Autor Thema: Verlassen  (Gelesen 11448 mal)

rivka

  • WurzelWerk Mitglied und Autor/in
  • ****
  • Beiträge: 4150
Re: Verlassen
« Antwort #16 am: 05. November 2006, 15:05 »
@DoctorF.:
/>
Zitat
Ich glaube nicht dass das so einfach ist. Dazu kann man dann nur fragen: Haben sie die Wohnung gemeinsam ausgesucht? Haben sich beide bewußt für den Ortswechsel entschieden? Oder waren sie (oder nur er??) der Meinung, es gäbe keine andere Möglichkeit?
Ja, gemeinsam ausgesucht; aber keine direkt freie Wahl - musste was Bezahlbares, i.e. Billiges sein; für den Ortswechsel hat, soviel uch weiss, die Freundin sich entschieden; er ist ihr hinterhergereist; aber sie wollte von Anfang an eine WG, er auf keinen Fall.
/>
/>@cinis:
/>
Zitat
Man MUSS den Tod akzeptieren, denn ändern lässt er sich nicht,
Genau das kann es erträglicher machen, einen Partner durch Tod zu verlieren, als durch Trennung. Zum Beispiel der Gedanke: "Wir wären ja beide gern zusammengeblieben, aber..", den man ja bei einer Trennung nicht haben kann. (Ich habe das eigentlich schon von mehreren Leuten gehört, die sich bzw. die Konvention überwunden haben - manchmal nur kurzfristig - und ehrlich waren, dass sie eigentlich den Tod eines Partners für leichter erträglich hielten als die Trennung; vielleicht gerade des Endgültigen wegen und des fehlenden Element der persönlichen Kränkung.
/>
/>@blink:
/>
Zitat
verlassenwerden durch tod oder verlassenwerden durch beziehungsende sind 2 paar schuhe, in meinen augen.
/>
Auf jeden Fall. Ein Unterschied ist auch, dass der, der einen Partner durch Tod verloren hat, halt seine Trauer mehr oder weniger "ungestraft" zur Schau stellen und mit ungeteiltem Mitgefühl rechnen darf, was ja das Selbstbewusstsein eher wieder aufbaut; im Grunde steht ja der Mensch, der einen langjährigen Partner durch Tod verloren hat, irgendwie im Mittelpunkt, ist etwas Besonderes, auch für sich selbst - früher wurde das noch durch das Anlegen von Trauerkleidung unterstrichen. Also, das ist im Ganzen doch eine "spirituelle" Situation.
/>
/>Wohingegen das Verlassenwerden so durch und durch profan erscheint - und auch von der Gesellschaft so aufgenommen wird. Oder? Oder nicht?
/>
/>@Anufa:
/>
Zitat
Im Idealfall wird mensch durch Zurückweisung wieder auf sich selbst geworfen und so dazu "gezwungen" das eigene Konzept mal durchzuchecken, ob das auch wirklich so gut funzt, wie mensch selbst sich das gedacht hätte. Wenn ich der Meinung bin, dass ich der sympatischste und liebenswürdigste Mensch der Welt bin und mir schon der dritte Partner sagt, dass er meine schlechte Laune und mein Rumgeschnautze ned aushält, dann wäre es vielleicht angebracht sich das mal ein bissl näher anzusehen. wink.
/>
Ja, genau. Das ist natürlich als Chance im Falle des Verlassenwerdens leichter wahrzunehmen als im Falle des Todes, glaube ich; das Verhalten ist dann doch eher auf die Zukunft gerichtet, obwohl man auch im Todes-Fall darauf kommt, dass ein "Hätte ich doch" einen nicht weiterbringt, wenn man nicht dahin kommt, sich für die Zukunft zu ändern.
/>Aber kurz nach oder noch während einer Trennung nimmt das dann leicht auch die Form von Selbstvorwürfen an, wenn einer dazu neigt, nur die eigene "Schuld" am Ende der Beziehung zu sehen und gar keine Urasache beim andern, selbst wenn ein Aussenstehender kein Problem hat zu sehen, dass dem nicht so ist.
/>
/>Und dann spielt natürlich auch immer eine Rolle, ob die Lebenssituation an sich stabil oder labil ist. Wenn sie labil ist - zwischen Schule und Studium, provisorische Wohnung, noch keinen festen Freundeskreis, finanzeill wackelig - gibt man da nicht leichter auf, so nach dem Motto: Hat ja sowieso ALLES keinen Sinn?
/>
/>LG riv
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

Anufa Ellhorn

  • Allgemeine Moderatorin
  • ****
  • Beiträge: 5077
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Verlassen
« Antwort #17 am: 05. November 2006, 15:15 »
Well met, Rivka ;)
/>
/>>... gibt man da nicht leichter auf, so nach dem Motto: Hat ja sowieso ALLES keinen Sinn?
/>
/>Natürlich gibt mensch dann schon mal auf - es bringen sich ja auch genügend Leuts in derartigen Situationen um!! Schlicht weil sie imho noch nicht die Erfahrung gemacht haben, dass es allein auf sie selbst ankommt und nicht darauf, was sich im Außen abspielt. Es hängt von jedem selbst ab, wie er seine Situation empfindet... zumindest in meinem Weltbild (und damit meine ich jetzt NICHT Scheisse schönreden!!! :kotz:)
/>
/>Das Leben ist entweder ein großer Abendteuerspielplatz oder ein Jammertal  :devilish: - oder ganz was anderes, irgendwo dazwischen :wink1: :laugh:. Dass in Akutsituationen die Sach schon mal echt mies aussieht, das stelle ich absolut nicht in Abrede - bloß... das gehört genauso dazu (und ist imho als Standortbestimmung mehr als wichtig!!)
Bright blessings
/>Anufa

rivka

  • WurzelWerk Mitglied und Autor/in
  • ****
  • Beiträge: 4150
Re: Verlassen
« Antwort #18 am: 05. November 2006, 15:22 »
Zitat
Dass in Akutsituationen die Sach schon mal echt mies aussieht, das stelle ich absolut nicht in Abrede - bloß... das gehört genauso dazu (und ist imho als Standortbestimmung mehr als wichtig!!)
Ja...eigentlich ist das der Grund, auf dem man/frau steht. Wer da trennt und aus einem (seinem, ihrem) Leben zwei macht, so nach der Art: das Leben da ist gut genug für mich und dieses hier nicht - der hängt wirklich in der Luft.
/>
/>Was meiner Meinung nach eine Trennungssituation erschwert, ist eine tasächliche und/oder gefühlte Unübersichtlichkeit der Situation - das Gefühl, dass einem alles, aber auch alles über den Kopf wächst, eben.
/>
/>LG
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

Dimnara

  • Zweitwohnsitz WurzelWerk
  • *******
  • Beiträge: 2485
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Verlassen
« Antwort #19 am: 05. November 2006, 17:19 »

/>
/>Aber nicht jede Trennung muss zwangsläufig mit einer Kränkung des Partners verbunden sein, oder?
/>Es gibt ja massig Gründe sich zu trennen und ich denke nur ein kleiner Prozentsatz davon ist, weil der Partner so schrecklich ist und man ihn nicht mehr ausstehen kann.
/>Lebenswege können sich ja auch trennen, weil es einfach nicht mehr passt gemeinsam, was aber nicht zwangläufig impliziert, dass der Partner unaustehlich ist. -ansonsten wäre es ja auch kaum jemals zu einer Beziehung gekommen, oder?
/>Man kann wegziehen, sich nicht mehr lieben, sich auseinanderentwicklet haben etc..
/>
/>lg Dimnara
Alle Macht dem fliegenden Spaghettimonster! Pastafari 4ever!

Earthbound

  • Gast
Re: Verlassen
« Antwort #20 am: 04. Dezember 2006, 23:20 »
ich hab leider schon einige beziehungen hinter mir, und hab zwar nicht alle postings jetzt durchgelesen, aber eines muss dem betroffenen klar sein:
/>
/>liebe heisst, für seinen partner das beste zu wollen.
/>auch wenn dies heisst, dass man diese person ziehen lassen muss.
/>
/>Patentrezepte zur aufarbeitung gibt es nicht, da jeder mensch und jede trennungsgeschichte unterschiedlich ist. ich bin ein mensch der seine zelte abreisst, und wenn überhaupt nur "verbrannte erde" zurücklässt. (jetzt nicht wörtlich gemeint!)
/>
/>aber wichtig ist es das ganze zu verarbeiten, sprich dem partner zu vergeben, und zu verstehen dass es aus ist, weil es für diesen menschen nunmal "das beste" ist, und dies wünscht man sich doch, auch wenn es schmerzt.
/> :-[

morgane

  • Zweitwohnsitz WurzelWerk
  • *******
  • Beiträge: 3045
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Verlassen
« Antwort #21 am: 05. Dezember 2006, 09:39 »
Hi!
/>In dem zusammenhang tät es mich interessieren, wer von euch ist schon mal verlassen worden? Wer hat schon mal wen verlassen? Verlassen werden bringt ja, meines erachtens und aus eigener erfahrung, viele tief liegende ängste, sicherlich auch kindheitsängste an die oberfläche und lässt uns in vielen fällen nicht mehr so vernünftig reagieren, wie es eigentlich angemessen wäre. Verlassen andererseits macht schuldgefühle, ob berechtigt oder nicht. Beides ist ziemlich :kotz:
/>Der verlassende wird dann als der böse gesehen. Das erleichtert zwar anfangs die ablösung, aber der nächste schritt, die aufarbeitung, ist unabwendbar.
/>Der verlassende färbt die beendete beziehung oft als nicht so schön, nicht so richtig intensiv und überhaupt als nie so "richtig" ein, um mit seinen schuldgefühlen besser umgehen zu können. Auch das ist verständlich, aber wenn es so bleibt, dann bewältigt derjenige auch die trennung nie so richtig.
/>Selbst, wenn beide die beziehung als schon ziemlich hinfällig erleben, ist eine trennung doch in den meisten fällen furchtbar schmerzhaft, auch wenn schon der nächste partner wartet.
/>Ich selbst habe mich vor 18 jahren von meinem ersten ehemann nach 23 jahren ehe getrennt (na ja, der Merlin war der anlass), und es hat mir noch jahrelang weh getan und schuldgefühle erzeugt, obwohl es richtig war und die neue beziehung bis heute glücklich ist. Mein exmann hat mich zuvor zweimal verlassen, einmal sogar mit scheidung. Das war jedesmal wie sterben für mich. Ich habe trennung zwar nicht oft erfahren, aber sehr intensiv und von beiden seiten. Es ist irgendwie ein tod im leben und gar nicht so easy, wie das manchmal dargestellt wird. aber wahrscheinlich ist auch das eine generationenfrage.......
/>
/>grüße
/>
/>oma morgane
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....

andrea

  • FleißigWerkler/in
  • ***
  • Beiträge: 67
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Verlassen
« Antwort #22 am: 05. Dezember 2006, 11:33 »
ich habe im letzten jahr zwei sehr schmerzhafte erfahrungen gemacht. zum einen habe ich meinen vater verloren, welcher aber noch am leben ist. was zu der angst verlassen zu werden in allen bereichen meines lebens geführt hat. dadurch habe ich sicher sehr geklammert, was meinen damaligen freund betrifft.
/>-> er hat mich verlassen    :wall:
/>
/>verdrängung bringt gar nix.
/>was mir hilft, und vielleicht gehts euch da ähnlich ist musik.
/>zum beispiel beim tanzen, da kann ich mich so richtig fallen lassen.  :pleased:
/>
/>was den tod betrifft kann ich nicht viel sagen.
/>mit der ungewissheit klarzukommen fällt mir aber sehr schwer......

Anufa Ellhorn

  • Allgemeine Moderatorin
  • ****
  • Beiträge: 5077
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Verlassen
« Antwort #23 am: 05. Dezember 2006, 12:02 »
Well met, morgane ;)
/>
/>>In dem zusammenhang tät es mich interessieren, wer von euch ist schon mal verlassen worden? Wer hat schon mal wen verlassen?
/>
/>Beides in etlichen Ausführungen :kotz:
/>Beide Situationen sind  :toilet:, aber ich kenne kaum eine bessere Gelegenheit sich mit sich selbst mal ehrlich und ohne den Schleier des "hach, es is ja eh alles in Ordnung" zu konfrontieren. Wenn ich zurückblicke, dann muß ich sagen, dass ich mich durch die schmerzvollen Erfahrungen um einiges weiterentwickeln konnte, durch jede einzelne. Obwohl ich auch gestehen muss, dass es für mich wesentlich einfacher war verlassen zu werden als eine Beziehung selbst zu beenden. Wenn ich verlassen wurde, dann hatte ich in meiner Jugend die Superstrategie :dizzy: mich einfach hinzusetzen und zu sagen "Is ok, bin halt nix wert auf Dauer und irgendwie hab ich das eh gewusst! Jaja, is halt so, kann ma halt nix machen!" Und je "schlimmer" die neuen Beziehungen wurden (und klaro mussten sie immer schlimmer werden :idea:), desto weniger "war ich vor mir selbst wert".
/>Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich eine Beziehung nicht mehr aushalten konnte (nicht mal ich mehr :devilish:) und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen... soooo nix konnte ich garnicht sein, dass ich eine derartige Beziehung verdient hatte, also nix wie weg, wurscht ob er "wenn Du gehst - bring ich mich um" mit dem Strick in der Hand heult oder nicht.
/>
/>Von dem Zeitpunkt an, war´s dann nur mehr Feintuning (so die letzten ca. 10 Jahre) und ich bin hart am Rande von "ich bin feingetuned genug, Beziehungskisten tu ich mir nimmer an..." :-X 8) - aber ich fürcht es wird ma ned derspart bleiben, das so lang zu beackern, bis es wirklich passt  :stars:(und Verweigerung war noch nie die Möglichkeit der Wahl :laugh: :laugh:)
Bright blessings
/>Anufa