Autor Thema: wozu "volle akzeptanz" auch führen kann  (Gelesen 3441 mal)

alexandra

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wozu "volle akzeptanz" auch führen kann
« am: 29. Juni 2007, 11:36 »
ich denke, das passt hierher, dies ist eine APA-meldung zu einem kongress in norwegen, anschliessend dann noch anmerkungen von mir aufgrund der infos von einem verwandten, der in dakar lebt und mit einer senegalesin verheiratet ist:
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/>Auch wenn es Hexenverfolgungen in Europa schon seit Hunderten Jahren nicht mehr gibt, gehören sie in anderen Regionen der Welt lange nicht der Vergangenheit an. Mit dem Phänomen der Hexenjagd befassen sich ab Donnerstag (= wohl der 28.6.)  in der norwegischen Stadt Vardoe rund 60 internationale Expertinnen und Experten auf einem dreitägigen Kongress.
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/>Tausende Opfer
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/>Vor allem in Afrika, Mexiko, Indien, Indonesien und Malaysia würden auch heute noch Menschen als angebliche Hexen/r verfolgt, sagt Rune Blix Hagen, einer der OrganisatorInnen. "In diesen Ländern wurden in den vergangenen 50 Jahren mehr Hexen getötet als damals in Europa", so der Historiker von der Tromsoe Universität. Im 16. und 17. Jahrhundert starben in Europa mehr als 50.000 der Hexerei Beschuldigte auf dem Scheiterhaufen.
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/>Ähnlich wie in der Vergangenheit würden die wegen Hexerei verfolgten Menschen zu Sündenböcken für Krankheiten, schlechte Ernten, Unglücke und andere Missstände gemacht, sagte Hagen. In der Demokratischen Republik Kongo seien beispielsweise tausende behinderte und an HIV erkrankte Kinder der Hexerei beschuldigt und von selbst ernannten Priestern getötet oder auf den Straßen ausgesetzt worden.
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/>Neue Begeisterung für Okkultismus
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/>In Afrika würden hauptsächlich Frauen und Kinder wegen angeblicher Hexerei verfolgt, sagt die Wissenschafterin Riitta Leinonen. "Die Männer sind weniger verwundbar, weil ihr sozialer Status solider ist." Während Hexenverfolgungen in einigen Teilen der Welt zunähmen, steige gleichzeitig die Begeisterung für Okkultismus und heidnische Religionen. Dabei würde der Schwerpunkt auf positive Magie und Heilpraktik gelegt, sagte Hagen. Auch die Romane um den Zauberlehrling Harry Potter von Joanne K. Rowling und Fernsehserien wie "Charmed - Zauberhafte Hexen" hätten die Begeisterung für die positiv ausgerichtete Hexerei befördert.
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/>An der Konferenz in Vardoe nehmen ForscherInnen aus Deutschland, Australien, Großbritannien, Island, Norwegen, Schweden und den USA teil. Die Hauptthemen lauten "Hexenkraft in Literatur und Geschichte", "Folter, Verfolgung und Menschenrechte" sowie "Hexen, Schamanen und Dämonen". Vardoe war im 17. Jahrhundert berüchtigt für seine Hexenprozesse.
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/>im senegal glauben alle an magie und hexerei, was sich dann so auswirkt: wer mit einem vermeintlich reichen weissen europäer verheiratet ist (mein verwandter ist schlicht entwicklungshelfer), wird von anderen beneidet und meint auch selber, neid anzuziehen. dh man unterstellt anderen, zu einer hexe zu gehen und einen schadenszauber zu bestellen. aus diesem grund sucht man selbst magischen beistand. so gut wie alles, was passiert, kann dazu führen, dass man a) beistand sucht oder b) andere verdächtigt, schadenszauber bestellt zu haben.
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/>mein rat war übrigens: bring deiner frau einen feng shui-spiegel mit und sag, sie soll ihn an die haustür hängen, das ist ein mächtiger zauber aus asien  :smug:
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/>(es wird ja im feng shui und in manchen büchern über magie empfohlen, mit einem spiegel an der tür jedwedes unheil oder übelwollen auf den absender zurückzuwerfen)
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/>mein verwandter meinte, manches von dem dauernden zauber und gegenzauber wirke durchaus, es beruht also nicht nur auf der dauernden furcht, jemand könne einer/einem was "anhexen" lassen.
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/>"volle akzeptanz" in unserer gesellschaft kann bedeuten, dass auch der "dunkle zwilling" mitakzeptiert wird, die vorstellung, anderen mit magischen mitteln schaden zufügen zu können. dies würde wie in afrika auch leute mit reinreissen, die selber keinen schadenszauber bestellen würden, aber fürchten, andere würden es tun, sobald sie mal mehr glück im leben haben oder vemeintlich zu beneiden sind. letztlich führt es wohl zu fatalismus, passivität und eben auch mal "hexenjagden".
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/>andastre

Die Krähe

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Re: wozu "volle akzeptanz" auch führen kann
« Antwort #1 am: 29. Juni 2007, 11:47 »
Danke, daß dieses Thema auch mal Erwähnung und Raum findet!
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/>Was Du hier beschreibst, deckt sich ziemlich gut mit den Dingen, die ich in Tanzania erfuhr bzw. über dort lebende Freunde mitbekam. Ich halte es für wichtig, dieser "Schattenseite" gewahr zu werden, denn alles andere wäre ein einseitiger Blick.
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/>Cheers
/>Karan
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/>Und das geschriebene Wort
/>Wird Gesang
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Anufa Ellhorn

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Re: wozu "volle akzeptanz" auch führen kann
« Antwort #2 am: 29. Juni 2007, 11:58 »
Well met, alle zusammen :)
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/>DAS ist genau die Kehrseite davon, wenn mensch als Hexe/Magiebetreiber/etc ernst genommen wird!! Wenn Macht zugestanden wird, dann rückt natürlich auch die Angst vor dieser Macht wieder in den Vordergrund und Menschen, die Angst haben sind schlichtweg in ihren Reaktionen vorausberechenbar...
/>Vielen Dank, Andastre, dass Du darauf explizit nochmal hingewiesen hast :thumbsup: Das Risiko ist zwar sehr hoch, aber imho war die Zeit einfach reif, erste wirkträchtige Schritte in diese Richtung zu unternehmen (sonst wäre ich genauso wie viele andere es immer noch tun im Untergrund geblieben :wink1:)
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Bright blessings
/>Anufa

DoroThea

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Re: wozu "volle akzeptanz" auch führen kann
« Antwort #3 am: 29. Juni 2007, 12:12 »
*ganz nachdenklich geworden*
/>Immer wenn sich etwas unserer Kontrolle entzieht, kann das Angst auslösen. Soweit ja eine nur zu menschliche Reaktion. Aber was tut man nicht alles, um seine Ängste zu unterdrücken oder gar scheinbar loszuwerden.
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/>"volle akzeptanz" in unserer gesellschaft kann bedeuten, dass auch der "dunkle zwilling" mitakzeptiert wird, die vorstellung, anderen mit magischen mitteln schaden zufügen zu können. dies würde wie in afrika auch leute mit reinreissen, die selber keinen schadenszauber bestellen würden, aber fürchten, andere würden es tun, sobald sie mal mehr glück im leben haben oder vemeintlich zu beneiden sind. letztlich führt es wohl zu fatalismus, passivität und eben auch mal "hexenjagden".
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/>andastre
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/>finde ich schön gesagt und ebenfalls ganz ganz wichtig, sich das immer wieder bewusst zu machen.

Die Krähe

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Re: wozu "volle akzeptanz" auch führen kann
« Antwort #4 am: 29. Juni 2007, 12:20 »
Nun, in den konkreten tanzanischen Fällen waren die Ängste durchaus begründet, da kam es immer wieder mal zu Vergiftungen und infolgedessen zu Todesfällen... Da haben ganz reale Leute ihre ganz realen Macht"spiele" mit allen Mitteln durchgezogen.   :sad1:
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/>Nicht alle Ängste sind hysterische Reaktionen, auch wenn die nicht zu unterschätzen sind.
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/>Umso wichtiger ist natürlich klare und umfassende (!) Aufklärung!
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morgane

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Re: wozu "volle akzeptanz" auch führen kann
« Antwort #5 am: 29. Juni 2007, 12:23 »
Gestern habe ich einen interessanten artikel über malaria gelesen. Viele kinder in malariagebieten werden zuerst, wenn sie die symptome zeigen, zu hexen oder heilern gebracht. Wenn das nicht hilft, ist das spital oftmals erst zweite wahl. Dann ist es vielfach schon zu spät. Auch das ist ein aspekt.
/>lg morgane
Denn siehe, alle akte der liebe und der freude sind riten zu meinen ehren.....

alexandra

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Re: wozu "volle akzeptanz" auch führen kann
« Antwort #6 am: 29. Juni 2007, 12:26 »
Nun, in den konkreten tanzanischen Fällen waren die Ängste durchaus begründet, da kam es immer wieder mal zu Vergiftungen und infolgedessen zu Todesfällen... Da haben ganz reale Leute ihre ganz realen Macht"spiele" mit allen Mitteln durchgezogen.  :sad1:
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/>Nicht alle Ängste sind hysterische Reaktionen, auch wenn die nicht zu unterschätzen sind.
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/>Umso wichtiger ist natürlich klare und umfassende (!) Aufklärung!
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/>das macht es wahrscheinlich ja so schwierig zu unterscheiden, denn da kann man nicht einfach sagen, alles einbildung, sind die in afrika aber abergläubisch.
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/>offenbar befassen sich in afrika auch nicht leute, die nichts mit magie zu tun hatten, anhand von medienberichten oder büchern auch damit (was ja auch ängste nehmen kann, es zumindest leichter machen kann einzuschätzen, ob man wirklich opfer eines schadenszaubers wurde oder ob es doch natürliche ursachen für etwas gibt). einerseits wohl, weil sie nicht in den nächsten buchladen in die esoterik-ecke gehen können, andererseits weil tief verankert ist, dass für magie, "positiv" wie "negativ", bestimmte leute zuständig sind, an die man delegieren kann..(mit anderen worten: wie in den dorfgemeinschaften hierzulande einstmals - und übrigens kamen in sog. hexenprozessen auch menschen zu wort, die heilende magie ausübten, sie waren als experten geladen dafür, ob schadenszauber geübt wurde)
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/>andastre

alexandra

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Re: wozu "volle akzeptanz" auch führen kann
« Antwort #7 am: 29. Juni 2007, 12:33 »

/>Vielen Dank, Andastre, dass Du darauf explizit nochmal hingewiesen hast :thumbsup: Das Risiko ist zwar sehr hoch, aber imho war die Zeit einfach reif, erste wirkträchtige Schritte in diese Richtung zu unternehmen (sonst wäre ich genauso wie viele andere es immer noch tun im Untergrund geblieben :wink1:)
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/>thanx  :grin3:
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/>ich dachte, es passt gut, weil es zeigt, dass man es LANGSAM angehen sollte, um genau die negativen effekte zu mildern, sofern es möglich ist, dass nicht all die furcht auch wieder hochkommt. schliesslich haben medien massiven einfluss und können auch locker panik auslösen (siehe vogelgrippe). deswegen ist auch so wichtig, dass es plattformen wie das WuWe gibt und sendungen wie witches on air und hagazussa, weil da alles unverfälscht kommt (wenngleich es nicht die massen erreicht).
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/>ich finde besonders die passivität besorgniserregend, die in einer haltung zum ausdruck kommt, wo eben alles auf magie geschoben wird, statt erstmal zu überlegen, ob ein missgeschick nicht ganz einfach eine natürliche ursache haben kann. es wäre schlimm, wenn sowas bei leuten einreisst, die eigentlich überzeugt werden sollten, dass hexentum und heidentum bedeutet, AKTIV zu sein und das leben selbst in die hand zu nehmen. und das bedeutet, magie nicht auf banalitäten zu verschwenden - ist also mitnichten der einfachere und bequemere weg.