Autor Thema: Männliche Spiritualität  (Gelesen 17915 mal)

eibensang

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Re: Männliche Spiritualität
« Antwort #128 am: 10. Januar 2007, 02:12 »
Liebe Karan,
/>
/>grundsätzlich und im Wesentlichen d´accord...
/>
/>Hier nur mal ein Punkt, der mich schon länger beschäftigt, herausgegriffen:
/>
/>Du betonst die den Frauen bzw. Mädchen ebenfalls mangelnde Initiation (im Sinne adäquater Konzeptionen, versteht sich). Klar, leuchtet (auch mir) im Prinzip ein: Da fehlt´s natürlich genauso.
/>
/>Aber echte Frage: Liegt´s an der nach wie vor bestehenden Männerdominanz der Gesellschaft, daß sich die inhärente Haltlosigkeit der männlichen Jungen - so wie ich das sehe - besonderst dramatisch, drastisch, spektakulär auswirkt?
/>Platt gesagt: Hauen die Jungs ihren Frust halt raus (krachbumm) - und die Mädels fressen ihn eher in sich rein (tendenziell insgesamt)? Und gefragt: Liegt das an Gesellschaftstradition und -struktur - oder ist da doch noch irgendeine anlagebedingte Tendenz am werkeln?
/>
/>(Ich such ja immer lieber nach sozialen als "biologischen" Gründen: schon, weil sich auf letztere auch deshalb so gern berufen wird, um damit dann irgendwelche Ansichten als "naturgegeben" vorschnell und diskussionsbeendend festzuschreiben: was mich insofern eher mißtrauisch macht, als daß da allzuleicht "die Natur" als eine Art übergeordnete Autorität instrumentalisiert wird, im Sinne eines faktischen Dogmas...)
/>
/>Trotz dieses - wie ich finde: unbedingt ratsamen - kritischen Grundgedankens bleibe ich mir aber unsicher, wo die Unterschiede der Geschlechtlichkeit (übers vielfältig Soziale hie und überschaubar physiologische) auch noch liegen mögen...
/>
/>Bei Betrachtung heute (oder bis vor kurzem) noch existierender Stammesgesellschaften all over the globe fiel mir oft auf, wieviel Wert da viele gerade auf die Einbindung (oder nennen wir´s gleich: Sozialisierung?) ihrer werdenden Jungmänner legen... Übersieht da die hiesige Forschung zu rasch mögliche Initiations-Pendants auf weiblicher Seite (was ich mir gut vorstellen kann) - oder muß "man" darüberhinaus auf die Jungens in der Hinsicht mehr aufpassen (und ihnen entsprechende Initiationen ver-passen), weil jene per se den irgendwie gefährlicheren Sprengsatz darstellen, wenn die soziale Integration schiefgeht (die unsere überzivilisierte Gesellschaft ja eh nur mit völlig unzulänglichen Formalismen schminkt, de facto nicht wirklich anstrebt, weil sie das Wurzelproblem in gar keiner Hinsicht erkennt)?
/>
/>Oder trifft das oder derlei überhaupt nur auf patriarchalisch(er) organisierte Gesellschaftsformen zu (wo sich´s dann in obigem Sinne erklärt: die Frauen sind dann eh so gedeckelt, daß sie auf oder zu "äußerliche/r Rebellion" erst gar nicht so kommen, in den meisten Fällen)?
/>
/>Unsere hiesigen Kriminaltäter-Statistiken sind quantitativ männlicher dominiert als sogar die Chefetagen-Besetzungen. Auf deutsch: Es gibt prozentual noch mehr männliche Gewalttäter als Manager (im Vergleich zum jeweiligen Frauenanteil ihrer "Branche"...)
/>
/>Fazit: Hat die Gesellschaft die initiatorisch komplexe "Behandlung" von Jungs nötiger als die von Mädels?
/>
/>Das Individuelle berücksichtigend oder fokussierend, bin ich "eh" für beide...
/>Aber der Aspekt, was es mit der insgesamten Gesellschaft macht bzw. für sie bedeuten mag, läßt mich eben auch nicht los... Vielleicht seh ich das aber doch auch zu einseitig, so als Mann (kein Schmäh, ernsthafter Stirnrunzel-Gedanke)
/>
/>Grübelnde Grüße
/>Duke
/>
/>
/>
/>
/>
/>

Die Krähe

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Re: Männliche Spiritualität
« Antwort #129 am: 10. Januar 2007, 09:09 »
Ich glaube, Du siehst das nicht zu einseitig, sondern - in diesem Fall und zu dieser Zeit zu zweiseitig.
/>
/>Die biologistischen Theorien machen sich nämlich nur allzu gern zum Werkzeug der von mir kritisierten normierten Polaritäten (die es im übrigen auch in Stammeskulturen gibt...).
/>
/>Klar existieren grundsätzliche Unterschiede, in der Körperlichkeit wie in der Sozialisation. Die Wertung ist es, die daraus Zündstoff schafft. Erst dann werden polare Gefüge zu widersprüchlichen bis feindlichen Gegensätzen.
/>
/>Wenn wir die gesellschaftlichen Probleme, die Du angesprochen hast (Stichwort Gewalt) lösen wollen, dann kann dies nur geschehen, indem endlich einmal nicht diese Gegensätze betont werden, die ja auch noch verstärkt werden, wenn man, wie üblich, isoliert innerhalb der einzelnen Pole ansetzt. Genau dieser Fehlschluß ist es meiner Ansicht nach, der dazu geführt hat, daß sich diese Strukturen so hartnäckig halten.
/>
/>Cheers,
/>K.
/>
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Wir sind in Flammen
/>Tanzen die Nacht in Brand
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/>Wird Gesang
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Distelfliege

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Re: Männliche Spiritualität
« Antwort #130 am: 10. Januar 2007, 12:40 »
>>>Fazit: Hat die Gesellschaft die initiatorisch komplexe "Behandlung" von Jungs nötiger als die von Mädels?
/>
/>>>Wenn wir die gesellschaftlichen Probleme, die Du angesprochen hast (Stichwort Gewalt) lösen wollen, dann kann dies nur geschehen, indem endlich einmal nicht diese Gegensätze betont werden, die ja auch noch verstärkt werden, wenn man, wie üblich, isoliert innerhalb der einzelnen Pole ansetzt.
/>
/>Ich denke, auch daß die Betonung von Gegensätzen und deren biologistische Zementierung echt von gestern ist, etwas völlig anderes ist es aber, zur Kenntnis zu nehmen, daß z.b. die Kriminalstatistik geschlechtertechnisch stark einseitig verteilt ist, und sich zu fragen, warum das so ist. Das würde ich nicht als Betonung sehen, sondern als "Augen auf", und klar muß man sich schon überlegen ob man nicht entsprechend Lösungsansätze gibt.
/>So hatte ich vor einer Weile eine Webseite über Selbstverteidigung gesehen, die auch psychologische Vorgehensweisen mit einschließt. Diese Webseite gab es in einer Frauenversion und in einer Männerversion.
/>Ich habe beide gelesen und merkte wieso es Sinn macht, zwei Versionen zu machen: Männer sind ganz anderen Gewaltgefahren ausgesetzt - z.b. wurden da Strategien beschrieben, wie Männer reagieren sollen, wenn ihnen ein anderer Mann Gewalt androht und es zu einer Schlägerei kommen könnte, oder wie Männer es vermeiden daß Streitigkeiten zu Gewalt eskalieren.
/>Für Frauen wurde eher beschrieben, wie frau sich gegen sexuelle Übergriffe zur Wehr setzt.
/>Es ist leider Göttin so, daß stastistisch gesehen Männer und Frauen anderen Gefahren ausgesetzt sind, und auf die Gefahr des zementierens hin - ich finde es ok den jeweils Betroffenen Know-How zu geben wie sie besser mit den sie betreffenden Gefahren umgehen können.
/>
/>Das ist eher ne Situation marke: "Jetzt ham wir den Scheiss, Hilfe, was machen wir jetzt damit".
/>Wenn geschlechtsspezifische Gewaltprävention genauer ansetzen kann und bessere Ergebnisse bringen kann als eine, die die unterschiedliche Situation von Männern und Frauen ignoriert, dann nehm ich doch die geschlechtsspezifische Version.
/>
/>Oder mit anderen Worten: Wenn ich als Mann in einen Selbstverteidigungskurs gehe, und dort lerne wie man sich gegen sexuelle Übergriffe zu wehren hat, und mir das dreimal soviel Prügeleien mit anderen Männern einbringt als ich vorher je hatte, weil ich eben lerne, daß ich so schnell und effektiv wie möglich den Gegner ausser Gefecht zu setzen habe, um mein Leben/Körper zu schützen, ist das einfach grundfalsch.
/>Und wenn ich als Frau in einen Kurs gehe und da lerne wie ich Aggression zunächst mal deeskaliere, damit eine Prügelei gar nicht erst entsteht, und damit wertvolle Zeit verliere, in der ich den Gegner hätte ausser Gefecht setzen können und fliehen können, dann ist das auch Quatsch.
/>
/>Man muß bei sowas halt immer im Auge behalten, daß diese Unterschiede nicht naturgegeben sind - und daß das ganze nicht zum plumpen Gegensätze-zementieren verflacht.
/>
/>Grüssli
/>Distel
/>
/>
/>

Gwynnin

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Themensplit: Vergewaltigung und Verleumdung
« Antwort #131 am: 11. Januar 2007, 21:08 »
Ich verstehe zwar irgendwie so gar nicht, warum Werner nicht aufhören will, sich derart off topic weiter zu verbreitern...
/>(und damit ein nicht wirklich unwichtiges Thema in einer hochinteressanten Phase... "töten will")
/>
/>
/>... aber ab jetzt bitte einfach im neuen Thread:
/>http://forum.wurzelwerk.at/index.php/topic,7114.0.html
Bright blessings, Gwynnin

eidechse

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Re: Männliche Spiritualität
« Antwort #132 am: 11. Januar 2007, 22:32 »
Platt gesagt: Hauen die Jungs ihren Frust halt raus (krachbumm) - und die Mädels fressen ihn eher in sich rein (tendenziell insgesamt)?
/>

/>
Fazit: Hat die Gesellschaft die initiatorisch komplexe "Behandlung" von Jungs nötiger als die von Mädels?
/>

/>ich musste da grad an so ein 'politikproblem mit sozialpädagogischem' denken... die kids, die mehr probleme machen, werden behandelt....  probleme haben ist kein kriterium.....
/>also wenn ich ersteren anhaltspunkt mal rauspicke.... und dann zum zweiteres als fazit käme, dann wäre das doch irgendwie ähnlich. das sichtbare problem gerät in den fokus, das unsichtbare fällt raus....
/>
/>wenn müsste man doch den frust beider gruppen angehen..... und ich nehme mal an der ist bei beiden aus dem gleichen 'topf der früste' geschöpft.... auch wenn der frust unterschiedliche blüten zeigt.....
/>(schon klar, das fazit bezog sich auf unterschiede in initationsriten... aber irgendwie dennoch....)
/>
/>das andere was ich mich so frage, warum initationsriten irgendwie gerne und recht unumstritten(?) als allheil und wundermittel angesehen werden..... kann ja sein, aber ist das so? warum? warum vielleicht nicht?
"lieber cyborg als göttin" (donna haraway)

Yasha

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Re: Männliche Spiritualität
« Antwort #133 am: 12. Januar 2007, 08:03 »
Zitat
das andere was ich mich so frage, warum initationsriten irgendwie gerne und recht unumstritten(?) als allheil und wundermittel angesehen werden..... kann ja sein, aber ist das so? warum? warum vielleicht nicht?

/>Hallo Eidechse
/>
/>ich persönlich denke, dass es häufig als allheilmittel angesehen wird, weil es dem Leben einen Rahmen gibt. Durch diese Riten weisst du, wo du in deiner Gesellschaft stehst.
/>Ich denke manchmal kann sowas ganz nützlich sein. Man weiss, wann welcher Abschnitt des Lebens beginnt, kann sich versuchen vorzubereiten usw. So etwas gibt es in unserer Gesellschaft nicht. Wir werden in diese Welt geworfen und müssen unseren Weg und unser Tempo selbst suchen.
/>ich persönlich finde diese Freiheit auch gut, aber ich glaube viele sind damit Überfordert. Ich denke gerade Jugendlichen, deren Körper und ihre gesammte Welt sich im Umbruch befindet, könnten solche Riten wirklich gut tun. Das kann auch im kleinen Familienkreis sein, ein persönliches Fest, nachdem einem die Eltern mehr Pflichten und Freiheiten erlauben usw.
/>Zu Viele solcher Riten denk ich, wären aber eher schädlich. Ich glaube nämlich, dass es dem menschlichen Selbstbewusstsein ganz gut tut, wenn man sich seine nächsten Schritte selbst überlegen muss.
/>
/>Schlussendlich: Solche Riten können helfen, müssen aber nicht. Wenn sich ein Jugendlicher nicht ernst genommen fühlt (da liegt der Hund wohl oft begraben) hilft ein Ritus nix wenn die Leute um ihn herum sich danach nicht seinem neuen "Status" entsprechend ihr Verhalten ändern. Schlimmer noch, dann war das geheuchelt und höchst kontraproduktiv.
/>
/>ich persönlich denke, dass ich diese Art von Spiritualismus vorsichtig eingesetzt viel bringen kann.

eibensang

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Re: Männliche Spiritualität
« Antwort #134 am: 25. Januar 2007, 07:48 »
Hallo Eidechse,
/>
/>Initiationsriten sind zwar weder "Allheil-" noch "Wundermittel" - sie sorgen "nur" dafür, daß man hernach
/>
/>a) weiß, wer man (geworden) ist
/>b) seinen Platz in der Gesellschaft kennt und einnehmen kann
/>c) beides angemessen reflektiert bekommt
/>
/>...durch gezielte persönliche Grenzerfahrung.
/>
/>Und alles andere sind für mich keine Initiationsriten in einem sozial brauchbaren Sinn.
/>
/>Es ist leicht, festzustellen, daß in unserer Gesellschaft dergleichen völlig (!) fehlt. Und hätte ich die geringste Idee, was für ?:;&)§(%§$-Riten hier und heute für unsereiner adäquat wären im Sinne obiger Not-Wendigkeit: Sie stünden schon längst hier als Vorschlag!
/>
/>Ich meine durchaus mehr als nur irgendwelche auf den Alltag aufpropfbaren Begleit- oder Feier-Zeremonien (von denen unsere Gesellschaft reichlich Beispiele kennt und zelebriert). Feierlichkeiten sind nur das Äußerliche. So Brimborium allein bewirkt überhaupt nix.
/>
/>Zum Problem gehört m.E., daß eine solch friedlich-harmonische Individual-Einbindung ins soziale Gefüge überhaupt nicht zum Wertekanon unserer Zeit und Gesellschaft gehört. Nützt aber wiederum nix, die Verantwortung auf eine "böse Welt" abzuschieben: Wir sind´s, unsere Zeit isses, unsere Gesellschaft. Man findet nur halt erstmal keinen rechten Ansatz: wo und wie beginnen, und mit was genau?  :confused:
/>
/>Ich vermute darüberhinaus, daß Initiationsriten (mit dem Gehalt und der Wirkung von echten Grenzerfahrungen) allein nicht ausreichen, individuelle Sozialverantwortlichkeit zu beflügeln bzw. zu erzeugen. Aber gerade an diesem Punkt bzw. in dieser Frage sticht mir der Mangel halt am deutlichsten ins Auge.
/>
/>Die Traditionen, die wir kennen (ich meine hier nicht unsere neuheidnischen, sondern die real existierenden sozialen  ;D), sind bislang und nach wie vor auf "Funktionieren" und "Anpassung" ausgelegt - nicht auf Reife und Selbstverantwortung. (Was zur Folge hat: jeder Idee, die mir je kommen wollte in Sachen Initiation fehlt letztlich der wichtige obige Punkt c ...)
/>
/>Ich hirne weiter...
/>
/>Grüße
/>Duke
/>
/>
/>

McClaudia

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Re: Männliche Spiritualität
« Antwort #135 am: 26. Januar 2007, 20:06 »
Slania,
/>
/>ist jetzt nix speziell für Jungs, aber ich denk da an so krasse Sachen in die Richtung Bootcamps (allerdings nicht so heftig), in Teams eine Woche in die freie Natur gehen und Überlebenstraining machen, in Teams an einem ganz wichtigen bestimmten Projekt arbeiten und das der Öffentlichkeit präsentieren.
/>
/>Und als Abschluss, mit dem Volljährigwerden gibt die Gemeinde ne Party für alle, die diese "Mutprobe" bestanden haben.
/>
/>So in der Art könnte ich mir heute Initiationsriten vorstellen.
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)