Autor Thema: Wie, was und wer ist ein Mann??  (Gelesen 11825 mal)

Werner

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Re: Wie, was und wer ist ein Mann??
« Antwort #56 am: 14. Mai 2005, 01:29 »
Hallo alle
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/>Ich weiss nicht, ob man überhaupt von typischen Männerangsten sprechen kann.
/>Wahrscheinlich hat jeder Mensch vor irgend etwas Angst. Aber Angst ist kein normales oder notwendiges menschliches Ereignis. Angst ist etwas, das wir durch unsere Prägung aufbauen. Angst haben wir, weil wir meinen, etwas nicht leisten zu können, was von uns erwartet wird. Wenn wir keine Leistungsgesellschaft wären, dann gäbe es keine Angst.
/>Höchstens noch die Angst vor dem Sterben. Aber wenn man sich mal auch darüber klar geworden ist, was Sterben ist, dann verschwindet diese Angst auch.
/>
/>Ich wage zu behaupten, dass ich keinerlei Ängst mehr habe. Früher hatte ich Ängste. Zum Beispiel, nicht genug zu verdienen, um meine Familie zu ernähren. Aber das hat sich dann gelegt, weil ich so selbstsicher wurde, dass es keine Frage mehr war, dass ich das schaffen würde. Vor dem Sterben habe ich auch keine Angst mehr, seit vielen Jahren. Wenn man also nicht einmal vor dem Sterben Angst hat, dann ist die Frage berechtigt: Wovor sollte ich also dann noch Angst haben?
/>
/>Ja, da fällt mir ein, da gibt es noch die Angst, von anderen nicht anerkannt zu werden. Diese Angst haben, glaube ich, viele Menschen. Aber auch Anerkennung hat ein wenig was mit Leistung zu tun. Aber auch diese Angst habe ich nicht mehr, weil ich weiss, wer ich bin und ich brauche keine anderen, um mir das zu sagen. Die Anerkennung anderer ist mir also egal.
/>Ich habe eine Frau, die mich liebt und ich habe Kinder, die mich lieben. Mein Liebesbedarf ist somit absolut abgedeckt. Also habe ich auch keine Angst, nicht geliebt zu werden. Denn wie käme ich zu dieser Angst? Meine Frau liebt mich seit fast einem halben Jahrhundert. Wie käme es, dass sie mich plötzlich nicht mehr lieben sollte? Und meine Kinder lieben mich auch schon seit 40 Jahren. Also auch kein Grund, dass sie mich plötzlich fallen lassen sollten. Eine feste und glückliche lebenslange Partnerschaft macht also auch in dieser Beziehung sehr glücklich, gibt eine Ausgeglichenheit, Gelassenheit und innere Ruhe.
/>
/>Vielleicht haben heute so viele Menschen Angst, weil sie diese Sicherheit nicht haben. Und auch, weil sie immerzu meinen, etwas Besonderes leisten zu müssen. Aber wenn man sich mal sagt, dass all das was ich leiste, einfach mal das ist, was ich kann und mehr kann ich ohnehin nicht, dann fällt diese Angst weg und man akzeptiert sich selbst so, wie man ist.
/>
/>Alle diese Ängste sind aber nicht männertypisch. Allerdings könnte sein, dass man von Männern etwas mehr Leistung erwartet als von Frauen und deshalb könnten Männer mehr unter Leistungsdruck stehen (deshalb bekommen auch mehr Männer einen Herzinfarkt, das ist ja bewiesen) und somit logischer Weise auch mehr Ängste entwickeln.
/>
/>Wahrscheinlich gibt es aber noch eine ganz typische Angst, die nur Männer haben: Die Angst vor Impotenz.
/>Aber auch diese Angst wird von der Gesellschaft den Männern eingeredet. Denn Sex wird oft mit Leistung verwechselt und nicht mit Liebe gleichgesetzt. Es gibt keinen Grund, überhaupt irgendwann einmal impotent zu werden, es sei denn, man ist krank.
/>
/>Man kann einem Menschen, egal ob Mann oder Frau, Ängste einimpfen. Indem man immerzu an einem Menschen herumnörgelt, indem man immerzu sagt, wie schlecht und unzureichend er/sie ist und so weiter.
/>Um dem zu entgehen, gibt es eigentlich nur ein Mittel: Sich von so einem Menschen zu trennen.
/>
/>Ich habe gerade kürzlich von zwei Männern eine ganz ähnliche Geschichte gehört: Ihre Partnerinnen verlangen von ihnen (ja, sie fordern es!), dass sie in einer ganz bestimmten Weise sexuelle stimuliert werden. Wenn der Mann es ein wenig anders macht, dann gibt es Vorwürfe und die Frau sagt, es sei seine Schuld, wenn sie keinen Orgasmus haben kann. So ein Verhalten ist natürlich für eine Beziehung tödlich. Da kann ich nur den Rat geben, sich so schnell wie möglich zu verabschieden. Ängste deshalb zu entwickeln, das sind solche Partner wahrlich nicht wert!
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/>Das war mal mein Beitrag zum Thema Ängste.
/>
/>LG
/>Werner
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Betty

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Re: Wie, was und wer ist ein Mann??
« Antwort #57 am: 14. Mai 2005, 09:16 »
Man könnte die ganzen Ängst auch zusammenfasen unter "Lebensangst". Das beinhaltet auch die Angst vor dem Tod, denn der gehört zum Leben.

Nightingale

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Re: Wie, was und wer ist ein Mann??
« Antwort #58 am: 14. Mai 2005, 13:55 »
Kleine Bemerkung an Rande @Werner
/>
/>
Zitat
Ich habe gerade kürzlich von zwei Männern eine ganz ähnliche Geschichte gehört: Ihre Partnerinnen verlangen von ihnen (ja, sie fordern es!), dass sie in einer ganz bestimmten Weise sexuelle stimuliert werden. Wenn der Mann es ein wenig anders macht, dann gibt es Vorwürfe und die Frau sagt, es sei seine Schuld, wenn sie keinen Orgasmus haben kann. So ein Verhalten ist natürlich für eine Beziehung tödlich.

/>Hmhm, ich kenne natürlich nun die Hintergründe nicht, aber so wie der Satz da steht bedeutet er: "Frauen, wenn eure Männer an euren Knien rumschrauben anstatt an eurer Möse und ihr ihnen sagt, ihr könntet so keinen Orgasmus kriegen, und sie wären also Schuld, daß ihr durch eure Männer keinen Orgasmus kriegt, dann ist diese eure Ansage, an eure Männer, tötlich für die Beziehung."
/>
/>Öhm ja..  :stunned: ;D
/>
/>Grüßlis!
/>Nightingale
/>
Es war die Nachtigall und nicht die Lerche,
/>Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang ...
/>http://en.wikipedia.org/wiki/Nightingale

Werner

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Re: Wie, was und wer ist ein Mann??
« Antwort #59 am: 14. Mai 2005, 21:49 »
Herrlich, nightingale, wie du das verdrehen kannst. Das ist auch eine Kunst! Kann man nur staunen!
/>
/>Um auf das zurückzukommen, was mir die beiden Männer erzählten: Ihre Partnerinnen wollten alles im Griff haben und haben genau bestimmt, was nun zu kommen hat.
/>Sicherlich darf und soll eine Frau sagen, was sie gerne hat. Ohne das wärs ja auch nichts! Aber es ist halt alles eine Frage des Masses!
/>Einer der Männer sagte, ihr wäre es ganz egal was mit ihm geschieht und was er gerne hat.
/>Sex ist halt auch was, das beide betrifft und nicht einer der Diener des anderen ist. Oder ein Erfüllungsgehilfe.
/>Früher empfanden sich die Frauen als Sexobjekt. Heute könnte sich das umgekehrt haben bei einigen!
/>
/>LG
/>Werner
Ich weiss, dass ich nicht weiss (Sokrates)

Striga

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Re: Wie, was und wer ist ein Mann??
« Antwort #60 am: 16. Mai 2005, 18:05 »
Ich kanns mir nicht verkneifen!
/>
/>http://www.wurzelwerk.at/thema/weibercraft14.php  :wink1:

93!

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Re: Wie, was und wer ist ein Mann??
« Antwort #61 am: 16. Mai 2005, 18:17 »
@Striga
/>
/>Genialer Artikel, danke! Den ich hätte ich sonst wahrscheinlich irgendwann erst entdeckt...
/> :)
"Tradition bedeutet, das Feuer am Brennen zu halten, nicht, die Asche zu sammeln!" - J. Bitter

Peter

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Re: Wie, was und wer ist ein Mann??
« Antwort #62 am: 16. Mai 2005, 23:02 »
Hallo Striga!
/>
/>Same with me - ich habs auch erst jetzt wahrgenommen.
/>
/>Aber mal was anderes, Striga: kann man die vier Dinger, die Du da gebaut hast, kann man die auch "modernisieren"?
/>Weil so locker ausm Bauch raus und in erster Näherung täte ich für mich mal sagen (jetzt natürlich aus männlicher Sicht):
/>Der Wissenschaftler
/>Der Manager
/>Der Lebenskünstler
/>Der Vater
/>Und das dann unterfüttert mit den Werten und Idealen, die Du gesammelt hast.
/>Weiss nicht ob Ihr damit was anfangen könnt, es scheint mir so zumindest alltagstauglich zu sein. Und das ist für mich die Voraussetzung für alles Hexenwerk: es muss praktisch nutzbar sein.
/>
/>Lieben Gruß
/>Gerry
/>