Autor Thema: Frauen lesen anders...  (Gelesen 15956 mal)

finrik

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #16 am: 23. November 2006, 11:35 »
Es gibt ja auch einige Bücher, die in der "Ich" Form geschrieben sind (Gibts sicher einen Fachausdruck dafür). Da wird es dann natürlich besonders interessant, wenn man plötzlich eine "Frau" ist. ;)
/>Als ich zum ersten mal so ein Buch in die Finger bekommen habe (wusste vorher nicht, das es so geschrieben ist), war es schon etwas ungewohnt. Aber mit der Zeit legt sich das. Das komische daran war, dass das Buch davor auch in der "Ich" Form geschrieben war, da allerdings als "Mann".
/>

EuMin

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #17 am: 23. November 2006, 11:38 »
@Finrik: Als Du dieses Buch fertig gelesen hast, hattest Du dann das gefühl "Frau" besser verstehen oder erklären zu können?
/>
/>
...die Wahrheit von heute ist der Irrtum von morgen..

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finrik

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #18 am: 23. November 2006, 13:16 »
@Finrik: Als Du dieses Buch fertig gelesen hast, hattest Du dann das gefühl "Frau" besser verstehen oder erklären zu können?
/>
Als ich damit fertig war, es waren ca. 750 Seiten, hab ich noch die zwei Nachfolgerbände gelesen. Ich konnte natürlich die "Gefühle" der Hauptperson gut verstehen, aber dazu brauch ich nicht die "Ich-Form". Genauso wenig war es ein Ratgeber sondern einfach eine nette Geschichte.

rivka

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #19 am: 23. November 2006, 15:06 »
Was ich in dem Zusammenhang interessant finde - McClaudia hat es schon angesprochen - ist, dass Mädchen viel eher auch Bücher lesen, in denen der Protagonist ein Junge ist, als umgekehrt. Ich bezweifle tatsächlich auch + allen Ernstes, dass Rowling mit einer Erfolgsgeschichte wie Harry Potter - mit genau derselben Geschichte - auch nur einen Verlag gefunden oder wenn, dann über ganz normale Verkaufsziffern hinausgelangt wäre, wäre der Protagonist eine Protagonistin. Auch die handelnden Charaktere sind ja einigermassen ungleich verteilt: Hermione und Ginny stehen Harry, Ron, Fred + George, Neville, Draco u.s.w. gegenüber; auf der Ebene der Erwachsenen verteilt es sich dann etwas gleichmässiger nach Zahl, wenn auch nicht nach Gewichtung der Charaktere: Dumbledore, Snape, Lupin, Sirius Black, Madeye Moody etc. haben mehr Gewicht als die Frauen, von denen in erster Linie Mrs. Weasley, McGonagall und Tonks herausragen.
/>
/>Aber es ist eben nicht nur DER Hauptcharakter männlich, sondern DIE Hauptcharaktere: Dumbledore, Lord Voldemort und Harry.
/>
/>Beim Herrn der Ringe siehts natürlich noch einseitiger aus. Tolkien hat im Grunde weibliche Charaktere wenig ausgearbeitet und hauptsächlich in dekorativen Rollen. (Die Filme haben versucht, das auszugleichen + damit die Bücher politisch korrekt verfälscht.)
/>
/>Also: bei Kindern (Achtung: Sozialisation oder Veranlagung) scheint es mir einen ganz eindeutigen Unterschied im Leseverhalten zu geben: Jungen lesen keine "Mädchenbücher", Mädchen sehr wohl "Jungenbücher" - wobei die Kategorien "Jungenbuch" und "Buch für alle" sogar fast in eins fallen.
/>
/>Selbst Mädchenbücher werden attraktiver, wenn die Heldin deutlich jungenhafte Züge aufweist (Pippi Langstrumpf z.B.).
/>
/>Ich weiss  nicht, wie weit sich das bis ins Erwachsenenalter fortsetzt; man sollte meinen, bei der so genannten Weltliteratur spiele es eh keine Rolle; dennoch scheinen mir auch dort männliche Protagonisten zu überwiegen, was die Leserinnen nicht abhält. Erst mit dem vermehrten auftreten von Schriftstellerinnen im 19., 20 Jh, gewinnen die weiblichen Charaktere mehr Gewicht - auch bei den Schriftstellern - die sich allerdings irgendwann ab dem Ende der Siebziger in Deutschland mit der sogenannten "Neuen Weinerlichkeit" auf einmal vorwiegend mit sich selbst beschäftigten.
/>
/>Dennoch frage ich mich, ob das Kinderbuchmuster nicht auch im Erwachsenenalter nachwirkt: dass Frauen sowohl Romane lesen, in denen der/die Hauptcharakter/e männlich, als auch solche, wo er/sie weiblich sind; Männer hingegen Bücher mit weiblichen Protagonisten eher links liegen lassen.
/>
/>Frage: gibt es also einen Unterschied nach Geschlechtern in der Rezeption zum Beispiel von Christa Wolfs "Kassandra" und Peter Handkes "Angst des Torwarts beim Elfmeter"?
/>
/>Falls man Handke nicht inzwischen auf die Frauenseite packen muss ;D - ist ihm ja von Kritikern vorgeworfen, eine gewisse Verweiblichung :wacky:  Wohingegen "Sie schreiben wie ein Mann, Madame" (noch) immer als Kompliment galt (gilt?).
/>
/>Frage: gibt es ebenfalls einen Unterschied in der Rezeption, indem weiniger Männer Schriftstellerinnen lesen, als Frauen Schriftsteller?
/>
/>(Ich erinnere mich daran, dass es ziemlich zu Anfang der Frauenbewegung die Forderung gab, Frauen mögen zwecks "geistiger Hygiene" eine Weile nur noch Schriftstellerinnen lesen - was ich gemacht + nie bereut habe, denn da ist mir der Umfang der durch seinerzeit noch (?) von Männern und männlichen Ansichten dominierten Literatur bewirkten Gehirnwäsche (naja, kleine Wäsche ;D ) erst so richtig aufgefallen.)
/>
/>Merkwürdiger Weise will es mir gerade so vorkommen, als hätten die ersten die männlichen überflügelnden weiblichen Protagonisten in der Kriminalliteratur stattgefunden, aber vielleicht kommt mir das nur wegen Miss Marple so vor. (Harriet Vane wird ja schon wieder von Lord Peter ausgehebelt).
/>
/>Aber mich verfolgt eben im Moment die Frage, ob das Leseverhalten im Kindesalter (falls ihr das bestätigen könnt) durch Erziehung bedingt ist, und ob es auf das Leseverhalten im Erwachsenenalter weiter Einfluss hat. Ist Frauenliteratur Frauenliteratur und Männerliteratur - existiert die überhaupt? - eben synonym mit "Literatur für alle"?
/>
/>
/>LG riv
/>
/>
/>P.S.: Goethes Heideröslein war schon genau so gemeint; hat der alte Knabe selbst irgendwo zu Protokoll gegeben, aber ich hab jetzt keine Lust, das Gesamtwerk daraufhin durchzuackern...jedenfalls bezog es sich sogar auf eine ganz bestimmte Frau; war, wenn ich mich Recht erinnere, 'ne kleine Rachephantasie fürs Sitzengelassenwerden :inquisitive:
« Letzte Änderung: 23. November 2006, 15:29 von rivka »
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

McClaudia

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #20 am: 23. November 2006, 15:28 »
Slan ollobo,
/>
/>@Rivka:
/>
/>Muss Dir leider Recht geben. Ich würde das aber ganz radikal irgendwie aus der Sicht Simone de Beauvoirs sehen: Der Mann ist die Norm, die Frau das andere. Nicht dass jetzt weniger Schriftstellerinnen gelesen würden, sondern dass männliche Titelhelden oder männlich agierende Titelheldinnen eher gelesen werden als weibliche.
/>
/>Und - man möge mich jetzt steinigen - auch ich lese lieber spannende Geschichten mit starken Charakteren, viel Action, Mord und Totschlag, Tiefgang, Überraschungen etc. Vor Sachen wie Rosamunde Pilcher graut mir. Und auch ellenlange Beziehungskisten wie in den Serien "L-World" "desperate Housewifes" interessieren mich nicht wirklich.
/>
/>Es gibt m.E. Teile des klischeehaften weiblichen Verhaltens, die nicht wirklich erstrebenswert sind, nicht mal für Frauen, zumindest dann nicht, wenn sie Geschlechtsrollen in Frage stellen. Hinterrücks agieren, tratschen (in negativem Sinne), leiden, Gefühlsduselei bis zum Umfallen, Anlehnungsbedürfnis, Schwäche, Fokussierung auf den Traumprinzen, etc. sind nicht grad Eigenschaften, die aufbauend sind. Und wenn man nun so ne Titelheldin hat (oder einen Titelhelden) die genau diese Eigenschaften hat und damit agiert, zieht das mich ziemlich runter. Wie es anderen dabei ergeht, weiß ich nicht. Ich mag das nicht. Und ich finde, wie de Beauvoir, dass diese Eigenschaften nicht typisch weiblich, sondern anerzogen sind, um die Schwäche herauszustreichen, das Schutzbedürfnis, die Opferhaltung, etc. Ich finde nämlich, wie sie, nicht, dass solche Eigenschaften erstrebenswert sind.
/>
/>Soll heißen: Ich finde, dass die als "schwach, weich" geltenden Eigenschaften immer als "weiblich" gelten. Und dass bei einer Heldin von vornherein immer angenommen wird, dass sie genau die weiblichen Eigenschaften erfüllt, was für Actionfans immer heißt "fad". Da muss es dann schon eine eindeutig knallharte Frau sein, wie eine Kriminologin, Polzistin, Soldatin, Kriegerin, etc. damit es gelesen wird. So leid es mir tut, dass Harry Potter kein Mädel ist, so gscheit war es von Rowling, ihn als Buben zu konzipieren. Andererseits hätte sie damit nicht so viel Kohle verdient.
/>
/>Leider.
/>
/>Von wegen hineinversetzen: Wenn der Roman gut, spannend ist und mich mitnimmt, kann ich mich auch in einen Breitmaulfrosch hineinversetzen.
/>
/>Der neue irische Krimiautor Patrick Dunne gefällt mir da sehr gut. Frauen sind in seinen Thriller sehr stark und charaktermäßig super drauf. Und im zweiten Band hat er sogar in der Ich-Form als Frau geschrieben. Wäre nicht Patrick Dunne vorn draufgestanden, hätte es genausogut von einer Autorin sein können! Das finde ich cool!
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
/>
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

rivka

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #21 am: 23. November 2006, 15:37 »
Zitat
Vor Sachen wie Rosamunde Pilcher graut mir.
:laugh: Mir auch :laugh: !
/>
/>Persönlich hab ich's zwar auch mit starken (Frauen-)Charakteren, aber mit Kampf + Totschlag überhaupt nicht; da ziehe ich 'nen ausgeklügelten Giftmord einer köppeeinschlagenden Truppe vor ;D
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

Laraduna

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #22 am: 23. November 2006, 16:57 »
hm.. ich identifizier mich schon oft mit den Hauptcharakter.. aber nicht immer.
/>Oft auch gleichzeitig mit einer "Nebendarstellerin", besonders, wenn mir die Rolle mehr entspricht.
/>
/>Irgendwie mag ich weibliche Hauptcharaktäre schon viel lieber (oder, weil ich grad Dracula les, ich freu mich, wenn ich zu einem Eintrag von Lucy oder Mina komme, also mal eine Frau zu Wort kommt). Wenn in einem Buch oder Film garkeine Frauen vorkommen, muss es sich schon sehr anstrengen, um mich zu interessieren. Da war Herr der Ringe eine Ausnahme, das hat mich trotzdem fasziniert, weil es auch so genug emotionale Tiefe hatte. Trotzdem mochte ich die Teile am liebsten, wo dann eben doch Frauen vorkamen.
/>
/>Mich regts aber mehr auf, wenn ein männlicher Autor über Frauengefühlswelten schreibt, und ich aus jedem zweiten Satz herauslese, dass er einfach keine Ahnung davon hat, als wenn ein männlicher Autor über Männer schreibt und Frauen nur "von außen" beschreibt.
-

Dimnara

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #23 am: 23. November 2006, 17:46 »

/>
/>Mhmm, wilde Vermutung, man liest gerne Bücher (bzw. sieht gerne Filme), die interessant und spannend sind, man möchte gerne mit der Hauptperson Abenteuer miterleben. (ein Ausgleich für die Abenteuer, die man selbst nicht erlebt?)
/>Früher wo Gleichberechtigung noch nicht gelebt wurde gab es dementsprechend auch keine weiblichen Heldinnen. Frauen waren diejenigen, die Opfer waren, die gerettet werden mussten usw.
/>Jetzt, da Frauen auch im Alltag und in ihrer Lebensentscheidung mehr Freiheiten besitzen und auch Abenteuer erleben kommen sie auch plötzlich als Hauptfiguren in Buch und Film vor.
/>
/>Lara Croft, Electra usw.  8)
/>
/>lg Dimnara
/>
/>
/>
/>
Alle Macht dem fliegenden Spaghettimonster! Pastafari 4ever!