Autor Thema: Verbundenheit vs. Selbst??  (Gelesen 23553 mal)

Peter

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Re: Verbundenheit vs. Selbst??
« Antwort #32 am: 23. Mai 2007, 13:01 »
So, dann woll mer mal:
/>
/>
Es ist aber so: Wenn jemand Worte, mit denen sich Bereiche der 'Großen Wahrheit' einigermaßen beschreiben lassen, für seine eigenen und eigennützigen Zwecke mißbraucht, ist es dann anderen verboten, solche Worte in ihrem eigentlichen Sinne zu gebrauchen?
/>Ich denke: Nein!
/>

/>Natürlich nicht.
/>
/>
Zitat
Wir sind alle verbunden. Das SIND wir.
/>

/>Das gilt es zu unterscheiden:
/>1. Auf eine IMMANENTE Weise sind wir alle verbunden. Dabei gibt es einen pragmatisch-physischen Aspekt, dass wir hier auf demselben Planeten rumhocken, und gegenseitig fressen und dieselbe Luft atmen. Und es gibt einen spirituell erfahrbaren Aspekt: Alles Leben ist _ein_ Organismus.
/>
/>2. Mit einer geeigneten Technik kann man in einem mehr oder weniger zusammengewürfelten Haufen ein Gefühl der Verbundenheit herstellen, das seine Kraft sehr wohl aus dem Ebengesagten gewinnt, das aber für eine Schulung zum Versicherungsvertreter ebensogut zu benutzen ist wie für eine Gruppensauna.
/>Und von daher sind Hasenkönigs Anmerkungen völlig gerechtfertigt.
/>
/>Die Frage ist also die: was will man mit der Übung bezwecken. In der Tradition ist das völlig klar: den Zusammenhalt innerhalb des Stammes pflegen.
/>
/>Aber was will man damit hier und heute?
/> - Den Besuchern eine aussergewöhnliche Erfahrung bieten? Völlig legitim, fällt unter Wellness.
/> - Den Teilnehmern überhaupt erst die lebendige Erfahrung davon ermöglichen, dass es diese Verbundenheit _gibt_ - soweit sie selber (noch) nicht dran glauben? Erst recht legitim, für die die das suchen.
/>
/>Und was weiter? Du kannst an dem Punkt nicht einfach sagen "wir sind alle verbunden", als wäre das Ambition genug.
/>
/>
Zitat
Die Götter fragen uns nicht, ob uns alles gerade im Moment so paßt, wie es ist, um gegebenenfalls die Schöpfung nach Kundenwunsch ein wenig zu modifizieren...
/>Custom designed universe? Vergiß es!!!
/>

/>Da wär ich mir längst nicht so sicher - aber das hat damit eigentlich nichts zu tun, und ist eher eine persönliche Glaubensfrage:
/>"Alles Leben ist ein Organismus" - das ist m.E. ein NATURGESETZ, und hat -auch auf der spirituellen Ebene- nichts mit Göttern zu tun; die müssen sich da genauso dran halten wie wir.
/>Götter dagegen halte ich für langfristig entstandene kollektive Konstrukte, die sehr wohl "custom designed" sind. Genaugenommen halte ich auch das Universum für "custom designed" - unter maßgabe eben der Naturgesetze.
/>
/>
Zitat
Für die Nicht-Schwitzhüttler vielleicht noch ein paar aufklärende Worte, da ich glaube, daß hier Menschen um etwas diskutieren, ohne auf dem gleichen Informationsstand zu sein:
/>+ Die Schwitzhütte erzeugt ein Gefühl von Verbundenheit aus dem Sich-Öffnen heraus. Dafür gibt es auch ein einziges Wort: Vertrauen.
/>[usw.]
/>

/>Ja, nu? Und was ist daran so besonders? Klar, in der subjektiven Wahrnehmung ist es unbedingt was besonderes.
/>Das Problem ist, dass Du auf die Anbieterseite wechselst und die Subjektivität mitnimmst, d.h. aus der Tatsache, dass eine Erfahrung als etwas besonderes empfunden wird, folgerst Du dass eine besondere Erfahrung angeboten wird.
/>
/>Das halte ich zum einen für nicht legitim, zum anderen ergibt sich erst daraus dann dieser Effekt:
/>
/>
Zitat
Andererseits gibt es viele Sprichwörter, die verdeutlichen, was passiert, wenn man irgendwo nicht mitmacht:
/>Wer da trotzt der Schüssel, trotzt seinem eig'nen Rüssel.
/>

/>Das ist der sehr ärgerliche Effekt, der sich leider durch den gesamten Esoterik-Markt zieht, dass nämlich die Anbieter einen Touch ins Selbstherrliche kriegen und meinen, wenn jemand das Angebotene ablehnt, wäre er selber schuld. Wo kommt denn da plötzlich dieses "Schuld"-Konzept her??? (Mal ganz abgesehen davon, dass Du Dir auf diese Weise die Wahrnehmung der Teilnehmer als Individuen verbaust.)
/>
/>Derartige Rituale waren eben nie zur Giesskannenverteilung gedacht, sondern hatten einen spezifischen Zweck. Wenn man sie heute im Giesskannenmodus betreibt, ist es kein Wunder, dass sowas dabei rauskommt:
/>
/>
Zitat
Wenn jemand aber gar nicht an den Bahnhof kommt, weil er sich durch die vielen Züge vereinnahmt fühlt und dem ungerechtfertigten Zwang ausgeliefert, irgendwo hinfahren zu müssen - dann ist mir die Hand zu schade, mit der ich mir an den Kopf fassen sollte...
/>

/>Lieben Gruss
/>Peter
/>

93!

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Re: Verbundenheit vs. Selbst??
« Antwort #33 am: 23. Mai 2007, 13:29 »
Offtopic:
/>
/>Mir geht die ganze "Wortklauberei" und "Zerrederei" schon wieder furchtbar auf die Nerven.
/>
/>Die Dinge werden nicht besser, schlechter, wahrer oder falscher,
/>wenn man sie auseinandernimmt.
/>
/>Ich behalte mir mein inneres Gefühl jetzt einfach und klink mich aus.
/>
/>Entropie
"Tradition bedeutet, das Feuer am Brennen zu halten, nicht, die Asche zu sammeln!" - J. Bitter

AndiStadl

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Re: Verbundenheit vs. Selbst??
« Antwort #34 am: 23. Mai 2007, 13:33 »
@ Peter
/>
/>Lies mal von Anfang nach, bitte. Mir geht es auch langsam wie 'Entropie'.
/>
/>Es wurde das Wesentliche gesagt, und wer 's nicht glauben will oder nicht kapieren, der möge es doch bitte wenigstens akzeptieren.
/>
/>Wir sind alle verbunden.
/>
/>Andi
Wer andern eine selbst hinein.

Manfred

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Re: Verbundenheit vs. Selbst??
« Antwort #35 am: 23. Mai 2007, 13:38 »
@ Peter
/>
/>Lies mal von Anfang nach, bitte. Mir geht es auch langsam wie 'Entropie'.
/>
/>Es wurde das Wesentliche gesagt, und wer 's nicht glauben will oder nicht kapieren, der möge es doch bitte wenigstens akzeptieren.
/>
/>Wir sind alle verbunden.
/>
/>Andi
/>

/>
/>jop
/>
/>zwischen etwas fühlen (erleben) und was erzählt bekommen.......da ist die Kluft so groß das geht gar nicht...
/>
/>Lg

/>"Smile, it kills time between disasters!!!"
/>

hasenkönig

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Re: Verbundenheit vs. Selbst??
« Antwort #36 am: 23. Mai 2007, 14:01 »
Okay, gleich noch ein Posting:
/>
/>Mit dem Beispiel mit der Erektion wollte ich verdeutlichen, daß es nicht um das Außen ging. Wenn das Außen der Männer das Außen der Frauen wahrgenommen hätte (und umgekehrt natürlich auch), dann wäre das gewesen wie im Schwimmbad oder am Baggersee. War es aber nicht.
/>
/>Sich in einem solchen Kontext mit sozialpädagogisch durchsetztem Gruppenprozeßdenken dem Thema nähern zu wollen, ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt.
/>
/>Ich verstehe aber, daß jemand, der das Gefühl nicht kennt, weil er es noch nie GETAN hat, beim intellektuellen Nachdenken darüber den ein oder anderen Irrtum begeht.
/>
/>Cinis schrieb, das sei ein körperliches Erlebnis gewesen. Genau.
/>
/>Es war kein 'kollektives Sich-Gehen-Lassen', sondern das gemeinschaftliche Durchschreiten von persönlichen Prozessen der Einzelnen.
/>Den Begriff 'kollektives Sich-Gehen-Lassen' empfinde ich dann doch als etwas herabwürdigend, wobei ich nicht davon ausgehe, daß jemand verletzt werden soll.
/>
/>Andi
/>

/>Gut. Diskutieren wir also:
/>
/>1.) Ich lerne dass bei den MM Teilnehmern ein Konsens darüber zu bestehen scheint das innere vom äusseren getrennt zu betrachten. Wenn Du gesagt hättest aufgrund der Natur der Erfahrung spielt dabei Sexualität keine Rolle hätt ichs gelten lassen.
/>
/>2.) Das ist dann sozusagen so was "Besonderes" (danke Peter) dass gängige Konzepte nicht mehr greifen ?
/>
/>3.) Ich kann das sehr wohl nachvollziehen und warne generell davor solche Dinge dann anschliessend mit Bedeutungen zu befrachten die sie nicht haben.
/>
/>4.) Zum kollektiven sichgehenlassen: Schön, jeder hat mal sein innerstes rausgelassen und die kollektive Erfahrung gemacht dass wir die menschliche Existenz mit anderen Individuen teilen. Gute Erfahrung, muss man sozusagen verinnerlichen. Aber das ist ein individueller
/>Prozess und die Verbundenheit beschränkt sich nicht auf die p.t. Erfahrungstouristen sondern existiert sozusagen unabhängig davon ob sie vom Individuum wahrgenommen wird oder nicht.
/>
/>Inzwischen hab ich gesehen dass hier einige die "Erfahrung" nicht zerreden wollen. Find ich auch gut so denn eigentlich gehört sowas (man könnte fast schon sagen "mysterienartiges") auch nicht öffentlich diskutiert. Das einzige was mich dazu bewogen hat war die offensichtliche Gruppendynamik bei diesem ganzen Spielchen. Ich war selber nicht dabei aber ich garantiere dass ich schon im Vorfeld kräftig protestiert hätte. Sollte man bei so einer Veranstaltung nicht mal überlegen was man tun könnte um ALLE mitzunehmen - auch wenn die Tiefe der Erfahrung individuell ganz unterschiedlich sein mag ?
/>
/>
/>lg
/>hasenkönig
/>
/>
/>
/>
/>  
« Letzte Änderung: 23. Mai 2007, 14:03 von hasenkönig »

dr. no

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Re: Verbundenheit vs. Selbst??
« Antwort #37 am: 23. Mai 2007, 14:04 »
no
« Letzte Änderung: 25. Oktober 2008, 12:58 von Schattenspeer »

rivka

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Re: Verbundenheit vs. Selbst??
« Antwort #38 am: 23. Mai 2007, 14:05 »
Zitat
Wir sind alle verbunden.

/>Ich habe das andernorts auch schon erlebt. Doch bleibt für mich sowohl der Satz als auch das Gefühl nicht viel mehr als eine folgenlose Phrase, solange nicht die selben Menschen, die mir gegenüber ihre Verbundenheit gefühlt, tief empfunden + kungetan haben nicht auf der Matte stehen, wenn es mir schlecht geht + ich Hilfe brauche (und umgekehrt).
/>
/>Und da hapert's dann meist.
/>
/>Nur so allgemein gesprochen. (Vielleicht ist's bei den MMlern ja anders :) )
/>
/>
/>Grüsslis
Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.
/>
/>(Nietzsche)

dr. no

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Re: Verbundenheit vs. Selbst??
« Antwort #39 am: 23. Mai 2007, 14:09 »
no
« Letzte Änderung: 25. Oktober 2008, 12:59 von Schattenspeer »