Autor Thema: Verlassen  (Gelesen 11443 mal)

eroX

  • WurzelWerk Mitglied
  • ***
  • Beiträge: 1077
Re: Verlassen
« Antwort #8 am: 04. November 2006, 12:39 »
-
« Letzte Änderung: 26. November 2008, 21:47 von blink »
rien est vrai - tout est permis

DoctorF.

  • WurzelWerk Mitglied
  • ***
  • Beiträge: 1495
Re: Verlassen
« Antwort #9 am: 04. November 2006, 12:56 »
außerdem trifft beim verlassen meistens eine/r die entscheidung dazu. das macht mE den unterschied aus.
/>
/>

/>Ich habe eher beobachtet, dass Beziehungen auseinanderlaufen, und es einfach einer früher bemerkt. Wenn er beginnt sich zurückzuziehen, beginnt der andere manchmal dadurch zu klammern. Im Nachhinein gesehen sieht es dann so aus als würde es nur an dem liegen, der verläßt. In Wirklichkeit ist schon länger etwas "schief" gelaufen. Oder einer hat sich weiterentwickelt und der andere wollte ihn halten, hemmen, so haben wie er ihn kennt. Oder auch beide entwicklen sich in verschiedene Richtungen - dann kommt es vor dass Beziehungen harmonisch auseinandergehen. Und es gibt Ungleichgewichte, "unfaire" Beziehungen wo einfach einer der Partner mehr davon hat als der andere: Pragmatisch gesehen könnte man behaupten meist trauert der einer Beziehung nach, der mehr davon hatte ....  :confused:
/>
/>
Diese drei Theorien mögen noch so verschieden sein, aber sie haben eins gemeinsam: Sie erklären die beobachteten Tatsachen - und sind völlg falsch.

rivka

  • WurzelWerk Mitglied und Autor/in
  • ****
  • Beiträge: 4150
Re: Verlassen
« Antwort #10 am: 04. November 2006, 14:51 »
Esrtmal: danke für die vielen Antworten bis jetzt :smile:
/>*freu*
/>
/>
Zitat
Habe zwar auch keine Erfahrungen bezüglich Verlassen werden, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es schlimmer ist als wenn man selbst Schluss macht. Das es einfacher ist wenn der Partner stirbt wage ich allerdings sehr zu bezweifeln.  stunned
/>Was für ein Egoist muss man dafür bitte sein??
Ja, das hat tatsächlich was mit Egoismus zu tun, aber ich selbst würde mich davon (immer noch) nicht freisprechen. Wenn ein Partner stirbt, dann kratzt der Verlust u.U. nicht so am Selbstbewusstsein, wie wenn er einen wegen einer/eines Anderen verlässt.
/>
/>Die Frage: Warum der/die und nicht ich stellt sich nicht; und an der knabbern doch viele, die verlassen wurden, denke ich.
/>
/>
/>
Zitat
Im Endeffekt kam raus, dass ich nach einer großen Trennung mit viel mehr Kraft herausgegangen bin, als ich in die Beziehung eingetaucht bin
Ja, das hoffe ich für den von mir besagten Knaben ja auch. Allerdings: wenn so eine Trennung noch in eine allgemein belastende Lebenssituation fällt, warten auf einen Studienplatz, öder, schlecht bezahlter Job, triste Wohngegend in neuer Stadt, in der man noch keine Freunde hat und so weiter, ich stelle mir das doch sehr schwierig vor.
/>
/>Und vor allem, wie gesagt, das erzwungene Noch-Zusammenleben; eine Situation die zugegebener Massen "zum Kotzen" ist, was der ohnehin schon dünne Jüngling dann auch tut. Psychosomatisch, sagt er. (Kommt mir so übertrieben vor - oder sind psychosomatische Trennungreaktionen häufiger als ich dachte?)
/>
/>
/>
Zitat
Mich hat mein größter Liebesschmerz befreit. Weil es dann irgendwann einen Punkt gab, an dem ich dachte: Wenn ich das jetzt überstanden habe, kann mir NICHTS mehr passieren. Ich wurde dadurch auch nicht bindungsängstlicher, sondern eher risikofreudiger - wie gesagt - es tut vielleicht weh, ABER ES PASSIERT MIR NICHTS ...
Ja, diesen Effekt - jetzt kann mir gar nichts mehr passieren - kenne ich aus anderen schwierigen Erfahrungen. Das ist, glaube ich, der bestmögliche Nutzen, den man schliesslich aus so einer Krise haben kann. (Hatte ich ganz drauf vergessen, thanx :) )
/>
/>
Zitat
Ich denke schon, dass mein Geist auch einen Schmerz aus der Kindheit wiederholen wollte.
Ich denke, das ist bei dem jungen Mann auch der Fall; interessant, dass du "wiederholen wollte sagst - und nicht "musste".
/>
/>
Zitat
Bittebitte, lerne lieber am Heimweg einen anderen kennen und sei glücklich, aber stirb nicht. DAS ist Liebe!
Seh ich auch so. Aber dahin muss man erst mal kommen, nicht? Wie alt warst du denn da? (Sorry, brauchst du nicht zu beantworten, wenn du nicht willst.) Und: führst du das auf deine Persönlichkeit zurück? Auf bewusste spirituelle Entwicklung? Oder worauf sonst?
/>
/>
Zitat
Pragmatisch gesehen könnte man behaupten meist trauert der einer Beziehung nach, der mehr davon hatte ....  confused
/>
Interessanter Gedanke. (Im vorliegenden Fall scheint es mir eher so zu sein, dass die Freundin einen höheren Lebensstandard vorziehen würde - einfach jemanden, der ihr eine schickere Wohnung, in einem hippen Bezirk ermöglichen würde; jedenfalls war sie zu dem Zeitpunkt, als die beiden zusammenzogen, nur depressiv wegen Wohnung und Bezirk (übrigens handelt es sich um eine eigentlich ganz hübsche Wohnung, die auch gross genug ist; nur halt kein Anschluss für 'ne Waschmaschine und eben "Türkenviertel") was sie offenbar mehr bedrückt hat, als das Zusammenleben mit ihrem Freund sie gefreut hätte.
/>
/>Ach ja, hätte ich fast vergessen...
/>
Zitat
hoffe er übersteht es bald, das einzige was man zu einem menschen in so einer situation sagen kann, is eh dieser 08 15 spruch: "die zeit heilt alle wunden" ich fahr zwar auch jedes mal die krallen aus wenn ich das hör...aber es stimmt nun mal doch irgendwie.
/>
...da hatte ich bisher Bedenken, diesen Spruch anzubringen, aber wie du sagst: es stimmt ja irgendwo so'n Stück weit :o
/>
/>
/>LG@all
/>riv
/>
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

McClaudia

  • RubrikenBetreuer/in und Moderator/in
  • ******
  • Beiträge: 5495
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Verlassen
« Antwort #11 am: 04. November 2006, 23:05 »
Slan,
/>
/>also, ich bin zwar schon verlassen worden, und das Gefühl war bei mir dasselbe, wie das, das ich hatte, als ich aus diversen Covens und Gruppen rausgeschmissen wurde. Das Gefühl, nur mehr halb zu sein, das Gefühl, dass man nicht gewollt wird, dass man immens viel falsch gemacht hat, dass man nix wert ist, dass die ganze Welt bös ist auf einen, dass das Leben keinen Sinn mehr hat, dass man nur mehr halb ist, dass man einen lieben Menschen nicht mehr sieht, dass man betrogen und verraten wurde, usw.
/>
/>Ich bin allerdings kein Maßstab, da meine Liebesschmerzen immer nur von kurzer Dauer sind. Ich bin irgendwie die Typin, die das Ende schnell abhakt und schaut, dass es Neues gibt. Viele sind nicht so. Ein Freund, der nicht grad "schön" war und auch geistig zurückgeblieben, hat um eine Geliebte mehr als ein Jahr getrauert. Er war mit ihr zwei Wochen!!! zusammen.
/>
/>Nichts hat geholfen, keine Ratschläge, keine Zuredungen. Er hat sich bis zum Schluss eingebildet, dass er sie irgendwann mal haben kann.
/>
/>Meine Mutter hat mir bei meinem ersten Liebeskummer gesagt: "Es gibt sooo viele fesche Männer auf der Welt!" Ist wahrscheinlich genauso tröstlich wie das mit der Zeit, die alle Wunden heilt, obwohl beide Sprichwörter stimmen.
/>
/>Was ich am allerwichtigsten fände, wäre, dass Dein Schützling so schnell wie möglich auszieht. Jede Bruchbude ist besser, als ein Zusammenleben mit der Ex. Mein Arbeitskollege, den die Ehefrau betrogen hatte, musste noch eine Zeit mit ihr in der Wohnung leben (ein Kind war außerdem auch noch da). Die beiden Ex-Partner hatten große Mühe, sich zusammenzureißen und dann auch noch dem Kind zu erklären, dass Papi und Mami sich jetzt nicht mehr soooo liebhaben. Erst als er ausgezogen war, wurde das mit den Gefühlen wieder normaler, auch zur Ex.
/>
/>Ich denke, was auch ganz sinnvoll ist, neben Trauerarbeit, dass aus Trauer Wut werden darf. Bilderverbrennen, in Polster reinschlagen, schreien, wüten etc.  ist sehr heilsam. Wenn die Wut geschluckt wird, kann sie in Gewalt gegen die Ex ausarten.
/>
/>Ein Psychologe hat uns auch mal erklärt, dass in solchen Situationen das Lebensbild verengt ist, was auch zu Suizid führen kann (keinen Ausweg sehen). Man kann dann als Freundin versuchen, neue Wege aufzuzeigen.
/>
/>Und was vielleicht auch hilft, sich kopfüber in irgendeine anstrengende beliebte Tätigkeit stürzen. Das lenkt dermaßen ab, dass der Liebeskummer schneller vergehen kann.
/>
/>Ansonsten - die Zeit heilt.....  :sad1:
/>
/>Mehr weiß ich leider nicht.
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

DoctorF.

  • WurzelWerk Mitglied
  • ***
  • Beiträge: 1495
Re: Verlassen
« Antwort #12 am: 05. November 2006, 11:12 »

/>
/>>>Ich denke schon, dass mein Geist auch einen Schmerz aus der Kindheit wiederholen wollte.
/>
/>>Ich denke, das ist bei dem jungen Mann auch der Fall; interessant, dass du "wiederholen wollte sagst - und nicht "musste".
/>
/>Ja, ich sehe das so. Das Unterbewußtsein wiederholt die Neurosen immer wieder, bis sie aufgelöst werden können. Hierfür kreiert es auch Szenerien im Außen.
/>
/>>>Bittebitte, lerne lieber am Heimweg einen anderen kennen und sei glücklich, aber stirb nicht. DAS ist Liebe!
/>
/>>Seh ich auch so. Aber dahin muss man erst mal kommen, nicht? Wie alt warst du denn da? (Sorry, brauchst du nicht zu beantworten, wenn du nicht willst.) Und: führst du das auf deine Persönlichkeit zurück? Auf bewusste spirituelle Entwicklung? Oder worauf sonst?
/>
/>Auf bewußte Entwicklung. Ich habe jahrelang mit einer Lehrerin gearbeitet, mit der ich mich selbst kennengelernt und neu entdeckt habe, was auch zu starken "mystischen Erfahrungen" geführt hat. Letztens hab ich sie wieder mal getroffen, und danach ist mir der Gedanke gekommen: Sie ist eine der wenigen Personen bei der ich echt das Gefühl habe, dass sie Kontakt zu "dem Mysterium" hat. Aber Erkenntnisse wie die oben beschriebene kann einem natürlich niemand erklären, sie können NUR von innen kommen.
/>
/>>Interessanter Gedanke. (Im vorliegenden Fall scheint es mir eher so zu sein, dass die Freundin einen höheren Lebensstandard vorziehen würde - einfach jemanden, der ihr eine schickere Wohnung, in einem hippen Bezirk ermöglichen würde; jedenfalls war sie zu dem Zeitpunkt, als die beiden zusammenzogen, nur depressiv wegen Wohnung und Bezirk (übrigens handelt es sich um eine eigentlich ganz hübsche Wohnung, die auch gross genug ist; nur halt kein Anschluss für 'ne Waschmaschine und eben "Türkenviertel") was sie offenbar mehr bedrückt hat, als das Zusammenleben mit ihrem Freund sie gefreut hätte.
/>
/>Ich glaube nicht dass das so einfach ist. Dazu kann man dann nur fragen: Haben sie die Wohnung gemeinsam ausgesucht? Haben sich beide bewußt für den Ortswechsel entschieden? Oder waren sie (oder nur er??) der Meinung, es gäbe keine andere Möglichkeit? etc.etc.
/>
Diese drei Theorien mögen noch so verschieden sein, aber sie haben eins gemeinsam: Sie erklären die beobachteten Tatsachen - und sind völlg falsch.

cinis

  • Redaktionelle Mitarbeit
  • *****
  • Beiträge: 1469
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Verlassen
« Antwort #13 am: 05. November 2006, 12:50 »
"Verlust" des Partners durch Trennung
/>
/>Verlust des Partners durch Tod
/>
/>im Moment der Trennung mag es zwar romantischer scheinen, wenn man den Partner durch den Tod verliert. Aber eines sollte man nicht vergessen: bei der Trennung durch den Tod stellt sich eine Art Hilflosigkeit ein, der man nichts anhaben kann. Man MUSS den Tod akzeptieren, denn ändern lässt er sich nicht, weder drüber nachdenkn "was hätte ich anders machen können" noch der Gedanke, dass man vielleicht noch eine Chance bei dieser Person bekommt. Aus, Ende, vorbei.
Muse mit Öffentlichkeitsrecht
/>
/>nicht käuflich

eroX

  • WurzelWerk Mitglied
  • ***
  • Beiträge: 1077
Re: Verlassen
« Antwort #14 am: 05. November 2006, 13:17 »
-
« Letzte Änderung: 28. November 2008, 17:48 von blink »
rien est vrai - tout est permis

Anufa Ellhorn

  • Allgemeine Moderatorin
  • ****
  • Beiträge: 5077
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Verlassen
« Antwort #15 am: 05. November 2006, 14:47 »
Well met, alle zusammen ;)
/>
/>>(Blink) verlassenwerden durch tod oder verlassenwerden durch beziehungsende sind 2 paar schuhe, in meinen augen.
/>
/>Sind für mich auch zwei Paar Schuhe - wenn Dein Partner stirbt, dann bist Du nicht "Schuld" dran, wenn er Dich verlässt, dann gibt es dafür Gründe. Wenn das Selbstbewusstsein nicht ganz wach ist und der Selbstwert deshalb schwächelt, dann sucht mensch instinktiv die Schuld vornehmlich bei sich.
/>Im Idealfall wird mensch durch Zurückweisung wieder auf sich selbst geworfen und so dazu "gezwungen" das eigene Konzept mal durchzuchecken, ob das auch wirklich so gut funzt, wie mensch selbst sich das gedacht hätte. Wenn ich der Meinung bin, dass ich der sympatischste und liebenswürdigste Mensch der Welt bin und mir schon der dritte Partner sagt, dass er meine schlechte Laune und mein Rumgeschnautze ned aushält, dann wäre es vielleicht angebracht sich das mal ein bissl näher anzusehen. :wink1:.
/>
/>Ich sage jetzt NICHT, dass jede Zurückweisung automatisch ne Verhaltensänderung zur Folge haben MUSS, aber mensch sollt sich das eigenen Selbst diesbezüglich vielleicht mal zur Brust nehmen :)
Bright blessings
/>Anufa