Autor Thema: Neo-SchamanInnen - traditionelle SchamanInnen  (Gelesen 9256 mal)

Lucia

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Re: Neo-SchamanInnen - traditionelle SchamanInnen
« Antwort #16 am: 19. Juni 2007, 10:19 »

/>Ersteres lässt sich wunderschön durch Initiationsrituale die möglichst im "Normalzustand" unverletzt nicht machbar sind beweisen (vor sich selbst und vor anderen)
/>

/>drum wirds ja gern als "zeichen der kraft" bezeichnet.
/>
/>grützli
/>lucia
Masturbation verspricht mehr als der Sex hält (Pascal Yorks)

AndiStadl

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Re: Neo-SchamanInnen - traditionelle SchamanInnen
« Antwort #17 am: 19. Juni 2007, 11:42 »
Hiho,
/>Schamnismus ist ja nicht nur 'Heilkunde' für Kranke, sondern Vermittlung von Heil in einem viel umfassenderen Sinne. Gesundheit ist eben NICHT Abwesenheit von Krankheit, sondern noch einiges mehr. Schamanismus bedeutet für mich, die Verbindung, oft auch die Verbundenheit, zu Elementen, Geistern, Göttern herzustellen und diese Energien zum Guten zu lenken.
/>
/>Ich bin der Überzeugung, daß eine Kultivierung dieser Eigenschaft bzw. Fähigkeit eines Menschen dringend notwendig ist, denn da geht es um Kräfte, die nicht zum Spielzeug taugen.
/>Natürlich wird jeder Schamane einen eigenen Weg gehen, seinen Weg eben. Aber die Techniken, das Handwerkszeug sozusagen, kann er sich nicht so einfach selbst erfinden. Das ist schon extrem hilfreich, wenn man einen Lehrer hat! Und die Visionssuche oder der Sonnentanz als Initiationsrituale sind unerlässlich. Sowas kann je nach Kuturkreis unterschiedlich ausgeformt sein, aber im Grunde geht es immer um das Selbe:
/>Sich selbst ausgeliefert zu sein bis zur Selbstauflösung, gewissermaßen dem Tod des intellektuellen Egos, damit die Öffnung für die andere Welt geschehen kann.
/>Die Erinnerung an diese Öffnung, an dieses Tor, ist essentiell für den Schamanen, und die erstmalige Öffnung ist vielleicht ein wenig wie eine Entjungferung (okay, ich bin ein Mann und kenne nur meine Seite - es soll nur ein Bild sein, Leute!), die mit weniger Angst und dadurch Schmerz einhergeht, wenn sie in einem festgelegten, nämlich rituellen, Rahmen stattfindet. Die Zeremonie schafft Geborgenheit und nimmt die Ungewissheit um die Außenwelt, damit der Initiant im Heilsbereich, im Schutzkreis auf sich selbst zurückfallen kann, ohne Verwundungen von außen befürchten zu müssen.
/>
/>@Anufa:
/>Glaubst Du wirklich, daß ein Kranker an einen 'Zauber' glauben muß, damit er wirkt? Meine Erfahrung geht da ganz woanders hin. Das ist wie mit den Ritualen: Ein 'richtig' durchgeführtes Ritual wirkt auf jeden Fall, ob jemand will oder nicht. Wenn er nicht will, sollte er aber vielleicht lieber nicht daran teilnehmen... (sh. MerryMeet - Schwitzhütte).
/>
/>Wer je einen 'echten' Schamanen kennengelernt hat, der wird alle 'unechten' recht schnell entlarven.
/>
/>Seid alle gesegnet.
/>Andi
Wer andern eine selbst hinein.

Anufa Ellhorn

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Re: Neo-SchamanInnen - traditionelle SchamanInnen
« Antwort #18 am: 19. Juni 2007, 12:04 »
Well met, Andi ;)
/>
/>>@Anufa:
/>Glaubst Du wirklich, daß ein Kranker an einen 'Zauber' glauben muß, damit er wirkt? Meine Erfahrung geht da ganz woanders hin. Das ist wie mit den Ritualen:
/>
/>So rum glaub ich das nicht :laugh:
/>Ich glaube, dass derjenige mehr bewirkt, der mehr dran glaubt.
/>Wenn also einer der krank ist, mehr an seine Krankheit glaubt als dran, dass ihm jemand helfen kann, dann wir er auch krank bleiben (auch wenn "gut" ritualisiert/gezaubert/geheilt wurde - dann wirds vielleicht kurzfristig besser, aber er "überschreibt" das dann wieder oder lässt sich "was Neues einfallen").
/>
/>Ist also einer krank und WILL geheilt werden, dann braucht er an Magie nicht zu glauben und es wird funktionieren. Ist er krank und will NICHT geheilt werden, dann hilft garnix, wurscht, was jemand macht (und damit mein ich auch Zwangsmassnahmen wie medikamentöse Therapien).
/>
/>Dass z. B. eine Schwitzhütte ETWAS bewirkt und zwar bei JEDEM, der reingeht - das steht bei mir ausser Frage. Was ich aber in Frage stelle ist, dass Heilung eintreten kann, wo die Tür zu ist :wink1: und deshalb gibt es nach Ritualen (auch solchen, die supergut gefunzt haben!!!) manchmal die seltsamsten Ergebnisse. Eben eine Kombination aus, was der jeweilige Teilnehmer WIRKLICH wollte und wie STARK er/sie das wollte, wie die Erfahrungen dann ins Leben integriert werden etc pp.
/>
/>>Ein 'richtig' durchgeführtes Ritual wirkt auf jeden Fall, ob jemand will oder nicht. Wenn er nicht will, sollte er aber vielleicht lieber nicht daran teilnehmen... (sh. MerryMeet - Schwitzhütte).
/>
/>Eben und das ist der Knackpunkt: wir haben oft eine etwas seltsame Vorstellung von Magie/Ritual und eine noch seltsamere von uns selbst und unserern Motivationen - deshalb ist ja eines der am schwersten zu erreichende Feature "tue was Du willst" (weil ich nur wenige Leuts kenne, die wirklich wissen, was sie tatsächlich wollen :wink1:)
/>
Bright blessings
/>Anufa

Rai1

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Re: Neo-SchamanInnen - traditionelle SchamanInnen
« Antwort #19 am: 19. Juni 2007, 12:28 »
Hallo, ich möcht doch auch a bißerl Senf dazu tun und dies von einem asiatischen Weltbild aus.
/>
/>Ich möchte die Kriterien in Innere und Äußere teilen (so weit das überhaupt geht!).
/>
/>Zu den Inneren zählen sicherlich, daß der Schamane nicht an Geister und Ahnen glaubt! Sie sind eine erkannte, wahrgenommene Realität. Die Geister und die Ahnen entscheiden wer Schamane wird und nicht der Mensch. Wenn sie nicht wollen, kann man höchstens kleinere Fähigkeiten erwerben und bestenfalls Helfer eines Schamanen werden. (Was ich nicht als minder qualifizieren möchte, denn in einer traditionellen Gesellschaft hat jeder seinen Platz den er auszufüllen sucht und oft gibt es neben dem "Beruf" des Schamanen auch den des Heilers)
/>
/>Für den Schamanen ist seine Berufung oft auch eine Last, wenn er seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, kann schnell seine Gesundheit darunter leiden (manchmal bis zum Tod). Der Schamane muß bei jeder "Reise" bereit sein zu sterben (kommt auch vor). Er muß auch fähig sein in Volltrance zu gehen, charakteristisch dafür ist auch das Schamanisieren, wo der Körper so stark zittert, daß westliche Beobachter glaubten Epilepsie diagnostizieren zu können.
/>
/>Ein Schamane muß auch Machtbewußt sein, wenn er sich mit Geistern nicht arrangieren kann muß er bis zum Sieg kämpfen oder er verliert Kräfte oder gar das Leben. Er muß aber auch genauso die Grenzen zu Anderen abstecken denn Respektlosigkeit eines Konkurrenten können zum gleichen Ergebnis führen. Nicht umsonst entstammen Schamanen einer Kriegergesellschaft und zu den wichtigen Elementen der Ausbildung gehört auch der (reale und Übungs-) Kampf mit Anderen.
/>
/>Der Schamane muß auch in der Lage sein mit den Tier- und Pflanzenherrschern kommunizieren können, denn in einer Tradition die einer gefährlichen (und oft auch kargen) Umwelt entstammt, ist es notwendig Beute und Nahrung zu finden, ohne das Gleichgewicht der Natur so zu beeinflussen, daß die nachhaltige "Bewirtschaftung" unmöglich wird. Die Verantwortung ist, den Lebensraum auch für die Nachkommen zu erhalten. (Auch der Schamane wird eines Tages ein Ahn´ sein) Und das Wohl des Stammes ist immer über das Eigene zu stellen. Hier kaum nachvollziehbar, aber in traditionellen Gesellschaften ist der Tod ein direktes und "alltägliches" Ereignis und der eigene Anteil an der "Stammesseele" ein größerer als der "Ego-Anteil". (Ein bewußter Teil des traditionellen Denkens ist die Unsterblichkeit von zwei der drei "persönlichen" Seelen.)
/>
/>Wobei wir auch schon mitten in den äusseren Kriterien sind.
/>Vorab einmal: Ein Schamane braucht die Hilfe eines ausgebildeten Schamanen um überhaupt einer werden zu können!
/>Er muß auch ein geeignetes Umfeld haben, daß ihn stützt. Es ist gar nicht so selten - so nach einem Kampf, bei einem nicht befolgtem Geisterruf, etc. - daß er Tage, Wochen oder Monatelang krank oder Bewußtlos darnieder liegt; Manche Rituale sind so Zeit und Kraftaufwendig, daß der Lebensunterhalt ohne Unterstützung durch Gefolgsleute unmöglich wird.
/>
/>Und um ein Vorurteil auszuräumen, der Schamane ist nicht "menschlichen" Kriterien zu unterwerfen, er muß und kann nicht jedem Helfen, er ist manchmal unberechenbar!
/>In traditionellen Kulturen wird der Schamane bezahlt, auch Tabak, Alkohol, Tiere (oft Pferde), Häute, Nahrung und Decken usw. In einigen Gesellschaften wird sogar für ein Lied bezahlt! Um es singen zu dürfen, muß man Handelseins werden. Aber, der Schamane muß sich den Möglichkeiten des Bezahlenden anpassen, wegen materieller Gründe darf eine "Dienstleistung" nicht verweigert werden. Und er "werkt" nicht nur für den eigenen Stamm.
/>
/>Kurz noch zu Familientradition: Die Grundkriterien (von den Geistern erwählt) sind gleich, manchmal lässt die Kraft auch Generationen aus, manche Familien suchen die Kinder mit denen anderer "Schamanenfamilien" zu verheiraten um die "Anlagen" zu verbessern. Manche Familien haben auch Prüfungen die die soziale Kompetenz der werdenden Schamanen (ziemlich radikal sogar) prüfen.
/>
/>So weit einmal (und unvollständig), ich hoffe ich war nicht zu kompliziert, aber manches ist schwer in Worte zu fassen und/oder dem hiesigen Verständnis nahe zu bringen.
/>
/>AL Rai
/>
/>PS.: Alles triftt natürlich für Manderln und Weiberln gleichermaßen zu  ;)
/>PPS.: Den Tataren wird von Anderen nachgesagt: Die Männer sind gar fürchterliche Krieger, aber wehe ihre Frauen greifen zu den Waffen!

McClaudia

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Re: Neo-SchamanInnen - traditionelle SchamanInnen
« Antwort #20 am: 19. Juni 2007, 13:11 »
Slania Rai1,
/>
/>danke für die Aufzählung. So ähnlich denk i mir das auch. Und all diese Kriterien treffen auch auf die trad. "Stadtschamaninnen" von Korea zu!
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
/>
"Freiheit ist die Freiheit sagen zu dürfen,
/>dass zwei plus zwei gleich vier ist."
/>(Winston Smith in George Orwell's 1984)

McClaudia

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Re: Neo-SchamanInnen - traditionelle SchamanInnen
« Antwort #21 am: 19. Juni 2007, 13:19 »
Slania,
/>
/>wenn ich mir das so überleg, ist ja dann das Hauptmanko moderner Schaman/innen (also nicht traditioneller) nicht, dass es keinen Stamm mehr gibt, oder dass viele in der Stadt wohnen, sondern dass es keine Schaman/innentradition bei uns gibt.
/>
/>Um so ne lebensgefährliche krasse Initiation zu machen brauchts eine/n echten Schamanen/in. Und wie soll das ohne Tradition gehen?
/>
/>Da fände ich es fast sinnvoller, wenn eine/r "den Ruf" hört, von Geistern bedrängt wird, etc., eine/n trad. Schamanen/in im Ausland, wo es trad. Schamanismus gibt, aufzusuchen und um Initiation und Unterweisung zu bitten... oder?
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
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Rai1

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Re: Neo-SchamanInnen - traditionelle SchamanInnen
« Antwort #22 am: 19. Juni 2007, 15:01 »
Hallo Mc Claudia,
/>
/>ich habe angelesene Grundinfos über die koreanischen Schamanen, hatte die Möglichkeit ein langes Gespräch mit der Schamanenmutter (Lehrerin) von Hi Ah Park zu führen und an einem ihrer Rituale teilzunehmen. Auf Grund dieser Quellen würde ich auf jeden Fall sagen, daß es sich um Schamanen handelt. Für meinen persönlichen Geschmack ist es allerdings, wegen des Regelwerks und der genau einzuhaltenden gottesdienstähnlichen Zeremonien, fast schon Religion.
/>
/>Aber nicht die Initiation ist gefährlich, ihr nicht zu folgen ist das Risiko.
/>Ich glaube, daß einige die hier den Ruf bekommen in die geschlossene Anstalt abgeschoben werden und somit "echte einheimische" Schamanen zwar möglich wären, aber mangels Ausbildung am falschen Ort zu suchen sind.
/>Und ja, soweit man in der Lage ist in solch einer Situation zu handeln sollte man einen Traditionellen um Hilfe bitten.
/>
/>Achtung, nicht jeder kann jeden initieren, es können die Geister für einen Schamanen zu stark sein, dann muß ein Anderer gesucht werden.
/>
/>Es muß nicht ein Schamane sein (ursprünglich die Bezeichnung für Turk und Mongolischstämmige), auch die Maoris, die amerikanischen Ureinwohner, Afrikaner und Andere können in solch einen Fall helfen.
/>
/>In meinen Augen ist die Einschulung auch gleichzeitig das Anpassen an ein bereits vorhandenes Gruppenkraftfeld, dass aber nicht zwingend ein "genetisches" Stammeskraftfeld sein muss.
/>(Zur Ergänzung) Wobei es aber auch den Weg gibt, bei einem Traditionellen zu lernen, Gehilfe zu werden und hoffen, daß die "Kanäle" geöffnet werden für einen Ruf der Geister.
/>
/>Ich bin der Meinung, daß der Schamane die Naturgeister in die Stadt mitnehmen muß, und nicht den Geist der Stadt hinaus in die Natur.
/>In Ulan Bator sind auch einige Schamanen ständig wohnhaft; also Stadt als Wohnort schließt Schamanentum nicht aus.
/>
/>
/>LG. Rai

McClaudia

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Re: Neo-SchamanInnen - traditionelle SchamanInnen
« Antwort #23 am: 19. Juni 2007, 17:31 »
Slania Rai1,
/>
/>gebe Dir Recht. Aber wegen den strengen Regeln bei den Koreanerinnen: Ist die strenge Einhaltung von allen möglichen Regeln und Tabus nicht eher usus in trad. Gesellschaften??
/>
/>Mich würde es eher wundern, wenn es das in einer Schamanenzeremonie nicht geben würde!  :pleased:
/>
/>subuta
/>
/>Mc Claudia
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