor, Freya...) sich dort ausbreitete. Paradoxerweise werden heutzutage Island und Südschweden als "Asatru-Länder" empfunden.
/>
/>Insofern denke ich nicht, dass Spiritualität an bestimmten Weltgegenden hängt.
/>
/>@LaChatte: Kulturen haben sich immer gegenseitig beeinflusst. Oftmals ist es nicht mehr möglich, festzustellen, was von wem stammt. AUßerde,m gibt es gerade im naturreligiösen Bereich meistens keine schriftlichen Quellen. Insofern ist es meiner Ansicht nach unmöglich, eine "Originalreligion" zu rekonstruieren.
/>
/>Liebe Grüße,
/>
/>Volkmar
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ostwind

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Re: Fremde Religion
« Antwort #9 am: 01. Oktober 2008, 10:08 »
....und weil europa z.t. romanisiert war und deshalb unter den einfluss des röm. christentums kam. Denn m.e. hat das christentum, das in europa verbreitet wurde, viel mehr mit der römischen staatsreligion zu tun als mit dem orientalischen jüdisch - christlichen glauben.
/>
/>

/>..so gesehen ist das Christentum in Europa wieder eine "hiesige Originalreligion". ;D
/>
/>Gruss
/>ostwind

morgane

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Re: Fremde Religion
« Antwort #10 am: 01. Oktober 2008, 10:16 »
Nu ja, wenn man die römische, zentralistisch - militärische zivilisation dem *heidnischen* stammeswesen gegenüber stellt, wirkt sie aber doch einigermaßen fremd. Ich persönlich habe dazu wenig affinität.
/>lg morgane
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....

Uhanek

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Re: Fremde Religion
« Antwort #11 am: 01. Oktober 2008, 10:26 »
Nu ja, wenn man die römische, zentralistisch - militärische zivilisation dem *heidnischen* stammeswesen gegenüber stellt, wirkt sie aber doch einigermaßen fremd. Ich persönlich habe dazu wenig affinität.
/>

/>
/>Und was sagt deine persönliche Affinität über "heidnische" Stammesstrukturen, römisches Staatswesen oder "einheimische/nichteinheimische" Religion aus?
Sighs[/list]

ostwind

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Re: Fremde Religion
« Antwort #12 am: 01. Oktober 2008, 10:33 »
Nu ja, wenn man die römische, zentralistisch - militärische zivilisation dem *heidnischen* stammeswesen gegenüber stellt, wirkt sie aber doch einigermaßen fremd. Ich persönlich habe dazu wenig affinität.
/>lg morgane
/>

/>Ich hatte deinen Gedanken einfach mal weitergesponnen.
/>
/>Nun, die Römer waren ja auch Europäer.
/>
/>lg ostwind
/>
/>

McClaudia

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Re: Fremde Religion
« Antwort #13 am: 01. Oktober 2008, 14:16 »
Slania Morgane,
/>
/>und wiedermal widerspricht die Historie. Viele Gallier/innen konnten sich mit den Römern offenbar hervorragend arrangieren und weigerten sich auch, unter Vercingetorix gegen Rom zu kämpfen (sonst hätten die Gallier nämlich haushoch gewonnen). Und viele Römer, die dann in der gallischen Provinz wohnten, verehrten die dortigen Gottheiten.
/>
/>Weiters: Über die Germanen kenn i mi net genug aus, aber was die festlandkeltische Politik und Kultur betrifft, soweit bekannt und rekonstruierbar, hat das nicht wirklich so krass den Römern widersprochen. Hier wie dort hast Du eine äußerst differenzierte, hierarchisch gegliederte Gesellschaft.
/>
/>Tatsache ist, dass nach den röm. Eroberungen sich eine florierene galloröm. Mischkultur entwickelt hat (der wir übrigens die meisten keltischen Götternamen verdanken), das heißt, die römischen Elemente der Kultur haben sich in jedem Fall den Bedingungen offenbar angepasst, sich verschmolzen, sind also "einheimisch" geworden.
/>
/>Wir können natürlich drüber streiten, wie nett und freundlich es ist, gegen andere Völker Angriffskriege zu führen (ich finde es überhaupt nicht nett und freundlich), aber die Kelten und Germanen waren da nicht wirklich anders als die Römer - ich meine in der Unfreundlichkeit, Angriffskriege zu führen. Deshalb relativier' ich das ein bisserl. Die Römer hatten einfach die besseren Armeen und die bessere Strategie.
/>
/>Aber mal abgesehen davon, drehen wir den Spieß um: Hat es den Kelten in Süddeutschland gut gefallen, als vom Norden her die völkerwandernden Germanen kamen? Wie fremd waren die germ. religiösen Vorstellungen für die Kelten? Wie einheimisch wurden sie, wie einheimisch werden sie heute von Asatruarn wahrgenommen?
/>
/>Als die Kelten Delphi überfielen und ein Teil weiter nach Anatolien wanderte, um dort seßhaft zu werden, war Anatolien sicher nicht menschenleer. Nach meinen mageren Quellen über die Galater pflegten diese weiterhin ihre keltische Gesellschaftsordnung und Religion (unabhängig davon, ob das den Einheimischen dort irgendwie recht war oder nicht), verehrten aber auch die einheimischen Gottheiten (v.a. die Göttin Kybele). Sie wurden also selbst Teil der anatolischen Kultur.
/>
/>Wenn man jetzt das Christentum im selben Blickwinkel sieht, ist es eben auch bei uns Teil der Kultur geworden. Und tatsächlich ist es ja sehr germanisch, jedenfalls ist es nicht dasselbe Christentum, das Paulus annodazumal den Heiden predigte, nicht?
/>
/>Natürlich ist es schmerzlich, wenn die eigene favorisierte Kultur/Religion unter die Räder einer anderen kam. Aber das Argument des Fremden gilt m.E. halt nicht nur fürs Christentum (wenn man es denn anwenden will), sondern für die ollen Kelten/Germanen/etc. genauso.
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

vitom

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Re: Fremde Religion
« Antwort #14 am: 01. Oktober 2008, 14:57 »
Von der Kultur her betrachtet sehe ich für Religion lediglich eine unterstützende Bedeutung mit Bezug auf Verständnis von Logik und Legitimation. Ich würde mal davon ausgehen, je klüger Menschen werden, desto weniger Religion bedarf es [das hat mit dem angeborenen "religiösen" Impuls zu tun, womit "hirntechnisch" Ahnung mit Denken verbunden wird]. Damals wie heute steht, sobald mehrere Menschen betroffen sind, die Tätigkeit im Mittelpunkt der Kooperation, also vor allem Macht und Vermögen -> Verfügbarkeit und Leistung. "Schöngeist" in Ehren, aber der unmittelbare Handlungsbedarf diktiert auch die Geisteshaltung.
Die keltische Religion - Meine Vorstellung von einem trinitären Monismus setzt ein unistisches [magisches] Weltbild voraus

morgane

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Re: Fremde Religion
« Antwort #15 am: 01. Oktober 2008, 15:38 »
Hi!
/>Meine affinität oder nichtaffinität sollte keine wertung sein, sondern, wie das wort schon sagt, eine persönliche vorliebe. Welche kriege die römer gegen wen und wann geführt haben, und wie sich die kulturen und gesellschaften vermischt haben, kann ich gut so, wie mc. claudia es erläutert, stehen lassen. Es betrifft meine gefühlslage nicht, weil sich meine spirituelle erfahrungsweise nicht auf irgend welche kulturen bezieht.
/>Deshalb habe ich auch mit dem christentum keinerlei problem. Es ist nur nicht mein ding.
/>
/>Das römische staatswesen ist mir genauso fremd, wie etwaige, heutige imperialistische staaten. Das sollte keine verklärung von kelten, germanen o.a. sein. Ich meinte damit nur, dass ich mich in weniger straff organisierten, ein wenig *anarchistischeren* strukturen wohler fühle.
/>
/>*Hiesige originalreligionen* lassen mich genau so kalt, wie andere, von weiter weg. Ich sehe in ihnen das verbindende, die wahrheit hinter der verkleidung und mache *mein ding*. Ich weiß nicht, warum das gleich immer so ein gegacker aus allen richtungen herauf beschwört  ;).
/>
/>lg morgane
/>
/>     
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