Autor Thema: Yin und Yang - nicht nur weiblich und männlich!  (Gelesen 3459 mal)

Werner

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Yin und Yang - nicht nur weiblich und männlich!
« am: 22. Juni 2004, 10:11 »
Hallo alle

Viele missverstehen Yin und Yang. Viele meinen, es handle sich um weiblich und männlich.
Es stimmt zwar, es handelt sich AUCH um weiblich und männlich. Aber Yin und Yang sind ein Grundprinzip und männlich und weiblich sind nur eine Folge davon.

Aber eins nach dem anderen.
Vor Tausenden von Jahren, ja man kann sagen, solange in China Bücher geschrieben wurden, wird dort von Yin und Yang berichtet. Man kann sogar annehmen, dass ein Wissen über Yin und Yang selbst vor der Kenntnis der Sprache vorlag, denn Yin und Yang ist so tief und unausrottbar in der chinesischen Kultur verbreitet, dass man sich China ohne Yin und Yang gar nicht vorstellen kann.

Diese Aussage ist allerdings im Prinzip nicht korrekt, denn Yin und Yang als Prinzip gibt es natürlich nicht nur in China. Yin und Yang gibt es überall, in der gesamten Materie, in jedem Land und in jeder Kultur. Es ist das Grundprinzip des Seins. Nur wird dies nicht in jeder Kultur so deutlich erkannt und nimmt somit nicht einen so breiten Raum ein im täglichen Leben.

Wenn wir davon sprechen, dass Yin und Yang Gegensätze seien, so stimmt das zwar in gewisser Weise, ist jedoch gleichzeitig auch irreführend. Denn es führt uns auf die Fährte, diese beiden Pole des Seins als GEGENEINANDER, als sich bekämpfend, als unvereinbar zu betrachten. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall. Das Gegeneinander wäre Dualismus. Das sich Bedingen, das sich Ergänzen, das ist was ganz anderes, nämlich Polarität.
Es ist also besser, anstatt von Gegensätzen von „Ergänzungen“ zu sprechen. Schon durch die Verwendung dieses Wortes wird Einiges klarer.

Wenn wir sagen würden, dass alles die Polarität beinhaltet, dass also alles einen Gegenpol hat, dann ist das allerdings auch ein wenig irreführend. Denn dann kommt die Frage unweigerlich: Was ist der Gegenpol zur Eiche?
Es geht also nicht so sehr um Gegenstände, sondern vielmehr um Eigenschaften. Zwar kann man sagen: Der Gegenpol zur Eiche ist die Nicht-Eiche. Und das stimmt sogar. Jedoch sind wir nicht daran gewöhnt, in dieser Sein-Nichtsein-Terminologie zu denken und die Welt so zu sehen. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass LaoTse in seinem Buch Tao-Te-King (TTK) sagt: „Sein und Nichtsein erschaffen einander“. Wir können also daraus schließen, dass die Chinesen vor 2500 Jahren Yin und Yang nicht nur in den Eigenschaften sahen, sondern tatsächlich auch in den Dingen.
Wenn wir nun die Frage nach dem Sein und Nichtsein etwas genauer untersuchen, dann müssen wir auf Beispiele ausweichen, um deutlich zu machen, was gemeint ist.
Natürlich kann und wird jeder seine eigene Definition finden und anwenden. Und verschiedene Meinungen werden die Folge sein. Aber das ist ja nicht weiter schlimm.
Ein sehr gutes Beispiel finde ich das folgende: Schaut euch zwei Stecken an oder auch zwei gespreizte Finger. Die Finger sind das Sein (die Materie). Aber nun schaut euch mal den Zwischenraum zwischen diesen Finger an. Wodurch wird dieser Zwischenraum (das Nicht-Sein oder auch „Geist“ oder „Spirit“) sichtbar? Den Zwischenraum gibt es eigentlich nicht. Der Zwischenraum ist tatsächlich nicht da, wenn es nicht die Finger gäbe, die ihn begrenzen, ihn erst sichtbar, erfahrbar machen. Den Zwischenraum kann man also das Nicht-Sein nennen. Es tritt nur in Erscheinung durch das Sein, die Finger. Das Sein also (die beiden Finger) haben das Nicht-Sein erschaffen. Nun ist die Frage erlaubt, ob es auch andersherum ebenso ist. Hat das Nicht-Sein das Sein erschaffen?
Diese Frage ist deshalb schwierig, weil wir im Heute und Jetzt und somit im Sein, also in der materiellen Erscheinungsform leben. Jedoch gehen alle Religionen davon aus, dass es etwas „Göttliches“, etwas „Geistiges“, oder den „Spirit“ (die Indianer sagen Great Spirit) gibt. Und es wird auch allgemein davon ausgegangen, dass dieser „Geist“, „Gott“ oder „Spirit“ die Materie erschaffen hat oder sie immer noch erschafft. Nur wird bei allen Religionen davon ausgegangen, dass es nicht auch andersherum ist, nämlich dass die Materie auch den Geist, Gott oder Spirit erschafft.
Wenn es jedoch so ist, dass Sein und Nichtsein sich gegenseitig erschaffen, dann ist dieses Erschaffen nicht eine Einbahnstraße, sondern ein ständig erfolgender Prozess. Wie Allan Watts (Der Lauf des Wassers) so klar und verständlich schreibt, ist alles in diesem ständigen Prozess verbunden, verflochten. Alles beeinflusst sich ständig gegenseitig, nichts ist für ein und allemal fertig und für immer so wie es jetzt gerade ist.

Die meisten Menschen haben wohl ein Verständnis für Yin und Yang und erkennen, dass es Entsprechungen gibt. Jedoch glauben die Meisten, dies sei nur für die materielle Welt zutreffend und nicht über die Materie hinausgehend. Man versteht, dass es keine Nacht ohne Tag geben kann und umgekehrt, man versteht, dass man das Schöne nicht definieren könnte, wenn man nicht auch das Hässliche erklärt und benennt, dass „warm“ nur relativ zu „kalt“ verstanden werden kann, dass ein Lied nicht nur aus Rhythmus bestehen kann, sondern es auch eine Melodie (also eine Tonabfolge) braucht, um überhaupt ein Lied zu sein und dergleichen mehr.

Wenn wir jedoch dahinter kommen, dass dieses Prinzip der Entsprechungen und des sich gegenseitigen Erschaffens nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen gilt, dann wird sich plötzlich ein ganz neues Verstehen auftun. Dann wird nämlich „Gott“, „Geist“, „Spirit“ oder wie immer wir dieses Nicht-Materielle nennen wollen, gleichwertig zur Materie. Dann trifft der alte Spruch ohne jede Einschränkung zu: Wie oben, so unten. Oder anders gesagt: Wie Materie, so Geist. Oder umgedreht natürlich ebenso: Wie Geist, so Materie.
Niemand wird dabei auch nur im Traum daran denken, dass Geist und Materie absolut dasselbe sind. Jeder wird wohl verstehen, dass Materie anders ist als Geist. Zwar verbunden, zwar zusammen die Einheit bildend, jedoch trotzdem in zwei verschiedenen Erscheinungsformen. Geist und Materie sind also nicht eine homogene Masse, kein Einheitsbrei, sondern deutlich als verschieden erkennbar. Aber nicht verschieden in der Wertigkeit. Beide erschaffen sich gegenseitig. Ja, beide können ohne das andere gar nicht sein. Wenn es keine Nacht gäbe, könnten wir niemandem erklären, was der Tag ist. Wir finden zwar den Tag für wichtiger, weil wir da aktiv sind, jedoch ist das eine sehr falsche Annahme. Sie ist deshalb falsch, weil wir die Aktivität höher werten als die Passivität des Schlafes. Dabei übersehen wir, dass wir gar nicht sein könnten ohne die Ruhe des Schlafes. Wir haben uns also Falschkonzepte gezimmert und diese Falschkonzepte machen uns einseitig. Sie bringen uns aus der feinen und absoluten gleichwertigen Abstimmung des Prinzips der Polarität heraus. Und aus diesem gestörten Gleichgewicht heraus kommen Probleme über Probleme. Statt jedoch die Wurzel des Übels zu erkennen, suchen wir nach allen möglichen Heftpflasterchen, die wir den Wunden auflegen, ohne natürlich zu einem durchgreifenden Heilungsprozess und zur Beseitigung der Ursachen unserer Probleme zu kommen. Dann schreiben wir dicke Bücher und berufen uns darauf, dass Männer vom Mars seien und Frauen von der Venus und wir uns deshalb nicht verstehen können. Wir bemerken allerdings nicht, dass wir die Männer auf den Mars und die Frauen auf die Venus geschickt haben und stehen nun fassungslos vor dem Ergebnis, dass wir uns nicht mehr unterhalten können.

Und nun komme ich zum Männlichen und Weiblichen.
Wenn wir erkennen würden, dass auch im Männlichen und Weiblichen eine sehr fein abgestimmte Balance besteht – eine Balance, die überall existiert und das Grundprinzip allen Seins ist!!! – dann würden wir tatsächlich die Beziehungen zwischen Mann und Frau ebenfalls unter einem ganz anderen Licht erkennen. Dann würde jeder Wettbewerb absolut unsinnig werden. Dann wäre eine Bemerkung, die sagt: ABER DIE MÄNNER KÖNNEN BESSER EINPARKEN oder ABER DIE FRAUEN SIND DOCH VIEL BESSER IM REDEN – total lächerlich. Denn wir würden wissen, dass es Unterschiede gibt und dass diese nicht nur zu akzeptieren sind, nein, dass sie sogar SEHR WICHTIG sind. Sonst wären wir nämlich gar nicht Männer und Frauen in dem Sinne des Urprinzip des Seins.
Natürlich werden jetzt Frauen sagen: Ich kann ja viel besser oder mindestens ebenso gut einparken wie ein Mann! Wo ist dann der Unterschied?
Langsam bei diesem Urteil! Es geht hier gar nicht um Männer und Frauen. Es geht um männlich und weibliche Energien, um Prinzipien. Es geht um DAS Männliche und DAS Weibliche. Das Männliche und das Weibliche kann in einem Mann in fast ausgeglichener Weise vertreten sein und ebenso in einer Frau. In wenigen Fällen kann es sogar sein, dass eine Frau mehr männliche Eigenschaften hat als ein Mann oder umgekehrt.
In diesem Verstehen oder Nicht-Verstehen liegen viele Missverständnisse begründet. Daher kommt es auch, dass Viele sagen, die ganze Polarität ist Unsinn, denn man kann diese weiblichen und männlichen Eigenschaften gar nicht auf Männer und Frauen beziehen.
Damit haben diese Leute Recht! Es ist ohnehin so, dass es keinen Mann gibt, der nur und ausschließlich männlich ist und keine Frau, die nur und ausschließlich weiblich ist.

Nun kann man fragen, was das alles dann überhaupt soll.
Hier sollte man nun nicht vergessen, dass es in der Regel eben doch so ist, dass Männer ÜBERWIEGEND männlich und Frauen ÜBERWIEGEND weiblich sind. Und wir sollten auch nicht übersehen, dass es hunderte von männlichen und weiblichen Eigenschaften gibt, nicht nur das Einparken, und dass die Summe dieser Eigenschaften unser Wesen ausmacht. Und auch Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder. Die Ausnahmen sind deshalb keine minderwertigen oder schlechten Menschen, sondern eben nur Ausnahmen.

Nun kommt noch ein weiteres Missverständnis: Viele meinen, es sei zweckmäßig, wenn diese Unterschiede in einem Individuum zum Ausgleich kommen könnten, also jeder solle gleich viel männlich wie weiblich sein.

Fortsetzung im nächsten Posting
« Letzte Änderung: 22. Juni 2004, 10:29 von Werner »
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Werner

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Re: Yin und Yang - nicht nur weiblich und männlich
« Antwort #1 am: 22. Juni 2004, 10:12 »
Fortsetzung:

Das mag zwar auf den ersten Blick ganz praktisch erscheinen, aber es geht der Natur und dem Prinzip des Seins entgegen. Wenn es so etwas gäbe oder wenn dies die Regel wäre, dann gäbe es keine Spannung mehr. Das Leben würde ersterben.
Um das zu erklären, sollten wir uns mal den elektrischen Strom etwas genauer betrachten. Der Strom ist nichts anderes als die Spannung zwischen den Polen plus und minus. Diese Spannung IST der Strom. Oder schauen wir uns den Magnetismus an. Die beiden Pole sind nicht einmal zu sehen, zu fühlen, sie sind nicht als „Gegenstand“ vorhanden. Man erkennt sie nur an ihrer Auswirkung, nämlich dem Kräftefeld, das von ihnen ausgeht. Und schauen wir uns die moderne Quantenphysik an. Da gibt es als die letzte Einheit die Strings. Aber was sind diese Strings? Sie sind nichts anderes als das, was auch der elektrische Strom ist, nämlich der Energiefluss zwischen zwei Polen. Noch hat man die beiden Polen nicht als tatsächliche Gegebenheit feststellen können. Jedoch sind die Strings feststellbar, ebenso wie der elektrische Strom oder die Kraftfelder der Magneten.
Schlussfolgerung: Die polaren Unterschiede, die Entsprechungen, müssen sein. Sie sind das Urprinzip des Seins. Es gibt keine homogene Masse ohne Pole, keinen Einheitsbrei. Wäre ja auch tödlich langweilig. Tödlich in der Tat, denn Leben gibt es nur aus der Spannung, aus der Verschiedenheit.

Ganz kurz nochmals zurück zum elektrischen Strom. Unser Gehirn würde nicht arbeiten ohne diesen Strom. Nicht einmal der Spatz könnte leben ohne Gehirnströme. Der elektrische Strom bestimmt alle Lebewesen. Sogar die Insekten haben Ganglien, die für die Koordination und überhaupt für jede Bewegung und Reaktion verantwortlich sind. Ohne Polarität gäbe es schlicht und einfach nichts. Oder nehmen wir die Sonne und die Erde. Ohne Erde würde die Wärme der Sonne vergebens sein. Ohne Sonne würde die Erde nur ein kahler Fels im All sein. Dies sind also die Kräfte von Yin und Yang. Mit männlich und weiblich hat das zwar auch etwas zu tun, aber lediglich als Auswirkung dieser Urkräfte und dieses Urprinzips.

Warum spricht man dann immer von Yin und Yang als weiblich und männlich?
Nun, das sind unsere Projektionen oder auch unsere menschengemachten Bestimmungen. Wir sagen: Spitz ist männlich und rund ist weiblich. Ist ja auch logisch, denn die Frauen haben runderer Formen als die Männer. Oder wir sagen: Der Berg ist männlich, das Tal ist weiblich.
Frage: Warum ist der Berg männlich?
In der Tat, er ist ebenso wenig und ebenso viel weiblich oder männlich wie das Tal. Jedoch assoziieren wir aufgrund unserer eigenen Befindlichkeit das nach außen Strebende als männlich und das nach innen Gehende als weiblich, wegen Penis und Scheide. In Wahrheit sind diese Dinge weder weiblich noch männlich. Was sie jedoch sind, das sind Entsprechungen. Berg und Tal entsprechen einander. Ich kann den Begriff „Tal“ nicht definieren, ohne den Begriff „Berg“. Dass wir bei Berg die Assoziation „männlich“ haben, liegt nur an uns. Ist ja auch nicht verkehrt, wenn wir diese Assoziationen herstellen. Aber wir sollten wissen, dass es in Wahrheit nur zwei Pole sind, die sich bedingen. Wir könnten diese beiden Pole ebenso A und B nennen. Und männlich und weiblich wäre dann eben auch A und B. Aber ich sage es nochmals: Es ist nicht verkehrt, wenn wir sagen, dies oder jenes seien männliche und dies oder jenes weibliche Eigenschaften, weil wir uns damit ein besseres Bild machen können, als wenn wir nur immer von A und B reden würden.

Nun ist es jedoch eine Tatsache, dass man bestimmte Eigenschaften tatsächlich in zwei verschiedene Kategorien einteilen kann nach der Art ihrer Wirkung oder sagen wir ruhig auch, nach unserem Gefühl. Zum Beispiel folgende Auflistung, die ich in A und B vorgenommen habe, wobei alle A-Eigenschaften irgendwie ähnlich sind, und ebenso alle B-Eigenschaften. Diese Liste ist natürlich nur beispielhaft:

A: nach außen gehen, extrovertiert, aktives Handeln im sachlichen Bereich, sich mit Dingen    
   beschäftigen, Führung übernehmen oder anstreben
B: nach innen gehen, introvertiert, mehr im Gefühlsbereich agieren, sich mit Gefühlen beschäftigen,
   sich führen lassen
A: Befruchten, Initiieren, Planen, Erfinden, nach neuen Methoden und Arbeitsweisen suchen,  
   Experimentieren
B: Erhalten oder Empfangen, neue Ideen aufgreifen, bestehenden und erfolgreichen Planungen folgen,
   Erfahrungen anderer nutzen
A: der Vernunft und Logik folgen, Denken
B: der Intuition oder dem Instinkt folgen, sich von Gefühlen leiten lassen, spontanes Handeln
A: den eigenen Weg gehen, evtl. sogar ohne sich um andere zu kümmern
B: für andere sorgen oder um andere besorgt sein, sein Handeln mit den Bedürfnissen anderer
   abstimmen
A: hassen
B: lieben
A: agieren
B: sein
A: Macht ausüben
B: Mitgefühl haben
A: Erfolg (besonders im aktiven Bereich, z.B. im Berufsleben)
B: Schönheit
A: sich nach materiellen (irdischen) Bereichen orientieren  
B: im seelisch-spirituellen Bereich orientieren
A: Erwerben
B: Erhalten
A: Individualität
B: Gruppengefühl, Gemeinschaftsgefühl
A: Überzeugen
B: Verstehen
A: sich dem Intellekt zuwenden
B: sich der Seele zuwenden

Nun wird man weiter feststellen, dass wir tatsächlich die unter A aufgelisteten Punkte als mehr männlich assoziieren und die unter B aufgelisteten als mehr weiblich.

Nun ist in unserer Gesellschaft im Laufe der Jahrhunderte etwas Bemerkenswertes geschehen: Die unter A, also die männlichen Eigenschaften, werten wir höher als die B-Eigenschaften. Dies hat mit dem Einfluss der christlichen Lehre zu tun. Aber das ist eine längere Abhandlung und ich will hier nicht weiter ins Detail gehen, sonst wird das noch ein ganzes Buch.
Es ist hierbei in der westlichen Welt die feine Balance zwischen den polaren Kräften ins Wanken geraten und wir haben heute viele von uns selbst geschaffene Probleme, die auf dieses Ungleichgewicht zurückzuführen sind.  

Wenn wir diese Prinzipien und diese Zusammenhänge erkennen und verstehen, dann würde sich unser Verhalten in Beziehungen von Mann und Frau grundlegend ändern.

Das war nun eine ganze Menge und es ist nur ein Bruchteil von dem gesagt, was eigentlich gesagt werden sollte. Ich will mal für heute damit sein lassen.

Liebe Grüße
Werner  
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Laraduna

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Re: Yin und Yang - nicht nur weiblich und männlich
« Antwort #2 am: 22. Juni 2004, 22:20 »
Ich habe zum Thema Gleichgewicht mal etwas sehr Schönes gelesen, weiß leider nicht mehr wo:
Man kann das Ganze mit einem Seiltänzer vergleichen. Er hält das Gleichgewicht, aber nur, indem er in ständiger Bewegung ist. Er schlägt ständig in die eine oder andere Richtung aus und korrigiert das wieder durch eine entgegengesetzte Bewegung.

Gut, wenn diese Bewegungen zu stark in eine Richtung gehen, fällt er, bevor er sich in die andere Richtung lehnen kann.

Aber vielleicht ist es dasselbe mit der Überbewertung eines Poles? Manche sagen, es war zu viel und die Menschheit ist gefallen.
Aber vielleicht war es auch nur eine von den kleinen Schwankungen, um im Gleichgewicht zu bleiben. Uns kommt es viel vor, aber das muss ja nichts heißen.

Und insgesamt geht es vorwärts..

[PS: Das sind einfach ein paar Gedanken dazu und stellt nicht meine wasserdicht geprüfte Meinung dar, sondern sind ein paar Assoziationen dazu.. ]
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Werner

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Re: Yin und Yang - nicht nur weiblich und männlich
« Antwort #3 am: 23. Juni 2004, 03:02 »
Hallo Laraduna
Du hast sicher Recht mit dem Beispiel des Seiltänzers. Ungleichgewichte sind immer nur temporär. Aber für die Menschen, die gerade in einer Zeit des Ungleichgewichts leben, ist das natürlich dann maßgeblich. Sicherlich wird ein Ungleichgewicht nicht ewig anhalten. Das Pendel wird immer in die eine Richtung und dann in die andere gehen. Aber für einige Zeit ist es auch in der Mitte.
Die Welt als Ganzes ist immer im Gleichgewicht. Nur einzelne Teile können zeitweise das Gleichgewicht verloren haben. Und das wird dann korrigiert.
Eine mögliche Korrektur könnte natürlich auch sein, dass die Menschheit ausstirbt. Oder dass einige Gesellschaften aussterben. Das zeigt ja die Geschichte recht deutlich. Keine Gesellschaft hat auf Dauer überlebt.

Die Frage nach der Vorwärtsentwicklung möchte ich mal anzweifeln. Was ist vorwärts? Was ist besser?
Gibt es nicht nur ein ANDERS?
Sicher wird man sagen können, dass die Menschheit von der Höhlenzeit bis jetzt entwickelt hat. Aber wenn wir nur auf die Bequemlichkeiten achten, dann nennen wir das vorwärts. Aber wer weiss denn, was die damaligen Menschen kannten und wußten, das wir heute verloren haben? Vorwärts gibt es nur im Detail, nicht im Ganzen. Im Ganzen gibt es nur Veränderung.
Das sind mal so meine unsortierten Gedanken zu diesem von dir eingeworfenen Ideen.

Liebe Grüße
Werner
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Laraduna

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Re: Yin und Yang - nicht nur weiblich und männlich
« Antwort #4 am: 24. Juni 2004, 19:48 »
"insgesamt geht es vorwärts" - damit meine ich eigentlich nur, dass wir nicht zurück können.

Ich persönlich glaube weiters an eine positive Zukunft - ich lebe recht gern in der Welt, in der ich lebe, und ich glaube daran, dass es, im Großen und Ganzen gesehen, auch "besser" wird.

Aber meiner Erfahrung nach ist das eher ein Glaube, eine Einstellung als eine Meinung, über die man sinnvoll diskutieren könnte.. ;D
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LaChatte

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Re: Yin und Yang - nicht nur weiblich und männlich
« Antwort #5 am: 03. Juli 2004, 23:03 »
Nun, dass Menschen die Welt von sich aus begreifen wollen, ist wohl nur natürlich...

Und das Konzept von Yin und Yang ist wirklich sehr interessant - vor allem, da es immer nur in Relation gesehen werden kann. Wenn ein Mann und eine Frau ein Paar bilden, dann ist die Frau relativ zum Mann eine Yin-Energie - nun verlässt diese Frau ihren Mann, wird lesbisch und lebt mit einer Freundin zusammen - und hier kann es sein, dass sie, die vorher Yin war, nun in Relation zu ihrer neuen Freundin Yang ist.

Auch eine detailliertere Betrachtung des menschlichen Körpers lässt wieder erkennen, dass da nicht nur das Eine oder Andere, sondern beide da sind: so hat die Körper-Rückseite Yang-Eigenschaften im Vergleich zur Körper-Vorderseite. Auf der Körpervorderseite befindet sich die Nase, im Yin-Bereich, was den ganzen Körper betrifft - wenn wir die Nase allein betrachten, so ist der Nasenrücken und die Nasenflügel wiederum ein Yang gegenüber den Nasenlöchern, die Yin sind - und so weiter, und so weiter...

ich finds eine faszinierende Denkweise :)

Werner

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Re: Yin und Yang - nicht nur weiblich und männlich
« Antwort #6 am: 04. Juli 2004, 02:38 »
Hallo LaChatte
Was du hier geschrieben hast, ist absolut richtig. Schade, dass dies viele Menschen nicht wirklich verstehen und mit Yin und Yang nur immer die Gegenteile sehen, nicht das sich Ergänzen.
Und im Großen wie im Kleinen geht es immer weiter mit diesen Relationen.
In den Atomen gibt es Yin und Yang und in den Sternen. Die Sonne ist Yang, die Erde ist Yin. Aber auf der Erde gibt es wieder Yin und Yang, wie gesagt, bis in die Atome hinein.
Es war einmal eine ziemlich heftige Diskussion hier, ist zwar schon lange her und die meisten werden noch gar nicht dabei gewesen sein. Da ging es darum, dass es die Polarität gar nicht geben könne, weil doch alles die Vielfalt sei.
Wenn man so denkt, dann hat man leider das Prinzip der Polarität nicht verstanden und meint Dualität damit. Denn Yin und Yang ist gleichzeitig auch die Vielfalt. Aber eben immer wieder in der unendlichen Vielfalt ist immer wieder die Entsprechung von zwei Polen.

Liebe Grüße
Werner
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Peter

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Re: Yin und Yang - nicht nur weiblich und männlich
« Antwort #7 am: 25. Juli 2004, 21:00 »
Hallo zusammen,

ich hab mal betrachtet, warum ich anfangs über diesen Begriff "Polaritäten"  
gestolpert bin und nicht recht wußte, was denn nun der Unterschied ist zwischen
Dualität und Polarität. Und offensichtlich trifft dieses Mißverständnis ja
nicht nur mich.

Und durch die Beiträge v.a. von LaChatte und natürlich Werner ist mir etwas
aufgefallen: eine Dualität ist persistent, also festgelegt, man kann sie leicht
lernen und sich merken. Wenn ich gelernt hab, daß weiß weiß und schwarz schwarz
ist, dann kann ich das mitnehmen und überall anwenden: ich kann weiß als weiß
erkennen und schwarz als schwarz, auch in Zusammenhängen, wo das jeweils andere
fehlt.  
 
Eine Polarität, so wie LaChatte das beschreibt, existiert aber erst aus dem  
Zusammenhang - das eine gewinnt erst Gestalt durch das andere. Da ist nichts,  
was man sich merken und mitnehmen könnte, es sei den das Phänomen als ganzes.  
 
Daraus ergibt sich eine Konsequenz: wenn ich einem Gegensatzpaar Werte zuspreche,  
dann ist es naheliegend, daß diese Werte ebenfalls als Dualität gelernt und  
mitgenommen werden, und dann kann es passieren, daß sie unpassend in Situationen
angewendet werden, wo eben das andere fehlt bzw. die Konstellation eine ganz
andere ist.

Eine Polarität scheint davor geschützt zu sein. Dadurch, daß das Eigenschafts-
paar nur gemeinsam auftreten kann, können die zugesprochenen Werte auch nur
da wieder angewendet werden, wo der ursprüngliche Zusammenhang erhalten ist und
die Stimmigkeit damit direkt überprüfbar ist.
 
Es ist also gar nicht unbedingt so, daß bestimmte Gegensatzpaare Dualitäten und
andere Gegensatzpaare Polaritäten sind, sondern es ist eher eine Frage der  
Betrachtung bzw. der Systemik: Das Konzept der Polarität ist sozusagen ein
selbstbezügliches System, das als solches zwar für unser Denken nicht so
eingängig ist, aber den Vorzug hat, besser vor Fehlanwendungen geschützt zu
sein.

Es ergibt sich noch eine Konsequenz. Eine Polarität besteht dann nicht nur
aus den beiden Komponenten, sondern es ist dazu zwingend auch der Zusammenhang,
also die Beziehung zwischen beiden erforderlich. Man wird also kaum verwertbare Folgerungen  
ziehen können, wenn man die beiden Komponenten separat "im Labor" analysiert.
-- soweit mal --

Herzlichen Gruß
Gerry