Autor Thema: Frauen lesen anders...  (Gelesen 15970 mal)

morgane

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #8 am: 22. November 2006, 15:57 »
Hallo Eu Min!
/>Es wird wahrscheinlich sehr stark davon abhängen, ob es sich um einen autor oder um eine autorin handelt. Frauen (z.b. ich selbst) beziehen sich sehr viel mehr auf emotionale zusammenhänge, hintergründe, beziehungsmuster, sie analysieren das verhalten ihrer figuren eher als männer.
/>Leser identifizieren sich gerne mit dem helden/der heldin. Also weibliche leser mit heldin und männliche leser mit helden. Aber das ist auch nur eine grobe einschätzung. Bei wirklich anspruchsvoller literatur oder historischen romanen kommt das nicht so zum tragen. Denk z.b.mal an "der mann ohne eigenschaften". Da ist es ganz wurscht, ob weiblicher oder männlicher leser.
/>
/>ist ein verdammt kniffeliges thema
/>
/>morgane 
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....

EuMin

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #9 am: 22. November 2006, 19:41 »
@all: Erstmal danke für Eure Antworten - sie helfen mir in meinen Überlegungen schon ein Stück weiter, letztendlich ist es wohl wirklich so, daß wir Frauen uns auch in der Art des Lesens eben unterscheiden und dann kommen eben auch noch viele weitere Komponenten hinzu, wie:
/>
/>- Bildungsstand
/>- Interessensgebiet
/>- Psyche
/>- uvm.
/>
/>So hat diese gute Frau ((welche übrigens noch lebt und vor kurzem in Klagenfurt war) eben auch angegeben, daß das Heidenröslein von Goethe schlichtweg die Vergewaltigung einer jungen Frau darstellt, womit ich persönlich mir sehr schwer tu, weil ich nicht in jeden Text etwas reininterpretieren will oder kann (gebe ich auch ehrlich zu) und mir das ewige Hinterfragen einerseits auch etwas gegen den Strich geht und ich mich einfach an den Text und meine Gefühle hierzu dann halte. Andererseits wird für mich Literatur genau aus diesem Grund immer interessanter und ich beginne sie mit anderen Augen zu sehen - vielleicht ist das auch eine Art von Konsumverhalten, Texte zu verschlingen und nicht nach dem Hintergrund zu fragen...*fragenüberfragen,grübel,mirdenkopfkratze*
/>
/>Weiters habe ich dann auch rausgefunden, daß Frauen - ich weiß allerdings nicht mehr in welchem Jahrhundert - ja auch unter männlichen Pseudonymen geschrieben habe, da sie als weibliche Autoren sonst gar nicht veröffentlicht hätten werden dürfen *hoffeichhabdasjetztrichtigausgedrückt-lall*
/>
/>Gab es irgendwelche Texte oder Bücher, die Euch persönlich - egal ob Männlein oder Weiblein - sehr berührt haben und wenn ja, warum? Ich weiß, daß dies eine für den ein od. anderen indiskrete Frage ist, würde mich aber freuen, auch hier Antworten von Euch zu erhalten, weil ich das Thema einfach spannend finde.
/>
/>BB
/>EuMin
...die Wahrheit von heute ist der Irrtum von morgen..

Sei!

LaChatte

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #10 am: 22. November 2006, 23:14 »
@Goehte und Heideröslein:
/>man kanns wohl auf dieser Ebene lesen - Blumen und Sexualität sind thematisch sehr nahe. (und welcher Mensch hat schon die Unverschämtheit, die Geschlechtsorgane so auffällig zu schmücken und zur Schau zu stellen, wie Blumen es tun?) Doch immerhin wehrt sich das Röslein und sticht. Zu Goehtes Zeiten war es wohl eine traurige Realität, dass Frauen sogar und gerade dann leiden mussten, auch wenn sie sich nach Kräften wehrten...
/>
/>@Leseverhalten:
/>Als Kind las ich Karl May und identifizerte mich mit Winnetou und Old Shatterhand, Kiplings Mogli und identifizierte mich mit Mogli und Mutter Wolf (die eine starke Wolfsfrau ist), Foresters Hornblower und identifizierte mich mit Hornblower - und nie mit den schwachen, dekorativen Frauen.  Heute lese ich den "Namen der Rose" und identifiziere mich mit dem greisen Adson von Melk, und die Romane von James Clavell und A.J. Quinnell und identifiziere mich sowohl mit Männern wie auch Frauen, die darin vorkommen.
/>
/>ein typisches weibliches/männliches Leseverhalten kann ich genausowenig ausmachen wie einen typisch weiblichen Kleidungsstil oder Kochverhalten oder Zeitmanagement... da sind doch andere Faktoren wohl wichtiger.

Laurin

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #11 am: 23. November 2006, 01:05 »
Na ja. Ich bin von Neigung her generell (Compi-)Techniker und lese daher vorwiegend SF, aber auch SF-Sachen mit sozialem Hintergrund  gefallen mir. Könnte auch was mit der Sozialisation zu tun haben - das Mädel kriegt eine Puppe, der Junge eine Eisenbahn oder einen Elektronikbastelkasten (hatte ich Beides).
/>
/>Sowas prägt, muß echt nicht was mit den Genen zu tun haben die man ja von beiden Eltern erbt außer dem letzten X- oder Y-Gen.
/>
/>Wer Musik macht muß beide Gehirnhälften benutzen (beide Hände). Aktive Musiker sollten daher einen  deutlich dickeren Balken (*grins*) haben als Kunstbanausen. Natürlich mein ich die Gehirnregion.
/>
/>Keine Ahnung wie Frauen lesen.
/>
/>MBB — Laurin.
Alles ist gelogen oder zumindest ein Irrtum.
/>
/>Die Frage ist nur: Ab wann.

Lucia

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #12 am: 23. November 2006, 01:36 »
ich habe als kind alles gelesen, was mir in die finger kam, und mir nicht von erwachsenen weggenommen wurde... *gg*
/>d.h. angefangen von "der glückliche löwe" zur "omama im apfelbaum" arbeitete ich mich in den jahren vor zu den pucki-bänden und "blitz der schwarze hengst" - auch alle bände.
/>dann kam karl may und "krankenschwester susanne barden" "tecumseh - häuptling der indianer" "tatanka yotanka" und alles, was mir noch in die hände fiel.
/>mit 11 hatte ich die kinderbibliothek unserer gemeindebücherei durch und wartete schon immer auf die neueinkäufe bzw. wurde von der gemeindesekretärin mit den erwachsenenbüchern eingedeckt, die sie mir zutraute.
/>mit 12-14 kamen die angelique-reihe, die jerry cottons von omas nachttisch und alle westernheftl, die mein großvater so las da erinner ich mich vor allem an die "conny cöll"-reihe - die hab ich heiß geliebt.
/>in dem alter fing ich auch mit science-fiction an. alles was ich bekam - bradbury, asimov, heinlein - die ganzen klassiker und natürlich jeden neuen autoren, den ich fand.
/>in dem alter hab ich sogar bücher gelesen, die meine großeltern rumstehen hatten - "und ewig singen die wälder" und "das erbe von björndal", "helen keller" - eine biographie über eine taubblinde schriftstellerin und was weiß ich denn noch alles - ich hatte einen verbrauch von ca. 3 - 4 bücher in der woche, und der mußte halt irgendwie erfüllt werden.
/>allerdings niemals mit arzt- oder irgendwelchen liebesgschichtln oder gar bergromanen. *gg*
/>in meiner science-fiction-phase mit 14 oder 15 stieß ich bei einem besuch bei meiner mutter unter ihren science-fiction-taschenbüchern auf ein parapsychologiebuch. das war der anstoß in diese richtung. dann gings los mit däniken, moody, murphy, etc. - sciencefiction immer nebenher und auch anderes, um den bedarf zu decken.
/>nicht zu vergessen die "schmutzigen bücher" wie "funny hill", die in der schule unter der hand weiter gereicht wurden. *ggg*
/>esoterikbücher was ich bekommen konnte - nebenbei schwenkte ich langsam um auf horror wie stephen king,  clive barker, peter straub, etc. - immer wichtig, das der wochenverbrauch gedeckt blieb.
/>im laufe der jahre habe ich mich durch einige genres gearbeitet und warte dort jetzt immer auf die neuen teile.
/>so hab ich serienkillerromane und autobiographien hinter mich gebracht, die ayla-reihe von jean auel, historische romane, fantasy, etc.
/>reine frauenliteratur wie sie klischeehaft genannt wird war nie wirklich mein lieblingsjunk.
/>und so les ich jetzt noch seichte literatur in der u-bahn und interessante bücher über quantenphysik, psychologie, archäologie und ernsthafte frauenliteratur - bücher über vergewaltigungen, kindesmissbrauch, etc. - zuhause gemütlich am sofa, wo ich nicht abgelenkt werde.
/>es gibt auch bücher, die ich mehrmals lese. wie zum bleistift "die frau und der affe" von peter hoeg und die "die entdeckung der langsamkeit" von nadolny - zwei bücher, die ich besonders liebe. ebenso wie "das focaultsche pendel".
/>durchs internet ist allerdings die menge meines suchtstoffs etwas dezimiert worden - es sind nur noch maximal 2 bücher in der woche, die ich durchhechel........
/>
/>mfg
/>lucia
« Letzte Änderung: 23. November 2006, 10:05 von Lucia »
Masturbation verspricht mehr als der Sex hält (Pascal Yorks)

Yasha

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #13 am: 23. November 2006, 09:53 »

/>also ich kann ja nur für mich sprechen, aber ich mag tatsächlich eher Bücher, in denen die Hauptprotagonisten Frauen sind. Ich kann mich dann wohl einfach besser identifizieren. Vorzugsweise über mutige Frauen, die sich auch selbst wehren können, aber dennoch Männer nicht generell ablehnen. Ich hab das in den Büchern von Iny Lorentz sehr gut wiedergefunden, ich mag ihre Romane sehr.
/>
/>Letztens wurde ich allerdings in meiner Meinung korrigiert, dass es sich bei Iny Lorentz um eine SchriftstellerIN handelt. Tatsächlich ist es ein Pseudonym, hinter dem sich ein Schriftstellerehepaar verbirgt, dass sich die Arbeit um Recherchen und des Schreibens teilt. Seither ist mir die Sache noch viel sympathischer :)
/>
/>Kitschromane mag ich nicht wirklich. Sie sind mir zu Klischeehaft, da sind auch Fantasyroimane oft "realistischer", zumindest was die Charaktere angeht.

Yasha

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #14 am: 23. November 2006, 10:00 »

/>
Zitat
Gab es irgendwelche Texte oder Bücher, die Euch persönlich - egal ob Männlein oder Weiblein - sehr berührt haben und wenn ja, warum? Ich weiß, daß dies eine für den ein od. anderen indiskrete Frage ist, würde mich aber freuen, auch hier Antworten von Euch zu erhalten, weil ich das Thema einfach spannend finde.
/>

/>sehr in Erinnerung geblieben ist mir Ödön van Hòrvath's "Jugend ohne Gott", wohl vor allem wegen der ungeheuerlichen Gefühlskälte mancher Charaktere da. In dem Buch kommen allerdings kaum Frauen vor :). Nach Simone de Beauvoir's "alle Menschen sind sterblich" lief mir lange Zeit noch nach Ende des Buches ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ich nur schon an Unsterblichkeit gedacht habe.
/>
/>Ich denke insgesammt fällt es mir leichter bei weiblichen Protagonisten mitzufiebern, aber wenn die Thematik mitreissend genug ist, ist es wohl weniger von Bedeutung.

EuMin

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Re: Frauen lesen anders...
« Antwort #15 am: 23. November 2006, 10:23 »
Wow!!!
/>
/>Also da hab ich ja ein tolles Feedback Danke schön!
/>Was ich an euren Antworten herauslesen konnte, ist, daß die meisten unter euch sich mit den Figuren in den jeweiligen Büchern identifizieren - sowohl Mann als auch Frau. Also hier ist das Leseverhalten für mich nicht unterschiedlich.
/>
/>Es ist vielleicht eher so, daß die Autoren selbst mehr ansprechen. Sprich: Frauen mehr auf die Gefühlswelt der Frauen eingehen und Männer eben umgekehrt. Dies ist allerdings mehr bei Romanen so und auch erst im Erwachsenenalter, denn Kinder sprechen wohl noch mehr auf die Sprache als auf die Gedankengänge der jeweiligen Schriftsteller an...
/>
/>Freut mich, daß ich jetzt schon soviel Stoff zum Schreiben gefunden habe  :smug:
/>
/>Danke nochmals und Ihr könnt Euch ruig noch weiter auslassen - denn ist es nicht auch ein bißchen so, daß das was wir gelesen haben auch ein Teil von uns ist und etwas über uns aussagt?
/>
/>BB
/>EuMin
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