Autor Thema: HEROON - der Es-war-einmal-Heldentempel  (Gelesen 14256 mal)

McClaudia

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HEROON - der Es-war-einmal-Heldentempel
« am: 15. März 2005, 18:01 »
Cháirete!
/>
/>Gestern ist mir was Faszinierendes passiert. Ich war im Kino und habe mir "Sophie Scholl" angeschaut. Mal abgesehen davon, dass der Film wahnsinnig gut ist und ich ihn nur weiterempfehlen kann, hat mich auch das Antlitz der Hauptperson (gespielt von Julia Jentsch) fasziniert. Irgendwann, mitten im Film, fiel mir plötzlich ein antikes keltisches Bronzegesicht ein, das ich vor Kurzem für meinen Vortrag am merry meet (Achtung Eigenwerbung!!  ;D) eingescannt hatte. Es zeigt eine charakterstarke Frau, deren Gesichtszüge mit etwas Phantasie jenen von der Film-Sophie-Scholl ähneln. (Im Web habe ich leider kein Bild gefunden - es handelt sich bei dem Gesicht um einen Kesselaufsatz, der in Krakhede (Dänemark) gefunden wurde und im Naiontalmuseet Kopenhagen ausgestellt ist).
/>
/>Wenn die Frau auf dem keltischen Kessel keine Göttin ist, ist sie wohl eine hochangesehene Person (Priesterin, Fürstin, Heldin?). Und hier nun spinne ich die Verbindung: Auch wenn die antiken Helden/Heldinnen nicht gerade unseren Vorstellungen von Menschlichkeit entsprechen, so finde ich die grundsätzliche Idee der Helden/Heldinnenverehrung ganz interessant. Viele Gottheiten waren ja mal Held/innen, die im Zuge der Zeit zu Unsterblichen wurden.
/>
/>In der Antike umkreiste man in kultischer Manier den Grabhügel des Hektor und des Achilleus. Hallstattzeitliche Grabhügel waren zugleich auch Kultorte für die verstorbenen Fürsten/Fürstinnen. Herakles, dem Paradebeispiel eines vergöttlichten Helden, baute man Tempel und rief in in der Not um Hilfe an.
/>
/>Und ich denke jetzt mal folgendes: Was für die Krieger Hektor, Achilleus und Herakles gut ist, ist für "moderne" Helden/Heldinnen" gerade recht und billig.
/>
/>Ich eröffne also hiermit das Wurzelwerk- Heroon (heroon, altgriech. "Heldentempel").
/>
/>Dies ist eine virtuelle Gedenkstätte für historische, gerade verstorbene oder lebende Menschen, die den Titel "Held" oder "Heldin" verdienen.
/>
/>Ihr könnt hier Eure Lieblingshelden/Heldinnen beschreiben, sie verbal ehren und - das wäre nett - auch kurz erklären, warum diejenige Persönlichkeit für Euch den Titel "Held" oder "Heldin" verdient.
/>
/>Folgende Kriterien mögen helfen:
/>
/>- Besondere Auszeichnung in Menschlichkeit
/>- Widerstandskämpfer/innen gegen Tyrannei und Diktatur
/>- Besondere Leistungen in verschiedenen Bereichen (Wissenschaft, Religion, Philosophie, Sport, etc.)
/>- Besondere Geistesgabe und Listigkeit (Strategen, Visionäre)
/>- Besondere Aufopferung für andere
/>- etc.
/>
/>Eher nicht erwünscht, denke ich, wären in einem modernen Heroon Menschenschlächter, Diktatoren, etc.
/>
/>Die Grenze zwischen "strategischem Kampf", "Widerstandskampf" und "Kriegstreiberei und Schlächterei" ist natürlich fließend. Etwaige Diskussionen über bestimmte Persönlichkeiten daher bitte nur in einem neuen, eigenen Thread beginnen! Dieser thread hier soll ausschließlich als "virtuelles" Heroon dienen und nicht von verbalem Streit gestört werden.
/>
/>In diesem Sinne, hoffe ich auf eine wachsende Zahl von Helden/Heldinnen, die dieses Heiligtum hier bevölkern!
/>
/>subuta ollobo
/>
/>Mc Claudia
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

McClaudia

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Re: HEROON - der Es-war-einmal-Heldentempel
« Antwort #1 am: 15. März 2005, 18:26 »
Cháirete!
/>
/>Ich eröffne das Heroon mit jener Frau, die mich dazu inspirierte, mit Sophie Scholl. Ihren Lebenslauf findet Ihr hier:
/>
/>http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SchollSophie/
/>
/>Sophie Scholl ist für mich nicht nur deshalb eine Heldin, weil sie gegen das Nazi-Regime Widerstand leistete, sondern auch deshalb, weil dieser Widerstand friedlich war, und weil sie sich aus ihrem eigenen freien Geist dafür entschieden hatte - im Gegensatz zu christlichen Geistlichen oder stark religiösen Menschen, die ihren Widerstand aus ihrem tiefen Glauben oder aus dem Evangelium erklärten. (wie z.B. Franz Jägerstätter)
/>
/>Sophie war eine lebenslustige Frau, die, unüblich für Mädchenerziehungen damals, sehr liberal erzogen wurde. Ihre Eltern hielten immer viel von geistiger Freiheit, was die Heldin prägte. Ich bin mir sicher - sie hätte genauso gehandelt, wenn sie Atheistin oder Heidin gewesen wäre, da die Gedanken- und Meinungsfreiheit - die Menschenrechte an sich - ihre Argumentation gegen das Regime waren.
/>
/>Natürlich wurde sie auch von ihrem protestantischem Glauben gestützt. Aber fanatisch-christlich war sie sicher nicht.
/>
/>Im Film "Sophie Scholl", der sich stark an die historischen Fakten hält, sagt sie ihrem Verhörbeamten ins Gesicht, als er ihr die Absolutheit der Gesetze eintrichtern wollte:
/>
/>"GESETZE ÄNDERN SICH - DAS GEWISSEN BLEIBT!"
/>
/>Auch während der Gerichtsverhandlung, die von einem Kerl namens Freisler geleitet wurde, einem widerlichen Typen, der genausogut als Großinquisitor bei einem Hexenprozess fungieren hätte können, bleibt Sophie standhaft und pariert die Hasstiraden des Richters mit rhetorischem Geschick.
/>
/>Genug Gründe, sie ins Heldenreich in der Anderswelt aufzunehmen (was die Deutschen bereits taten, als sie sie in der "Walhalla" verewigten).
/>
/>subuta ollobo
/>
/>Mc Claudia
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/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

LadyPurple

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geht auch in die richtung: anne frank
« Antwort #2 am: 21. März 2005, 21:45 »
ANNE FRANK
/>
/>jedesmal wenn ich in amsterdam bin gilt mein erster weg dem anne frank museum
/>und jedesmal komme ich betroffen und heulend wieder heraus
/>
/>dieses mädchen hat vielleicht nicht viel anderes durchlebt und gemacht wie viele andere dieser zeit
/>doch hat sie vielen von uns die augen geöffnet
/>im museum spürt man sie noch so stark, man spürt es am waschbecken, an den schriften an den wänden, im treppenhaus....
/>
/>sie hat stärke bewiesen und nicht die augen voller haß verschloßen und abgewartet sondern versucht, daß beste aus ihrer situation zu machen, positiv nach vorne zu sehen und dies alles zu dokumentieren
/>sie hat nicht aufgegeben
/>
/>sie hat für uns geschrieben, lieferte ein dokument das zwar nicht über die greuel jener zeit berichtet wie vielleicht ein kz selbst - aber geht unter die haut und wurde zum symbol für das was damals passierte
/>
/>
/>anne frank berührt mich immer wieder
/>
/>www.annefrank.org
/>
/>
/>lg
/>purple
/>
ich bin Pandoras Büchse - und brauche manchmal eine auf den Deckel
/>
/>www.hagazussa.tv

elaOlyn

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Re: HEROON - der Es-war-einmal-Heldentempel
« Antwort #3 am: 21. April 2005, 20:21 »
die beiden genannten Heldinnen sind es auch für mich. Ich habe noch eine spezielle Heldin, die ich sehr verehre:
/>
/>MARGARET RUTHERFORD
/>
/>hier kann man eine Kurzbiographie lesen: http://www.janemarple.de/rutherford.htm
/>
/>Sie ist für mich eine Heldin, weil sie so war wie sie war. Eine Frau die zu sich und ihrem Aussehen stand und aller Welt bewiesen hat, auch damit kann eine Frau erfolgreich sein und zwar als Schauspielerin und als eine der besten. Für mich ist sie immer noch die beste Miss Marple Darstellerin.
/>Eine Frau die es geschafft hat, sie nicht dem Diktat der künstlichen Hollywoodschönheiten zu unterwerfen. Die ihren Traum gelebt hat. Die in ihren Filmen Charakter, Charme und Würde ausstrahlte.
/>
/>Deshalb ist sie für mich eine Heldin und eine wahre Dame. Etwas, dass sie nie an die große Glocke gehängt hat, und doch ausstrahlte.
/>
/>Grüße
/>ela
/>
/>
ich bin nur ein kleiner Teil des Universums, doch trage ich ein ganzes Universum in mir

McClaudia

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Re: HEROON - der Es-war-einmal-Heldentempel
« Antwort #4 am: 21. April 2005, 23:03 »
Cháirete!
/>
/>Yo! Margaret Rutherford hat mir auch immer supertoll gefallen, und die ganzen Agatha-Christie-Krimis sowieso.
/>
/>Damit die "Weibercraft" keinen Anspruch auf unseren Held/innenberg erheben  :laugh:, werd ich mal einen Quotenmann als einen meiner Helden nennen, und zwar:
/>
/>Kaiser Julian, der Gesegnete. Die Christen nannten ihn Apostata, der Abtrünnige. Für die Heiden war er die letzte Hoffnung - allerdings vergeblich. Ein bissl was erfährt man hier:
/>
/>http://de.wikipedia.org/wiki/Julian_II.
/>
/>Und die Historikerin Marion Giebel hat ein supertolles Buch über ihn geschrieben "Kaiser Julian Apostata - die Wiederkehr der alten Götter", Artemis & Winkler, 2002
/>
/>Julian war in den Wirren des 4. Jhdts.n.Chr. für ca. ein Jahr lang Kaiser (Augustus) von Rom. Davor schon einige Jahre lang Caesar. Er war wie Marc Aurel ein Philosophenkaiser und hing dem Neuplatonismus an und seinem Sonnengott.
/>
/>Kurios daran ist, dass schon mind. 2 Legislaturperioden von röm. Kaisern das Christentum als offizielle Religion etabliert hatten und zeitweise sogar schon heidnische Tempel geschlossen wurden und Heiden zusammen mit Juden und "Herätikern" von den Christen ziemlich verfolgt wurden. Julian wurde daher auch tief christlich erzogen.
/>
/>Allerdings fand er in seiner Jugendzeit immer mehr Gefallen an den griechischen Mythen, an den Philosophien und schließlich auch an den alten Gottheiten. So wandte er sich dem intensiven Studium heidnischer Schriften zu, reiste nach Athen, um sich philosophisch zu bilden, nach Ephesos, um in die Mysterien der Hekate eingeweiht zu werden usw. Er war bei mehreren Mysterienkulten (die es offenbar trotz Christianisierung zeitweise noch gab) und erkannte die unbesiegte Sonne (Sol Invictus) als seine Lieblingsgottheit an. In Gallien wurde er zum Caesar gekrönt, und einige Jahre später zum Augustus. Seine sehr kurze Regierungszeit nutzte er dafür, heidnische Tempel wieder zu öffnen und die Christen, die heidnische Schätze geklaut hatten, dazu zu zwingen, diese wieder an die Tempel zurückzugeben. Er selbst - Heide - hatte die Christen aber nie verfolgt, war aber immer radikaler darin, Gerechtigkeit für die Heiden zu fordern.
/>
/>Leider ist er in der Schlacht gegen die Perser gestorben. Und es wäre sehr interessant, wieviel Macht die Christen weiterhin gehabt hätten, wäre Julian einige Jahre länger an der Macht geblieben..
/>
/>subuta ollobo
/>
/>Mc Claudia
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dagaz

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Re: HEROON - der Es-war-einmal-Heldentempel
« Antwort #5 am: 22. April 2005, 11:09 »
Allerdings fand er in seiner Jugendzeit immer mehr Gefallen an den griechischen Mythen, an den Philosophien und schließlich auch an den alten Gottheiten. So wandte er sich dem intensiven Studium heidnischer Schriften zu, reiste nach Athen, um sich philosophisch zu bilden, nach Ephesos, um in die Mysterien der Hekate eingeweiht zu werden usw. Er war bei mehreren Mysterienkulten (die es offenbar trotz Christianisierung zeitweise noch gab)

/>das heidentum samt mysterienkulten wurde erst in den 390er jahren offiziell verboten.
Ich denke, also bin ich gefährlich![/b]

Sassa

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Re: HEROON - der Es-war-einmal-Heldentempel
« Antwort #6 am: 13. Juni 2006, 06:49 »
Je mehr ich mich mit seinen Werken beschäftige umso deutlicher wird seine Bedeutung bzw. die Bedeutung seines Gedankengutes für mich:
/>
/>                                       Karoly (Karl/Carl) Kerenyi
/>
/>
/>Nun er entspricht keinem der obigen Vorschläge für die Kriterien eines Helden, aber seine Sicht der Dinge in Sachen Mythen und antike Religion spiegeln meines Erachtens wirklich den hellenischen Geist wider. Sein Wikipediaeintrag ist eher knapp gehalten und hier zu finden: http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Ker%C3%A9nyi
/>Übrigens habe ich unter http://www.philos-website.de/index_g.htm?autoren/kerenyi_g.htm~main2 sein Essay "THEOS"- Gott auf Griechisch online gefunden.
/>
/>Jedes Mal wenn ich seine Texte lese bin ich fasziniert von der Menge an Wissen, die er anbietet. In der Sekundärwissenschaft zur antiken griechischen Religion gehört er eindeutig zu meinen liebsten Autoren und es freuen mich besonders solche kleinen Details, wie er vom antiken Griechenland und seinen Göttern im Präsens schreibt (im Gegensatz zu vielen anderen, die den Imperfekt bevorzugen) und als Forscher mitten in seinem Themenbereich auch stets von "unserer" Mythologie erzählt. Leider sind einige seiner größten Werke nicht mehr oder nur schwer auf Deutsch, sondern nur mehr in der englischen Übersetzung erhältlich.
/>Meines Erachtens hat Kerenyi sich besonders verdienstvoll gemacht in seiner Erforschung der antiken Religion und somit auch eine ganz besondere Bedeutung für uns, die wir diese Religion zu rekonstruieren suchen.
/>
/>Aus diesem Grund habe ich auch beschlossen ihn fortan an seinem Geburtstag (19. Jänner) zu ehren, nicht unbedingt als Held aber zumindest als Ahne.
/>
/>Es grüßt euch,
/>Sassa

bluesand

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Re: HEROON - der Es-war-einmal-Heldentempel
« Antwort #7 am: 13. Juni 2006, 07:26 »
von mir sei genannt
/>
/>jeanne darc 
/>
/>sammt leonard cohen, weil sie über ihn vor drölfundeinpaarzerquetsche jahre den weg zu mir nahm. es öffnet sich was sehr altes in mir, wenn es sich um eine
/>
/>uma soona
/>
/>handelt...
/>
/>auf alle margarets, annes und sophies dieser welt
/>towandaaaaaaaaa
/>bluesand