Autor Thema: Frauen lesen anders...  (Gelesen 15971 mal)

Wælceasig

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #24 am: 23. November 2006, 17:50 »
Hi Rivka!
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Selbst Mädchenbücher werden attraktiver, wenn die Heldin deutlich jungenhafte Züge aufweist (Pippi Langstrumpf z.B.).
/>

/>Ha, erwischt! ;)
/>Das ist es ja, Pippi Langstrumpf war eines der ersten Bücher für Mädchen (nach diesen gruseligen Backfischromanen die die Leserinnen dazu sozialisieren wollte, immer schön sanfte, hübsche, aufopferungsbereite, brave werdende Mütter, Ehe- und  Hausfrauen zu werden.) wo das Mädchen natürlich war.
/>
/>Pippi hat also im Grunde keine „jungenhaften Züge“ das kommt einem nach diesem unnatürlichen Konstrukt der „wahren Mädchenhaftigkeit“ nur so vor! 
/>
/>Neuere Kinderbücher für Mädchen sind zum Glück zum größten Teil so gestrickt, dass das rotzfreche, starke und unangepasste Mädel die Heldin ist und die Süße im Rüschenkleidchen meist nur als abschreckendes Beispiel dient. ;D

Yasha

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #25 am: 24. November 2006, 08:06 »
Dass heutzutage die Mädchen sich durchaus auch "jungenhafter" verhalten dürfen, ist eine grosse Befreiung. Ich seh das nämlich wie Waelceasic, dass die zurückhaltung vieler Mädchen mehr anerzogen als natürlich ist.
/>Wenn Mädchen starke Mädchen als Vorbilder vorgesetzt bekommen, die trotz aller schrulligen Charaktereigenschaften einfach liebenswert sind, hilft ihnen das sicher, ihre eigenen, spezielle Charakterzüge zu akzeptieren, zu mögen und damit auch zu leben. Dass Mädchen ruhig und hübsch sein müssen, dass ist doch eine sehr eingeschränkte Sicht. Eigentlich genauso wie diejenige, dass Jungen wild und ungestüm sein müssen.
/>Da Kinder dies aber von Natur aus oft sind, hatten die meisten Jungen vielleicht mit ihrem Rollenbild weniger Probleme als Mädchen.
/>OK, ich weiss nicht wieviele Mädchen darunter gelitten haben immer stillhalten zu müssen. Ich hatte da das Glück, dass ich in jungen Jahren oft mit dem älteren Bruder rumgezottelt bin, und wenn der da auf den Baum klettert, warum sollt ich das ned auch können/dürfen *gg*

EuMin

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #26 am: 24. November 2006, 09:47 »
Da find ich doch Ronja Räuberstochter absolut genial!!! Für mich schlüpfen da Junge und Mädchen in beide Rollen und leben ein aufregendes Leben im Finsterwald!  :pleased:
/>
/>Schön, daß Euch das Thema so beschäftigt...
...die Wahrheit von heute ist der Irrtum von morgen..

Sei!

rivka

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #27 am: 24. November 2006, 13:17 »
Hallo Waelceasig,
/>
Zitat
Ha, erwischt!  ;)
/>Das ist es ja, Pippi Langstrumpf war eines der ersten Bücher für Mädchen (nach diesen gruseligen Backfischromanen die die Leserinnen dazu sozialisieren wollte, immer schön sanfte, hübsche, aufopferungsbereite, brave werdende Mütter, Ehe- und  Hausfrauen zu werden.) wo das Mädchen natürlich war.

/>Ich lass mich ja gern erwischen, aber was ich eigentlich meinte, darauf weist EuMins Satz hin:
/>
Zitat
Da find ich doch Ronja Räuberstochter absolut genial!!! Für mich schlüpfen da Junge und Mädchen in beide Rollen und leben ein aufregendes Leben im Finsterwald!
denn neben der zweifellosen Funktion, eine neue Vorbildrolle zu schaffen - was ich besonders bei Lindgren annehme - haben die "jungenhaften" (sorry; ich weiss was du meinst, bleibe aber mal bei dem Terminus) Mädchen, die inzwischen Legion sind, auch die Funktion, ganz profan die Zielgruppe zu erweitern - ziemlich erfolglos bis jetzt, glaube ich.
/>
/>Und: irgendetwas an der ganzen Sache erinnert mich an eine Genderdiskussion irgendwo in Polaritäten: letzten Endes werden die Eigenschaften, die man früher den Jungen zugeschrieben hat, höher bewertet als die, die man als "typisch Mädchen" bezeichnen würde (ob sie das nun sind oder nicht ist unerheblich).
/>
/>Warum gibt es wohl in der Kinderbuchliteratur nicht den sanften, aufopferungsvollen, einfühlsamen männlichen Helden? (In der "Erwachsenenliteratur" kommt er ja vor - und wurde prompt, wie gesagt, von der Kritik als "neue Weinerlichkeit" verspottet.)
/>
/>Kurz: Warum präsentiert man den Mädchen die vormals "jungenhaften" Eigenschaften, den Jungen aber nicht die "mädchenhaften" als Vorbild? Wenn ich ein Junge wär und Pippi oder Ronja läse, würde ich mich doch nur in der Ansicht bestätigt sehen - ohne das wahrscheinlich so formulieren zu können - dass ICH das Mass aller Dinge sei - etwas provokativ gesagt.
/>
/>Oder habe ich mich da jetzt völlig vergalloppiert?
/>
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

Wælceasig

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #28 am: 24. November 2006, 14:05 »
Hallo Rivka!
/>
/>Och schade... ;) Na gut, dann eben nicht erwischt. ;D
/>
/>
Warum gibt es wohl in der Kinderbuchliteratur nicht den sanften, aufopferungsvollen, einfühlsamen männlichen Helden? (In der "Erwachsenenliteratur" kommt er ja vor - und wurde prompt, wie gesagt, von der Kritik als "neue Weinerlichkeit" verspottet.)

/>Die gibt's ja auch. (Grmpf! In meinen Unterlagen herrscht so ein Chaos, dass ich dir leider keine Titel als Beispiele nennen kann. Das einzige was mir spontan einfiele ist „Billy Elliot“, aber da sind ja eigentlich Erwachsene die Zielgruppe... Ah, nee, halt: Was ist mit den "Brüdern Löwenherz"  :smug: Da haben wir einen kleinen ängstlichen Helden, und einen sanftmütigen der sich aufopfert.)
/>
/>Aber aus den dir schon angesprochenen Gründen, werden diese Bücher halt nicht so populär.
/>Einmal weil ja viele Erwachsene immer noch Schiß haben, dass ihr Sohn, wenn er sich nicht „jungenhaft“ verhält, kein „echter Kerl“ wird der sein Leben meistern kann, und anderseits ist da noch der Gruppenzwang der Gleichaltrigen, vor denen der Leser wohl nicht zugeben wird, dass er ein Buch mit „so einem“ Helden gut findet.
/>
/>Anderseits gibt es das Angebot an Identifikationsfiguren in den Büchern mit den Komponenten:
/>
/>A. Hinaufschauen
/>bewundernswert: (z.B. aufmüpfig (Karlson); unglaublich stark (Pippi); klein, aber clever ( Kalle Blomquist)
/>
/>B. Hinunterschauen: bedauernswert (Hämel und Gretel; Peter Hase); belächelnswert (Hans im Glück; Pu der Bär)
/>
/>C. Hinzugesellen
/>viel zusammen machen (Bullerbü; 5 Freunde, TKKG)
/>
/>Ich glaube ab einem gewissen Alter (wenn man sich mal die Beispiele ansieht) zieht „A“ am Besten. 
/>
/>Ich würde zwar nicht behaupten, dass in Harry Potter sich kein Junge mit Neville identifiziert (wenn er vielleicht in der selben Position ist wie der), aber gleichzeitig wird er doch auch wie die Hauptperson sein wollen, oder..?
/>
/>(Sorry, etwas unausgegoren mein Beitrag, hab wenig Zeit - war aber auch nur zur Anregung weiteren Brainstormings gedacht...)

LaChatte

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #29 am: 24. November 2006, 14:18 »
Bei den Buben gibt es noch Bastian Balthasar Bux in Michael Endes "Unendlicher Geschichte"... der ist dick, ungeschickt, schüchtern und unbeliebt, aber sehr fantasievoll und verträumt. Und er lernt sich auf seiner Reise nach Fantasien so zu akzeptieren, wie er ist - eine sehr schöne Geschichte, finde ich.  :)

EuMin

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #30 am: 24. November 2006, 20:41 »
Habe heute erst eine nette Gute-Nach-Geschichte meinem Sohn(4 Jahre) vorgelesen.
/>
/>Da gehts um einen Onkel, dessen Neffe er gerne zum Ritter ausbilden will, doch dieser will lieber Gärtner werden. Nachdem er die ganze Ausbildung mitgemacht hat und trotzdem den Garten gejätet hatte, auch als der Onkel meinte, das sei "Weiberkram" (stand wortwörtlich so drin - ggg) kamen dann eines Tages die Feinde und wären nicht die wunderbaren Rosensträucher, die der Junge angesetzt hatte vor Jahren gewesen, hätten sie gegen die "Bösen" verloren... *pffwardasjetzteinlangersatz* zu guter Letzt durfte er dann endlich gärtnern...
...die Wahrheit von heute ist der Irrtum von morgen..

Sei!

Phoenix

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #31 am: 18. Juni 2008, 10:16 »
Na, der Thread ist ja schon ganz verstaubt...!
/>*ausgrab* *mal mit dem Ärmel drüberwisch*
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/>Ich denke ja...daß diese ganzen "klassischen" männlichen Helden auch von Männern gemacht sind. Und auch männlcihe Macht(ausübung) untermauern sollen, was anscheinend auch recht wirkungsvoll ist...
/>Für eine weibliche Lesart einiger männlich dominierter Mythen bitte konsultieren: Christa Wolf (eine meiner persönlichen Heldinnen). :)
/>Hab für die Uni mal "Kassandra" gelesen, was mir sehr gut gefallen hat (und mich zum Lachen brachte, da ein mir leidlich bekannter urkonservativer Machotyp sich drüber aufgeregt hat, er hätte es ja sooo versucht, aber er würde einfach keine Schwachstellen bei Christa Wolf finden, wo seine Argumente greifen würden).  ;D
/>Und momentan versuche ich gerade, zwischen dem ganzen Arbeits-, Uni- und sonstigen Kram mit "Medea" anzufangen.
/>
/>LG
/>Phoenix
/>
awkward is beautiful; machine is machine
/>(fetish)